Generika: Missverständnisse aufklären

22. März 2011, 10:50
  • Artikelbild
    vergrößern 500x317
    foto: österreichischer generikaverband

    Der Hauptverband rechnet vor: Originale, bei denen bereits das Patent abgelaufen ist, sind durchschnittlich um 2,87 Euro teurer als Generika.

Derzeit sind in Österreich über 4.000 Generika zugelassen - Qualität ist gesichert - Eventuelle Probleme mit Therapietreue der Patienten

Bekommen Patienten plötzlich ein Generikum statt ihres - oft jahrelang - gewohnten Medikaments verschrieben, sind sie häufig verunsichert. Generika haben aber den gleichen Inhalt und die gleiche Wirkung und das gleiche Sicherheitsprofil, wie bewährte Arzneimittel mit Markennamen - darauf wiesen das Gesundheitsministerium, die AGES PharmMed und der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger in einer gemeinsamen Veranstaltung hin, mit dem Ziel Missverständnisse zum Thema Generika aufzuklären.

Derzeit sind in Österreich rund 4.254 Generika zugelassen, die Qualitätskriterien sind EU-weit die gleichen. Gemäß der europäischen Arzneimittel-Richtlinie wird ein "Generikum" als ein Arzneimittel definiert, das die gleiche qualitative und quantitative Zusammensetzung aus Wirkstoffen und die gleiche Darreichungsform wie das Referenzarzneimittel aufweist und dessen Bioäquivalenz mit dem Referenzarzneimittel durch geeignete Bioverfügbarkeitsstudien nachgewiesen wurde. Die Bioäquivalenzstudie ist eine klinische Studie zum Nachweis, dass der Wirkstoff im Körper in der gleichen Menge verfügbar ist, egal ob es sich um das Testprodukt (Generikum) oder das Referenzprodukt (Originator) handelt. Der finanzielle Vorteil: die immensen Forschungskosten der ansonsten bei neuen Wirkstoffen zwingend vorgesehenen präklinischen und klinischen Studien fallen weg.

Der Weg zur Generika-Zulassung

In Österreich gilt wie in allen anderen EU-Ländern der Grundsatz: Jedes Arzneimittel muss geprüft und zugelassen sein, bevor es auf den Markt kommt. Alle Anträge zur Zulassung von Arzneimitteln werden seit 2006 von der AGES PharmMed, der österreichischen Arzneimittelagentur, bearbeitet. Durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) ergeht schließlich auf Empfehlung der Gutachter der AGES PharmMed der Bescheid, ob ein Arzneimittel, also auch ein Generikum, die Zulassung für Österreich erhält oder nicht. Im Jahr 2010 wurden in Österreich 1.005 Generika zugelassen, das sind 89 Prozent aller in diesem Jahr in Österreich zugelassenen Arzneimittel. Dieser Trend spiegelt sich auch in der EU wider: Mit insgesamt 2.900 Generika-Zulassungen decken diese Zulassungen 80 Prozent aller in der EU zugelassenen Präparate im Jahr 2010.

Markteinführung

Wann kommt ein Generikum frühestens auf den Markt? Der Antragssteller eines Generikums muss nachweisen, dass die erstmalige Zulassung des Referenzarzneimittels mindestens acht Jahre zurückliegt oder dass ein so genannter informed consent besteht, also die schriftliche Zustimmung des Zulassungsinhabers des Referenzarzneimittels. Das Generikum darf jedoch erst nach Ablauf von zehn Jahren nach Erstzulassung des Referenzarzneimittels in der EU in den Handel gebracht werden. Falls ein Originator innerhalb der ersten acht Jahre ein neues und weiteres bedeutendes Anwendungsgebiet (Indikation) zu den schon bereits bestehenden Anwendungsgebieten zugelassen bekommt, so verlängert sich die Schutzfrist auf elf Jahre.

Kostenfaktor

Der verstärkte Einsatz von Generika in der Alltagsversorgung der Patienten bietet für die soziale Krankenversicherung ein beträchtliches Kostendämpfungspotential. Generika ermöglichen es, auf bewährte Wirkstoffe zu vergleichsweise günstigen Preisen zurückzugreifen, sie sind daher ein wichtiges Instrument zur Effizienzoptimierung, so Christoph Klein, stv. Generaldirektor im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger: "Die auf diese Weise eingesparten finanziellen Ressourcen ermöglichen es, dass der Zugang zu teuren Spezialpräparaten - wie etwa Orphan Drugs, innovative Krebsmedikamente oder Biologicals - weiterhin ohne systemsprengende Konsequenzen leistbar bleibt."

"Kein Grund zur Beunruhigung"

Es bestehe weder für den verschreibenden Arzt, noch für den Apotheker, noch für den Patienten ein Grund zur Beunruhigung hinsichtlich der Verwendung von Generika. Eine Umstellung oder Neueinstellung eines Patienten bedürfe jedoch - vor allem hinsichtlich Compliance - grundsätzlich immer einer verantwortungsvollen und sorgfältigen Aufklärung und Beratung durch Arzt oder Apotheker, heißt es in der Aussendung der Veranstalter. (red, derStandard.at)

Siehe

Generika-Einsatz nach Transplantation heikel

Wissen: Wann erhält das Generikum die Zulassung?

Eine Zulassung für den österreichischen Markt wird erteilt,

  • wenn international festgelegte Qualitäts-Standards bei der Herstellung eingehalten wurden;
  • wenn Bioäquivalenz bewiesen wurde;
  • wenn das Sicherheits-Profil des Generikums dem des Referenzarzneimittels entspricht;
  • wenn die verwendeten Hilfsstoffe und der Herstellungsprozess nachweislich keinen Einfluss auf die Bioverfügbarkeit sowie Sicherheit und Wirksamkeit des Generikums haben und
  • wenn alle gesetzlichen Bestimmungen erfüllt sind (Ablauf Patentschutz, Fach- und Gebrauchsinformation, Kennzeichnung, ...).
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
Cookie^^
00
22.6.2011, 00:00
Gegen den Einsatz von Generika..

spricht grundsätzlich ja nichts.
Es gibt viele, die wirklich gut sind, und außer der etwas schäbiger wirkenden Verpackung gibt es an Ihnen nichts auszusetzen.
Problematisch wirds, wenn der Patient anders auf das Generikum reagiert oder ähnliche Probleme damit hat.
Mein Vater beispielsweise, bekommt sehr lange schon Glucophage für den Blutzucker. Er ist nun, aufgrund eine Gehirntumor, stark behindert und schluckt ca. 13 Medikamente am Tag.
Glucophage, das Original, is rundlich und leicht zu schlucken, das Generikum das mein Kohlmarkt 2ater aber vor kurzem verschrieben bekam, bleib of im Hals stecken und der alte, kranke Mann hats meistens wieder ausgespuckt.
Der Ärztin wars wurscht. Jz haben wir nen neuen Arzt.
Und ja, manche Generika wirken A

Sternchen100
00
25.5.2011, 11:37
In Apotheken sind Generika oft nur ein paar Cent billiger als moderne Originalprodukte! - Weil das ausreicht, damit die Apotheke sie statt dem Original auf Rezept ausfolgen muss!

Der einzige Grund, warum Generika in Ö. m.E. zugelassen wurde ist Bartensteins Generika-Firma.

Generika sind überalterte Patente, die längst durch modernere Mittel mit weniger Nebenwirkungen ersetzt wurden. Da die Pharmafirmen auf die neuen Produkte sitzenbleiben, werden Forschungskosten auf andere Produkte aufgeschlagen und Forschungen zu "unrentable Krankheiten" inkl. aufwändige Tests für kleinere Länder eingestellt (Deutschland hat darum 2-3x mehr neue Medikamente zugelassen als Ö.). Langfristig erspart sich die Gesellschaft durchgerechnet NICHTS, chronisch Kranke fallen eben durch den Rost.

Beliebt bei solchen Ersatzprodukten, auch aus dem Internet, sind auch minderwertige Zutaten in falschen Zusammensetzungen, die kaum helfen.

Biomilchpackerl
00

aha...aber zu Parkemed und Aspirin gibts genug Generika und trotzdem seh ich selten die wesentlich billigeren Generika selten auf einem Rezept.

AmnesIC
00

An frei verkäuflichen Präparaten existiert nur ein nahezu vernachlässigbar kleiner Anteil in Österreich. Die ganze Generikadiskussion dreht sich also hauptsächlich um rezeptpflichtige Medikamente: In Österreich dürfen Apotheker keine Generika anbieten, sie sind verpflichtet exakt dieses Präparat abzugeben, das der jeweilige Arzt verordnet hat. Eine "Aut idem Regelung" wie sie in Deutschland existiert, gibt es hier nicht. Inzwischen gibt es von manchen Präparaten über 15 Generika (die jeweiligen Preisunterschiede bewegen sich in Cent-Bereich!!). So kann es natürlich vorkommen, dass ein Patient immer wieder andere Generika erhält. Vor allem bei älteren Patienten leidet aber die Compliance darunter, da die Tabletten schon wieder "anders auss

Sternchen100
00
25.5.2011, 11:43
Korruption in Österreich

Ist doch ein toller Profit, denn die Generika-Hersteller (Aktiengeier) machen, keine eigene Forschung und alte Rezepte, aber fast so teuer wie ein modernes Originalpräparat, weil der Apotheker das Generika ausfolgen muss, was am wenigsten kostet, und wenn es nur um 10 Cent billiger als das Original ist.

Auf Wunsch und Anfrage bekommt man in der Apotheke das Original, wenn man die paar Cent selbst dazuzahlt.

Wer wohl aller für so eine profitable Lösung für Generikahersteller die politische Hand aufgehalten hat?

AmnesIC
00

upps, tschuldigung!
..... "schon wieder anders ausschauen".
Was zwingt eigentlich den Hauptverband dazu, über fünfzehn nahezu preisidente Generika in die grüne Box aufzunehmen??

drfeurstein
03
25.3.2011, 09:38

Mitnichten gibt auch eine beträchtliche Anzahl von Generica, die ein besseres Wirkungsprofil oder beine bessere Verträglichkeit als die Originale aufweisen. Signifikant schlechter und besser sind sie aber nicht, daher verschreibe ich sie regelmäßig. Warum den Pharmabonzen die Taschen füllen und nicht der Allgemeinheit sparen helfen?

Sternchen100
01
25.5.2011, 11:48

Originale kaufen! Weil die Generika-Firmen keinerlei Forschung zur Heilung von Kranken betreiben, und die echten Pharmafirmen daher aus Konkurrenz- und Kostengründen sich nicht mehr darum kümmern, ob für wirksame Präparate in Zwergstaaten mit Zwergmärkten wie Ö. nochmals eigene Testreihen zur Zulassung finanziert werden. Oder für Krankheitsbilder mit wenigen Betroffen überhaupt noch Medikamente entwickelt werden - weil unprofitabel geworden.

Hauptsache die parasitären Generikaproduzenten streifen genug Profit ein.

Biomilchpackerl
00

Ich verstehe ihren Standpunkt, dass man die Forschung fördern soll, aber wir müssen bedenken, dass einen Großteil der Medikamentenkosten die Krankenkassen tragen müssen. Wir müssen eine Regelungen finden zwischen Forschungsförderung und Entlastung der Krankenkassen.

Plaerrwuerstchen
00
25.3.2011, 09:39

braver Doktor!

something to look forward to
00
23.3.2011, 15:53

1) Ich würd Generika sofort nehmen. Bitte Anreize schaffen, dass Ärzte und Apotheker auch welche anbieten.

2) Ich will eigentlich nicht über meine Sozialversicherungsbeiträge Originale für die ganze ö Bevölkerung zahlen.

mediview
 
23
23.3.2011, 10:03
Alles paletti?

Die geringeren Kosten scheinen alle anderen Bereiche eines Generikums zu überlagern. Wie auch immer man dazu steht, ein Generikum ist zu 100% nicht mit einem Originalprodukt ident. Alleine die unterschiedlichen Hilfsstoffe (Trägerfunktion) beeinträchtigen die Wirkung des Medikamentes.
http://mediview.wordpress.com/glossar/f... /generika/

Sternchen100
00
25.5.2011, 11:55

Original contra Generikum ist vergleichbar mit folgendem Bild: echtes Rindsgulasch mit echten guten Zutaten - contra billiges Packerlfutter fast ohne Fleisch und vielen Geschmacksverstärkern statt echten Zutaten.

Gulasch ist doch Gulasch, oder?

Von einem der zwei wird dir eventuell kotzübel, und satt wirst du auch nicht, aber was solls.
Solange das Packerlzeugs bis auf ein paar Cent fast soviel kostet wie ein Originalgulasch...
Das nennt man neoliberales Menschen-Verars.hen.

Biomilchpackerl
00

Für welche Pharmafirma arbeiten Sie? Ein Generikum muss zu 85% Bioäquivalent mit einem Originalpräperat sein....

inge77
00
24.3.2011, 16:03
????

sie verwenden als beleg einen blog einer nichtmedizinischen privatperson?

die bioäquivalenz wird auch bei anderen salzen überprüft und muss die gleichen kriterien erfüllen. darum gibts eben keinen unterschied.

alcharismi
 
01
23.3.2011, 09:38

Ist ja alles eine Wischiwaschi-Diskussion. Wenn die Schutzphase abgelaufen ist, könnten ja die Erzeuger gleich das Produkt zum Preis des Generikons anbieten -- einzig die Umsätze aufgrund der Markentreue sprechen doch hier dagegen!

nik.2008
00
22.3.2011, 21:37

.. oft liegt es nicht am arzt, sondern die apotheken haben auch gar kein interesse generika zu verkaufen (ein originalprodukt = auch geringere lagerhaltungskosten). man kennt eben selber medikamente die man schon ewig anlassbedingt nimmt. z. b. eine voltaren-creme oder den mucosolvan hustensaft. beides gibt es auch wirkstoffident wesentlich günstiger. leider sind in den apotheken oft die gnerika gar nicht lagernd oder wenn doch, dann läuft das ding in 1-2 monaten schon ab, weil eben so selten verlangt. ich selber informiere mich im internet und hole mir dann gezielt generika - denn die apotheker verziehen ohnedies nur das gesicht, wenn man nach einem generika zum medikament x nachfragt...

Sternchen100
01
25.5.2011, 12:06
Ordentlichen Hustensaft wie früher bekommst du kaum noch, und schon gar nicht mehr ohne Rezept - offenbar dürfen wir wirksame pflanzliche Hustensäfte und Tees wieder selber zusammenkochen...

Dann sind das alles seriöse Apotheker, die genau wissen, warum sie das Gesicht verziehen.

Seit die EU in jedem Land auch für Neuzulassungen alter Mittel Testreihen verlangt, sparen sich die Pharmafirmen das, Ö. hat darum nur 1/3 der Medikamente als Deutschland, weil der Markt zu klein ist. Wenn schon testen, machen sie das mit neuen Produkten. Alte berwährte Mittel verschwinden so vom Markt, und noch vor dem Eintritt des Endes des Patents. Ist das vielleicht eine positive Entwicklung???

Passt nur indirekt, aber mich erinnert das an das Verbot der altbekannten Kartoffelsorte Sieglinde durch die Patentfirma, die keine Verlängerung für die Sieglinde mehr betreiben wollte. Stattdessen werden 3 Hybridsorten neu verkauft.

Biomilchpackerl
00

und manchmal wirkt ein in der Apotheke hergestellter Infus oder Magistralgemixter Codein-Ephedrin-Coffein-Tymiansirup-Hustensaft besser als ein Originalpräperat....

Fritz Meyer
00
23.3.2011, 07:42
Ja, solche Apotheken gibt es.

Allerdings muss man da nur konsequent bleiben. Und mit den Füssen abstimmen, wenn's gar zu rentitent keine Generika verkaufen wollen.

ignazius rummsfeld
00
22.3.2011, 17:37
danke Standard!

Euer Martin B.

Amoxicillin
00
22.3.2011, 17:16

Bei meinem letzten Praktikum im KH wurde ich von einer Patienten auch fast angeschnautzt als ich ihr ein Generikum ihres Schilddrüsenmedikamentes gegeben habe. Trotz ausführlicher Erklärung und sogar obwohl ich dann einen Arzt geholt habe der es ihr auch nochmal erklärt musste dann für sie das Markenprodukt nachbestellt werden...

Sabine Werner
00
17.4.2011, 09:02

und wenn sie 100mal erklären es ist dasselbe - ist es nicht - und schon gar nicht bei schilddrüsenmedis. habe selbst einmal statt des originalpräparates ein angeblich "gleiches" nachbauprodukt bekommen. ergebnis: herzrasen, schweißausbrüche und übelkeit. also gannnz das gleiche wie das original.
die trägersubstanzen sind nicht zu 100% ident, und wenn ich auf dem originalrezept bestehe und der doc es auch aufschreibt, mache ich in der apo genauso einen aufstand. es gibt bei uns ja kein aut idem regelung, gottseidank.

Andreeeas
06
22.3.2011, 20:36

In so einem Fall müsste es meiner Meinung nach heißen: Ja gerne bestellen wir Ihnen das Markenprodukt, aber auf Ihre Kosten!

Bonair
00
22.3.2011, 17:47

Hab die Erfahrung gemacht, dass man das Medikament umso einfacher "austauschen" kann, für je unnötiger die Patienten es halten. Bei Plavix oder Statinen ist das in der Regel einfach, bei Blutdruckmedikamenten tlw. nicht mehr und bei solchen, die man als lebenswichtig ansieht, sollte man es gleich vergessen...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.