Japans Sicherheitsbehörde

"Waren zu optimistisch"

22. März 2011, 18:10
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    foto: ap/kyodo news

    Die Behörden haben bei den Kontrollen des AKW Fukushima offenbar geschlampt. Hier Archivaufnahmen von September 2010.

Industrieminister entschuldigte sich nach Vorwürfen, er habe Arbeitern in Fukushima bei Einsatzabbruch mit Konsequenzen gedroht

Tokio - Sollte er Feuerwehrleute beleidigt haben, täte ihm das sehr leid, entschuldigte sich Japans Industrieminister Banri Kaieda am Dienstag. Der Grund: Er soll ihnen mit Konsequenzen gedroht haben, sollten sie sich weigern, weiter Wasser auf die beschädigten Reaktoren von Fukushima zu spritzen und sich dabei länger erhöhter Strahlung auszusetzen.

Tokios Bürgermeister hatte sich zuvor bei Premier Naoto Kan beschwert, nachdem er "aus Regierungskreisen" von Kaiedas Drohungen gehört haben will. Ob die Vorwürfe stimmen, sagte Kaieda bei seiner Entschuldigung nicht.

Auch die Leiter des Kraftwerks entschuldigten sich erstmals bei jenen Menschen, die nach dem Unglück evakuiert werden mussten. Im Parlament gestand der Chef der nuklearen Sicherheitskommission, dass ihre Vorbereitungen auf Unfälle auf "optimistischen Annahmen" beruhten. Die Vorschriften müssten "drastisch" überarbeitet werden. Bei dem Kraftwerk war der Tsunami nach dem Beben 14 Meter hoch gewesen, die Schutzmauer jedoch nur 5,7 Meter.

In Fukushima wurden am Dienstag die Reaktoren 3 und 4 weiter mit Wasser bespritzt. Ein Spezialfahrzeug, das normalerweise für Zement benutzt wird, schüttete durch einen Schlauch aus 22 Metern Höhe Flüssigkeit direkt in die Reaktoren. Das Gerät kann arbeiten, ohne das Menschen in die Nähe des Reaktors kommen müssen.

Reaktor 3 wird immer wieder als besonders gefährlich bezeichnet, weil er mit Brennstäben betrieben wurde, in denen Plutonium enthalten ist. Plutonium bilde sich als Brutprodukt jedoch in allen Reaktoren, sagt Andreas Musilek vom Atominstitut der TU Wien. In Reaktor 3 sei geringfügig mehr vorhanden. Gefährlicher als andere Reaktoren sei er nicht.

Alle Reaktoren sind mittlerweile wieder an das Stromnetz angeschlossen. Am Mittwoch sollten die Kontrollräume der Reaktoren 1 und 2 wieder gestartet werden, am Donnerstag jene der Reaktoren 3 und 4. Dies sollte genaue Daten über den Zustand der Anlagen bringen.

Im Meerwasser in der Nähe des havarierten Kraftwerks wurde am Dienstag eine erhöhte Strahlenbelastung gemessen: Die Iod-131-Belastung entsprach dem 127-Fachen des erlaubten Wertes, von Cäsium 134 und Cäsium 137 wurden 25-fach und 17-fach erhöhte Werte gemessen. Erstmals wurden auch Spuren von Cobalt 58 entdeckt.

Die Werte seien nach wie vor für Menschen unbedenklich, beruhigten die Behörden. Die Auswirkungen auf Fische könnten noch nicht abgeschätzt werden. In den kommenden Tagen sollen weitere Proben genommen werden. Österreich importiert fast keinen Fisch aus Japan, auch das Land selbst importiert vier mal mehr, als es selbst fängt. Der neu gefundene Stoff Cobalt 58 weise nicht darauf hin, dass das Material direkt aus den Brennstäben stammt, sagt Max Bichler vom Atominstitut.

Allerdings zeigte sich die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien wegen eines möglichen Lecks im Reaktor 1 besorgt. Man wisse nicht, ob der Sicherheitsbehälter beschädigt sei. Außerhalb der Anlage gebe es weiterhin hohe Strahlungswerte.

Bereits am Montag waren in Spinat, Milch und Wasser mehrerer Präfekturen erhöhte Strahlenbelastungen gemessen worden. Der Verkauf von Gemüse und Milch aus den betroffenen Gebieten wurde daraufhin gestoppt.

In Fukushima sind derzeit etwa 400 Menschen im Einsatz: Mitarbeiter des AKW-Betreibers Tepco, des Kraftwerk-Bauers Toshiba, der Tokioter Feuerwehr und der japanischen Armee. Tepco hat bisher stets dementiert, ungelernte Hilfsarbeiter einzusetzen, wie in manchen Medien berichtet. Abseits von Fukushima sind Leiharbeiter in der japanischen Industrie aber üblich, sagt Sepp Linhart, Japanologe an der Universität Wien.

Auch Berichte über das "Todeskommando" von Fukushima sind völlig übertrieben, sollten die bisherigen Daten stimmen. Ab einer Dosis von 100 Millisievert pro Stunde ist ein erhöhtes Krebsrisiko nachweisbar. Sollte Tepco nicht lügen, war in Fukushima bisher ein Arbeiter einer höheren Dosis ausgesetzt. 20 Menschen wurden durch herabfallende Trümmer oder Explosionen verletzt. (tob/DER STANDARD, Printausgabe, 22. März 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 229
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peace & love
00
28.3.2011, 21:19
bald im programm ...

Iphone 5 mit eingebautem geigerzähler, für's gepflegte dinner zu zweit.

Klugscheisser, der 3.
00
24.3.2011, 00:05
Dieser "Mensch" hat die Feuerwehrleute nicht beleidigt!

Es handelt sich hierbei um vorsätzliche Körperverletzung oder Totschlag.

Sollte er im Sold der Betreiber stehen (Aufsichtsratsmandat o.ä.) könnte man auch niedere Beweggründe annehmen. Dann geht es bis zu einer Mordanklage.

Wenn wir auf dem Planeten wären, den die Politiker uns immer vormachen wollen.

In Wirklichkeit aber zeigt diese Katastrophe nur sehr schön auf, wie der Hase nun mal läuft.

Demokratie und Bürgerrechte nur in Schönwetterzeiten.

In den 80er Jahren hatte die deutsche Bundeswehr im Falle eines SuperGaus der AKWs rund um Hamburg Schiessbefehl an der Linie Helmstedt-Hannover-Dortmund um die Migration von verstrahlten "Bürgern" in den Süden des Landes zu "verhindern".

Protheus
 
00
23.3.2011, 23:45
"Waren zu optimistisch."

Ja... im Nachhinein ist man immer g'scheiter.

Optimismus ist halt nicht angesagt, wenn man über sich liebenden Erdplatten wohnt und dort mit dem gefährlichsten Zeug überhaupt Strom für die Unterwäscheautomaten, den Gameboy, die Mobiltelefone, die Plasmafernseher, die Beleuchtung der Stadt und die 1000 anderen sinnlosen Stromfresser produziert.

Ich war auch zu optimistisch. Ich habe erwartet, dass Tschernobyl der einzige größere Atomunfall war, den ich unangenehm im Gedächnis behalten würden.

Wir haben uns mit unserem Stromverbrauch selbst in eine Sackgasse gefahren und jetzt sind wir abhängig von Atomkraft wie ein Junkie vom Stoff. Ohne schmerzhaften Verzicht auf etwas Wohlstand werden wir ihn auch nicht so schnell los.

a b1
00
23.3.2011, 20:12
Alles Lüge

Klar wird er nicht zugeben, dass die Arbeiter geopfert wurden.

Aber wenn "undalleswirdgut" seit mit "d" schreibt, haben wir schon ein wenig gewonnen.

undalleswirdgut
01
23.3.2011, 20:11
@standard

ich weiss ihr seit gestresst, ich weiss ihr habt euer bestes getan. aber kann sich einmal (eventuell ein praktikant) hinsetzen und eine Chronologie der Meldungen der letzten Wochen schreiben zusammen mit den dazugehörigen ausgesuchten (vorausschauenden) Postings ... weil fast alles was jetzt nach und nach herauskommt, glaube ich schon zeitgerecht bei den postings gelesen zu haben ...

peace & love
00
29.3.2011, 10:28
bravo.

Klugscheisser, der 3.
00
24.3.2011, 00:15
auf den Punkt! Danke!

Aber leider sind wohl selbst die pessimistischen Postings weit von der Realität entfernt.

Hier wird verschleiert, gelogen und betrogen.

Alle radioaktiven Emissionen waren bisher nicht "akut" lebensbedrohlich. Richtig, es fällt keiner sofort um, wie von einer Granate getroffen. Das meint "akut".

Aber in einer 200 km entfernten Stadt, die fast die ganze Zeit im windabgewandten Bereich lag, sind die Werte im Trinkwasser so hoch, dass Warnungen für Kinder ausgesprochen werden?

Oupps, was ist denn da los, wo der Wind hingeweht hat?

Alles Lüge. Aus den Reaktoren wird viel mehr freigesetzt als sie zugeben.

Ein Milliardengeschäft soll nicht kaputt gemacht werden, Ein paar tausend Bauern sind da egal.

Meto
01
23.3.2011, 19:45
Strom Sparen

Es geht doch letztlich in Europa drum, 30% Strom zu sparen um ohne AKWs auszukommen.

Ich kann nur eins sagen: auf die ganze Festbeleuchtung auf den Strassen könnt ich jedenfalls als erstes verzichten. Stichwort Light Pollution

!P!P
00
23.3.2011, 19:20
Harakiri

Wie ich die japanische Mentalität kenne, wundert es mich, dass noch niemand der Verantwortlichen zum Schwert gehriffen hat.

spelling error
00
24.3.2011, 02:11

ich glaube, das heißt seppuku und wird klassisch zu zweit gemacht, mit köpfen.

Klugscheisser, der 3.
01
24.3.2011, 00:22
Moment!

Das läuft alles völlig korrekt ab!

Nicht die Herrscher und Fürsten haben zum Schwert gegriffen. Nur die Kämpfer und Diener, die versagt haben.

Und die stehen jetzt ja in vorderster Front und halten die Schläuche zum Kühlen in die Reaktoren.

Es ist also wie immer...

Der Traum der Bourgeoisie! So soll es sein. Wie bei der Finanzkrise. Wie immer eigentlich.

Die, die die Gewinne einfahren, sitzen auf den Malediven und scherzen bei Leguan-Embrios in Champagner darüber wie der Meeresspiegel steigt.

Al Berto
00
23.3.2011, 18:37

frage an die experten: wie hoch müsste eine mauer sein, die einen tsunami von 14m abhält?

(hausverstandsüberlegung: viel höher, weil die nachschiebenden wassermassen den pegel in die höhe treiben würden).

imir
00
23.3.2011, 18:31

Soll sich doch der Herr Energieminister an die Spritze stellen, statt diese mutigen Menschen, die mit ihrer Gesundheit für die Unfähigkeit der Politiker und die Gier der Konzerne zahlen, zu bedrohen.

sociovation
01
23.3.2011, 17:02
Minister und Konzernchefs entschuldigen sich bei der Bevölkerung

Japan gehört definitiv zu einem anderem Kulturkreis...

PointNoef
 
01
23.3.2011, 14:03
Wie sich die Aussagen ändern!

Anfangs
keine nennenswerte Warnstufe (2, dann 3 dann 4), alles noch im normalen ungefährlichen Bereich. Wir haben alles im Griff!!! In Europa wurde laut verkündet, zu uns kommt die Radioaktive Wolke nicht und wenn, dann faktisch null.
Heute
Unfall auf Stufe 6, der ANFANG der radioaktiven Wolke ist bereits am Weg von Nord- nach Mitteleuropa.
Lt. offiziellen Aussagen - in CZ Drábová in vorderster Linie - klar da auf der Temelingehaltsliste - ist alles ungefährlich und solche Unfälle sind in Europa nicht möglich!
Glauben kann ich es nicht, es wird nur beschwichtigt.

imir
00
23.3.2011, 18:33

Wer den öffentlichen Verlautbarungen glauben schenkt, ist selber schuld.

Die Intelligente
01
23.3.2011, 12:54
Einer der Momente, wo man irgendwie froh ist, Frau zu sein

und im nächsten Moment tut es einem leid, dass man so denkt :-(

Wie in Tschernobyl ist auch in Japan "die Armee" im Einsatz, um die Atomkatastrophe abzumildern. Das heißt, vermutlich größtenteils junge Männer sterben, damit andere leben können; ganz ohne Krieg.

Unbändigen, liebenden Dank, liebe Männer, von mir als Frau, stellvertretend für viele andere Frauen und Kinder. Auch als Mutter, die hofft, dass ihr Sohn niemals in eine derartige Situation kommen wird :-(

Klugscheisser, der 3.
10
24.3.2011, 00:27
Diese ganze Welt lebt doch von dem Kampf...

dem Kampf der alten Männer (mit Potenz- und Prostataleiden) gegen die jungen Männer.

Und gegen die meisten Frauen. Das sowieso. Irgendjemand muss ja die Arbeit machen.

ich bin jetzt wer anderer
01
23.3.2011, 12:39

Entschuldigung nicht angenommen, alle Verantwortlichen werden zum "pinkeln" auf den Reaktor verurteilt.

flasheddi
00
23.3.2011, 12:28
Es mag viele Gelegenheiten geben...

...bei denen Optimusmus angezeigt ist. Atomkraft ist aber definitiv nicht der richtige Ort dafür! Letztendlich kränkelt es bei wichtigen Entscheidungen leider auch in Wissenschaft und Technik immer wieder ansolchen allzu menschlichen Unzulänglichkeiten.

Zum Verbrechen wird es allerdings dann, wenn uns Optimismus, Kühnheit oder Wagemut etc. - hinter denen sich ja nichts anderes als Gier versteckt - als objektiv beherrschbare Risiken verkauft werden.

Kritiker1A
01
23.3.2011, 10:43
Japans Industrieminister Banri Kaieda soll persönlich Vorort "kühlen" müssen.

Genausso wie die Manager von Tepco, und die Beamten und Leiter der Sicherheitsbehörde.

grifter
03
23.3.2011, 09:55

Nun, der grundsätzliche und falsche Optimismus ist schon darin begründet, eine solche Technologie zur Stromerzeugung überhaupt in Betrieb zu nehmen und als kontrollierbar einzustufen.
Mit dieser - durch die Realität bereits zum zweiten Mal falsifizierten - Grundannahme sind sämtliche folgenden Auswirkungen zwingend und logisch.

Man kann meinetwegen einen Staudamm verantworten, der brechen kann oder ein Flugzeug, das abstürzen kann etc.; all das hat ebenso unmittelbare Folgen für einen kleinen oder großen Personenkreis wie ein AKW-Unfall.
Aber wer zum Teufel bildet sich ein, die Verseuchung eines Gebietes auf Generationen verantworten zu können?

Harald Nowak
00
23.3.2011, 11:01
Es ist...

....zum einen keineswegs selbverständlich klar, warum ein Staudamm zu verantworten ist und ein AKW nicht (denken sie etwa an den 3 Schluchtendamm in China), zum anderen stimmt ihre Aussage imho nicht: die Behauptung ist, dass die Art wie die Japaner die AKW Krise "bewältigen" (oder eben nicht bewältigen) die logische Konsequenz davon ist, dass sie AKWs überhaupt in Betrieb genommen haben. Das is mit Verlaub gesagt Unsinn - man kann sich durchaus eine bessere Bewältigung dieser Krise vorstellen als sie in Japan zu beobachten war - ich denke nicht dass man das mit der Grundeinstellung "entschuldigen" kann.

grifter
00
23.3.2011, 19:03

Ihren Glauben, dass eine derartige Krise besser bewältigbar ist, in Ehren - es ist aber nur Glaube und als solcher, sorry, nicht recht ernst zu nehmen.
Eine Durchseuchung für Generationen ist eben nicht besser bewältigbar, sie ist ein Faktum, welches durch kein noch so gutes Krisenmanagement behebbar ist.

Ein geborstener Damm oder abgestürztes Flugzeug ist aufgrund seiner Dauerfolgen keinesfalls in irgendeiner Form mit AKWs vergleichbar - die Folgen bei ersteren sind absehbar, wenn auch z.B. bei einem Staudamm für eine gewisse Zeit verheerend.

Dieser Zeitfaktor - wie lange die Katastrophe verheerend ist - ist aber bei Atomkraft dermaßen ins Absurde gestreckt, dass sie schlicht nicht verantwortet werden kann.
Von niemandem.

Graph Bobby
00
23.3.2011, 15:03
Du vergisst...

...dass ein Dammbruch keine Dauerfolgen fuer die Umgebung hat.

Wenn ein Dammbruch ueberhaupt zu einer langfristigen Gesundheitsgefaehrdung fuehrt, dann weil er chemische Industrie zerstoert o.ae. - aber von sich aus bewirkt ein Dammbruch ausschliesslich die kurzfristige Verbreitung von viel Wasser.
Da ist die Gefaehrdung im Allgemeinen nach ein paar Stunden vorbei.

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