Entscheid

Die arabische Rolle bleibt symbolisch

Astrid Frefel aus Kairo, 21. März 2011, 18:15

Der schwammige Entscheid der Arabischen Liga zur Flugverbotszone über Libyen macht jetzt Probleme bei der Umsetzung - Noch macht man mit, aber der Präzedenzfall beunruhigt viele arabische Staatschefs

"Wir haben keinen Konflikt mit der Uno-Resolution, vor allem da sie bestätigt, dass es keine Invasion und keine Besetzung von libyschem Territorium geben kann", erklärte Amr Mussa, der Generalsekretär der Arabischen Liga am Montag in Kairo bei einem Treffen mit Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon. Damit versuchte Mussa die Wogen zu glätten, die er am Vortag selbst ausgelöst hatte, als er meinte, die Militärschläge in Libyen gingen über die Sicherheitsratsresolution hinaus, und so den Anschein erweckte, die arabische Teilnahme sei infrage gestellt.

Mussas Lavieren ist eine Folge des zweideutigen Entscheids, den die Arabische Liga gefällt hatte. Die Vertreter der arabischen Staaten stimmten zwar dem Flugverbot zu, untersagten aber jede ausländische Intervention. Diese Kompromissformel wurde gewählt, weil eine Reihe von Staaten einen Präzedenzfall vermeiden wollte. Durchgesetzt hatten sich aber die reichen Golfstaaten.

Der Generalsekretär des Golfkooperationsrates betonte am Montag noch einmal, dass sich an der Unterstützung der Golfstaaten zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung nichts geändert habe. Mit eigenen Flugzeugen beteiligt sich Katar. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate sind Teil der internationalen Koalition, wobei keine Details veröffentlicht wurden, worin die Rolle der Emirate genau besteht. Von den anderen Golfstaaten wird vor allem humanitäre Hilfe erwartet.

Andere Länder wie Ägypten haben klargestellt, dass sie sich an den militärischen Aktionen nicht beteiligen und auch den Rebellen keine Waffen liefern. Obwohl auch in den arabischen Ländern dem Despoten in Tripolis niemand eine Träne nachweint, ist die Zurückhaltung groß und das Engagement eher symbolisch. Gaddafis langer Arm reicht sogar ins Ausland. Etwa 100 Getreue haben am Montag Ban Ki-moon auf dem Tahrir-Platz in Kairo niedergeschrien und sogar tätlich angriffen, sodass dieser ins Gebäude der Arabischen Liga fliehen musste.

In der Bevölkerung scheint das internationale Vorgehen akzeptiert. Nirgends gab es Demonstrationen wie nach der Irak-Invasion im Jahre 2003. Auch in den arabischen Medien ist viel Zustimmung zum Militärschlag zu finden. Der Kommentator in Al-Hayat fragt "Wo sind die Araber in der Konfrontation zwischen Muammar Gaddafi und seinem Volk?", und er fordert Kairo und Riad auf, sich militärisch zu engagieren. Der libanesische Daily Star geht noch einen Schritt weiter und verlangt von der UN, dass der Job ganz gemacht werde, weil halbe Lösungen nur zu einer Teilung des Landes nach sudanesischem Muster führen würden.

Keine Kritik an Gewalt

Woher die arabische Zurückhaltung kommt, hat sich am Wochenende klar gezeigt. Die Pro-Demokratie-Bewegung erfasst immer mehr Länder, und nirgends geht es ohne Gewalt gegen die eigene Bevölkerung. Die Kritik in den arabischen Hauptstädten war zahnlos, und es herrschte Übereinstimmung, dass keine ausländischen Kräfte diese Demokratiebewegungen unterstützen sollen. (Astrid Frefel aus Kairo, STANDARD-Printausgabe, 22.03.2011)

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23 Postings
aus benghazi
00
22.3.2011, 11:51
schluss

Fazit: wir werden belogen, verraten und verkauft. Aber dabei geht’s uns noch gut, denn die Menschen in Libyen werden getötet und das dann als ‚unvermeidlicher Schaden‘ dargestellt. Hat mal jemand hier daran gedacht dass sich noch immer Österreicher in Libyen aufhalten? Zwei davon kenn ich ganz gut.
Wir massen uns an über Dinge zu urteilen die wir vom Hörnsagen kennen. Wir sind auch präpotent genug aufgrund dieses Urteils dann Gewalt anzuwenden. Das ist meine milde Version der Sichtweise, die Wahrheit lautet eher: bei der Durchsetzung von Interessen gehen wir bedenkenlos über Leichen.
Ich glaube, WIR haben ein gewaltiges Problem...

Frankenstein
 
00
25.3.2011, 06:33
teilweise zustimmung

Trotzdem DARF ein kranker Hund wie Gaddafi einfach nicht an der Spitze eines Staates stehen. Noch weniger als es ein Berlusconi dürfte, aber der ist ja "wenigstens" gewählt.
Und von wegen Urteilen über Dinge die wir nicht wissen - ja, was wissen wir denn, außer dass er/Lybien ein brav zahlender Geschäftspartner war?

aus benghazi
01
22.3.2011, 11:50
fortsetzung 2

Aber das ist ja schon alles Schnee von gestern, jetzt begeilt sich der edle Westen erst mal am ‚plattmachen‘. Da wachsen aus allen Ecken Sprecher des Aufstandes und berichten mit zitternden Stimmen über die Greultaten die sie grad miterleben mussten. Ob auch nur einer von denen dem NTC bekannt ist? Aber wen kann das schon kümmern: Schlagzeile ist Schlagzeile! Und so lesen wir heute: ‚Tripolis: Alliierte Truppen bombardieren Gaddafis Marine.’ Ist sicher alles ‚rechtens‘ damit denn die Spezialisten haben ja bereits genug Erfahrung damit wie man solche Massnahmen diskret im Kleingedruckten der Resolutionen unterbringt. Und man muss Mr. G ja auch absolut zutraun das seine Navy fliegen kann.

aus benghazi
01
22.3.2011, 11:49
fortsetzung1

Der ‚edle Westen‘ hatte die Chance zu verstehen das er nicht erwünscht ist als man auf beiden Seiten seine Vermessungstrupps wieder laufen liess. Nur war man da leider schon viel zu beschäftig die AL über den Tisch zu ziehen, denn anders kann man das nicht sehen wenn man sich die widersprüchlichen Beschlüsse der AL vor Augen hält, die eindeutig ablehnende Haltung der AU gegenüber Gewalt und mit der 1973 Resolution vergleicht. Noch deutlicher wirds wenn man sich jene Staaten ansieht die als die Befürworter innerhalb der AL gelten.
Aber das ist ja schon alles Schnee von gestern, jetzt begeilt sich der edle Westen erst mal am ‚plattmachen‘. Da wachsen aus allen Ecken Sprecher des Aufstandes und berichten mit zitternden Stimmen über die Greulta

aus benghazi
01
22.3.2011, 11:45
WIR haben ein problen

Zu Beginn des Aufstands konnte man auch in Benghazi nur kurze Zeit vermuten das es sich um einen ‚ehrlichen‘ Aufstand des Volkes handelt. Ab dem 19.2. war es offensichtlich das hier alles was unter die Begriffe wie ‚Demokratie‘, Menschenrechte‘ fällt nur noch hohle Phrasen sind. Zu organisiert war das provozierte Chaos, viel zu offensichtlich waren die allseits verbreiteten Falschmeldungen.
Der ‚edle Westen‘ hatte die Chance zu verstehen das er nicht erwünscht ist als man auf beiden Seiten seine Vermessungstrupps wieder laufen liess. Nur war man da leider schon viel zu beschäftig die AL über den Tisch zu ziehen, denn anders kann man das nicht sehen wenn man sich die widersprüchlichen Beschlüsse der AL vor Augen hält, die eindeutig ablehnende H

Nirvanacharly
 
00
22.3.2011, 04:29
es herrscht einigkeit

das keine ausl. kräfte die demokratiebestrebungen der einzelnen länder unterstützen sollen. also wozu die kampfhandlungen, noch immer nichts gelernt?

Dietrich v. Fürstenberg
01
21.3.2011, 22:56
Wir

als der Westen hätten uns niemals einmischen dürfen - was bitte geht uns ein letztendlich Stammeskonflikt irgendwo in Nordafrika an ?

Abwarten wer als Sieger aus dem Konflikt hervorgeht wäre die Devise gewesen, auch dieser Sieger hätte uns weiterhin bereitwillig sein Erdöl verkauft, wozu also dieser ganze Kotau ?

Wobei ich persönlich zu Gaddafi halte, da er die letzten Jahrzehnte ein verlässlicher Partner war, Stichwort Öllieferungen, In Schach halten der M1slamisten sowie Eindämmung der Flüchtlingsflut.

Was bitte kann man viel mehr von einem arabischen Despoten verlangen ?

Eben.

Chien de Pique
03
21.3.2011, 22:31

Logisch, wozu gibt es die Europäer, die bequem erst als Lastesel, dann als Sündenbock verwendet werden können? Da würde ich mir auch keinen Fingernagel abbrechen wollen.

Bertel Mann
10
21.3.2011, 21:57
Und dasselbe Bild gibt es in einem anderen Artikel mit der Unterschrift "Proteste gegen Gaddafi auch in Kairo"

Frankenstein
 
00
25.3.2011, 06:44

Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen, Scully!

Fritz Wintersberger
00
21.3.2011, 23:37
richtig

Das nennt man objektive Berichterstattung.

Fritz Wintersberger
21
21.3.2011, 21:24
Und nach dem Krieg?

Und was machen die Kriegstreiber, wenn eine demokratische Abstimmung den Verbleib von G. absichert, weil das Volk jetzt hinter ihm steht?

Fritz Wintersberger
00
23.3.2011, 13:56
rote Stricherl zu meinem Beitrag

werden wohl nichts nützen, nur sinnstörend. Was machen die Kriegstreiber nachher? Da kann es nur eine Antwort geben.

Bertel Mann
00
22.3.2011, 05:52
Dasselbe wie in Alerien: die Wahl abbrechen und nicht anerkennen..

Fritz Wintersberger
00
23.3.2011, 13:57
Wahlen abbrechen

Eine saubere demokratische Lösung. ggg

Bertel Mann
02
21.3.2011, 21:23
Dasselbe Bild war in einem anderen Artikel mit der Unterschrift "Proteste gegen Gaddafi auch in Kairo" versehen

http://derstandard.at/129782096... -loswerden

So funktioniert Propaganda!

visio551
32
21.3.2011, 20:13
Keine Waffen aus Ägypten

an Aufständische in Lybien? Medien wie "Wall Street Journals" berichten von Waffenlieferungen von Ägypten nach Libyien - sicher von den USA organisiert. In Libyen wäre in einer Woche alles erledigt gewesen - eine unblutiger Übergang auf den Sohn Gaddafis Saif wäre in einigen Jahren als sicher angesehen worden - auch von Westen. Und nun bombadiert man die Zivilbevölkerung und verstört Infrastrukur - ein Verbrechen. Der Bevölkerung hätte man auch anders helfen könnnen. Was gechieht jetzt in Jemen, Syrien, Bahrein, Saudi Arabien - bomben hier auch die Europäer?

Saerdna Psotheimer
 
00
22.3.2011, 00:28
Kann schon sein...

...das alles innerhalb einer Woche erledigt gewesen wäre und dass der Sohn es vielleicht sogar besser gemacht hätte. Aber vergessen wir nicht, dass hier die UNO entschieden hat einzugreifen und sogar die Neinsager wie China und Russland sich herausgehalten haben.
Diese Flugverbotszone ist ein realistischer Kompromiss und eine echte Steigerung wenn man sieht was in Afrika passieren kann wenn man Kriege zulässt (Ruanda). Jeder der Kritiker sollte sich Ruanda ansehen und sich fragen ob das notwendig war.
In Libyen gibt es keine Bodentruppen, die "Rebellen" müssen selbst für ihre Freiheit kämpfen und wie es ausgeht ist offen. Es ist Krieg, aber der war schon vorher da.

Chien de Pique
00
22.3.2011, 20:48

Ruanda war kein Krieg, sondern das einseitige Massakrieren der ethnischen/gesellschaftlichen Minderheiten (Tutsi und in geringerem Maße Twa; sowie ihrer Unterstützer) durch die Mehrheit, unter reger Beteiligung von Zivilisten, Milizen und regulärem Militär.
Der libysche Bürgerkrieg ist im Gegenzug kein Völkermord, er endet mit der Eoberung der letzten Stadt.

votorola
00
21.3.2011, 22:01
@visio551

wie kann man so einen unfassbaren blödsinn eigentlich schreiben, wissen sie was sie das sagen, UNBLUTIGER ÜBERGANG!!!!

F.O.S.i. ("unnötig"=>Begründung!)
00
21.3.2011, 21:38

Was um Himmels Willen reden sie da von unblutigen Übergängen und "in einer Woche wäre alles erledigt gewesen"?

Austromat
01
21.3.2011, 21:22
" ... ein Verbrechen ... "

Du bist kein Verbrecher, du bist nur ein Koffer. Dein Held Gaddafi haette jeden einzelnen Aufstaendischen verschwinden lassen in den naechsten paar Jahren ...

Dr. Wolfgang S. (Kanzler z.Z. a.D.)
02
21.3.2011, 18:21
welch ueberraschung.

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