Schreiben als Erinnerungsarbeit einer 15-Jährigen

Jutta Berger , 21. März 2011, 18:40
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    foto: bucher verlag

    Maya Rinderer widmet ihren Roman "Esther" dem Großvater.

Die Dornbirnerin Maya Rinderer präsentierte ihren ersten Roman

Sie erzählt in "Esther", wie ein junges Mädchen den Holocaust überlebt. Das Buch ist eine Annäherung an die eigene Familiengeschichte.

***

Hohenems - Der Salomon-Sulzer-Saal, die frühere Synagoge von Hohenems, ist am Sonntagabend bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Nicht nur die übliche Literaturgemeinde ist gekommen, um der jungen Autorin zu lauschen. Maya Rinderer zieht vor allem auch junge Menschen an, viele davon Freundinnen und Freunde aus dem Gymnasium Dornbirn. Neugierig sind sie und stolz, dass da eine jener Generation, der man vorwirft, nicht einmal richtig lesen zu können, einen 350-Seiten-Roman schreibt. Noch dazu über ein Thema, "für das sich viele Jugendliche nicht interessieren, weil es halt schon ewig lang her ist", wie ein junger Besucher sagt.

Warum sich Maya Rinderer ausgerechnet den Holocaust, das schwierigste aller Themen für ihren Roman ausgesucht habe, will Hanno Loewy, Direktor des jüdischen Museums Hohenems und an diesem Abend Gesprächspartner der jungen Autorin, wissen. "Ich wusste von frühester Kindheit an, dass da etwas in der Vergangenheit meiner Familie war, aber man wollte es mir nicht sagen", erzählt Maya Rinderer. Als dann ihre Mutter mit dem Großvater eine Reise nach Auschwitz plante und sie, das kleine Mädchen, nicht mitnahm, habe sie mit ihren Recherchen begonnen.

Elf Jahre alt war sie damals, trug zusammen, was sie über Verfolgung und Vertreibung der Juden finden konnte. Internet, Filme, Bücher, auch Fachliteratur aus der Bibliothek des Museums dienten als Quellen. Mit zwölf Jahren habe sie dann ihren Roman skizziert, zu schreiben begonnen, "oft in der Mathestunde".

Sie näherte sich aus der Sicht des jungen Mädchens Esther der (möglichen) Vergangenheit ihres Großvaters. Maya Rinderer lässt ihre Romanheldin Vertreibung, Flucht, den Zerfall der Familie durchleiden und schließlich die Odyssee durch Verstecke und Konzentrationslager überleben. "Ja, manche haben es als anmaßend empfunden, dass ich als jemand, der das alles nicht selbst erlebt hat, darüber schreibe", spricht die junge Autorin offen über Kritik.

Sie habe das Buch schreiben müssen, gewissermaßen als "Befreiung von vielem, das mich belastet hat". Etwa das Schuldgefühl, zwei Generationen zu spät geboren zu sein. Gewidmet hat Maya Rinderer das Buch ihrem Großvater in Tel Aviv. Was der Großvater zum Buch sage, will ein Zuhörer wissen. "Er ist stolz, obwohl er nicht alles lesen kann, weil sein Deutsch nicht so gut ist." Auch die Enkelin ist stolz: Durch das Buch habe der Großvater begonnen, über sein Leben zu sprechen. "Ich werde ein Buch über ihn schreiben, glaube ich." Zuvor wären da aber noch fünf Romane, an denen sie parallel arbeite. Und dazu noch Theater, Hörspiele, Kurzgeschichten. Schreiben werde sie immer, sagt die Jungautorin, "das gehört zu meinem Leben". Wenn sich damit später auch Geld verdienen ließe "wäre das schon sehr praktisch". (Jutta Berger, DER STANDARD - Printausgabe, 22. März 2011)

 

 

 

Maya Rinderer, "Esther", Verlag Bucher, Hardcover, 356 Seiten. ISBN 978-3-99018-043-3. Für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Der einsame Randalierer
 
00
27.3.2011, 11:46
Was wäre, wenn

ein Fünfzigjähriger das Buch geschrieben hätte? Würde das irgendjemand interessieren?
Ist es nicht so, dass das Buch nur deslhab erwähnenswert ist, weil es ein fünfzehnjähriges Mädchen verfasst hat? Was sagt das über den inhaltlichen, den literarischen Wert aus? Was sagt das über die Literaturbranche aus, wenn zunehmend auf "kindliche" Autoren gesetzt wird, nur, weil deren Alter verkaufsfördernd wirken kann?

Kann ein Mädchen in diesem Alter denn schon die nötige sprachliche Reife entwickelt haben, um diesem Thema wirklich gerecht zu werden?

Jedenfalls ist die Kombination Teenagermädchen & Holocaust ganz sicher marketingstrategisch sehr verkaufsfördernd und kritikabwehrend.

xxx...yyy...
14
22.3.2011, 14:04
gibt's da nicht auch eine nur unwesentlich ältere

us-autorin die vor kurzem mit praktisch derselben geschichte rausgekommen ist?

abgesehen davon halte ich es für höchst sonderbar, wenn 15-jährige im jahr 2011 bücher mit holocaust-bezug ("erinnerungsarbeit") schreiben.

KKdJ
11
25.3.2011, 16:16
Im Grunde ist's ja mehr als unerheblich, was Sie für höchst sonderbar halten.

Aber lassen Sie sich gesagt sein, dass ein Ereignis wie der Holocaust über Generationen weiterwirkt. Dass die erste Generation der Überlebenden all das, was sie – begreiflicherweise – nicht verarbeiten konnte, an die nächste und diese ihren Teil an die übernächste weitergibt.

Es ist daher GAR NICHT verwunderlich, dass dieses 15-jährige Mädchen sich mit dem Thema beschäftigt.

Verwunderlich – aber doch viel eher: bewundernswert – ist nur die Tatsache, dass sie die Energie und die Disziplin aufgebracht hat, in dem Alter tatsächlich einen Roman zu schreiben.

Wofür ihr mein höchster Respekt sicher ist, während ich Ihnen raten würde, eventuell vor Ihren Postings nachzudenken oder andernfalls lieber zu Lifestyle-Themen zu posten.

xxx...yyy...
00
25.3.2011, 18:49
was ich ihnen

und anderen zeitgenossen, die sich für so selten oberschlau halten wie sie, raten würde, darf ich hier nicht schreiben ;-)

KKdJ
10
25.3.2011, 20:46
Eine bemerkenswert inhaltsleere Antwort.

Sie dürften ob des polemischen Schlussteils meines Postings übersehen haben, dass ich davor tatsächlich versucht habe, Ihnen etwas mitzuteilen.

Tja, ich hatte eigentlich auch nicht damit gerechnet, dass das ankommt. Bin halt ein unverbesserlicher Idealist.

bluebeard's 8th wife.
11
22.3.2011, 11:23
ich bin schwer beeindruckt -

von der leistung (obwohl ich nicht wissen möchte, was der mathelehrer dazu zu sagen hat...) und von der pragmatisch-selbstbewussten haltung der jungen frau.

ich denke mal, ich werde mir das buch kaufen, einfach, um sie darin zu bestärken.

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