Aus Solarstrom Benzin zu machen wäre eine fesche Möglichkeit, mit alten Autos weiterzufahren
Es ist ein uralter Traum der Menschheit, Wasser in Wein zu verwandeln, darauf wurden sogar Religionen und Gegenreligionen gegründet. Nicht minder attraktiv erscheint es heutzutage, aus Wasser Benzin zu machen. Immer wieder tauchen weniger oder noch weniger realistische alchemistische Ansätze auf, um das Wunder wahr werden zu lassen. Die meisten dieser Meldungen landen jedoch umgehend im Rundordner, und das völlig zu Recht.
Nun erreichte uns aber eine brisante Meldung zum Thema nicht aus irgendwo, sondern von der ETH Zürich, also von jener Universität, wo immerhin Herr Dipl.-Ing. Ferdinand Piëch seine Diplomarbeit über Formel-1-Motoren verfasste: Benzin aus Wasser, CO2 und Sonnenlicht. Ein solarthermischer Reaktor wandelt in einem katalytischen Prozess unter Anwesenheit von Ceriumoxid H20 und CO2 in H2 und CO um. Funktioniert im Labor angeblich schon ganz gut. Die praktische Umsetzung will man bis 2020 erledigt haben.
Das Verlockende an dieser Technologie: Aus Solarstrom Benzin zu machen wäre eine fesche Möglichkeit, mit alten Autos weiterzufahren, wenn das Erdöl einmal zu Ende oder viel zu teuer sein wird. Kurzum: Speicherung von Energie in der althergebrachten sehr dichten flüssigen Form. Aber auch einen Haken gibt's: Dieser Umwandlungsprozess weist einen eher bescheidenen Wirkungsgrad auf, man spricht von höchstens 19 Prozent, die erreicht werden können, also wahrscheinlich gar nicht erreicht werden.
Weniger tragisch erscheint das für die Energiebilanz, Wasser und CO2 dürften ja für alle Zeit genug vorhanden sein. Das Problem könnte dann doch eher wieder beim Preis liegen, auf den sich ein schlechter Wirkungsgrad in jedem Fall direkt auswirkt. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/18.03.2011)