Darfur

Wieder fliehen Zehntausende vor Gewalt

22. März 2011, 12:23

Mehr als 70.000 Menschen sind in den vergangenen drei Monaten vor Kämpfen in der sudanesischen Unruheprovinz geflohen

Khartoum - Mehr als 70.000 Menschen sind in den vergangenen drei Monaten vor Kämpfen in der sudanesischen Unruheprovinz Darfur geflohen. Damit stieg UN-Angaben zufolge allein im größten Lager Zam Zam die Zahl der Flüchtlinge um mehr als ein Drittel auf 160.000-170.000. Ein Sprecher der Vereinten Nationen warnte am Dienstag, die Grundversorgung der Menschen in den Lagern sei in Gefahr. Die Hilfe müsse über die Grenzen der Lager hinaus ausgedehnt werden.

Im Dezember waren die Kämpfe des seit 2003/2004 schwelenden Konflikts zwischen Rebellen und Regierungstruppen wieder aufgeflammt. Die Rebellen werfen der Zentralregierung in Khartoum Machtmissbrauch vor. Nach UN-Schätzungen sind seit 2003 300.000 Menschen als Folge des Konflikts in Darfur ums Leben gekommen. Die sudanesische Regierung gibt die Opferzahl mit 10.000 an. (Reuters)

Kommentar posten
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Donald Kerabatsos
10
23.3.2011, 12:30
Kein Öl, keine Truppen.

grumbleduke
 
07
23.3.2011, 12:06
No rush, Sicherheitsrat! Nur nichts übereilen!

Erst mal die Kreuzfahrer für die "wirklichen" humanitären Katastrophen rekrutieren.

Da bist wirklich in der A****gasse, wenn du zu weit weg bist, um für französische Wahlen interessant zu sein.

vheissu
01
23.3.2011, 14:32

Im Falle Sudans spielen chinesische Rohstoffinteressen eine gewichtige Rolle. Aber Hauptsache einseitig auf den Westen schimpfen...

peace & love
03
22.3.2011, 18:24
wann wird dieser ...

... elende gauner bashir endlich festgenommen ?

Dagmar Rehak Wien
 
45
22.3.2011, 16:41

Warum wird in Darfur niemand von der Weltpolizei beschossen?

Timagoras
 
01
25.3.2011, 17:39

weil es keinen uno-auftrag gibt?

Ergates faber
21
23.3.2011, 00:55
Sie waren schneller als ich...

Es ist wieder ein gutes Beispiel für die heuchlerische Politik, die uns umgibt.
Klar muß jetzt gegen Gaddafi gekämpft werden - sollte er an der Macht bleiben kündigt er den "Verrätern" die ganzen guten Geschäfte. Die Franzosen und Co. haben sicher schon bessere Deals mit den Rebellen bzw. potentiellen neuen Machthabern geschlossen.
In Darfur aber - da gibts außer Leid und Krankheiten nichts zu sehen und zu holen.
So genau nehmen diese Polizeimächte den Schutz von Zivilisten in anderen Bürgerkriegsländern oder Diktaturen, die wirtschaftlich weniger Interessant sind.
Riesen Sauerei!

lagrangian
01
23.3.2011, 11:02

genau! die politik muss mit der heuchelei aufhören und wieder konsequent werden: also alle abschlachten lassen und sich nirgends einmischen!

Chien de Pique
11
22.3.2011, 12:32

300.000! Und da hat man lange nichts getan, danach halbherzig wenig.

byron sully
01
23.3.2011, 13:06

das stimmt, im sudan hätte eigentlich schon vor jahren das gemacht gehört, was jetzt in libyen passiert.

susi strolcher
01
23.3.2011, 17:14
schon vor jahren das gemacht gehört, was jetzt in libyen passiert.

ein flugverbot für marodierende berittene beduinen gangs? darfur ist im grunde ein konflikt zwischen vieh züchtenden nomaden und sesshaften bauern wegen wassermangels.
natürlich mischen ethnische konflikte und das regime auch mit, aber wie wollen sie in diesem riesigen gebiet jedes dorf und jedes lager schützen?
nur weil man sich zurecht denkt "da muss was geschehen", gibt es nicht immer eine sinnvolle lösung.

byron sully
02
23.3.2011, 18:33

sie tun aber so, als ob das im sudan ein konflikt zwischen zwei "gleichen" seiten wäre. das mag er ganz ursprünglich vielleicht auch gewesen sein. aber durch das eingreifen von bashirs schergen und die durch die verursachten verbrechen kann man wohl nicht mehr von so was sprechen. hier gibt es für mich eine doch recht klare täter- und opfer-seite.

Chien de Pique
00
24.3.2011, 15:00
Das ist aber für mich gerade ein Unterschied zu Libyen; da sind die Seiten militärisch natürlich

keineswegs ganz symmetrisch (wobei sich die Balance durch das Eingreifen des Westens wieder verschiebt) und natürlich hat Gaddafi soviel auf dem Kerbholz, dass ihn die Rebellen in Jahren nicht einholen könnten, was immer sie täten, aber eine ganz klare Opfer-Täter-, gar Gut-Böse-Linie gibt es hier für mich nicht, dazu sind die Kräfteverhältnisse zu ausgewogen; sehr viel eher gibt es die aber im Sudan. Von Ruanda ganz zu schweigen; dass der libysche Bürgerkrieg von vielen hier laufend mit dem dortigen einseitigen Genozid verglichen wird (wenn man, wie es manche ernsthaft tun, Gaddafi nicht gerade mit A.H. oder Pol Pot vergleicht; Franco zB schiene mir angemessener), ärgert mich inzwischen unsäglich.

byron sully
01
24.3.2011, 15:14

mir kommt vor, daß sie sich im fall von libyen aber eher auf die ideologische ausrichtung der rebellen beziehen als auf ihre bisherigen (un)taten, die doch in keiner relation zu denen gaddafis stehen (und ja, den franco-vergleich find ich angemessen, also natürlich bezogen v.a. auf franco in den 1930er jahren).
ich weiß auch nicht, wer die rebellen sind und was sie wollen, aber sie töten jedenfalls viel weniger zivilistInnen, als es gaddafis truppen tun. und DAS ist sehr wohl ein entscheidender punkt in so einer situation.

Chien de Pique
10
24.3.2011, 16:00
Die ideologische Ausrichtung der Rebellen in Summe ist mir unklar, da gibt es Teile, die mir sympathischsind (die demokratistischen, die sezessionistischen und die monarchistischen Strömungen), und solche, die ich bei weitem noch mehr verabscheue

als Gaddafi (die fundamentalistischen); die Überläufer halte ich für ideologielos.
Dass die Untaten von Rebellenseite in keiner Relation zu denen Gaddafis stehen, habe ich ja betont. Aber was sich da an Entrechtung der Frauen und Judeophobie abzeichnet, wirklich ungut, ebenso die Übergriffe an Loyalisten und an Schwarzen, letztere Lynchmorde sind für mich der bislang schlimmste Aspekt der Rebellion.
Kennen Sie The Walrus and the Carpenter?; mir kommt die Situation ähnlich vor wie jene von Alice, als sie entscheiden soll, wer sympathischer ist.
"But he ate as many as he could get"... This was a puzzler... Well! They were both very unpleasant characters."Wie viele "Austern" würde die Opposition essen, wenn sie die Bomber und Panzer hätte?

byron sully
01
24.3.2011, 16:48

das extremste beispiel diesbezüglich ist ja wohl der zweite weltkrieg, als man mit stalin zusammenarbeiten mußte, um das dritte reich zu besiegen - was (bei aller abscheu gegenüber dem stalinismus) wohl das einzig richtige war.
ob man die rebellen pauschal für die lynchmorde veranwortlich machen kann? soweit ich weiß (bitte korrigieren sie mich, wenn ich's falsch in erinnerung haben sollte) passierten die eher in westlibyen. da stellt sich schon die frage, inwiefern die dortigen rebellen mit denen in bengasi in direkter kooperation bzw. unter der selben führungsstruktur stehen.

Chien de Pique
00
24.3.2011, 22:26

Sie haben diesbezüglich schon völlig Recht, "die Rebellen" bzw. die organisierte Opposition darf man wohl wirklich nicht pauschal verantwortlich machen, so etwas passiert ja sicher doch nicht organisiert, sondern spontan jeweils durch Bildung eines Mobs vor Ort. Aber ich habe eh allgemein geschrieben "Aspekt der Rebellion".

susi strolcher
01
23.3.2011, 19:29
wenn sie aber etwas bewirken wollen,

dann ist die täter/opfer ebene relativ irrelevant. es geht ja nicht darum festzustellen, ob ein eingreifen legitim wäre, sondern ob es zielführend ist. und was wollen sie da im sudan machen, realistisch, außer lager zu bewachen. das hieße aber alle menschen zu konzentrieren und dafür können sie einfach keine vernünftige infrastruktur schaffen.verstehen sie mich nicht falsch, ich teile doch die emotion helfen zu wollen, nur oft gibt es kaum sinnvolles, das man tun kann. im moment in z.b libyen,agieren wir so, wie eine erwachsene pausenaufsicht, die durch den schulhof geht, und bei jeder rauferei dem größeren ein paar tachteln gibt. nachhaltige konfliktschlichtung ist das nicht. man kann eben nicht immer alle beschützen, selbst wenn man will.

byron sully
00
24.3.2011, 14:53

ganz unrecht haben sie da nicht, aber die alternative kann auch nicht tatenloses zuschauen sein. dort, wo sich die dimensionen (so schlimme jedes todesopfer auch ist) halbwegs in grenzen halten, wie das in ägypten oder tunesien der fall war, ist ein eingreifen des westens sicher kontraproduktiv. aber ab einer bestimmten dimension ist ein eingreifen eben moralisch vielleicht nicht nur legitim, sondern ein gebot der stunde. welche methoden dabei dann zielführend sind, ist natürlich ebenso zu diskutieren.
ich war und bin klarer gegner des irakkriegs, halte ihn für nicht legitim, aber aus rein militärischer sicht war wohl nur der einsatz von bodentruppen zielführend. in libyen hingegen "genügen" aus meiner sicht luftangriffe.

Chien de Pique
00
23.3.2011, 16:06

Erst mal abwarten, wie die Sache in Libyen weitergeht. ich habe eine Intervention befürwortet, aber momentan geht mir das Einschreiten zu weit; die Perspektive sollte Waffenruhe sein und Verhandlungen über Frieden und Übergang, nicht unbedingt die Rückeroberung. Über die Verbrechen auch auf der Rebellenseite haben Sie sich hoffentlich informiert? Ich würde sie zwar momentan auch noch eher unterstützen, aber Sympathieträger sind das nicht mehr.

byron sully
01
23.3.2011, 18:37

1.) verhandlungen mit wem? mit gaddafi?
2.) zu den verbrechen auf der rebellenseite: die wird es in jedem derartigen konflikt von allen beteiligten seiten geben (mit ganz wenigen ausnahmen: so sind mir z.b. aus dem slowenienkrieg 1991 keine verbrechen der slowenischen seite bekannt, ist aber auch schon eine der ganz wenigen ausnahmen).

aber ich bin ja auch nicht völlig uneingeschränkt für die intervention, sondern auch nur unter zwei wichtigen bedingungen (die aber bislang auch nicht gebrochen wurden): a) beschränkte zeitdauer (bis maximal anfang april), b) keine bodentruppen.

Chien de Pique
00
24.3.2011, 14:49
Wie gesagt, ich unterstütze das Anliegen der Rebellen, sie kommen, bei allem, was schief läuft, auch noch lange nicht an Gaddafi heran, aber meine Sympathien sanken inzwischen fast täglich, ebenso wie meine Hoffnung auf eine wirkliche Verbesserung,

die ich in Tunesien und Ägypten bei aller Vorsicht sehr wohl habe. Da treibt man wohl einmal mehr den Teufel mit dem Beelzebub aus. Vor allem traue ich den Gaddafi-Überläufern und den Fundamentalisten nicht, während ich zu den Lagern der Bürgerrechtler und der Exilopposition mehr Vertrauen habe (diese Heterogenität ist ein weiterer Anlass zur Sorge, was das Nachher angeht).
Ich muss sagen, ob man jetzt Bodentruppen einsetzt oder nicht, macht für mich keinen ganz großen Unterschied mehr, vielleicht wird es ohne das am Ende auch gar nicht gehen. Aber ja, man könnte mit Gaddafi oder seinen Söhnen (formell wohl eher mit dem Allgemeinen Volkskomitee) sicher auch verhandeln, so man wollte. Nicht leicht, aber man müsste es zumindest versuchen.

Dagmar Rehak Wien
 
10
24.3.2011, 22:38
Dir waren die Rebellen ernsthaft einmal sympathisch?

Warum?

Chien de Pique
12
25.3.2011, 02:17
Ich war zwar relativ euphorieresistent, aber

nachdem in Ägypten und vor allem Tunesien alles vergleichsweise gut abgelaufen ist, die dortigen Demonstranten sympathisch und friedlich herüberkamen (Menschenkette um das Museum, um es vor Plünderung zu schützen etc.), wobei dort wie jetzt in Syrien vom Regime ja durchaus auch mit großer Härte und vielen Toten vorgegangen wurde; hätte ich nicht erwartet, dass man in Libyen sofort zu den Waffen greifen und Eroberungspläne fassen würde. Ich glaube aber, dass die ersten Demonstranten eher mit jenen in den anderen Staaten vergleichbar waren und die Rebellen mit diesen nur eingeschränkt ident sind. Diese scheinen ja eher Desperados zu sein als twitternde Studenten.
Die Revolte im Jemen tendiert wohl auch eher Richtung Libyen als Tunesien.

Dagmar Rehak Wien
 
00
25.3.2011, 04:35

Das mit dem Museum hat mir auch gefallen.

Die libyschen Demonstranten habe ich mir leider am Anfang nicht so genau angeschaut, weil ich auf Grund meiner Vorurteile gegen Araber eh nicht erkennen kann, was die wollen. Außerdem waren es zum Großteil Männer; da kann ich erst recht nix erkennen. Ich hatte jedenfalls nicht die Wahrnehmung "Die sind ja richtig hübsch!", so wie es mir eher in den letzten Tagen bei den Grünen passiert ist.
Mir ist vorgekommen, die ursprünglichen Demonstranten hatten auf einmal von einen Tag auf den anderen Waffen. Und viele hatten plötzlich diese feschen, farblich wüstengeeigneten Tarnanzüge, alle im gleichen Muster und noch fabriksteif, als ob's im Kriegsgeschäft einen Winterschlussverkauf gegeben hätte.

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