Höchste AKW-Dichte der Welt

"Wir wollen ja nicht bei Kerzenlicht leben"

22. März 2011, 18:32
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    foto: apa/franck robichon

    Schneller Brüter Monju, wo es 1994 einen Störfall gab.

Im Ort mit der höchsten AKW-Dichte der Welt geht das Leben fast normal weiter

In den Krisenreaktoren in Fukushima kämpfen die Rettungskräfte gegen die Kernschmelze. Doch in Tsuruga, dem Ort mit der höchsten Kernkraftdichte auf der Welt, geht das Leben fast normal weiter. Masami Kuwamura ist wie jedes Wochenende mit ihren zwei Kindern ins "Kernkraftzentrum "der Präfektur Fukui gefahren, einem verspielten Infozentrum für Kinder. Während ihre Kleinen durch den Bau toben, kann die junge Mutter den Blick auf die Küste genießen, an der 15 Atommeiler stehen.

Der Anblick würde jedem eingefleischten Atomkraftgegner in Europa das Blut in den Adern gefrieren lassen. Neben Druck- und Siedewasserreaktoren gibt es auch den experimentellen Schnellen Brüter Monju, der seit einem schweren Störfall im Jahr 1994 ausgeschaltet war und 2013 wieder unter Volllast ans Netz gehen soll. Doch Kawamura bleibt bei ihrer Überzeugung: Atomkraft, ja bitte. "Natürlich habe ich Angst", sagt sie, "aber wir wollen ja nicht bei Kerzenlicht leben." Und dann seufzt sie: "Shoganai - da kann man nichts machen."

Japaner schreien noch nicht in Massen nach einem Ausstieg. Selbst die Medien konzentrieren sich darauf, das Drama in Fukushima auf das Millisievert genau zu beschreiben. Aber die große Frage stellen sie nicht: Was wird aus Japans ehrgeizigem Atomprogramm?

Seit Jahrzehnten hat die ressourcenarme Industriemacht auf die Kraft des Atoms gesetzt, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern. In den letzten Jahren wurde die Atomkraft zusätzlich zum Hauptpfeiler der "grünen" Energiepolitik ausgebaut, mit der die Regierung die Kohlendioxidemissionen bis 2020 um 25 Prozent senken will. Bis zum Unglück produzierten bereits 55 Atommeiler etwa ein Drittel des Stroms. Bis 2020 sollte der Anteil auf 40 Prozent ausgebaut. Und noch 2010 versprach die Regierung, die installierte Kapazität bis 2030 zu verdoppeln.

Als erster Politiker hat Kabinettsamtschef Yukio Edano das Offensichtliche zur Regierungspolitik gemacht. Die Atomstrategie des Landes müsse überprüft werden, hat er nun erstmals erklärt. Kaum verhohlen sagte er, dass die Krisenmeiler von Fukushima nie wieder ans Netz gehen werden. "Wenn man sich die Lage objektiv betrachtet, ist klar, ob die Anlage wieder betrieben werden kann."

Große Erwartungen hegt Japans bekanntester Atomkraftgegner Hideyasu Ban, Chef der Bürgergruppe Citizens Nuclear Information Center (CNIC). "Ich glaube, dass die Japaner nun sagen: ,Wir sollten aus der Atomenergie aussteigen, weil es zu riskant ist.'" Er erwartet, dass die Regierung auf erneuerbare Energien setzten wird. Bei vielen Politikern will er bereits ein Umdenken erkannt haben. (Martin Kölling aus Tsuruga/DER STANDARD, Printausgabe, 23. März 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 180
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weana beinhart
00
27.3.2011, 19:09
dr. wolfgang schüssel

die kernenergie wird sich trotzdem als sichere und klimafreundliche alternative bewähren.

Post-vom-Poster
 
01
28.3.2011, 06:54
sichere und klimafreundliche alternative

gutes Motto für eine neue "Wohlfühl"-Wahlkampagne der Österreichischen Vertuschungs Partei ...

qed1
00
27.3.2011, 13:41
Risiko?

Risiko=Wahrscheinlichkeit*Schadensausmaß

Die Wahrscheinlichkeit eines GAUs mag sehr gering sein - aber auch die Wahrscheinlichkeit eines Lotto-Sechsers ist sehr gering

Das Schadensausmaß ist aber (vor allem wenn man die zeitliche Komponente mit berücksichtigt) gewaltigst.

Und somit ist das Risiko definitiv zu hoch um weiter auf diese Technologie zu setzen.

Post-vom-Poster
 
00
25.3.2011, 12:14
Wir wollen ja nicht bei Kerzenlicht ...

An alle Gläubige dieser Billigpropaganda:

Zuerst wird Euch ein grosses Licht aufgehen,
und dann wird's dunkel.

BioHorst Schlemmer
03
25.3.2011, 09:11
Haben Sie denn keine Zweifel an der Willensbildung? Macht Sie das nicht skeptisch wenn Quasi-Monopolisten ihr Produkt als alternativlos darstellen? und dass seit 50 Jahren?

die nachwirkungen
http://www.heise.de/tp/r4/art... 647/1.html

Endlager Problem, 10 min
http://franchiseeverybody.blogspot.com/2010/11/d... rgung.html

kinofilm über endlager, 70 min
http://www.youtube.com/watch?v=RurTvL7NWGc

atomindustrie verdient am eigenen müll, 6 min
https://www.youtube.com/watch?v=Ln99zLDa9ic

damals wurde uns gesagt, es ist eigentlich eh ok …, 2min
http://www.youtube.com/watch?fea... 7yDE#at=11

Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen.
Aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.

Nicht, weil es so schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern, weil wir es nicht wagen, ist es so schwer.

Peter Jan
01
25.3.2011, 08:20

Also ich find Kerzenlicht erotisch.

Juri G
12
25.3.2011, 12:38

ein kerze bringt immerhin 35 - 100 watt.
ist nicht wenig.
im ernst: wenn wir wegkommen wollen von risikotechnologien müssen wir uns schon grundsätzliche gedanken machen über den lebensstill und damit über das wirtschaftssystem.

grenzenloses wachstum, grenzenloser konsum? das wirds nicht spielen - aus vielen gründen nicht.
verzicht auf unnötigen konsum ist nötig - nur ist das der todesstoß fürs kapitalistische system, es ist ja jetzt schon am limit. das muss uns klar sein...

Altered States
 
10
25.3.2011, 14:52
So seh ich das auch

Ein Paradigmenwechsel muss stattfinden, Gemeinwohlökonomie forciert werden, das eigene Konsumverhalten hinterfragt...

~~~<°)__///~~~
01
25.3.2011, 01:04
"Wir wollen ja nicht bei Kerzenlicht leben"

Dann lebts halt bei elektrischem Licht aus Solarenergie, Windkraft, Wasserkraft oder Geothermie.

Ich bin mir sicher, daß sich in Japan dafür eigenen würde. Für alle vier Technologien.

Aracni Santini
48
24.3.2011, 12:39
Auch ohne Atomkraftwerken sitzen wir nicht bei Kerzenlicht da

Es sind bereits genug Techniken entwickelt um Energie im Einklang mit unserem Planeten zu gewinnen. Bei Kerzenlicht werden wir bei Leibe nicht mehr da sitzen.... So eine dumme Polemik!

Post-vom-Poster
 
01
25.3.2011, 12:30
Auch ohne Atomkraftwerken sitzen wir nicht bei Kerzenlicht

richtig!

Erinnernwir uns:
Was hat uns damals vor der Zwentendorf-Abstimmung die Koalition aus AKW-Lobbyisten, Betongewerkschaftern und Winrtschaftsfachleuten aus WK und anderswo nicht alles bezüglich Lichter aus und Dunkelheit prophezeit ...

Na und jetzt ist Ö immer noch kein Land der finsteren Höhlen mit Glühwürmchen als Bewohnern ...

bin Ausgewandert
 
00
26.3.2011, 10:57

Ja, jetzt ham wir halt ein paar Kohlekraftwerke. Auch net grad das Beste vom Besten.

Atomfrei? Jawohl!
95
25.3.2011, 01:19
Jaja, die anderen Techniken

kann man ja hier im Standard von Vorschlägen der Linken nachlesen: 2000kwh Jahresverbrauch wird als Obergrenze vorgeschrieben, wer mehr verbrauchen will kommt ins Umerziehungslager.

Da sieht man mal, wie menschlich Sozialismus und Kommunismus sind!

Altered States
 
11
25.3.2011, 14:54
Was hat das mit Links zu tun?

Das ist eine verkürzte und dumme Aussage. Denkzwerg.

fräulein potmesil
21
25.3.2011, 12:48

ojeoje, was ist ihnen den widerfahren? haben sie vielleicht schon von dem tokyoter kohl gegessen?

Peter Jan
31
25.3.2011, 08:22

Sag mal, fehlt's Ihnen?
Wie kommen Sie dazu, aus einer Tragödie politisches Kleingeld schlagen zu wollen??

Halten Sie besser Ihr M..., das bringt Ihnen mehr WählerInnen.

Kathi 89
22
25.3.2011, 06:58

2000 kwh ist - besonders für mehrpersonenhaushalte - eher ein normalwert (pro person). da braucht man noch kein öko sein, dass sich das ausgeht.

Domadox
20
25.3.2011, 06:36

2000kwh/Jahr pro Person?
Wenn ja, dann würde ich locker auskommen, da wir zu dritt im letzten Jahr 2800kwh verbraucht haben und dies ohne großartige Einschränkungen.

Waxolunist
00
27.3.2012, 07:15

Und die Supermärkte wo sie einkaufen, die Produkte die sie konsumieren wurden ohne Strom erzeugt? Die Öffis oder das Auto mit dem sie fahren brauchen auch keine Energie? Heizen tun sie auch?

langsam
13
24.3.2011, 21:55

Das ist nicht nur Polemik sondern wohl die Verdummung durch die PR-Abteilungen der Atomlobbies. So wie Leute bei jeder Technik- oder Wissenschaftskritik gleich mit der Steinzeit drohen.

Peter Pichler
 
02
24.3.2011, 15:44
Es gibt alternative Technologien...

...wie Sonne. Wind, Gezeitenkräfte oder fossile Brennstoffe... nur geht es darum Infrastruktur mit anderen Träger in dem Ausmaß in Strom gewandelt werden können, der benötigt wird... (Strom sparen hilft)

Sogar das rot/grüne Deutschland wollte sich bis 2022 Zeit nehmen, um die Kernkraftwerke durch andere Technologien bzw. Importe zu ersetzen... Jetzt beschen die deutschen Grünen mit Plänen bis 2017 vor... (D ca. 20 AKW´s Japan 50)

Ich glaube, dass die Folgen in Japan, zumindest ähnlich jenen in Russland sein werden. Ich gehe davon aus, dass das, wenn das Ausmaß von der Bevölkerung realisiert wurde, eine Änderung der Politik folgen wird. (wenn nicht sollten wir das Land statt mit Spenden mit Sanktionen eindecken... )

~~~<°)__///~~~
00
25.3.2011, 01:10
Richtig!

Und mit deren Ausbau muß man auch irgendwann einmal ---> BEGINNEN!

BEGINNEN - heißt das Zauberwort!

Es happert nicht am können, sondern nur am wollen!

Hätte man in den 60er-Jahren die Geothermie, Windkraft, Sonnenenergie und Wasserkraft forciert, hätten wir heute mehr als genug Strom aus alternativen Energien. Aber die Atomlobby war eben stärker. Jetzt gilt es die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und auf die alternativen Energieformen zu setzen. Heute sind auch Stromtransporte über mehrere Tausend Kilometer möglich - Stichwort - Wüsten-Solarkraftwerke.

Mundle
00
25.3.2011, 14:56

In Österreich hat man sich jetzt hinreissen lassen die Windkraftförderung von 21 auf 30 Mio zu erhöhen(nicht 100% sicher ob zahlen stimmen, aber richtige Dimension)
Wahnsinn! Wenn man bedenkt, wieviele MILLIARDEN Atomkraftwerke kosten!

Das ist eine ganz andere Größenordnung. Hätten wir Erneuerbare Energien in dieser größenordnung ausgebaut, dann wäre absolut nicht die Rede von Dunkelheit und Kerzenlicht.

Technisch sind erneuerbare ziemlich ausgereift und auch wenn diese vielleicht 20% mehr kosten, so werden diese Mehrkosten um ein vielfaches durch andere Vorteile kompensiert.

Jetzt noch auf Kernkraft setzen ist 100% rausgeschmissenes Geld.

Franz A.
00
25.3.2011, 11:36
Genau!

Beginnen muss man jetzt wirklich mal endlich.
Nicht nur mit ein paar Pfufferl-Windraedern, sondern mit ordentlich vielen und auch mittelgrossen Anlagen, sonst kann das kein Ersatz sein.
Bei Sonne und Wind muss man halt auch was haben, das Energie speichert bzw. auf Knopfdruck jederzeit liefern kann, wenn mal kein Wind geht und es finster ist.
Erst dann kann man AKW abschalten und endgueltig stilllegen.
Als Ersatz fuer die AKW moechte ich allerdings nicht von Kohle- oder sonstigen thermischen KW umgeben sein, die Abgase in grossen Mengen ausstossen.

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