Wie Angst maskiert wird

21. März 2011, 18:55
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Das Angstempfinden sitzt buchstäblich tief - dabei spielen zwei Gruppen von Nervenzellen im Mandelkern eine Rolle

Freiburg - Das Angstempfinden ist ein natürlicher Begleiter unseres Lebens und ein sinnvoller Schutzmechanismus - unsere Sinne werden geschärft, in einer Gefahrensituation wird ein angemessenes Verhalten eingeleitet. Manchmal aber nehmen Ängste überhand und sind nur schwer wieder abzulegen. Es kommt zu andauernden Kontrollverlusten oder Lähmungen. Wie aber kann man diesen Angststörungen und Phobien begegnen?

Um die Vorgänge im Gehirn besser zu verstehen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Freiburg, Basel und Bordeaux die Entstehung und Unterdrückung von Ängsten im Computer simuliert. Sie beschreiben in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "PLoS Computational Biology", auf welche Weise scheinbar abgelegte Ängste in Wirklichkeit nur verdeckt, aber nicht verschwunden sein können. Seit längerem ist bekannt, dass der Grund für die Hartnäckigkeit von Ängsten ist, dass sie buchstäblich tief sitzen: Tief unter dem Großhirn liegt in unserem Denkorgan der "Mandelkern". Er spielt im Angstverhalten eine zentrale Rolle. Nun haben die ForscherInnen entdeckt, dass zwei Gruppen von Nervenzellen im Mandelkern eine Rolle spielen dürften.

Die Erforschung von Angst

Angstreaktionen werden oft an Mäusen erforscht, indem ein neutraler Reiz - beispielsweise ein Klang - gemeinsam mit einem unangenehmen Reiz auftritt. Die Tiere bekommen so nicht nur vor dem unangenehmen Reiz, sondern auch vor dem Klang Angst. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Kontext: Wenn der ängstigende Klang viele Male in einem neuen Umfeld vorgespielt wird, ohne dass etwas Unangenehmes passiert, legen die Mäuse ihre Angst ab. Sie kehrt aber sofort zurück, wenn der Klang im ursprünglichen oder in einem völlig neuen Kontext auftritt. Die Mäuse haben also nicht die Angst verlernt, vielmehr war das Empfinden im Gehirn "verdeckt".

Dabei spielen zwei Gruppen von Nervenzellen im Mandelkern eine Rolle. Das Forschungsteam mit Ioannis Vlachos vom Bernstein Center der Universität Freiburg erklärt im Rahmen seiner Studie mit Hilfe des "Nachbaus" des Nervennetzes, wie die Maskierung der Angst konkret abläuft: Eine Gruppe von Zellen steuert das Angstverhalten, die zweite die Unterdrückung von Angst. Ist die zweite Gruppe aktiv, verhindert sie, dass die Aktivität der ersten an andere Stellen im Gehirn weitergeleitet wird. Trotzdem sind die Verbindungen zwischen den Zellen, die Angst kodieren, noch vorhanden. Sobald die Maskierung wegfällt, zum Beispiel durch eine Veränderung des Kontexts, werden diese Verbindungen schnell wieder aktiv und die Angst kehrt zurück. Diese Einsichten, so die Forscher und Forscherinnen, sind auf den Menschen übertragbar und helfen zu verstehen, wie Ängste erfolgreich therapiert werden könnten. (red)

  • Illustriert: Die Steuerung des Angstverhaltens im Gehirn (rechts) kann durch eine zweite Gruppe von Nervenzellen maskiert werden (links).
    foto: carlos toledo/bernstein center freiburg

    Illustriert: Die Steuerung des Angstverhaltens im Gehirn (rechts) kann durch eine zweite Gruppe von Nervenzellen maskiert werden (links).

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