Ministerrat

Regierung beschließt Anti-Atom-Aktionsplan

22. März 2011, 10:37

Faymann will in EU entschlossen auftreten: Es gelte, "Lügen" der Atomlobby aufzuzeigen

Wien - Die Regierung hat am Dienstag bekräftigt, weiterhin entschlossen in der EU gegen Atomkraft auftreten zu wollen. Im Ministerrat wurde ein entsprechender Aktionsplan beschlossen. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) erklärte danach, man habe den Auftrag, die "Lügen" der Atomlobby aufzuzeigen. Im Zusammenhang mit dem Ausbau des tschechischen Atomkraftwerkes Temelin behalte sich Österreich "alle rechtlichen Schritte" vor.

Die Regierungsmitglieder hätten sich für diverse europäische Treffen und Tagungen abzustimmen, so Faymann in einer Pressekonferenz nach der Sitzung, die er wegen eines Krankenhausaufenthaltes von Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) allein bestritt. Auch im Europäischen Rat sei ein entschlossenes Auftreten angesagt. Prinzipiell behalte sich die Regierung vor, rechtliche Schritte auszuloten und auch zu gehen. Dies gilt laut Aussagen des Kanzlers etwa für Temelin.

Faymann trifft am heutigen Dienstag den tschechischen Premier Petr Necas in Wien - mit ihm will er u.a. auch eine Diskussion über Atomenergie führen. Im Zuge des Temelin-Ausbaus gebe es ein Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren, und man verlange nach Abschluss eine Parteienstellung für ausländische und damit auch österreichische NGO. Kommt es nicht dazu, behalte man sich auch Klagsschritte vor. Er werde das Thema auch am Mittwoch bei Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zur Sprache bringen, meinte Faymann.

Es gelte, "Lügen" der Atomlobby aufzuzeigen. Solche Lügen seien alles, was an Sicherheit "vorgegaukelt" werde und was glauben machen solle, dass so etwas nur in Japan passieren könne, erklärte er auf Nachfrage. Zu den Chancen auf einen europäischen Atomausstieg argumentierte Faymann, wenn man Haftungen und Risiken berücksichtige, wären erneuerbare Energien auch wirtschaftlicher. Es werde nicht einfach sein, aber Europa habe einen riesigen Vorteil, nämlich Demokratie und Wahlen. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel befinde jetzt anders über die Atomkraftwerke als noch vor ein paar Wochen.

Schüssels Gewissen

Angesprochen auf den Aufsichtsratsposten des früheren Bundeskanzlers und ÖVP-Abgeordneten Wolfgang Schüssel im deutschen Energiekonzern RWE meinte Faymann: "Jeder muss mit seinem eigenen Gewissen verantworten, welche Tätigkeit er ausübt." Er halte nichts davon, dass man gleichzeitig in einem Land gegen die Atomindustrie auftrete und diesen Job parallel habe.

Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) erklärte vor der Ministerratssitzung zum Aktionsplan, es müsse einen nationalen Schulterschluss geben. Man müsse in Richtung erneuerbare Energien gehen, und es werde eine Umschichtung der Mittel in diese Richtung geben. Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) meinte, man wolle mit dem Aktionsplan einen Anfang setzen, jeder Minister könne einen Beitrag leisten. (APA)

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12 Postings
Hadik1
00
28.3.2011, 14:09
Berlakovichs Anti-Atom-Allianz der Vorbildlichen

Eine Allianz von Ländern, die nicht auf Atomkraft setzen, soll dem Anti-Atom-Anliegen Österreichs eine stärkere Stimme im EU-Rat verleihen, erhofft Umweltminister Nikolaus Berlakovich. Man müsse „jetzt in Europa Partner suchen“, sagte er heute im Ö1-Morgenjournal. Partner könnten Griechenland, Portugal, Malta, Zypern und Irland sein.

Eine feine Allianz hat der Umweltminister da zusammengestellt: Griechenland, Portugal, Irland - lauter Länder, die für den Super-GAU des Euro verantwortlich sind. Aber um Vorbild zu sein, genügt es offenbar, kein AKW zu haben. Schulden zählen nicht.

lila1766
10
23.3.2011, 07:37
Schon klar. Da kann natürlich die Politik nicht zurücktreten,

sondern macht nun ihrerseits noch heftiger Panik. Da ist natürlich unter 183 Abgeordneten kein einziger, der noch selbst nachzudenken vermag oder wagt. Denn dann hätte er wohl entdeckt, dass sämtliche 54 japanischen Atomkraftwerke Japans das schwerste Erdbeben der jüngeren Geschichte überstanden haben. Und dass nur die gewaltige Flutwelle eines Tsunami eine Serie schlimmer Pannen und Schäden angerichtet hat. Und dass in den Kraftwerken rund um Österreich die Zahl der Tsunamis nicht einmal in Schaltjahren sonderlich zunimmt.
Aber welcher Politiker will den Menschen schon etwas sagen, was sie beruhigen würde? Wer wagt schon Aussagen, die einem in den Fellner-Dichand-Wrabetz-Medien den Vorwurf einbringen würden, ein Atomlobbyist zu sein.

Tristram Shandy
10
23.3.2011, 09:08

Die wichtigste Erkenntnis nach Fukushima ist, dass das "Restrisiko" keine theoretische Rechengröße ist, sondern ein erhebliches Gefahrenpotenzial beschreibt darstellt, das jederzeit schlagend werden kann.

Es ist erschreckend, dass man gerade in Japan den kausalen Zusammenhang zwischen einem schweren Erdbebeben und einem darauf folgenden Tsunami völlig unterschätzt hat!

Große Katastrophen entstehen oftmals aus einer Aneinderreihung von mehreren sehr unwahrscheinliche Ereignissen!

Da braucht man keine Tsunamis!

Es reichen menschliches Versagen, Flugzeugabstürze, Erdbeben wie sie auch bei uns vorkommen, Terrroanschläge ....
... und technische Gebrechen, die bisher als "Restrisiko" eingestuft wurde!

STJ911.org
01
22.3.2011, 18:14
[Serie: Die naheliegendsten Dinge werden oft übersehen] eine Lobby existiert nur wenn sich Politiker von ihr bestechen lassen

-
Faymann: "Es gelte, Lügen der Atomlobby aufzuzeigen"

Nein Herr Faymann, das weiß jeder und verlangt niemand von Ihnen.

--> Von Ihrer Regierung wird verlangt, nicht für Lobbies zu arbeiten:
http://derstandard.at/plink/129... 0/20328796
http://www.youtube.com/watch?v=6z9n1SMYUGM
http://www.youtube.com/watch?v=MOZzjfVOYA8

--> Und von Ihrer Regierung wird verlangt, keine Geheimhaltungsabkommen (April 2010) mit der Atomlobby zu unterschreiben:
http://derstandard.at/plink/129... 3/20379323

STJ911.org
01
22.3.2011, 18:23
Anti-Atom-Politik Faymanns und Berlakovichs unter der Lupe:

http://derstandard.at/129782031... tompolitik

Die Anti-Atom-Politik sei "verlogen und heuchlerisch". Das "Anti Atom Komitee", der Anti-Atom-Berater Radko Pavlovec und der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) halten dem Minister die Geheimhaltung einer Studie zum deutschen AKW Isar 1 und eine "Schweigeklausel" im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen im slowakischen AKW Mochovce vor.
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Berlakovich und Faymann würden der Bevölkerung ein aktives Auftreten gegen AKW in der Umgebung von Österreich vorgaukeln,...

europa fassen
01
22.3.2011, 15:51
Zuerstmal gehört dem Schüssel gesagt,

dass er als österreichischer NR die Interessen Österreichs und nicht der RWE zu vertreten hat.

Andernfalls .... "VP prüft Strassers Ausschluss" .... naja, dann sollen sie beim Wolferl gleich weiter prüfen.

A ndreas Bogeschdorfer
01
22.3.2011, 12:45
..weiterhin entschlossen..

Bitte sparts Euch des "weiterhin", denn das würde nahelegen, dass in der Vergangenheit entschlossen gehandelt worden wäre.

Stattdessen gab es stets nur harmlose Wortspenden und vor allem Ignoranz gegenüber Alternativen.

Sehr lau einmal mehr die Kritik von Faymann an Schüssel. Während Gusenbauer Interessensvertreter aus dem Parlament haben wollte, findet Faymann offensichtlich nichts dabei, dass derartige Doppelfunktionen möglich sind. Er appeliert halt ein bisserl an den guten Geschmack.

Als aufrechter Sozialdemokrat kann man bei solcher Beliebigkeit nur Würgereize empfinden.

Franz Schwingenschrot
00
22.3.2011, 12:36

Unsere Regierung und ein Anti-Atom-Aktionsplan. Was genau wird da gemacht? "Atomkraft nein danke" Kleber verteilt? Und was geschieht mit Wolfgang Schüssel? Wird der jetzt geteert, gefedert und aus dem Parlament gejagt?
http://gedaunknsplitta.blog.de

Ein glücklicher Mensch
10
22.3.2011, 13:41

Und
vor allem
was geschieht mit dem Atomstromimport?

Diese Ar*chlöc*er von Wichtigtuern haben doch nur Selbstinszenierung im Kopf.

Jimmy Neutron
00
22.3.2011, 14:30

Wenn die anderen keinen Atomstrom produzieren würden, gäbe es automatisch keinen Atomstromimport. Das ist doch sowieso klar. Das eine impliziert das andere.

cannery row
00
22.3.2011, 12:31
und was wird passieren..

nichts. in ein paar wochen ist alles nicht mehr so schlimm, dann gibts ein paar ausschüsse, studien, die grünen glauben nach wie vor dass die energie aus dem müsliriegel kommt und finden wasserkraft pfui, die schwarzen können ihre lobbys wieder ohne kreidefressen bedienen und die roten tun halt irgendwas. streiten werden alle wieder, was das zeug hält.

kurios, dass gerade strache den rückhaltlosen ausstieg fordert, aber der surft halt auch mit euratom auf der anti-eu populismuswelle.

na habedere
10
22.3.2011, 09:49
atomkritische Staaten

die da wären?

... der Vatikan fällt mir ein, sonst noch was?

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