"Lobbyist" Strasser - Die Fleisch gewordene Europaskepsis

Sebastian Pumberger, 20. März 2011, 12:13

Das Doppelspiel des Ernst Strasser zerstört das Ansehen der "Europapartei" ÖVP und die Sichtweise auf das EU-Parlament

Anfang des Monats schien die ÖVP im Aufwind. Der Koalitionspartner wurde in der Heeresdebatte gebremst, Klubobmann Kopf begann eine Parlamentarismusdebatte, das Bildungsprogramm der Volkspartei wurde präsentiert, Werner Amon zum neuen starken Mann in der Schulpolitik gemacht. Die Volkspartei drückte aufs Tempo. So schien es.

Doch die letzten Tage verliefen anders. Wehrsprecher Norbert Kapeller musste zurücktreten, weil in seinem Auto der Behindertenausweis eines verstorbenen Verwandten lag und das Auto mit diesem auf einem Parkplatz in einer Kurzparkzone vor dem Linzer Bahnhof abgestellt wurde. Kapeller beteuerte, seine Frau habe das Auto benutzt.

Und nun Ernst Strasser. Der Delegationsleiter der Volkspartei im EU-Parlament soll mutmaßlich auch als hochbezahlter Lobbyist tätig gewesen ist. 100.000 Euro nahm er für seine Dienste angeblich pro Jahr und Klient. Das bekundet er selbst im Video der Sunday Times. Es gilt - wie oft in diesem Land - die Unschuldsvermutung. Nach tagelangen Berichten und innerparteilichen Zerwürfnissen in der Delegation der Volkspartei im EU-Parlament, forderte Parteichef Josef Pröll Strasser nach der Veröffentlichung des Artikels in der Sunday Times zum Rücktritt auf. Kurz danach folgte Strasser dem Ansinnen, jedoch ohne Entschuldigung. Begründung: Er ortet eine Kampagne, die der Volkspartei schade. Demut sieht anders aus.

Geschadet hat Strasser jedoch nicht nur der selbsternannten "Europapartei" ÖVP. Als Diener zweier Herren ist er Sinnbild für all, das was an Straßburg und Brüssel kritisiert wird. Undurchsichtige Prozesse, Einfluss der Wirtschaft, Lobbyismus, Korruption, Abgehobenheit. Die EU-Skepsis in diesem Land war bislang hoch. Nun trägt ausgerechnet der Delegationsleiter der "Europapartei" dazu bei, dass die EU-Kritiker sich in ihrem Bild bestätigt fühlen. Ein Politiker, der nicht für die Bevölkerung das Beste sondern für sich selbst das Meiste aus seinem Mandat herausholen will, ist die Fleisch gewordene Europaskepsis.

Über Ernst Strasser wird die ÖVP-Delegation personell wohl hinwegkommen. Den Nimbus der "Europa-Partei" ist die Volkspartei jedoch los. Wann auch immer es gilt, die parlamentarischen Abläufe im EU-Parlament zu kritisieren, wird der Name Strasser fallen. Das wird der ÖVP und dem Blick der Bevölkerung auf Europa langfristig, vermutlich negativ, beeinflussen. Das ist der eigentliche Schaden der Lobbyismus-Affäre. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 20.3.2011)

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The Ghost in the Machine 2.0
 
01
23.10.2011, 10:25
23.10.2011

... bin über einen anderen Skandallink wieder hierhergekommen ... fast ein halbes jahr danach und der Strasser Ernstl ist immer noch auf freiem Fuß. Korrupte Schneckenjustiz.

binobergel
 
00
22.3.2011, 13:23
überflüssiges Lobbyistengesetz

Die Diskussion über ein "Lobbyistengesetz" für Österreich zeugt wieder einmal von Realitätsverweigerung der Politik und Justitz.
Aufrichtige Politiker mit Rückrat und Verantwortungsbewusstsein hätten wohl nichts gegen folgende Vorschläge einzuwenden:
Das bestehende Anti- Korruptionsgesetz wieder zu verschärfen und auch beinhart mit mehrjährigen Freiheitsstrafen tatsächlich zu exekutieren (dieses wurde ja durch Regierungsbeschluß, geltend ab 01. 09.2009 entschärft!!!! - siehe Link: http://www.wien-konkret.at/wirtschaf... nsgesetz/)
Offenlegung der Parteikonten und Spenden, ein Verbot von Zweit-/Dritt-Jobs (Aufsichtsräte, private Management- bzw. Beratertätigkeiten etc.) für hochrangige Politiker während Ihrer Amtsperio

Nick Knattertoni
10
21.3.2011, 17:12

zerstört das ansehen.. warum so negativ? es korrigiert, bestätigt oder festigt das ansehen..

sociovation
02
21.3.2011, 16:39
Strasser hat mit Europa genauso viel zu tun

wie ein ganz normaler korrupter Politiker mit Österreich.
Der Vorteil an Europa ist aber, dass die Wahrscheinlichkeit, damit nicht durchzukommen, in Europ ungleich höher ist.
Daher müsste man aus dem Fall Strasser eigentlich zum Europa-Fan werden, oder etwa nicht?

Ggg14
00
21.3.2011, 18:53

Seh ich ähnlich.

Die ÖVP hat sich gedacht, sie entsorgt Strasser billig nach Brüssel, und jetzt hats den Scherben auf.
Denn dort gibts eben eine viel größere Öffentlichkeit und Leute wie Strasser fliegen viel schneller auf als im verschlafenen Österreich.

krokokater
 
02
21.3.2011, 16:08
Fand sich gerade in der "ZEIT"

Stellvertretend für die Bank habe dabei die Vienna Capital Partners (VCP) agiert. Hinter der VCP-Gruppe steht der Wiener Investmentbanker Heinrich Pecina, der allein in Österreich 16 aktive Funktionen bei 14 verschiedenen Unternehmen als Vorstand, Geschäftsführer oder Aufsichtsrat innehat. Bei zwei seiner Gesellschaften stand von Dezember 2005 bis Dezember 2008 auch ein prominenter Aussteiger aus der österreichischen Politik auf der Payroll: der ehemalige ÖVP-Innenminister Ernst Strasser.

Im Zusammenhang mit Kulterer und der Hypo Alpe Adria.....

count zero
00
21.3.2011, 16:00
eigentlich ein wirkliches Armutszeugnis....

für wie wenig so einer bestchlich ist....

herbst8
00
21.3.2011, 16:05
... für wie wenig so einer bestechlich ist ...

... jeder Mensch hat seinen Preis.
Der eine mehr und der andere weniger ...

hot doc
00
21.3.2011, 15:45
wenn man sich die verhältnisse in der nö övp ansieht,

dann sollten die treuen övp-wähler endlich mal über ihren landes-pröll und die verschiedenen ungereimtheiten (hypo-nö, wohnbau-gelder, nögus, skylink, hilfswerk, um nur wenige zu nennen) gedanken machen.

ich denke, nicht nur strasser, sondern auch seine förderer sollten die konsequenzen ziehen und gehen.

Der Steuerzahler1
00
21.3.2011, 16:20

bleibt da noch wer übrig in der VP? Die NÖ Landesregierung könnten wir dann jedenfalls mangels Personal abschaffen.

hot doc
00
21.3.2011, 18:05

demokratiepolitisch besehen ein charmanter gedanke.

rs55ef
00
21.3.2011, 15:50

was ist beim NÖ Hilfswerk faul??

eager beaver
00
21.3.2011, 16:12

Hr. Strasser

Franz Weinpolter aka Franz Ehm
00
21.3.2011, 15:17
ÖVP = Österreichs Verlogene Pfründepartei

die övp treibts wirklich bunt:

http://www.tt.com/csp/cms/s... 3%B6ht.csp

darf das denn wahr sein? unglaublich!

EMPÖRT EUCH!

Anton D.
00
21.3.2011, 18:49
Naja, der Strasser ist weg,

leider aber nicht Herr Faymann. Der Bestecher(Inserate) und gleichzeitig Hilfswillige(Brief) der Kronenzeitung. Die Korruption zieht sich durch das österr. Politleben wie ein Krebsgeschwür.

The Heckler
00
21.3.2011, 15:01
und wieder

ein kräftiger schub für die rechtsrechte partei des kleinen mannes

mir ist gerade sauübel, tschuldigung

high contrast
00
21.3.2011, 16:01

Wenn die Leute so blöd sind und lieber ne Partei wählen mit z.B. so tollen Persönlichkeiten wie "Ich besorg dir eine Staatsbürgerschaft"-Scheuch..

B.Kiddo
02
21.3.2011, 15:45
Schub für die rechtsrechte Partei?

Stimmt schon, dass die Zahl der unwissenden Blau-Wähler (leider) wieder steigen wird; doch diese Herren (in Blau bzw. Orange) machen es doch ebenso wie Strasser - siehe Dörfler, Scheuch, Maischberger u. Konsorten! Das sind keine "sauren Wiesen" mehr, das ist ein alles verschlingender Sumpf ... da darf einem schon übel werden, das kann ich gut verstehen! Ich habe leider keinen wirklich guten Tipp, wie wir das abstellen könnten - sorry, ich leide mit Ihnen!

pago1
01
21.3.2011, 15:40
was glaubst ddu wie übel dir erst wird wenn die straches das sagen haben

dann wird die korruption einen schub bekommen der alles unter schüssel in den schatten stellt

The Heckler
00
31.1.2012, 11:48
d accord

Joshuamadi
00
21.3.2011, 14:44

Welches Ansehen kann die ÖVP denn noch verlieren?

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
04
21.3.2011, 14:22

Selbst die ÖVP Wähler haben gewusst was Strasser für einer ist, ansonsten hätten sie nicht Karas 116000 Vorzugsstimmen gegeben. Die ganze Affäre belastet natürlich nun vordergründig sowohl Partei als auch die Prölls die für Herrn Einsetzung des Herrn Strasser die Verantwortung tragen.

Barney Gumble1
08
21.3.2011, 14:17
Was ich nicht verstehe ist

In den beiden Videos spricht Herr Strasser davon, dass er Lobbyist ist und bereits 7 Kunden hat, die ihm für seine Tätigkeit 100.000,00 EUR pro Jahr zahlen, einer davon noch nicht ganz sicher.
Das ist ein klares Geständnis!
Welche Unschuld ist da jetzt zu vermuten?
Bekanntlich wird beim Strasser ohnehin mit andern Maßstäben gemessen. Die Anzeige wegen Amtsmissbrauch ist bei der Staatsanwaltschaft liegen geblieben und dabei verjährt. Der Mensch hat Glück.
Jetzt wird ihm die Unschuldsvermutung nachgeschmissen obwohl er geständig war.
Ich verfolge auch den Tierschützerprozess. Denen wird ohne Beweise und trotz der entlastenden Aussagen der Undercoveragentin ein Prozess gemacht.
Wie funktioniert da die Gleichheit vor dem Gesetz?

cipf
 
00
21.3.2011, 17:00

Die "dritte Macht" (die Justiz) dient einzig der Legitimierung der Mächtigen.
Seit man nicht mehr unauffällig Leute verschwinden lassen kann, seit dem bedient man sich der (ach gar sooo unparteiischen) Justiz um jenes Recht zu sprechen, das man sich vorher gekauft hat.

Beim Nürnberger Prozess nannte man das Willkürjustiz (wenn ich nicht irre, oder zumindest so ähnlich).

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