UNO-Sicherheitsrat stimmt für militärisches Eingreifen

18. März 2011, 08:28
  • Muammar Gaddafi im Interview mit dem portugiesischen TV-Sender RTP.

Flugverbotszone soll errichtet werden - Russland, China, Deutschland, Brasilien und Indien enthielten sich

New York/Tripolis/Brüssel - Die Vereinten Nationen haben den Weg für ein militärisches Vorgehen gegen Libyen frei gemacht. Das Votum für eine Flugverbotszone wurde von den Rebellen ausgelassen gefeiert. Das libysche Regime schlug überraschend versöhnliche Töne an. Der stellvertretende Außenminister Khaled Kaim brachte sogar die Möglichkeit einer Waffenruhe ins Gespräch.

Bis auf Bodentruppen ist alles erlaubt

Nach der am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York vom Sicherheitsrat verabschiedeten Resolution gibt es nicht nur ein Flugverbot über dem nordafrikanischen Land, um die Zivilisten vor der Luftwaffe des Machthabers Muammar al-Gaddafi zu schützen. Erlaubt ist militärisch fast alles - bis auf Bodentruppen. Deutschland enthielt sich in der Abstimmung und will das auch bei Luftschlägen tun.

Kaim bot vor Journalisten in Tripolis Gespräche über eine Waffenruhe an. "Wir sind bereit zu einer solchen Entscheidung, aber wir brauchen einen Gesprächspartner, um darüber zu diskutieren, wie das umzusetzen ist." Tripolis wolle positiv mit der Entscheidung des UN-Sicherheitsrats umgehen. Die Regierung werde Zivilisten schützen. Die internationale Gemeinschaft solle eine Kommission entsenden, die sich mit der Lage im Land auseinandersetzen soll, forderte Kaim.

Obama telefoniert mit Cameron und Sarkozy

US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem britischen Regierungschef David Cameron und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Alle drei hätten darin übereingestimmt, dass Libyen "unverzüglich allen Bestimmungen in der Entschließung nachkommen und dass die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung von Libyen enden muss", teilte das Weiße Haus in der Nacht zum Freitag mit.

Wie es weiter hieß, vereinbarten Obama, Cameron und Sarkozy eine enge Koordination "der nächsten Schritte" und eine weitere Zusammenarbeit mit arabischen und anderen internationalen Partnern, "um die Durchsetzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu Libyen sicherzustellen".

Westerwelle: Sehen erhebliche Risiken

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle erklärte: "Wir sehen die in der Resolution ebenfalls vorgesehene Option einer militärischen Intervention in Libyen weiterhin äußerst skeptisch. Wir sehen hier erhebliche Gefahren und Risiken. Deswegen können wir diesem Teil der Resolution nicht zustimmen."

Deutsche Soldaten würden sich an einem militärischen Einsatz in Libyen nicht beteiligen. "Unsere Position gegenüber dem Gaddafi-Regime bleibt unverändert: Der Diktator muss die Gewalt gegen sein eigenes Volk sofort beenden. Er muss gehen und für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Westerwelle nach Angaben des Ministeriums.

Fünf Enthaltungen, darunter Deutschland

Bei der Abstimmung enthielten sich die Vetomächte Russland, China sowie Indien, Brasilien und auch Deutschland.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte das Votum als eine "historische Entscheidung". Wegen der kritischen Lage vor Ort erwarte "unmittelbares Handeln", hieß es in einer von der Weltorganisation in der Nacht verbreiteten Erklärung.

Für die Europäische Union sei sie "eine klare Grundlage für die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, der Zivilbevölkerung Schutz zu gewähren", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton vom Freitagmorgen in Brüssel. Nun sei die Kooperation mit der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union wichtig. Die EU werde sich auch mit anderen internationalen Partnern darüber verständigen, "wie wir am besten so rasch wie möglich zur Umsetzung der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates beitragen können".

Norwegen und Frankreich wollen an Militäreinsatz teilnehmen

Nach der Genehmigung durch den UNO-Sicherheitsrat haben sich Norwegen und Frankreich bereiterklärt, sich an einem möglichen Militäreinsatz in Libyen zu beteiligen. "Wir werden an der Operation mitwirken", sagte Verteidigungsministerin Grete Faremo der Tageszeitung "Verdens Gang". Aber es sei zu früh, um zu sagen, in welcher Art und Weise. Ein französischer Regierungssprecher erklärte ebenfalls, dass sein Land an einer Militäroperation teilnehmen würde.

"Die Franzosen, die die Aufrufe angeführt haben, werden selbstverständlich bei einer Militärintervention konsequent bleiben", erklärte Francois Baroin am Freitag dem Radiosender RTL. Die Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich und der USA wollen sich bei der Umsetzung der UNO-Resolution zu Libyen eng abstimmen, wie das US-Präsidialamt mitteilte.

Feuerwerksraketen der Freude in Bengasi

Die Entscheidung wurde in der Rebellenhochburg Bengasi begeistert gefeiert. Menschen verfolgten in der Nacht zum Freitag im Zentrum von Benghazi das mit Spannung erwartete Votum des Weltsicherheitsrates auf einer Großbildleinwand mit.

Als das Ergebnis verkündet wurde - das höchste Weltgremium billigte "alle notwendigen Maßnahmen", um die Zivilbevölkerung in Libyen zu schützen -, brachen sie in Freudenstürme aus. Sie riefen "Libyen! Libyen!" und schwenkten die rot-schwarz-grünen Fahnen der Vor-Gaddafi-Ära. Viele schossen in die Luft, auch Feuerwerksraketen stiegen hoch. Auch in Tobruk kam es zu Freudenkundgebungen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat indessen vor einer humanitären Krise in Libyen gewarnt. Es fehle überall im Land an Medikamenten und Lebensmitteln, sagte die Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, Monika Lüke, der "Berliner Zeitung" (Freitagsausgabe). "Es droht eine humanitäre Krise." Lüke forderte die Vereinten Nationen auf, in erster Linie die humanitäre Versorgung sicherzustellen. (red/APA/Reuters)

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Posting 1 bis 25 von 1051
cannery row
11
18.3.2011, 19:37
auch beachtlich..

die ölpreiskurve seit gestern, als die uno-resolution bekannt wurde. da verdienen sich etliche eine goldene nase, und andere stehen sozusagen in der pipeline.
aber selbstverständlich gehts eh nur um die leute dort, zum glück.

guara nita
00
18.3.2011, 20:23

gut erkannt.

KRIEG = GELD
natürlich frei nach "acceptable risk management"

siehe: http://theyesmen.org/hijinks/a... ptablerisk

Christine-Michèle
00
18.3.2011, 20:05
Man muss diese UNO-Resolution

vielleicht tatsächlich auch aus wirtschaftlicher Sicht beurteilen.
Die BRIC-Staaten und Deutschland haben sich bei der Abstimmung enthalten. Stellt sich natürlich die Frage: Warum? Mögliche Antwort: Diese Staaten missbilligen den Zugriff der Westmächte auf das libysche Öl. Und weil Deutschland als Exportnation die Sympathien der boomenden BRIC-Märkte nicht verscherzen will.
Es geht knallhart um Wirtschaftsinteressen.

Ich vermute sogar, dass Westerwelle und Merkel auf ein Veto von China hofften....

D-AUT 0-0 nach 30 j
00
19.3.2011, 00:30
es geht um die anstehenden wahlen.ende.

Konrad Chreeb
21
18.3.2011, 19:22
Ein schlechter Witz..NATO will Zivilisten schütze?

In Afganistan Zivilisten ermorden und in Lybien Zivilisten schützen.... wo war denn die Nato 2009 in Sri Lanka, als das Millitär - wohlbemerkt unbewaffnete Zivilisten bombardiert hat? Damals sind fast 7000 Zivilisten ums leben gekommen... Ach ja stimmt , in Sri Lanka gibt es kein Öl.

Annapurna
10
19.3.2011, 08:11
In Afghanistan gibts auch kein Öl.

So.
Und jetzt?

David Webb
20
18.3.2011, 21:29

Was ja im Gegensatz zu anderen Konfliktparteien schon als eine fortschrittliche Haltung angesehen werden muss, ist dass die NATO nicht das Ziel hat, Zivilisten zu töten.

mistvieh666
 
01
18.3.2011, 18:48

intelligente menschen lernen von den fehlern anderer.
die meisten menschen lernen aus ihren eigenen fehlern.
idioten lernen gar nix.
wenn libyen in 5 jahren nicht mehr das reichste land afrikas ist und nicht mehr in allen statistiken, von medizinischer versorgung, schulbildung bis lebenserwartung ganz vorne mitspielt, ja, umsonst kriegt man die freiheit nicht.
dafuer wird es aber eine nicht funktionierende demokratie haben und es wird auch total viel mehr ueber menschenrechte diskutiert werden, und was man mit den terroristen verschiedener richtungen so tun sollte, alles so nach afghanischen muster.

Arthur Harald Lambauer
 
13
18.3.2011, 18:22
Der interessierte Leser

möge meine Rezension der wichtigsten Punkte der Resolution 1973 (2011) des Sicherheitsrates kontaktieren:

http://ahlambauer.wordpress.com/2011/03/1... heitsrats/

Annapurna
00
19.3.2011, 08:21
Spätestens mit ihrer Interpretation, daß die UNO-Staaten ihr eigenes Waffenembargo brechen würde, wenn sie Flieger zum Bombardieren hinschickt...

...haben Sie sich mit ihrem Elaborat lächerlich gemacht.
Ich hab mir das jetzt angetan und es durchgelesen. Sie können sich dessen sicher sein, daß ihre "Analyse" nichts mit der Realität zu tun hat.

Arthur Harald Lambauer
 
10
19.3.2011, 09:41
Punkt 9. der Resolution 1970

untersagt ausdrücklich auch "the indirect supply or transfer" von Waffen, Militärfahrzeugen etc. sowie "the provision, maintenance or use of any arms, including the provision of armed mercenary personnel". Daraus ist der Beschlusswille des SC ersichtlich, dass er nicht will, dass auf welcher Seite der Streitparteien immer, mit militärischem Waffengebrauch direkt oder indirekt eingegriffen wird.

Der Sicherheitsrat hat hier (Res. 1973) bewusst und gewollt, dem Abschlachten (auch, UNNÖTIGER Weise, unter UNO-Mandat) den Kampf angesagt.

Nochmals: Resolution 1973 (2011) autorisiert keine militärische Waffengewalt!

Christine-Michèle
00
18.3.2011, 19:32
Merci! Eine außergewöhnlich interessante Analyse!

Treffend dazu!

Arthur Harald Lambauer
 
00
18.3.2011, 23:01
Freut mich,

dass Sie sich die Zeit genommen und Zuspruch getan haben: beides ist heute keine Selbstverständlichkeit.
LG
A.L.

Zuckerlilly Zuckerlilly
00
19.3.2011, 14:15
Danke, ich habe es mit Interesse gelesen.

Hier noch ein interessanter Link dazu:

http://www.washingtontimes.com/news/2011... legal-war/

Zuckerlilly Zuckerlilly
00
20.3.2011, 01:29
Hmmm,

"Der folgende Inhalt wurde von der YouTube-Community als potenziell beleidigend oder unangemessen eingestuft. Dies ist vom Betrachter zu berücksichtigen."

Arthur Harald Lambauer
 
00
19.3.2011, 16:14
Ich danke Ihnen

!

Übrigens: Mein Kommentar wird von mir sukzessive ergänzt; sollte sich also rentieren, wieder mal reinzuschauen.
LG
A.L.

Christine-Michèle
73
18.3.2011, 15:50
Die verkannten politischen Untalente Merkel und Westerwelle

haben sich wieder einmal vor der Weltgemeinschaft blamiert! Zuerst machten sie ein militärisches Eingreifen von der Entscheidung der G 8, der Zustimmung der arabischen Liga und einem Mandat der UNO abhängig, und als die Beschlüsse da waren, enthielt sich Deutschland der Stimme - und erhielt dafür zweifelhaftes Lob eines Despoten.
Man weiß ja nie...
Oder lag es ua vielleicht auch daran, dass Bayerische Banken vom Geld Ghadafis besonders profitiert haben? (Als die Hypo-Vereinsbank und Bayrische Hypotheken- und Wechselbank fusionierten, um dann in der italienischen UniCredit aufzugehen, hatte Ghadafi seine Dreckfinger stets im Spiel.)
Ghadafi war Deutschland immer recht, egal ob als Schutzwall gegen afrikanische Flüchtlinge oder als Investor.

verleih nix
00
18.3.2011, 18:36
in deutschland gibts heuer so viele wahlen, da bekommt selbst die deutsche politik österreichische züge

Der Misanthrop
 
10
18.3.2011, 18:13
Ganz schön viel unverständiges rot

in diesem links dominierten Forum. Aber Sie müssen verstehen, der antiimperialistischen Linken kommt in diesen Tagen ein wichtiger Finanzier abhanden. Das macht blindwütig.
http://www.profil.at/articles/... is-gaddafi

Peter W1
 
10
18.3.2011, 19:36

Mhm, du machst aus einem Aufbegeheren der Bevölkerung gegen Massenmord irgendeine politische Sache. Willst du unbedingt beweisen, dass Evolutionsfehler rechts sind?

Peter W1
 
10
18.3.2011, 19:36

Mhm, du machst aus einem Aufbegeheren der Bevölkerung gegen Massenmord irgendeine politische Sache. Willst du unbedingt beweisen, dass Evolutionsfehler rechts sind?

willi weimaraner
01
18.3.2011, 17:41

Ein ernsthaftes Argument ist die Tatsache, dass Deutschland vor siebzig Jahren dort schon einmal gekämpft hat und dazu keine Analogien herstellen möchte. Das sollte auch für Italien gelten. Die Briten kamen damals als Befreier (und heute eben auch wieder).

Christine-Michèle
11
18.3.2011, 17:53
Dafür hätte sich Deutschland

aber nicht der Stimme enthalten müssen. Man kann auch für einen Sicherheitsratsbeschluss sein, ohne an Aktionen teilzunehmen.
Die deutsche Politik der letzten Tage ist ein Desaster. Zuerst diese überhastete Reaktion mit der Abschaltung der Atomkraftwerke. Und nun diese "neutrale" Haltung gegenüber Libyen.
Nachdem sich die Deutschen beim Beschluss des Sicherheitsrats der Stimme enthalten haben, gab Westerwelle bekannt, dass er die UNO-Resolution zu Libyen begrüßt! Gestern lehnte er einen "Krieg" in Libyen ab. Erinnern sie sich noch an die wirre Debatte um das Wort "Krieg", als es um den deutschen Einsatz in Afghanistan ging?

Nochmals: Niemand hat von Deutschland den Einsatz deutscher Waffen oder Soldaten gefordert.

Peter W1
 
10
18.3.2011, 19:29

Eine Unterstützung eines Massenmordes an der libyschen Bevölkerung, wie es ein Angriffskrieg unbabänderlich darstellt, läuft auf dasselbe hinaus. Lern einfach damit leben, dass es Menschen gibt die weit humaner und zivilisierter als du sind. Auch wenn du diese auf das schäbigste diskreditierst.

willi weimaraner
11
18.3.2011, 17:57

Stimme Ihnen zu. Diese verkrampft pazifistische Haltung, die Deutschland oft zeigt, hängt vielleicht auch mit den Wahlen in einigen Bundesländern zusammen. Da wollen Westerwelle und Merkel niemanden verprellen. (Obwohl sie jetzt vielleicht alle verprellen.)

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