Ein Verein äußerst aktiver Ruheständler stellt seine Expertise potenziellen Gründern und Klein- und Mittelbetrieben zur Verfügung
Wer aus dem aktiven Pensionsleben ausscheidet, landet schnell einmal auf dem Abstellgleis. Außer man entscheidet sich dafür, die langjährigen Berufs-Erfahrungen weiterzugeben - wie Roland Pototschnig und sein Team. "Wir helfen dabei, eine Idee oder ein Produkt zum Fliegen zu bringen", erklärt Pototschnig die Idee hinter "Asep". Der Verein ist österreichweit tätig und greift auf einen Pool von rund 170 "alten Hasen" zurück, die ihre Expertise potenziellen Gründern zur Verfügung stellen. Wer sich selbstständig machen will und nicht recht weiß, wo anfangen, dem stehen die pensionierten Führungskräfte mit Rat und Tat zur Seite. "Richtig ist bei uns jeder, der sich Folgendes denkt: Ich habe ein Produkt, das ich auf den Markt bringen möchte, aber mir fehlen die Infrastruktur, das Geld, die Kunden und das Wissen sowie das Einschätzungsvermögen, ob die Idee Potenzial hat", beschreibt Pototschnig den Umfang der Leistungen. Natürlich könne nach einem Erstgespräch auch herauskommen, dass man seine Geschäftsidee besser wieder begräbt. Das sei aber eher selten der Fall.
Unterschiedlicher Beratungsaufwand
Wie intensiv die Betreuung in der Praxis ausfällt, hängt vom jeweiligen Wissensstand der Neounternehmer ab. Wer nur Unterstützung beim Businessplan braucht, kommt vermutlich mit zwei Manntagen aus. Die Asep-Profis helfen in solchen Fällen etwa beim Einschätzen der Marktsituation und prüfen die Plausibilität der aufgestellten Rechnungen. Länger kann es dauern, wenn es sich um eine so komplexe Geschäftsidee wie jene von Ecoduna handelt. Zwei Verfahrenstechniker entwickelten ein besonders effizientes und umweltschonendes Verfahren zur Ölgewinnung aus Algen für den Einsatz in der Pharma- oder Kunststoffindustrie. "Die beiden waren fachlich herausragend, aber was den Rest betrifft, relativ unbeleckt", denkt Pototschnig an die Gründungswilligen zurück. Um die Sache ins Laufen zu bringen, begleiteten rund zehn Asep-Experten Ecoduna über mehrere Jahre hinweg. Sie halfen bei der technischen Gestaltung und Weiterentwicklung des "Reaktor-Systems", der Abschätzung der Gesamtkosten für eine Anlage, der Beschäftigung mit der Lizenzfrage, informierten über Fördermöglichkeiten und hatten auch die notwendigen Kontakte parat.
Fachleute aus vielen Bereichen
Der Seniorenclub der etwas anderen Art versammelt Fachleute aus vielen Bereichen. Vom Pharmaexperten, über Werbe- und Verkaufsleute bis hin zu Finanzprofis reicht das versammelte Know-how. Asep-Präsident Pototschnig kann etwa seine Erfahrungen als ehemaliger BP-Austria-Generaldirektor in die Waagschale werfen. Was er nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Kollegen in Anspruch nimmt, ist, dass das gesamte Team mit Herzblut bei der Sache ist.
Als besonders geeignetes Finanzierungsinstrument für den Weg eines Arbeitnehmers in die Selbstständigkeit gilt der Mikrokredit des Sozialministeriums. Auf eine Laufzeit von fünf Jahren können angehende Selbstständige als Einzelpersonen über ein Kapital von 12.500 Euro bzw. als Gruppen über 25.000 Euro verfügen. Auch bei der Beurteilung der potenziellen Kreditnehmer und ihrer Geschäftsideen mischen die höchst aktiven Ruheständler mit.
Die Kosten einer Konsultation werden beim Erstgespräch abgeschätzt und hängen vom Beratungsbedarf ab. Ein Manntag schlägt mit rund 300 Euro zu Buche (Ausland 500 Euro). Die Vereinsmitglieder verdienen an der Sache nichts, betont Pototschnig: "Wir sind vergleichsweise günstig." Mit dem Erwirtschafteten deckt der Verein seinen Aufwand für die Infrastruktur ab. Was Pototschnig noch am Herzen liegt: "Gründen verbindet man eher mit jungen Menschen. Aber das wird sich in Zukunft wahrscheinlich noch stärker ändern. Es wird in Zukunft mehr ältere Gründer geben." Und das sei gut so. Denn dass man in Österreich immer noch gerne auf das Potenzial älterer und erfahrener Mitarbeiter verzichte, das werde man sich wohl nicht mehr lange leisten können.(Regina Bruckner, derStandard.at, 23.3.2011)