Das Gemeinsame im Gegensätzlichen

Michael Pekler, 21. März 2011, 18:04

Vom Leben nach der Bekehrung: "Arab Attraction"

Der Anlass für die Bekehrung war ein magisches Ereignis, während einer Reise im Jemen, als die erkrankte Barbara Wally das Licht des Vollmonds auf sich wirken ließ und am nächsten Morgen gesund aufwachte. Ihren zwanzig Jahre jüngeren Reiseführer hatte sie zuvor nicht beachtet, danach heiratete sie ihn und konvertierte zum Islam. Für Wally, viele Jahre Feministin, Atheistin und Leiterin der Internationalen Salzburger Sommerakademie, begann ein neues Leben.

So erweist sich auch Arab Attraction als zweigeteilter Film, allerdings nicht aufgrund einer Trennung in eine atheistische Vergangenheit und muslimische Gegenwart, sondern aufgrund seiner Schauplätze. Immer wieder folgen auf Szenen in Österreich solche aus dem Jemen, suchen Andreas Horvath und Koregisseurin Monika Muskala forciert mittels einer assoziative Montage das Gemeinsame im Gegensätzlichen: Sieht man Wally in Oberösterreich glücklich Pilze suchen, wird sie wenig später auf einer staubigen jemenitischen Landstraße von ihrem Mann mit dem Auto aufgelesen; spricht sie in New York vom "visuellen Müll", den Galerien produzieren, schneidet Horvath im nächsten Moment auf tatsächlichen Plastikmüll, der im Jemen den Straßenrand ziert.

Natürlich kann Wally die Anziehungskraft des Islam nicht erklären, erweisen sich etwa Vorbehalte gegenüber "westlichem Hedonismus" und damit einhergehender Kinderfeindlichkeit als Vorurteil. Gleichzeitig ist sie sich ihrer gesellschaftlichen und sozialen Position in der neuen Heimat bestens bewusst: Wiederholt erklärt sie, wann und wo sie gefilmt werden dürfe, versucht so, als Protagonistin Hoheit über den Film zu wahren, während sie umgekehrt dem Befehl ihres Mannes, vor der Kamera das Kopftuch zu tragen, umgehend Folge leistet. Sein Interesse an Arab Attraction, erklärt Wally, sei zu zeigen, dass sie eine glückliche Muslima sei.

So erzählt sie am Ende, wie sie ihre Angst vor dem Tod mithilfe des Glaubens überwinden konnte, während sich die Kamera langsam einem Fenster nähert. So lange bis sie den Blick durch die Gitterstäbe auf die Dächer von Sanaa freigibt. (Michael Pekler, DER STANDARD/DIAGONALE - Printausgabe, 22. März 2011)

  • 23. 3., Schubertkino, 13.30,
  • 25. 3., UCI Annenhof, 18.00
So erzählt sie am Ende, wie sie ihre Angst vor dem Tod mithilfe des Glaubens überwinden konnte, während sich die Kamera langsam einem Fenster nähert. So lange bis sie den Blick durch die Gitterstäbe auf die Dächer von Sanaa freigibt

Bravo, wieder ein schwaches Individuum, das auf Rationalität pfeift vor lauter Angst vor dem unausweichlichen. Darauf kann man doch stolz sein.

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