Kassazettel enthalten Bisphenol A

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Am Nationalen Institut für Agrarforschung in Frankreich sei nachgewiesen
 worden, dass Bisphenol A über die Haut aufgenommen wird.
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    Am Nationalen Institut für Agrarforschung in Frankreich sei nachgewiesen worden, dass Bisphenol A über die Haut aufgenommen wird.

Gefährlichkeit oder Harmlosigkeit in Fachwelt heftig umstritten - Manche Handelsketten suchen aber bereits Alternativen oder stellen schon um

Wien - Aus Babyfläschchen ist die Industriechemikalie Bishpenol A (BPA) schon verbannt. Die hormonähnlich wirkende Substanz, deren Risikopotenzial weitgehend unklar ist, findet sich dafür aber sonst in vielen Gegenständen des täglichen Lebens, auch dort, wo man sie gar nicht vermutet: Der "Konsument" hat Kassabons von zwölf heimischen Lebensmittelgeschäften getestet, mit dem Ergebnis: Alle enthielten BPA.

Bisphenol A wird vom deutschen Umweltbundesamt als "Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen" bezeichnet. Viele damit hergestellte Alltagsprodukte kommen mit Lebensmitteln in Kontakt, zum Beispiel Trinkbecher, Plastikgeschirr, Wasserkocher, aber auch die Innenbeschichtung von Getränke- und Konservendosen. Den Großteil der Substanz nimmt der Mensch deswegen mit der Nahrung auf.

Ausgangsprodukt für Kunststoffherstellung

Die Chemikalie, die aus Ausgangprodukt für die Herstellung von stabilen Kunststoffen und Kunstharzen verwendet wird, ist auch ein Zusatzstoff bei der Beschichtung von Thermopapier für Kassazettel. BPA ist hier chemisch nicht gebunden und wird daher leichter freigesetzt. "Verkaufspersonal wie Konsumenten kommen tagtäglich damit in Berührung", schreibt das Magazin.

Die Konsumentenschützer zitieren Studien des Kantonalen Labors Zürich, dass sich beim Hantieren mit Kassabons BPA in geringen Mengen auf der Haut ablagert, weniger bei trockenen, mehr bei schweißigen oder eingecremten Fingern. Am Nationalen Institut für Agrarforschung in Frankreich sei nachgewiesen worden, dass die Chemikalie über die Haut aufgenommen wird.

Unklares Risiko

Wie viel BPA über Kassazettel in den menschlichen Körper gelangt, ist unklar. Selbst bei ständigem Hantieren würden Wissenschafter keine Gefahr sehen. "Was Langzeiteffekte, aber auch was die Dosis anlangt, bei der Wirkungen auf den menschlichen Organismus auftreten, tappt die Wissenschaft nach wie vor im Dunkeln", meinen aber die "Konsument"-Autoren. Sie empfehlen Vorsorge: Wer längere Zeit mit Quittungen hantiert hat, sollte gründlich Händewaschen.

Außerdem fordern die Konsumentenschützer den Umstieg auf Bisphenol A-freies Papier. Das sei derzeit deutlich teurer. Bei der Handelskette Spar würden die Kassen trotzdem seit Anfang des Jahres umgestellt. Rewe (Merkur, Billa, Penny) habe in Deutschland schon gewechselt, in Österreich spreche man noch mit dem Lieferanten. Hofer sei auf der Suche nach Alternativen. Die Wiener Bäckerei Felber hingegen schickte eine Stellungnahme, in welcher der Europäische Verband der Thermopapierhersteller die "Sicherheit von Thermopapieren" bekräftigte.

Über die Gefährlichkeit oder Harmlosigkeit von BPA wird in der Fachwelt heftig gestritten. Der "Konsument" zitierte dazu Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien, wonach aufgrund der hormonähnlichen Wirkung "die Zahl der Prostata- und Brustkrebserkrankungen steigen" könne. (APA)

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