Zweiter Spitzel

"Da war nix Aufregendes zu ermitteln"

18. März 2011, 17:20

Auch der zweite Polizeispitzel hatte keine Straftaten bemerkt

Wiener Neustadt - Was immer die "Vertrauensperson VP 481" ein halbes Jahr in der Tierschützerszene für die Polizei ermittelt hat - es war jedenfalls nichts dabei, das im Prozess gegen die im Landesgericht Wiener Neustadt als "kriminelle Organisation" angeklagten 13 Tierschützer verwendet werden könnte. "Ich hab bei einigen Aktionen und Treffen mitgemacht, aber da war nix Aufregendes zu ermitteln", berichtet die Frau bei ihrer Zeugenaussage am Freitag über ihren Undercover-Einsatz von Mitte Mai bis September oder Oktober 2007.

Richterin Sonja Arleth fragt nach, wie die Treffen und Demos in der Tierschützerszene denn so abgelaufen seien? Da habe es "nichts Aufregendes" gegeben und es sei "um die Tiere" gegangen, berichtet die Informantin. Bei den Demos sei "zwar geschrien worden, aber es war friedlich".

Und die Vereinstreffen der Tierschützer? Ja, da sei sie auch dabei gewesen, erinnert sich die Frau - "damals ist's um irgendan Schimpansen 'gangen."

Von ihrem späteren Führungsoffizier war die Informantin angesprochen worden, weil "er weiß, dass ich Tierschützerin bin". Ihr Auftrag? "Ich sollte nur schauen, ob irgendwas kaputtgemacht wird oder ob irgendwelche illegalen Aktionen geplant sind." Sie sei aber nie aufgeklärt worden, um welche möglichen Straftaten es dabei gehen könnte.

Aufträge, wo genau sie hingehen solle, habe sie nicht bekommen. Sämtliche Infos habe sie nach den Treffen telefonisch an ihren polizeilichen Kontakt weitergegeben. Jener Führungsoffizier war bereits am Vortag in Wiener Neustadt als Zeuge befragt worden. Aber auch der hatte erklärt: "Sie hat keine Informationen beschaffen können."

Der Einsatz von "VP 481" sei auf Auftrag der "Sonderkommission Bekleidung" erfolgt, nachdem diese österreichweit nach möglichen Vertrauenspersonen für den Tierschutz gefragt habe. Ziel sei gewesen, Informationen über Sachbeschädigungen zu bekommen. Aber auf dem neunseitigen Bericht fanden sich vor allem nur zahlreiche Verweise auf "belanglose Gespräche".

"VP 481" ist bereits der zweite Polizeispitzel, der erst im Zuge des Gerichtsverfahrens auftauchte. Aber auch die erste Informantin, die unter dem Decknamen "Danielle Durant" bei den Tierschützern unterwegs war, hatte keinerlei strafrechtlich relevante Wahrnehmungen gemacht.

Richterin Arleth hat bereits angekündigt, dass das Urteil im Tierschützerprozess am 2. Mai verkündet werden soll - also exakt 14 Monate nach Beginn des Verfahrens. (APA, frei/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20. März 2011)

Marianne M1
05
19.3.2011, 19:49
aufregend

war nix bei den Tierschützern. Es tun sich aber wirklich Abgründe auf, wie der Staat die Überwachung praktiziert:
http://www.martinballuch.com/?p=574

Macht braucht Kontrolle!

Erwin Wolfram
01
19.3.2011, 16:33

Uebersetzung

Wenn die Tierschuetzer veruteilt werden zeigen die Menschen mit nur einer Niere eben die Straftater in der Justiz und die Beihilfetaeter an, weil korrupte Justizmitarbeiter isst man nicht, sondern Bio!

ÖVP-Rohlinge
013
19.3.2011, 09:13
Dieser Tierschützer-Prozess ist ein Justizskandal der Sonderklasse....

Trotz keiner Beweise kam vom Justizministerium die Weisung, "EINEN PROZESS GEGEN TIERSCHÜTZER ZU FÜHREN"
Auf der anderen Seite gibt es im Fall Strasser wegen "AMTSMISSBRAUCH" einen Staatsanwalt der doch glatt diese Anzeige (Korruptionsverdacht) dazu einfach vergessen hatte. Dieser Staatsanwalt Mag. Christian Walzi steht im dringenden Tatverdacht Amtsmissbrauch iSd § 302 StGB begangen zu haben....Das Verfahren wurde vom Justizministerium nicht einmal verfolgt. Das muss man sich vorstellen! Nicht einmal ein Disziplinarverfahren gab es dazu........

Benjamin Klein
00
nicht einmal ein Diszi ....

ja wer soll den eine STAATSANWALT anklagen, wenn er betreibt was im Sinne der "höheren Macht" ist .....

was ist schon ein name
00
WER BIST DU

Dieses Posting wurde schon leicht abgewandelt auf news.at und oe24.at gebracht.

Hast eh Recht, regt mich auch auf, aber was sind deine Interessen?

zhang sanfeng
010
18.3.2011, 19:10

"aufgrund des konspirativen verhaltens ist es leider nicht gelungen, verdeckte ermittler einzuschleusen."

die führungsoffiziere der SOKO bekleidung unter wahrheitspflicht vor dem wr. neustädter "gericht".

Leck-o-mio
15
20.3.2011, 18:29

Korrupte Polizeibeamte und solche mit kriminellem Potential hat und wird es immer geben, aber in diesem Fall steckt eindeutig System dahinter. Doch der eigentliche Skandal ist aber, dass die Justiz dabei ihre schützende Hand darüber hält und die gesetzeswidrigen Machenschaften der Polizei soweit es geht deckt.

belgma
 
08
18.3.2011, 20:40

bei den vielen lügen auf seiten der zeugen der anklage wundert es einen, dass das gerichtsgebäude mit so vielen gebogenen balken überhaupt noch steht!

WrN-Apfelstrudel
02
18.3.2011, 21:58
das geht vermutlich nur

wenn neben der Polizei auch " das menschenrechtstragende Gericht" tatkräftig sich dagegenstellt.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.