Ex-Außenminister verteidigt sich: Es handle sich schon um den zweiten Versuch innerhalb kürzester Zeit, ihn zu diskreditieren
Das Köpferollen in der Brüsseler
Lobbyisten-Affäre
geht weiter: Nach seinem österreichischen Kollegen
Ernst Strasser (ÖVP) ist am heutigen Montag auch der slowenische
Europaabgeordnete Zoran Thaler zurückgetreten, nachdem britische
Enthüllungsjournalisten ihn als korrupt dargestellt hatten. Er wolle
damit zu einer restlosen Aufklärung "dieses
Kompromittierungsversuchs" beitragen, sagte der slowenische
Ex-Außenminister bei einer Pressekonferenz in Ljubljana. Er habe
nichts Ungesetzliches gemacht, betonte er.
Thaler berichtete, dass er bereits am Montagvormittag auf
eigene
Initiative die slowenische Behörde zum Kampf gegen die Korruption
aufgesucht habe, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. "Ich wünsche
mir, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt und sich zeigt, wer
illegal gehandelt hat und wer nicht", sagte der sozialdemokratische
Politiker. Es stelle sich nämlich die Frage, wer ihn kompromittieren
wolle "und ob dabei wirklich alles erlaubt ist, auch Manipulationen
und versteckte Aufnahmen". Thaler berichtete, dass man seit November
schon zwei Mal versucht habe, ihn anzuschwärzen.
Der slowenische Politiker strich zugleich die Unterschiede
seines
Falles zu jenem von Strasser und des rumänischen Sozialdemokraten
Adrian Severin hervor. "Ich habe den Rubikon der Legalität nicht
überschritten", sagte Thaler. Er habe nämlich kein Geld angenommen.
Die Untersuchung werde zeigen, "warum das so war". Während Strasser
am Sonntag nach einer öffentlichen Aufforderung von ÖVP-Chef Josef
Pröll zurücktrat, hält der am stärksten belastete rumänische
Ex-Vizepremier Adrian Severin noch aus. Er soll den vermeintlichen
Lobbyisten sogar 12.000 Euro in Rechnung gestellt haben, weil er sich
für einen Gesetzesvorschlag stark gemacht hat. Das Europaparlament
hat in der Affäre bereits eine Untersuchung eingeleitet.
Thaler hatte noch am Sonntag einen Rücktritt abgelehnt und sich
selbst als Opfer dargestellt. "Ich könnte ein Handbuch schreiben, wie
man Bestechungsversuchen ausweicht", sagte er. Auf das Spiel mit den
vermeintlichen Lobbyisten habe er sich eingelassen, um zu ergründen,
wer hinter der Angelegenheit stecke. Als Parlamentsberichterstatter
für Mazedonien sei er nämlich in jüngster Zeit schon einmal
Diskreditierungsversuchen aus dem Balkanland ausgesetzt gewesen. (APA)