Anschlag in Jerusalem

Eskalation mit Hamas, Terror in Jerusalem

Ben Segenreich aus Tel Aviv, 24. März 2011, 07:26
  • Artikelbild
    grafik: apa

Die Eskalation zwischen dem Gazastreifen und Israel brachte am Mittwoch die Kriegsgefahr in die Region zurück - Die Situation wurde weiter angeheizt vom ersten Attentat auf einen Bus in Jerusalem seit langem

Jerusalem/Gaza - Beim ersten Anschlag auf Autobusse in Jerusalem seit sieben Jahren ist am Mittwoch eine Frau ums Leben gekommen, 35 Menschen wurden verletzt. Der Sprengsatz explodierte in einer Tasche, die an einer Haltestelle nahe des Bushauptbahnhofs abgestellt war. Die israelische Polizei sprach von einem "Terroranschlag". Zu dem Attentat bekannte sich zunächst niemand.

Ministerpräsident Benjamin Netanhjahu verschob nach Angaben seines Büros seine für Mittwoch geplante Russlandreise. Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad verurteilte den Anschlag als "Terrorakt". "Es ist schändlich, wenn eine palästinensische Gruppe solche widerlichen Methoden anwendet, die unserem Volk und unserer Sache schon so viel geschadet haben", sagte Fayyad.

***

Eine Explosion im Zentrum von Jerusalem erinnerte am Dienstag an die vergangenen Zeiten schwerer Selbstmordanschläge in israelischen Städten. Bei dem Attentat wurde eine Frau getötet, weiters 30 Menschen verletzt, drei davon schwer. Der kleine Sprengkörper war offenbar in einer Tasche bei einer Telefonzelle neben einer Autobushaltestelle deponiert gewesen, durch die Detonation wurden zwei Busse beschädigt.

Zuvor war die Aufmerksamkeit auf den Gazastreifen gerichtet gewesen. ort hatten palästinensisches Raketenfeuer auf relativ tief im Landesinneren gelegene israelische Städte und harte Militärschläge Israels zur schlimmsten Eskalation seit dem Krieg vor rund zwei Jahren geführt. Mittwochfrüh schlug im Zentrum der rund 40 Kilometer von der Grenze entfernten israelischen Großstadt Beerscheva eine Grad-Rakete ein. Ein Mann wurde verletzt. Weitere Grad-Raketen landeten bei Beerscheva und bei den Küstenstädten Aschdod und Aschkelon, ohne Schaden anzurichten. Im grenznahen Gebiet schlugen Salven von Mörsergranaten ein.

Im Gazastreifen waren zuvor durch israelisches Feuer neun Palästinenser getötet worden. Unter ihnen waren drei Jugendliche, die in Sajaya von einem Artilleriegeschoß getroffen wurden. Israel äußerte "Bedauern" für den Tod unbeteiligter Zivilisten - die Angriffe hätten Terroristen gegolten. "Kein Land kann bereit sein, Raketenfeuer auf seine Städte und seine Bürger hinzunehmen", sagte Premier Benjamin Netanjahu.

Seit Samstag haben mehr als 70 Raketen und Granaten in Israel eingeschlagen. Israels Armee bombardierte nicht mehr wie zuvor bloß leerstehende Gebäude und unterirdische Tunnels, sondern auch bemannte Einrichtungen. Zu den letzten Raketenangriffen bekannte sich der Islamische Jihad - es hieß, sie wolle gegen den Willen der regierenden Hamas bewusst eine neue Phase herbeiführen, indem sie nun nicht nur israelische Grenzdörfer, sondern auch entfernte Städte beschießt.

Die Palästinenserführung in Ramallah verdächtigte Israel, eine Versöhnung zwischen Fatah und Hamas verhindern zu wollen. Umgekehrt warnte Israel die Hamas vor einem neuen Krieg: "Wenn das so weitergeht, wird es keine andere Alternative geben als eine Militäroperation mit dem Ziel, das Hamas-Regime zu stürzen", sagte Vizepremier Silvan Schalom.

Die Uno zeigte sich über die Gewalt zutiefst besorgt. US-Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag in Jerusalem. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, STANDARD-Printausgabe, 24.03.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 207
1 2 3 4 5
77 88
02
25.3.2011, 14:47
Die UNO ...

... ist eine zahnlose Organisation. Sie soll nicht besorgt sein, sondern klar Stellung gegen das Unrechtsregime in Gaza beziehen. D

BK W. Shoyssel
00
29.3.2011, 22:54

nein, tun sie nicht, die werden bloß fürchterlich aufschreien, wenn den Israelis dann einmal der Kragen platzt und sie nach Gaza marschieren, um sich die Übeltäter zu schnappen

77 88
03
25.3.2011, 14:45
Kriegsluft ...

... der Terror in Jerusalem ist nichts gegen den Terror, den die Hamas und andere Splittergruppen des palästinensischen Terrors gegen Israel ausüben.
Tagtäglich fallen Raketen und Granaten auf Südisrael.
Wäre doch interessant, wenn Österreich von der Tschechei, Ungarn oder der Schweiz solche "luftigen Geschenke" bekommen würde. Kein Land der Welt täte sich das gefallen lassen.
"Ist doch alles Reaktion auf Besetzung und Abriegelung!", rufen viele jetzt empört. Doch der gewaltige Terror hat erst begonnen, als Israel sich aus Gaza zurück zog. Die Abriegelung ist andererseits Frucht des Terrors und nicht umgekehrt.
Aber Hamas will die Eskalation, um an der Macht bleiben zu können. Denn auch in Gaza erwachen die Menschen wie in Ägypten, Syrien,

radioactif
04
24.3.2011, 19:49
"terroranschlag"

interessante anführungszeichensetzung ... was soll es denn gewesen sein, wenn kein terroranschlag ? ein dialogangebot ?

graf phityi
02
24.3.2011, 16:08
man fragt sich wie die leute so blöd sein können

wenn man allerdings solche filme zu sehen bekommt wundert einen nichts mehr:

http://www.youtube.com/watch?v=vUQaYUJjp5Q

http://www.youtube.com/watch?v=E... dded#at=29

hans kerbler
12
25.3.2011, 09:17

das problem ist, dass viele es einfach nicht wahrhaben wollen, welch unfassbar hetzerische propaganda von extremistischen organisationen in der arabischen welt betrieben wird. eigentlich tragisch, wie gedanken über generationen hinweg dadurch vergiftet werden, das volk manipuliert und zum hass auf israel angestiftet wird. die leidtragenden sind die völker jeder seite im nahen osten.

dasBeobachter.blogspot.com
32
24.3.2011, 07:19
zitat: "Eine Explosion im Zentrum von Jerusalem erinnerte am Dienstag an die vergangenen Zeiten schwerer Selbstmordanschläge in israelischen Städten"

abgesehen davon, dass eine abgestellte bombe mich mehr an die ETA oder IRA erinnert,...

...wundert es mich, dass die redaktion wieder von "Selbstmordanschlägen" spricht, und nicht,
wie beim (angeblichen) anschlag auf den Gaddafi Sohn,
von einer "Harakiri Aktion".

nein: ich heiße KEINEN anschlag gut, ob der täter überlebt, oder nicht.
auch nicht diesen (von wem er immer schlussendlich durchgeführt wurde)...

gewalt schafft gegengewalt.
Fayyad hat vollkommen recht, wenn er behauptet, dieser anschlag schade vorwiegend der sache der palästinenser.

zauberlehrling70
33
24.3.2011, 14:23
Möglicherweise waren es aber gar keine Palästinenser

sondern jemand der Interesse daran hat, Israel in die momentane Situation hinein zu ziehen?
Man hat ja auch schon das gemacht, mit dem ein möglicher "Fremd"-Attentäter spekuliert hat. Man hat zurückgeschlagen.
Weder die Form des Anschlages Spräche für Palästinenser, noch wäre dies ein Zeitpunkt, der die Aufmerksamkeit verursacht, die man mit einem Anschlag erreichen will !

graf phityi
03
24.3.2011, 13:48
nur so aus interesse:

welcher anschlag ht je den palis genützt?

Gerhard Rot
214
24.3.2011, 04:20
Wer hier relativiert, vergleicht (wie zB der Photoredakteur), aufrechnet und rechtfertigt,

der möge einmal diesen arabischen "Freiheitskampf" in "seinem" Autobus "erleben" !

Auch in Ö haben die "Pal." schon Menschen getötet (Schwechat), aber das ist wohl schon zu lange her.

In GB und Spanien ist es noch nicht so lange her. Dort kann man nachfühlen, mit welchem Terror die Israelis -auch die 2 Millionene arabischen Israelis!- zu kämpfen haben.

Alles Gute, Israel !

Der elegante Herr von nebenan
 
04
24.3.2011, 09:23

Heinz Nittel nicht zu vergessen

Queen of Sheba
 
01
24.3.2011, 04:16
Gebt dem Nahen Osten sein Kriegsmonopol zurück !

Internetgenerationler
 
410
24.3.2011, 00:48
Der kleine Unterschied:

Israel bemüht sich bei seinen Militärschlägen darum, möglichst wenige Zivilisten zu treffen.
Fundamentalistische Extremisten hingegen versuchen so viele Zivilisten wie möglich zu treffen.

Aber wehe, es werden Zäune gebaut, um Terroristen zu stoppen... Dann schreit die Welt mal wieder Zeter und Mordio.

Evelyne R.
31
24.3.2011, 11:46
Bemühen ist nicht genug!

Rauscher, der Hundefreund
11
24.3.2011, 14:24
Aber sich eine in die Goschn hauen lassen, das dürfen´s?

Internetgenerationler
 
03
24.3.2011, 12:10
Doch, ist es.

Wenn man einen Gegner hat, der einem das Recht zu leben abspricht und man sich daher seiner Haut militärisch wehren muss, reicht es. Man muss auf Zivilisten so viel Rücksicht nehmen wie irgend möglich und darauf achten, so wenig wie möglich umzubringen. Aber wenn man in so einem Kampf drinsteckt, muss man auch kämpfen dürfen.

Das eigene Existenzrecht zu verteidigen ist das fundamentalste Recht eines Menschen überhaupt. (Umgelegt aufs Recht ist das die Notwehr.) Man kann nicht von jemandem verlangen, dass er sich nicht mehr wehrt, bloß weil der Gegner sich in Wohngebieten verschanzt und von dort aus kämpft.

ordy
30
24.3.2011, 11:30

Das ist immer die Kampfweise des Schwächeren.

King David
53
24.3.2011, 08:38

Falsch. Es sollten viel besser die Siedler mit den Extremisten verglichen werden. Denn diese schlagen auch ganz gezielt zu, wie die Sabotageakte, niedergebrannte Moscheen etc. zeigen.

Internetgenerationler
 
11
24.3.2011, 12:12

Es wird aber meistens Israel allgemein oder die IDF im besonderen angegriffen. Selten die Siedler, die im Westjordanland leben.
Dass die zu einem überwiegenden Teil ideologische Vollidioten sind, die den Konflikt massiv verschärfen und verlängern, ist eh klar.

Aber Fundis sind immer Idioten, egal, auf welcher Seite.

Fritz Wintersberger
1113
23.3.2011, 22:25
Trennung herbeiführen

Die bereits unter Waldheim herbeigeführte UNO RESOLUTION auf Räumung der von Israel besetzten Gebiete sollte exekutiert werden. Dann ist der Hamas der politische Nährboden entzogen.

3dGeist
00
24.3.2011, 18:22

Sie haben sich anscheinend noch nicht wirklich mit der Hamas beschäftigt.

Forschen sie mal nach was die wichtigsten Ziele von denen sind.

miriam7
27
24.3.2011, 09:13
Dann ist der Hamas der politische Nährboden entzogen.

Das ist Unsinn.

Die Hamas und ihre Anhänger verlangen die Räumung von GANZ Israel, auch die der Israel 1947 zugesagten Gebiete. Ausserdem ist dann noch immer die Frage der Flüchtlinge offen. Und weder Hamas noch Fatah noch Israel sind bereit, Jerusalem einem internationalen Mandat zu übergeben.

Und die komplette Räumung der Gebiete kann nur jemand verlangen, der noch niemals in der Gegend war und zB nicht weiß, wohin überall Raketen fliegen können, wenn Israel den Golan zurück gibt.

"Able Danger"
23
24.3.2011, 00:38

Wenn da nicht das VETO der USA wäre...

BK W. Shoyssel
15
24.3.2011, 00:18

Träumer.

das ist synallagmatisch oida!
11
23.3.2011, 23:39

volle zustimmung. die diesbezügliche un-resolution stammt aber schon aus 1967, waldheim wurde erst 1971 un-generalsekretär.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 207
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.