Gewalterfahrungen fördern körperliche Erkrankungen

23. März 2011, 17:05
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Betroffene sind im Erwachsenenalter anfälliger für chronische Schmerzstörungen, Herzkrankheiten oder Diabetes

Essen - Gewalt gegen Kinder belastet die Opfer nicht nur psychisch, sondern erhöht auch das Risiko, später körperlich zu erkranken: Wer im frühen Leben misshandelt oder sexuell missbraucht wird, ist Studien zufolge im Erwachsenenalter anfälliger für eine chronische Schmerzstörung, koronare Herzkrankheit  oder einen Diabetes Typ 2.  Mediziner und Psychologen entschlüsseln derzeit, wie ein psychisches Trauma den Körper im Lauf von Jahrzehnten massiv schädigt. Die somatischen Folgen frühkindlicher Gewalterfahrung sind ein Thema auf der Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der vom 23. bis 26. März 2011 in Essen stattfindet.

Die Folgen kommen Jahrzehnte später

Traumatische Erfahrungen wie sexueller Missbrauch können das seelische Wohl eines Menschen dauerhaft erschüttern: Mehr als die Hälfte der Betroffenen leidet noch im Erwachsenenalter unter Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung. "Frühkindliche Gewalterfahrungen schädigen nicht nur die Psyche der Opfer, sondern sie brennen sich auch tief in körperliche Prozesse ein", erläutert Johannes Kruse, Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Damit bereiten sie den Boden für gravierende somatische Störungen wie chronische Schmerzstörungen, koronare Herzkrankheit oder Diabetes Typ 2, die meist erst Jahrzehnte später ausbrechen."

Chronische Entzündungsprozesse

Diese erhöhte Gefährdung erklären Mediziner einerseits mit dem Lebensstil: Viele traumatisierte Menschen rauchen, ernähren sich ungesund und bewegen sich weniger. Zusätzlich zeigen Untersuchungen aber auch, dass Opfer von Gewalt später besonders heftig auf Stress reagieren. "Bei diesen Menschen schüttet der Körper unter Belastung vermehrt und über längere Zeit Stresshormone aus", erläutert Professor Kruse, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie. "Diese Reaktionsmuster können Puls, Atemfrequenz und Blutdruck in die Höhe treiben", ergänzt der Facharzt für Psychosomatik. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass im Körper vieler Trauma-Opfer verstärkt chronische Entzündungsprozesse ablaufen, die ebenfalls den Blutgefäßen schaden.

Die Auswirkungen der Traumatisierung auf die psychische und körperliche Gesundheit werden im Rahmen des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie vom 23. bis 26. März 2011 in Essen diskutiert. (red)

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