Aus dem Hodengewebe gewonnene Keimzellen von Jungmäusen sind funktionsfähig
Yokohama/London - Krebstherapien können die männliche Fruchtbarkeit nachhaltig schädigen. Patienten haben aber immerhin längst die Möglichkeit, sich Spermien vor der Operation oder Bestrahlung einfrieren zu lassen und können so selbst nach Hodenkrebsoperationen - siehe Radfahrer Lance Armstrong - noch Väter werden.
Was aber, wenn so eine Therapie oder Operation bereits vor der Pubertät durchgeführt werden muss? Neue Experimente japanischer Forscher könnten den Weg weisen, wie auch betroffene junge Männer später einmal biologische Väter werden könnten, berichtet das Wissenschaftamagazin "Nature" (Bd. 471, S. 453, 504) in seiner aktuellen Ausgabe.
Den Wissenschaftern um Takuya Sato (Universität Yokohama) ist es nämlich erstmals gelungen, funktionsfähige Spermien aus dem Hodengewebe von Mäusen zu gewinnen. Und nach künstlicher Befruchtung mit diesen Spermien brachten Weibchen sogar Nachkommen auf die Welt.
Die sogenannte Spermatogenese, also die Entwicklung von Spermien aus ihren Ursprungszellen, ist ein komplexer Vorgang, der über mehrere Schritte abläuft. Obwohl Forscher bereits seit Jahrzehnten daran arbeiten, ist eine künstliche Wiederholung dieses natürlichen Prozesses bis zum japanischen Experiment noch bei keinem Säugetier, sondern nur bei Fischen gelungen.
Die Forscher entnahmen dafür das Hodengewebe von 7,5 bis 10,5 Tage alten (Jung-)Mäusen und versetzten es mit verschiedenen Lösungen, um Spermatogonien (den Vorläuferzellen der Spermien) zu "Reifung" zu führen. Die Forscher räumen allerdings ein, dass womöglich schon Spermatozyten im Gewebe vorhanden waren, eine Art von Zellzwischenstufe vor den Spermien.
Mit den noch dazu aus gefrorenem Gewebe gewonnenen Spermien sind dann Eizellen künstlich befruchtet worden. Die zwölf Mäusebabys müssten aber noch untersucht werden, ob sie auch keine gesundheitlichen Schäden haben, so die Forscher. Fruchtbar seien sie jedenfalls. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 24. 3. 2011)