Vermeers "Malkunst" soll nicht restituiert werden

18. März 2011, 14:25
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    foto: khm

    Vermeers "Malkunst" soll im Kunsthistorischen Museum Wien bleiben.

Kunstrückgabebeirat sprach sich gegen die Rückstellung aus

Wien - Das bedeutendste Gemälde des niederländischen Meisters Jan Vermeer, "Die Malkunst", wird im Kunsthistorischen Museum (KHM) bleiben. Am Freitag kam der Kunstrückgabebeirat unter Vorsitz von Clemens Jabloner zu der Empfehlung, das Bild nicht an die Erben des früheren Besitzers Jaromir Czernin zu restituieren. Bis dato hat sich Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) stets an die Empfehlungen des Beirates gehalten und dies auch in diesem Falle angekündigt. Die Vermeer'sche Allegorie auf die Malerei ist eines von nur 37 erhaltenen Gemälden des Meisters und noch dazu das größte. Es gilt gemeinhin als teuerstes Gemälde Österreichs.

Czernin hatte das Bild 1940 für 1,65 Mio. Reichsmark an NS-Diktator Adolf Hitler verkauft. Die Erben hatten argumentiert, dass es sich bei Czernin und seiner Frau Alix-May um Verfolgte des NS-Regimes handelte, weshalb diese sich zu einem Verkauf unter dem von ihnen angestrebten Preis gezwungen sahen. Alix-May galt als "Vierteljüdin".

Die Entscheidung des Kunstrückgabebeirats erfolgte einstimmig. Der Beirat kam zum Ergebnis, dass Jaromir Czernin den Verkauf an Adolf Hitler ohne Zwang abgeschlossen hatte, aber auch, "dass Adolf Hitler einen Erwerb des gegenständlichen Gemäldes nicht aktiv verfolgte, vielmehr wurde der Verkauf aktiv von Jaromir Czernins Rechtsanwälten betrieben". Der Beirat sieht es als gegeben an, dass Czernin das Gemälde verkaufen wollte und dafür im Wesentlichen den bereits mit einem anderen Interessenten verhandelten Preis erhielt.

"Weiters ergibt sich, dass die Darstellungen von Jaromir Czernin, er wäre politischer Verfolgung unterlegen, nicht belegbar sind", heißt es in dem Beiratsbeschluss. "Insbesondere spricht sein Antrag auf Aufnahme in die NSDAP vom 9. April 1940, in welchem er zusätzlich auf bestehende Mitgliedschaften in anderen Organisationen im Umkreis der NSDAP verwies, nicht für eine gegenüber dem NS-Regime distanzierte Haltung. Der Beirat übersieht keineswegs, dass Alix Czernin antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt war, eine Kausalität mit dem Verkauf des Bildes durch ihren Ehemann ist jedoch nicht zu erkennen."

Es bestehe daher "kein Grund für die Annahme, dass der Verkauf der 'Malkunst' von Jaromir Czernin an Adolf Hitler ein gemäß § 1 Nichtigkeitsgesetz nichtiges Rechtsgeschäft war. Der Tatbestand des § 1 Abs. 1 Z. 2 (bzw. 2a) Kunstrückgabegesetz ist daher nicht erfüllt. Der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur war daher zu empfehlen, das gegenständliche Gemälde nicht zu übereignen."

Bei der "Malkunst" handelt es sich um das größte Gemälde des niederländischen Malers Jan Vemeer, von dem insgesamt nur 37 Bilder erhalten sind. Es gilt als Hauptwerk. Es zeigt einen Künstler in seinem Atelier und vor seiner Staffelei, der dem Betrachter den Rücken zuwendet; vor ihm steht sein Modell mit einem Buch. Seit seiner Entstehung zwischen 1666 und 1668 gilt das Werk als Allegorie für die Malerei schlechthin und hat zahllose Interpretationen, Schriften, aber auch künstlerische und filmische Rezeption angeregt. Im Kunsthistorischen Museum, wo sich das Gemälde seit 1946 befindet, wurde ihm im vergangenen Jänner eine ausführliche eigene Ausstellung gewidmet. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 75
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E. Randol Schoenberg
 
10
20.3.2011, 20:36
keiner politischen Vervolgung?

Alix-May was called by the Gestapo and the Rassenpolitischen Amt at the exact time of the Vermeer transaction (Sept-Oct 1940) "Jude und staatsfeindlich" and her passport was ordered to be taken away. (And that is just the documentary evidence, not including all the other events described by the Czernins in their various statements.)

Seriously, what more evidence of politische Verfolgung does a person really need?

Mahler
00
13.6.2011, 19:42
Vielleicht ist auch der Kaufpreis interessant?

Lord Schaumloeffel
03
21.3.2011, 09:32
no fat share, no paycheck, mr. lawyer

you lost today, kid. but that doesn't mean you have to like it.

E. Randol Schoenberg
 
10
20.3.2011, 20:34
keiner politischen Verfolgung?

Alix-May was attacked as a Jew in Der Stürmer ("Judenblut lässt sich nie verleugnen. Es findet irgendwo seinen Ausdruck. Das ist auch bei der Gräfin Faber Castell der Fall. . . Ihr Blut zieht sie mehr zu den Juden hin.") She had her home graffitied with "Die Oppenheim, das Judenschwein, muss raus aus Stein". She lost custody of her children based on a Gestapo report saying she "[sie] erscheint [] zur Erziehung von Kindern aus staatspolizeilichen Grundsätzen als ungeeignet. Jedenfalls gilt sie wegen ihrer gesamten Einstellung, die auch eine Folge ihrer jüdischen Abstammung und Erziehung sein mag, aus nationalsozialistischen Grundsätzen als politisch nicht zuverlässig.”

E. Randol Schoenberg
 
00
20.3.2011, 20:32
politischen Verfolgung

E. Randol Schoenberg
 
11
20.3.2011, 20:32
"nicht jedoch einer politischen Verfolgung"?

I am having great difficulty understanding how the Beirat could write: "Alix Czernin war zwar antisemitischen Anfeindungen durch Nationalsozialisten ausgesetzt, nicht jedoch einer politischen Verfolgung."

Lila Panther
06
20.3.2011, 17:50
Der Beirat hat weitere Nachforschungen verlangt oder zumindest zugelassen und ist diesmal nicht der oberflächlichen und tendenziellen Darstellung eines Provenienzforschers und den Restitutionslobbisten und gut verdienenden Anwälten gefolgt

E. Randol Schoenberg
 
00
20.3.2011, 18:06
Nicht wahr

If you read their recommendation, they do not even mention most of the evidence that we submitted. For example, nowhere does the Beirat mention the anti-Semitic attack on Alix-May in Der Stürmer. See http://www.bslaw.com/Vermeer and you can read for youself.

Fritz Wunderlich
01
22.4.2011, 11:30

Der Beirat übersieht keineswegs, dass Alix Czernin antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt war, eine Kausalität mit dem Verkauf des Bildes durch ihren Ehemann ist jedoch nicht zu erkennen.

zitat aus dem artikel

E. Randol Schoenberg
 
00
22.4.2011, 17:23
Kausalität nicht nötig

Heller Rauscher, Die Rechtsprechung der Rückstellungskommissionen. Neue Folge, S. 5, 4a, Rkv 184, 190, 191/48 (274) (“Die politische Verfolgung des einen Ehegatten begründet die Zugehörigkeit des anderen Ehegatten zum im § 2 (1) genannten Personenkreise [...] im Falle einer aus rassische Beweggründe zurückzuführenden Verfolgung”).

Heller Rauscher, Die Rechtsprechung der Rückstellungskommissionen. Neue Folge, S. 7, 19c, Rkv 20/49 (336) (“wesentliche Voraussetzung für die Rückstellungspflicht ist, dass der eine Vertragspartner tatsächlich einer Verfolgung durch den Nationalsozialismus unterworfen war oder dass diese zumindest möglich war”).

Fritz Wunderlich
01
22.4.2011, 20:37

extensive auslegung der verfolgung, ist ihr gutes recht, wurde aber nicht so von der kommission ausgelegt, was deren gutes recht ist

dass sie hier irreführendes gepostet haben, finde ich persönlich nicht in ordnung
warum sollten sie jeden einzelnen von ihrer seite angeführten beleg anführen, wo sie diese als ganzes gewertet haben

E. Randol Schoenberg
 
00
22.4.2011, 17:22
Kausalität nicht nötig

Heller Rauscher Die Rechtsprechung der Obersten Rückstellungskommission beim Obersten Greichtshof, Rkv 338/49 (“§2(1) des Dritten Rückstellungsgesetzes verlangt nicht, dass der Geschädigte gerade im Zeitpunkte der Entziehung einer konkreten Verfolgungshandlung unterworfen war; für die Beweislastumkehrung des § 2(1) muss es genügen, dass der Nachweis der politischen Verfolgung erbracht worden ist, da bei der unter dem deutschen Regime herrschenden unsicheren Rechtsverhältnissen, ein einmal politisch Verfolgter Gefahr lief, dass anscheinend ohne besonderen Grund die Verfolgungshandlungen wieder aufgenommen werden. Wer einmal politisch verfolgt wurde, lebte im Deutschen Reich immer unter Druck; er konnte sich auch wirtschaftlich nicht so frei

E. Randol Schoenberg
 
00
20.3.2011, 20:28
Further evidence

Not only was the Beirat report obviously prepared before I submitted my analysis on February 28, but I specifically requested that the Beirat delay its decision because we have recently discovered 210 boxes of files in the Czech Republic that must be reviewed for further evidence. I wish people really knew the facts of this case.

Max Arnstein III.
 
12
19.3.2011, 21:09
Welch Chuzpah von den Czernins!

Robert Waloch
09
19.3.2011, 10:35
Was mir fehlt

bei all den Presse-Texten und vielen Kommentaren dazu, ist zumindest etwas Freude darüber, dass der Wiener Museumsbesucher dieses wunderbare Gemälde auch weiterhin im KHM betrachten und genießen kann!

kurtilein
65
19.3.2011, 05:19
Restitutionen aller Art

.. sind ein Unding und haben den Kunstmarkt kaputt gemacht. Wer, was , wem mal abgejagt hat, ist
sukundär, wenn es sich nicht um direkten Diebstahl gehandelt hat. Und die Erben Hitlers sind wohl
dessen nächste Blutsverwandte und nicht irgendwelche allierte Raubstaaten.

Mojito1
03
19.3.2011, 10:10
Kunstmarkt kaputt?! Das Gegenteil ist der Fall...

Restitutionen haben den Kunstmarkt nicht ruiniert - im Gegenteil - das ist mit eine der wichtigsten Quellen fuer qualitativ sehr hochwertige (weil eben Museumsniveau) Kunst geworden. Die Ergebnisse bei Auktionen sind ja eindeutig (stets relativ hoch, wenn nicht auf Rekordlevel) - und deshalb werden Erbengemeinschaften von den Auktionshauesern auch dermassen betuttelt (sobald ein Restitutionsansuchen/anspruch oeffentlich wird).

Denn was sollten Erbengemeinschaften, zb 8 Personen und deren Familie, verteilt ueber drei Kontinente mit einem restituierten Bild machen - ein Puzzle?
Um das Erbe juristisch einwandfrei aufzuteilen bleibt ein Verkauf/eine Versteigerung die einzige Moeglichkeit.

Kontrahent1
00
20.3.2011, 11:58
Sie haben manchen Werken eine 'Publicity'

verschafft, welche diese nicht verdienten (goldene Adele z.B.) und somit Preise lanciert, welche durchaus zu bezweifeln sind.

nicht alles was glänzt ist gold
12
19.3.2011, 09:50
da bin ich nicht ganz ihrer meinung

das ehemalige vermögen der na*is sollte zur gänze dafür aufgewendet werden, den verursachten schaden wiedergutzumachen. aber nicht unbedingt an einzelne, sondern warum nicht für betroffene gruppen im allgemeinen. eine möglichkeit wäre zb ein fonds für verfolgte gruppen ohne grosse lobby, wie also zb roma etc.

OGHaha
01
19.3.2011, 20:23
Wenn ihnen was geraubt wird bin ich schon dafür, dass sie es wieder zurückbekommen und nicht ich.

Thomas Felder1
00
21.4.2011, 19:02

dann soll bitte Serbien die Güter meiner Familie rausrücken

nicht alles was glänzt ist gold
00
19.3.2011, 21:18
wenn es eindeutig geraubt wurde,

dann ja. wenn es blos zum vermögen der verbrecher gehörte, dann sollte es der allgemeinheit zugutekommen

OGHaha
00
19.3.2011, 22:29
Bitte, wem gehört das staatliche österr. Museum KHM?

Wenn sie meinen, man sollte von diesen Schätzen auch mal was für arme Kinder oder Menschen verkaufen, bin ich ganz ihrer Meinung.
Es hat sich schon viel "Kunst und Krempel" angesammelt.

nicht alles was glänzt ist gold
20
19.3.2011, 22:42
:-)

ich finde blos, die entscheidung bezgl. des konkreten bildes hat eine eigenartige "optik". da wird doch klar argumentiert, dass das bild dem staat österreich gehört, weil es ganz legal von adolf hitler - lt. wikipedia sogar PRIVAT - erworben wurde. wie kann man da stolz auf dessen besitz sein ? das geht mir irgendwie nicht in den kopf. wenn ich da jetzt so weiterdenke, finde ich wirklich, man sollte das bild veräussern und den erlös guten zwecken zugute kommen lassen. einfach so als geste. das wär was, oder ?

imir
01
21.4.2011, 18:59

Es gab schon mehr als genug Milliardengesten in diesem Land, die von steuerzahlenden Bürgern aufgebracht werden mußten, die keinerlei Anteil oder Mitschuld an den Verbrechen der Vergangenheit hatten.

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