Schulden

Sparpaket-Ablehnung zerreißt Portugals Regierung

24. März 2011, 11:09

Portugals Ministerpräsident Socrates zurückgetreten - Lissabon könnte unter Euro-Rettungsschirm schlüpfen

Lissabon - Der portugiesische Ministerpräsident Jose Socrates hat am Mittwochabend seinen Rücktritt eingereicht. Socrates reagierte damit auf eine Abstimmungsniederlage im Parlament, das mehrheitlich gegen sein neues Sparprogramm votiert hatte. Die fünf Oppositionsparteien von Linksaußen bis rechts hatten gegen das Austeritätsprogramm der sozialistischen Minderheitsregierung gestimmt. Neuwahlen scheinen nun unausweichlich zu sein. Sie könnten Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden. Socrates kündigte bereits an, dass er zur Wahl antreten werde.

Märkte befürchten Portugal-Rettung

Die Finanzmärkte zeigen sich ob des Scheiterns des Sparprogramms besorgt. Man rechnet fest damit, dass sich Portugal nicht aus eigener Kraft aus den Miesen retten wird können, und die Hilfe der EU benötigen werden. Damit wäre Portugal nach Griechenland und Irland das dritte Kapitel in der europäischen Bailout-Geschichte.

Portugal muss inzwischen zur Finanzierung seiner Schulden den Investoren Zinsen von deutlich mehr als sieben Prozent anbieten. Das gilt auf Dauer als untragbar. Schon am Donnerstag sind die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen auf ein Rekordhoch gestiegen. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Jose Socrates stieg die Rendite für zehnjährige Anleihen auf 7,912 Prozent und für fünfjährige Papiere auf 8,348 Prozent. "Investoren mögen die erhöhte Unsicherheit nicht", begründete ein Händler den Zinsanstieg.

Sollte nun Portugal tatsächlich unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müssen, könnte der Hilfstopf der EU bei weiteren Rettungskandidaten an seine Grenzen geraten, befürchten mehrere Analysten. Auch der Euro könnte dann erneut unter Druck geraten.

Folgen

Socrates erklärte am Mittwoch Abend, die politische Krise werde "äußerst ernste Folgen" für den Kampf gegen die Finanzkrise im hoch verschuldeten ärmsten Land Westeuropas sowie für die Glaubwürdigkeit Portugals haben. Sein "Programm für Stabilität und Wachstum" sollte das staatliche Defizit herunterschrauben und einen Antrag auf EU-Hilfen abwenden. Es wäre bereits das vierte Maßnahmenpaket dieser Art in einem Jahr gewesen.

Schon am Dienstag hatten die Mitterechtspartei PSD, die größte Oppositionspartei, zu einer Ablehnung des Sparprogramms aufgerufen und Socrates' Rücktritt gefordert. Nur seine Demission könne dazu führen, dass Portugal bei den europäischen Partnern und den Finanzmärkten wieder "Glaubwürdigkeit" und "Vertrauen" genieße. Bisher hatte die PDS sich bei Abstimmungen zu Sparpaketen enthalten und deren Verabschiedung somit ermöglicht. Es war das vierte Sanierungsprogramm gewesen, das die Minderheitsregierung innerhalb von elf Monaten präsentiert hatte.

"Land blockiert"

Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos hatte am Montag erstmals seit Beginn der Finanzkrise öffentlich Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm für sein hochverschuldetes Land in Erwägung gezogen. "Die Opposition hat nicht nur das Sparpaket, sondern das gesamte Land blockiert", klagte der 53-jährige Socrates in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die Nation. Der Rücktritt erfolgte wenige Stunden vor dem wichtigen EU-Gipfel in Brüssel. Man habe ihm in bewusster Form jede Regierungsfähigkeit entzogen, sagte der Politiker der Sozialistischen Partei (PS), der das Amt des Ministerpräsidenten seit März 2005 innehatte.

Der Rücktritt war zuvor von Präsident Anibal Cavaco Silva nach einem Treffen mit Socrates bekanntgegeben worden. Er habe den Rücktritt akzeptiert, sagte Cavaco Silva, der nun Neuwahlen ausrufen muss.

EU-Gipfel berät über Schuldenkrise

Entscheidend für Portugals Zukunft wird auch der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel sein. Die Staats- und Regierungschefs beraten über ihre Strategie gegen die Schuldenkrise in der Währungsunion. Allerdings wird nicht angenommen, dass es noch am Gipfel zu einer Entscheidung bezüglich einer Portugal-Rettung kommen wird.

Auch in der Bevölkerung wächst der Unmut. Nachdem an den letzten Wochenenden bereits Tausende Portugiesen wegen des Sparkurses auf die Straße gegangen waren, setzten am Mittwoch die Lokführer mit einem Streik große Teile des öffentlichen Verkehrs in Lissabon lahm. (APA/Reuters/red, derStandard.at, 24.3.2011)

Kommentar posten
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also dann ...
03
24.3.2011, 18:58
Falls Europas Staatschefs Geld brauchen sollten . . .

Wozu ... brauchts die Sparpakete in GR, GB, P, D und Ö - wenn

- die Gewinne der MSCI-Europe-Firmen 2010 um 43 % ( ! ) s t i e g e n,

- für 2011 470 Mrd (NACH Steuern) und ein Cash Flow (nach Investitionen !) von 250 Mrd geschätzt ... wird - und davon 190 Mrd als Dividenden ausgeschüttet werden sollen...
Oder wird - bewusst - die völli...g Sklavenhaltung der Arbeitnehmer organisiert ? ? ?

http://www.ftd.de/finanzen/... 30054.html

moneymaker
00
24.3.2011, 14:34

alternativ? Vorübergehender Ausschluss der Minusländer aus der Eurozone (nicht aus der EU) bis sie selbst ihr Budget wieder in Ordnung gebracht haben.

oblomow II
01
24.3.2011, 15:17
und die sollen dann

mit volatilen drachmen oder irischen pfund ihre euroschulden zahlen?

ähäm...

wer glaubens, soll die dann nehmen? die ezb? da haben sie dann den selben esel beim hintern ...

davon abgesehen, vw verkauft dann autos nach griechenland auf drachmenbasis?

sie sehen, eine a....partie in jedem fall ...

moneymaker
00
24.3.2011, 22:32

na langsam hat, Hauptsache sie zahlen selbst...

fanta
00
24.3.2011, 15:48

stimmt, aber es wäre die bessere Lösung! Heisst natürlich auch neue Bankenpakete.....aber so ein Dahinwursteln wie jetzt geht auf Dauer nicht mehr! Und zumindest Griechenalnd und Portugal sind sowieso pleite!

Bergal
03
24.3.2011, 14:02
Rettungsschirm

Jetzt wird also der Lissabon Vertrag wieder mal geändert. Wurde uns nicht von der Regierung versprochen, dass es keine weitere Änderung des Vertrages ohne Volksabstimmung geben wird??
Soviel zum Wahrheitsgehalt von Politikeraussagen!

oblomow II
00
24.3.2011, 15:19
inwiefern ...

... wird er geändert? bringens da eh nix durcheinander?

sociovation
00
24.3.2011, 13:45
Anorexieprogramm

wäre wohl die korrektere Bezeichnung.
Selbst das schlankste Budget ist immer noch zu dick...

Trabant Turbo GTI
01
24.3.2011, 13:53
nein

Solange Sie mehr essen als sie verbrennen, werden Sie dick;

solange das Budget mehr ausgeben will als einnehmen, führt es weiter in die Schuldenspirale.

Vintageologist
 
01
24.3.2011, 13:44
Wann können wir endlich aus der EU austreten?

Sie ist am Ende und dient nur noch der Bereicherung des EU-Bonzentums, das uns in kommunistischer Manier irgendetwas von einem "common good" vorschwafelt.

Ich wäre für einen Austritt aus der EUdsSR, bevor sie noch mehr Schaden anrichtet.

Für einen gemeinsamen Markt braucht es keinen Milliarden verschlingenden, von irgendwelchen Lobbyisten kontrollierten EU Apparat.

oblomow II
00
24.3.2011, 15:21
Sie können jederzeit austreten ...

fragens halt, welche außereuropäischen länder bedarf nach wirtschaftsdenkern hat.

EU-Austretter
03
24.3.2011, 13:30

"Private Banken verleihen dem Staat Geld, das sie selber erst erschaffen"

"Die Staatsschuld kann niemals abbezahlt werden, es sei denn um den Preis, dass sich die privaten Haushalte und Unternehmen (oder andere Staaten) umso mehr verschulden"

Geldvermoegen werden immer weiter verzinst (und dafuer muss jemand Schulden machen) oder Geld wird gehortet, der Realwirtschaft entzogen.

http://www.webinformation.at/material/... system.pdf

The time has come....
00
24.3.2011, 14:16
Genau so isses

Die Schulden können nicht beglichen werden da es zu wenig Geld gibt dank der Zinsen

Die grosse Frage wie kommt man aus der ganzen Sache wieder hinaus.

Politiker die dagegensteuern werden einfach gekauft.

Die Gier des Menschen is a Hund.

oblomow II
10
24.3.2011, 15:23
Sie werden es nicht glauben ...

... aber durch zinsen wird die geldmenge mehr ...

EU-Austretter
00
24.3.2011, 15:01

PS: Das Geld, um die Grundschuld abzuzahlen, fehlt allerdings "natuerlich" schon. Jedenfalls wenn es weiterhin Geld geben soll.

Das ist vielleicht in dem verlinkten Posting nicht ausreichend erklaert: Beim Abzahlen der Schulden wird Geld vernichtet, so wie es urspruenglich durch Schuld entstanden ist. Das gilt allerdings "nur" fuer die Grundschuld, nicht fuer die Zinsen.

EU-Austretter
00
24.3.2011, 14:40

Diese Diskussion hatte ich kuerzlich schon, das ist nicht ganz korrekt. Rein theoretisch fehlt kein Geld fuer Zinsen, hier nachzulesen:

http://derstandard.at/plink/129... id20319336

Kinder, nervts doch die Alex ...
 
00
24.3.2011, 13:14
Absurdistan ist überall ...

... zunächst einmal war es ein großer Fehler den sog. Rettungsschirm in dieser Form zu schaffen.

Befürchtungen, dass sonst der Euro zu sehr unter Druck gekommen wäre teile ich nicht, denn "der Euro ist der Euro" .!

Soll heißen, die internationalen Marktteilnehmer (China, Indien usw.) müssen per se ein grosses Interesse an einer akzeptablen Alternative zur "Schrottwährung" US-Dollar haben.

Wozu also etwas (alleine) retten, das für andere mindestens so wichtig ist?

Nun gibts aber diesen dubiosen Rettungsschirm - und nona - wird er nun wohl in Anspruch genommen werden.

In Europa, Staaten, die wenigstens die Zinsen ihrer Schuld bedienen können, zu "retten" ist sowieso Schwachsinn pur! ;-(

Sidlo
00
24.3.2011, 13:20
Natürlich würde der Euro ohne Rettungen massivst

belastet, denn dann müsste die EZB die wertlosen Schuldscheine kaufen um den totalen Zusammensturz zu vermeiden, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Wert des Euros. Der Bürger würde halt dann durch eine andere Art von Steuer belastet, der Inflationssteuer.

nasserfetzn
01
24.3.2011, 13:29

das ist doch genau das, was gerade passiert. man nennt es nur anders.

Sidlo
00
24.3.2011, 14:08
Eben!

ascafirithion
00
24.3.2011, 13:02
Portugal nicht retten!

Es kann doch nicht sein, dass sich die Politiker wieder von den Gläubigern verarschen lassen. Wer Portugal Geld geliehen hat, kannte das Risiko.

Wird aber wahrscheinlich nicht geschehen, weil sogenannte systemrelevante Banken meist die größten Gläubiger sind und deren wacklige Bilanzen würden bei einem Zahlungsausfall Portugals erst recht zusammenstürzen.

Sidlo
00
24.3.2011, 13:16
Sie sagen es, Euro Rettungsschirm ist nichts anderes

als ein Rettungsschirm für systemrelevante Banken, die nicht ohne das gesamte System massivst zu gefährden in Konkurs gehen können. Weil es der Politik nicht gelingt sich der erpresserischen Macht dieser Banken durch Regulierung zu entziehen, müssen die Bürger eine immer unerträglicher werdende Lasten schultern.

aktuelle Epoche: DesInformationszeitalter
01
24.3.2011, 12:53

Da die Staaten ihre Souveränität an die Banken verkauft haben, ist es kein Wunder das wir alle pleite gehn.

Reich sein muss sich lohnen!
05
24.3.2011, 13:03
Zinswucher, sobald wirksam, zerstört jede Nation

“Bis die Geldschöpfung wieder der Regierung obliegt und als ihre deutlichste und heiligste Verantwortung anerkannt wird ist alles Gerede über Souveränität eines Parlaments oder Demokratie leer oder aussichtslos.
Sobald eine Nation diesen Einfluss abtritt ist es gleich wer ihre Gesetze schreibt. Zinswucher, sobald wirksam zerstört jede Nation.”
William Lyon Mackenzie King, ehemaliger Premierminister von Kanada

oblomow II
10
24.3.2011, 15:25
daher gehen ja auch die kulturen

... in europa seit dem 14. jhd dauernd unter ...

oder doch nicht?

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