Vorratsdaten: Grüne holten Unterstützung aus Deutschland

22. März 2011, 12:31

Malte Spitz stellte Bewegungen über sechs Monate auf interaktiver Karte dar - Expertenhearing in Justizausschuss am Mittwoch

 Die Grünen haben in ihrem Kampf gegen die Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung Unterstützung aus Deutschland geholt. Malte Spitz, Bundesvorstandsmitglied der deutschen Schwesterpartei, hat auf Herausgabe seiner Kommunikationsdaten geklagt und seine Bewegungen über sechs Monate auf einer interaktiven Karte nachgestellt. "Man kann ein komplettes Leben nachstellen", so Spitz bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit den Grün-Abgeordneten Gabriela Moser und Albert Steinhauser. Am Mittwoch findet zu diesem Thema ein Expertenhearing im Justizausschuss statt.

Telefongespräche, SMS und mobile Internetverbindung

Spitz hat im Sommer den deutschen Mobilfunkbetreuer T-Mobile auf Herausgabe seiner Vorratsdaten geklagt. Daraus wurde eine interaktive Karte erstellt, mit deren Hilfe man minutiös jeden Schritt aus seinem Leben verfolgen kann. Kritisch seien vor allem Daten sogenannter Smartphones, die ständig Daten aktualisieren: Telefongespräche, SMS und mobile Internetverbindung lassen ständig auf den Aufenthaltsort schließen und somit auch auf das Sozialverhalten. "Man braucht bestimmte Informationen nicht, wie beispielsweise Inhalte", so Spitz.

Dass die Vorratsdatenspeicherung - sie steht in Österreich kurz vor der Umsetzung - auf ohnehin bereits gesicherte Informationen wie Rechnungsdaten zugreift, ist für Spitz kein Argument. "Bestimmte Daten wurden bis jetzt überhaupt nicht abgespeichert." Und auch den Einwand, dass man etwa über soziale Netzwerke schon viel von sich preisgibt, lässt er nicht gelten. Die Entscheidung darüber müsse dem Bürger überlassen bleiben. "Ich habe keine Kontrolle mehr darüber, sondern bin dann komplett ausgeliefert."

Antrag

Die österreichischen Grünen bleiben bei ihrem Standpunkt, die Einführung der Vorratsdatenspeicherung um jeden Preis zu verhindern. Sie setzen auf zivilen Ungehorsam, auch wenn Strafzahlungen an die EU wegen Säumigkeit drohen. Infrastruktursprecherin Moser erinnerte daran, dass die Richtlinie in Brüssel ohnehin evaluiert werde. In Diskussion sei etwa eine rein anlassbezogene Speicherung. Moser hat zudem bereits selbst einen Antrag bei ihrem Mobilfunkbetreiber auf Herausgabe künftiger Vorratsdaten gestellt, um ähnlich wie ihr deutscher Kollege Spitz vorzugehen.

Steinhauser sieht in der Vorratsdatenspeicherung den Einstieg in eine "Spitzelgesetzgebung" und fürchtet als nächsten logischen Schritt auch die Erfassung der Inhalte. Zudem handle es sich bei der laut Regierung minimal umgesetzten Version des Gesetzes um "Etikettenschwindel", da Staatsanwaltschaft und Polizei auch ohne richterliche Genehmigung auf Daten zugreifen könnten. Das Hearing im Justizausschuss wird sich mit den Änderungen in der Strafprozessordnung und im Sicherheitspolizeigesetz befassen, welche nicht in Begutachtung gewesen sind. (APA)

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NaOida!
00
23.3.2011, 13:01
Noch ein Grund warum ich grün wähle!

Fürst600
00
22.3.2011, 15:12
Police State

Das ist ein Notruf:

http://www.youtube.com/watch?v=W... re=related

Mokka Sinn
01
22.3.2011, 13:32
Hinfort mit dem "1984" - Traum raffgieriger Kontrollwahnsinniger im bislang wenig beleuchteten Hintergrund hinter sogenannten "Politikern"!

Achja, und logischerweise zunächst hinfort mit diesen sogenannten "Politikern" ebenso.

cyber.vassili
04
22.3.2011, 13:02
Heute Abend Veranstaltung zum Thema

Korrektur: q/Talk, Di 22. März: Malte Spitz in Wien

every step you take - sechs Monate aus dem Leben des Malte Spitz. ZEIT Online hat das Leben des Malte Spitz anhand der über ihn gesammelten Vorratsdaten in einer interaktiven Karte veröffentlicht. Jeder von uns kann damit minutiös jeden Schritt aus seinem Leben nachverfolgen und willkürlich interpretieren. Dazu diskutieren mit Georg Markus Kainz: * Malte Spitz (Mitglied des Bundesvorstand Bündnis90/Die Grünen) * Doris Liebwald (Wiener Zentrum für Rechtsinformatik) * Albert Steinhauser (Nationalratsabgeordnete & Justizsprecher der Grünen) Datum: Di, 22. März 2011, 19.00 (Einlass 18.00). Ort: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien.

Gerhard Polak
00
23.3.2011, 09:01
Den Artikel sollte sich jeder Mobiltelefonierer ansehen

Es ist erschreckend wie einfach das nachvollziehen von Handlungen und Wegen ist.

Und Vorratsdatenhaltung, nur um die kriminelle Energie von weniger als 1% der Bevölkerung aufzudecken ( nehm´ich alle F-Wähler&Sympathisanten dazu wären es halt mehr als 20%, Rechtslastig ist hierzulande geduldet >:-| ).

Und von dem Prozent sind wahrscheinlich mehr als die Hälfte so professionell organisiert, dass sie über Vorratsdaten nur aufwändig erhoben werden können. Also wozu?

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