Die neue US-Außenpolitik am Beispiel Libyen

20. März 2011, 18:35

Dass es überhaupt am Samstagnachmittag zum Auftritt der französischen Kampfjets über Libyen kam, ist ein Zeichen für einen erstarkten Westen

Den Ausgang der Militäraktion zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Libyen und zum Schutz gegen Angriffe auf Zivilisten kennen wir nicht. Sie war aber notwendig - und entwickelte sich vor dem Hintergrund der neuen US-Außenpolitik. Die hat Präsident Barack Obama in seiner Inaugurationsrede in Grundzügen dargelegt, er hat sie später, unter anderem in Kairo, detailliert beschrieben. Jetzt wird sie bei einem Konflikt umgesetzt, der vollständig in die Amtszeit Obamas und Clintons fällt. Dabei ging Obama selbst eher zögerlich vor, seine Außenministerin Hillary Clinton hingegen ohne Wimpernzucken. Ihre Rede am Samstag in Paris war eine Demonstration.

Diese neue Linie verhält sich zur Außenpolitik der Regierung Bush wie Tag und Nacht - vor allem, weil sich Obama und Clinton nun auch praktisch vom amerikanischen Führungs- und Herrschaftsanspruch verabschiedet haben. Aber trotzdem die Chance ergreifen, das fast überall ramponierte bis zerstörte Image der USA als befreiende Kraft wiederherzustellen. Wie versuchen sie das?

1.) Die seit Ronald Reagan (und nur unter Bill Clinton zeitweilig ausgesetzte) Missachtung und Marginalisierung der Uno wurde aufgegeben. Dem Sicherheitsrat, den man im Vorfeld des Irakkriegs zu manipulieren versuchte, wird wieder eine zentrale Rolle beigemessen.

2.) Erstmals anerkennt eine US-Regierung die Arabische Liga als Partner und gibt damit die Methode der hegemonialen Bevormundung der arabischen Welt auf - was das Regime im Iran vor erhebliche Probleme stellen wird. Ebenso den Kreml. Und Israel.

3.) Eine Militäraktion wurde nicht mehr (wie bei früheren Mega-Konflikten - siehe Vietnam, siehe Irak) mit falschen Behauptungen wie etwa der Existenz von Massenvernichtungswaffen oder inszenierten "Angriffen" begründet. Die Attacken der Gaddafi-Soldaten auf Zivilisten sind real, die Nicht-Einhaltung der angekündigten Waffenruhe ebenfalls. Obama hat eine solide moralische Grundlage für die Intervention in Nordafrika.

4.) Es gibt keine Differenz zwischen den USA einerseits, den Franzosen und Deutschen andererseits, die rhetorisch dabei sind, de facto aber fast so "neutral" wie die deshalb immer belächelten Österreicher. Hillary Clinton hat sogar die "leadership" des Machos Sarkozy gelobt. Mächtiges Brustschwellen im Élysée-Palast war die Folge. Und ein innenpolitisches Plus.

5.) Mit dem Verzicht auf den Einsatz von Bodentruppen wurde zwar einem Wunsch der Arabischen Liga entsprochen. Aber die USA und ihre Partner tragen auch einer wichtigen Erfahrung Rechnung: Damit kann man keine Kriege mehr gewinnen.

Dass es überhaupt am Samstagnachmittag zum Auftritt der französischen Kampfjets über Libyen kam, ist ein Zeichen für einen erstarkten Westen - und für die (offenbar auch von Russland und China) akzeptierte Schlüsselrolle des UN-Sicherheitsrats. Muammar al-Gaddafi hat diese Vorgänge massiv unterschätzt, das Gremium samt Resolution für einen Papiertiger gehalten. Jetzt spürt er eine echte Pranke. (Gerfried Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 21.3.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
presumption of innocence
00
21.3.2011, 20:06
Danke, Herr Sperl - alles gut erkannt und beschrieben,

doch in Libyen gibt es Bodentruppen und zwar die Rebellen.

triebstrü
 
10
21.3.2011, 15:54
"Dass es überhaupt am Samstagnachmittag zum Auftritt der französischen Kampfjets über Libyen kam, ist ein Zeichen für einen erstarkten Westen"

Wäre der Westen stark, dann wäre dieser Aggressionskrieg nicht nötig.
Nur schwache Eltern, denen es an Autorität fehlt, schlagen ihre Kinder.
Eine Macht, die sich mit Bomben durchsetzen muss, ist schwach.

Walter SB
21
21.3.2011, 14:44
Kann sich noch jemand an die Endsieg-Parolen

von Hitler und Co. im April 1945 erinnern?
Nicht wenige Deutsche glaubten noch an eine Wunderwaffe. Gaddafi glaubt auch an ein Wunder.

Die logische Antithese zu den damaligen Erfahrungen - die sich in der deutschen Seele verfestigten - ist
die totale Skepsis.
Der Kommentar von Herrn Sperl ist rational und schlüssig.

Inge Schmitt
 
13
21.3.2011, 14:27
Dass es überhaupt am Samstagnachmittag zum Auftritt ...

... der französischen Kampfjets über Libyen kam, ist ein Zeichen für einen erstarkten Westen ???

... wohl eher ein Zeichen dafür, dass in Frankreich Wahlen vor der Tür stehen! ;-(

xxx...yyy...
23
21.3.2011, 13:26
punkt 3) ist schon recht fragwürdig

die tolle neue politik der usa bedeutet nichts anderes als den völlig blinden europäischen möchtegernweltpolitikern wie sarkozy sand in die augen zu streuen und sie wie die blindne henderln in einen konflikt zu treiben, der sie a) nichts angeht, b) die eu weiter spaltet (da ja nach wie vor das misskonstrukt von glz. eu- und nato-mitgliedschaft besteht), c) völlig undurchschaubare ziele verfolgt, d) kräfte unterstützt von denen man nicht weiß, wsa die eigentlich wollen, d) die destabilisierung nordafrikas vorantreibt (sehr intelligent aus sicht der eu...) und e) auf einer höchst fragwürdigen uno-resolution beruht.

aber bitte: feiern wir das als erfolg. klatsch, klatsch, klatsch

lessismore
15
21.3.2011, 10:45

Und wir haben eine solide moralische Grundlage, Barack Obama kein Wort zu glauben -- wer anders denkt, führe sich seine Wahlversprechen zu Gemüte!

Odo
58
21.3.2011, 04:12
Herr Sperl ist ein gutes Beispiel dafür wie die Obama-Jünger in der Standard-Redaktion ihrem Liebling in Nibelungentreue folgen.

Heute erklärt uns also Herr Sperl, dass die Militäraktion in Libyen notwendig sei. Das hörte sich aber vor knapp einer Woche, als Obama noch gegen eine Militäraktion war, noch ganz anders an:

http://derstandard.at/129782028... ikaGroup=1

Zitat: "Ein noch engeres Netz von Sanktionen gegen Gaddafi und intelligente Hilfen für die Opposition sind wohl die Optionen der Stunde."

Herr Sperl ist offensichtlich genauso wankelmütig wie Herr Obama.

Walter KURTZ
 
02
21.3.2011, 11:25

Probleme hat Obama übrigens mit seiner eigenen Fraktion: u.a. Dennis Kuchinich (und die herrliche dämliche Sheila "the two Vietnams" Jackson Lee) sehen in seinem Vorgehen einen "impeachable offense".
Denn eigentlich darf der Präsident keinen derartigen Militärschlag anordnen, das Recht dazu hat nur der Kongress. Woran sich aber in den letzten Jahrzehnten viele Präsidenten nicht gehalten haben.

Jerry Garcia
 
00
21.3.2011, 09:10
Da hat man anscheinend noch nicht mit der Entscheidung des Sicherheitrats gerechnet.

Das ändert doch einiges.

entenfutallesgut
106
21.3.2011, 00:43
Lybier hatten Flugverbot EINGEHALTEN

Neue US-Außenpolitik ?

Rußland hatte seine Satelliten auf Libyen gerichtet: KEIN FLUGZEUG

Es geht nicht Durchsetzen, daß niemand fliegt,
es geht um alles ruinieren, daß niemand fliegen KANN
Alles wurde am Boden erwischt, brav eingeparkt

Und uns lügen sie wieder an !

ZUDEM: in Libyen waren 36.000 Chinesen

mehr als von allen westlichen Staaten zusammen

- Eisenbahn- und Häuserbau an der Küste um $4,6 Mrd.
- Eisenbahn im Landesinneren um $5,2 Mrd.
- ein riesiges Bewässerungsprojekt in der Sahara
- eine neue Öl-Pipeline (!)

China hatte dem Westen binnen weniger Jahre den Rang abgelaufen

Was ist an dieser Außenpolitik - nämlich daß man das Land dann eben überfällt - neu ?

Die Rebellen bekamen Waffen via Ägypten, mit Wissen der USA. Neu ?

Nukularist
31
21.3.2011, 14:35

Das Sicherheitsrats-Mandat beinhaltet mehr als die Flugverbotszone, sondern das Schützen von Zivilisten gegen Angriffe. Da Gaddafi die Stadt Bengasi wahllos (also auch Wohnhäuser, etc.) mit Artillerie beschossen hat, hat das das Vorgehen gerechtfertigt.
Außerdem müssen, um die Flugverbotszone durchsetzen zu können, erst die Vorbereitungen dafür geschaffen werden. (Zerstörung der Luftverteidigungs-Systeme)

entenfutallesgut
01
21.3.2011, 22:00

Es wurden Krankenhäuser bombardiert. Dir kann man scheinbar alles erzählen. Nix gelernt aus Falludscha ?

Nukularist
20
21.3.2011, 22:32
Mit Betonung auf *angeblich*

Laut wem? Laut Gaddafi?

Francesca
12
21.3.2011, 12:06
Die offensichtliche Überschreitung des SR-Mandats

("Flugverbotszone" durchsetzen) übersieht Hr. Sperl beflissentlich?

Nukularist
31
21.3.2011, 14:43

Das Sicherheitsrats-Mandat beinhaltet mehr, als die Flugverbotszone durchzusetzen.

1. Informieren
2. Denken
3. Posten

Wichtig: Punkt 1 und 2 nicht überspringen!

francgustav
00
26.3.2011, 11:07
Das SR- Mandat istr offensichtlich sehr schwammig

formuliert. Es gibt Völkerechtler die meinen, wenn es das Wegbomben von Gaddaffi erlaubt, dann steht es im Widerspruch zu bisherigen vr. Grundprinzipien. Auf alle Fälle wird die Bevölkerung getäuscht, denn in den Medien wird nur von Durchsetzung der Flugverbotszone geredet.
Übrigens: vor dem Posten über Stil nachdenken könnte Ihnen nicht schadeb!

entenfutallesgut
00
21.3.2011, 22:02

Das Sicherheitsrats-Mandat kann nicht mehr beinhalten, als die Mitglieder zu beschließen bereit waren

Was die Russen und die Chinesen mittlerweile davon halten ist ja bekannt. Ebenso die Afrikanische Union und Indien, die Türkei, Bolivien, usw.

Nukularist
10
21.3.2011, 22:32

Russland und China hätten beide ein Veto einlegen können. Haben sie aber nicht. ;)

sljudanka
00
20.3.2011, 22:02
Man hat vielleicht bei den Tötungsmaschinen dei absolute Oberherrschaft

allerdings muss man sich langsam eingestehen, dass Kriege gegen dei arabische Welt nur Scheinsiegen entsprechen.

Zwischen Irland und dem Ural gibt es 1 Million europäische Geburten jährlich;
allein der schmale islamische Gürtel von Marokko bis Iran geriert 42 Millionen Geburten jährlich!!

Also wenn nur 1 Million von dort nach EUropa zuwandern, wird das Antlitz EUropas sich innert 2 Generationen total verändern (siehe Pariser Vororte).

Also - genauso wie Israel, ist EUropa drauf und dran, den Krieg demografisch zu verlieren, da helfen alle Feuerwerke nichts mehr....

Udn - Russland geht es auch nicht besser, die fürchten sich auch vor einer Überrenung vom Süden, und rüsten fleissig Massentötungswaffen, genauso wie USA+Vasallen...

byron sully
00
21.3.2011, 01:50

den iran können sie in dieser aufzählung ruhig weglassen, dort sind die geburtenzahlen nämlich gar nicht mal viel höher als in europa. abgesehen davon, daß der iran nicht zur arabischen welt gehört.

Warentester
00
21.3.2011, 00:04

Sehe dahinter keine zwingende Logik. Man muss nur schaun, die Überpopulationen nicht einsickern zu lassen. Dann werden die aufgrund des steigenden Populationdrucks ziemlich mit sich selber beschäftigt sein. Natürlich ist das eine große Gefahr für Europa, aber keine die nicht abgewendet werden kann.

Michel Berger
02
20.3.2011, 20:34
Die USA haben sich von ihrem Führungsanspruch verabschiedet .....

In Wirklichkeit wird dem Zwerg aus Paris die Möglichkeit geboten von seinen innenpolitischen Problemen abzulenken und sich als Napoleon zu gerieren.

Hofer1002
03
20.3.2011, 20:03
Super

jetzt können auch die Uiguren und die Tibetaner beim nächstem Aufstand auf UNO und USA zählen.Und in Bahrein,Saudi Arabien,Kuweit,Äthiopien,Uganda..zittern die Despoten vor der Gerechtigkeit der UNO und USA.
Oder?

Dr. Muffel
00
20.3.2011, 19:57
sehr "flexibel"....

Haben Sie nicht vor 1 Woche noch gegen die "Kriegstreiber" angeschrieben ? Hier? siehe:
http://derstandard.at/129782028... ikaGroup=1

märchenonkel
13
20.3.2011, 19:49
Warum hab' ich nur so ein Déjà-vu-Gefühl? War da nicht mal was von einem bösen bösen Mann im Osten? Salam? Sadam? Ah, jetzt fällt's mir ein, Saddam Hussein! Ind sein Land wurde erfolgreich befriedet, wie man hört.

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