ÖVP-Generalsekretär: "Sehr schnell und unmissverständlich reagiert" - Kopf bittet Karas um Übernahme der ÖVP-Delegation
Wien - ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger hat Kritik am Krisenmanagement in der "Lobbyisten-Affäre" rund um Ernst Strasser zurückgewiesen. "Es ist eine ganz glasklare und unmissverständliche Erklärung von (Parteichef, Anm.) Josef Pröll vorgenommen worden und zwar eine Stunde, nachdem die Geschichte öffentlich geworden ist", sagte er am Montag. Strasser sei mittlerweile "alle Funktionen los", jetzt gehe es um die Frage, wer die Delegationsleitung übernimmt. Er persönlich favorisiere EU-Abgeordneten Othmar Karas, sagte Kaltenegger.
Kritik - auch an seiner Person - wies Kaltenegger zurück. "Ich sehe die Vorwürfe ohne Gründe". Dass die ganze Geschichte "sehr unangenehm" sei, "ist unbestritten". In der ÖVP hätten "derartige Umtriebe" jedenfalls keinen Platz, so Kaltenegger. Berichte, wonach Pröll eine Verstärkung in der Parteizentrale plane, seien falsch: Unter anderem verwies Kaltenegger darauf, dass man den "Betrieb sparsam führen" müsse, da man noch einen Teil der letzten Wahlkampfkosten zu finanzieren habe, auch von daher sei an eine Verstärkung nicht zu denken.
Strasser war laut Kaltenegger am Montag dabei, die notwendigen Schritte zur formalen Rücklage seines Mandats zu setzen. Wer ihm als Abgeordneter nachfolgen wird, sei noch nicht entschieden. Man werde sehen, wer von den nächstgereihten Personen sein Mandat annimmt, sagte der VP-Generalsekretär. Hinter Strasser sind Hubert Pirker und Heinz K. Becker die nächsten auf der Liste.
Karas als "glühender Europäer"
Die Wahl des Delegationsleiters werde aber von den Abgeordneten selbst vorgenommen, betonte er. "Wenn sie mich fragen: Ich würde mich sehr freuen, wenn Othmar Karas diese Funktion übernehmen würde", sagte Kaltenegger. Dieser könne mit seiner solch schwierigen Situation am besten umgehen, und sei außerdem "glühender Europäer".
Wiens ÖVP-Chefin Christine Marek spricht sich ebenfalls dafür aus, dass Karas die Delegationsleitung übernimmt. "Das ist für mich die logische Konsequenz", betonte sie. Karas habe das Know-How und sei ein integrer Politiker. Das Vorgehen Strassers bezeichnete sie als "inakzeptabel". Marek zeigte sich zufrieden darüber, dass Pröll ein "Machtwort" gesprochen habe.
Kopf bittet Karas um Übernahme der ÖVP-Delegation
ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf hat am Montag in einem persönlichen Gespräch EU-Abgeordneten Othmar Karas um die Übernahme der ÖVP-Delegation im EU-Parlament gebeten. Karas habe erklärt, er wolle zuerst mit den Delegationsmitgliedern sprechen. Erst danach werde er diesen und der ÖVP-Führung einen Vorschlag unterbreiten, sagte Kopf nach der Unterredung.
Ob sich Karas in diesem Gespräch bereiterklärt hat, die Delegationsleitung zu übernehmen, wollte Kopf nicht beantworten. "Ich hatte ein sehr ausführliches Gespräch mit ihm und habe ihn unter anderem ersucht, die Delegationsleitung zu übernehmen, wenngleich die Delegation das letztendlich selbst entscheiden muss", so Kopf. Karas werde morgen Dienstag wieder in Brüssel sein, sagte der Klubobmann. Wann die Entscheidung um die Delegationsleitung nun letztendlich fallen wird, konnte Kopf nicht sagen, man stehe hier unter keinem Zeitdruck.(APA)