Speditionen zählen gewöhnlich zu den Klimasündern. Bei Gebrüder Weiss hingegen übt man sich in freiwilligem Klimaschutz
In Wörgl ließ er die erste klimaneutrale Logistikhalle bauen, ganz aus Holz.
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Wären da nicht die Lkw-Andockstationen, würde hinter der Lärchenholzfassade im Industrie- und Gewerbegebiet von Wörgl wohl niemand eine Logistikhalle vermuten. Ein Holzbau als Umschlagplatz und Lagerhalle für eine Spedition ist ungewöhnlich, das hochgesteckte Ziel des Erbauers, des Gebrüder Weiss Konzerns, ebenso: Klimaneutral sollte die dritte Bauetappe des Vorarlberger Logistikunternehmens am Standort Wörgl sein. Man wollte die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens "messbar und transparent" machen, begründet Vorstandsmitglied Wolfram Senger-Weiss die Investition in den Klimaschutz.
Klimafreundliche Bauweise gehört zu den Baustandards des Konzerns, mit der Berücksichtigung von verbautem CO2 hatte man aber noch keine Erfahrung. Weiss holte sich mit ClimatePartner Austria kompetente Berater ins Team. Die international tätigen Klimaschutzexperten unterstützen Firmen bei Maßnahmen zum freiwilligen Klimaschutz. Klaus Reisinger, Geschäftsführer von ClimatePartner Austria: "Gebrüder Weiss standen vor der Entscheidung, ob sie eine normale Halle oder eine Halle aus ökologischen Baumaterialien bauen, in diesem Fall aus Holz. Trotz Mehrkosten hat man sich für die ökologischen Baustoffe mit kleinerem CO2-Fußabdruck entschieden."
Zwei Varianten
Die Entscheidung wurde auf Basis genauer Berechnungen gemacht. "Zwei Varianten wurden in Bezug auf ihre CO2-Emissionen durchkalkuliert, und zwar die herkömmliche und die Holzbauweise", erklärt Baumeister Ludwig Ebetshuber von Yes Baumanagement in Innsbruck. "Unsere Aufgabe war es, den Experten von ClimatePartner die Grundlagen für die Analysen wie Masseangaben, Materialien zu liefern". Im Vergleich zur üblichen Planung war das für die Baumanager "ein erheblicher Mehraufwand bei der Vorbereitung".
Für Ebetshuber war die klimaneutrale Ausrichtung des Industriebauwerks absolutes Neuland: "Wir machen zwar hauptsächlich Industriebauten, eine Holzhalle war aber bisher aber nicht dabei." Noch bestimme zu sehr der Preis die Überlegungen von Bauherren, sagt Ebetshuber. "Sich für die Umwelt zu entscheiden und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen, das machen bisher nur Vordenker und Vorreiter."
Investition in die Zukunft
Statt die übliche Beton-Metallhalle zu bauen, entschied man sich für eine Holzständerkonstruktion (Leimbinder und Bretter aus Fichte) mit Lärchenholz-Fassade. Nur der Boden ist aus Beton. Als Heizquelle dient eine Wärmepumpe. Strom für die Logistikanlage stammt aus Wind und Sonne, geliefert wird er von einem Linzer Ökostromlieferanten.
Die Investition von zwei Millionen Euro in die 1300 m² große Halle plus Kühllager sei unbestritten höher, als sie bei herkömmlicher Bauweise gewesen wäre, sagt Markus Nigsch, verantwortlich für das Immobilien- und Facilitymanagement bei Gebrüder Weiss. Sie mache sich aber bezahlt: Man spare pro Jahr 90 Tonnen CO2 ein.
Vermeiden als oberste Devise
Bei der Auswahl der Baumaterialien ging man von der Devise "Vermeiden vor Reduzieren und Kompensieren" aus. Nicht vermeidbare Treibhausgase werden durch Ankauf von Klimaschutz-Zertifikaten kompensiert. Nigsch: "Wir haben uns aus den zertifizierten Projekten einen Windpark in Indien ausgesucht, den wir nun unterstützen." Durch diese Kompensation könne man, sagt er, erste Erfahrungen mit CO2-Zertifikaten sammeln. Die flächendeckende Einführung für die Transportbranche wird EU-weit diskutiert.
Ob Holzhallen nun beim Logistikkonzern Standard werden, ist fraglich. Nigsch: "Das hängt von den jeweiligen Baugesetzen und den operativen Anforderungen an den Standort ab." In Tirol waren Bau- und Brandschutzvorschriften kein Hindernis. "So ein Holzbau passt ja auch optisch nach Tirol", sagt Baumeister Ebetshuber. "Weil sie halt holzverliebt sind, die Tiroler", meint Nigsch. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.3.2011)