Der klassische Journalismus stirbt nicht - Trotzdem geht der Vorhang auf für die Web 2.0-Generation - Ihr bietet das Institut für Journalismus und Medienmangement in Wien eine maßgeschneiderte Ausbildung
Die einen finden Journalismus eine tolle Branche, in der man viel mit Menschen zu tun hat, die anderen wollen mit Neugierde die Welt verändern und wieder andere stehen einfach gerne im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit - In der neuen Computergeneration des 21. Jahrhunderts steigt der Zustrom derer jedenfalls stetig, die irgendetwas mit Medien machen wollen. "Journalismus ist ein Glaubensbekenntnis und kein Beruf", sagte einmal Christian Rainer, Chefredakteur beim Profil. Wie die Menschen es auch immer empfinden, über Gott, die Welt oder sich selbst zu berichten, sie haben dieser Tage jedenfalls mehr Möglichkeiten dies zu tun als je zuvor. Und genauso vielfältig wie das Angebot an Nachrichtenkanälen, sind auch die Wege in die bunte Welt der Medien.
Es gibt Quereinstiege, Berufungen, Zufälle aber auch Professionalisierung durch System: Letzteres bietet beispielweise das Institut der Fachhochschule Wien für Journalismus und Medienmanagement. Exklusive 34 Studienplätze stehen pro Jahr zur Verfügung, zu Lernen gibt es in einem sechs-semestrigen Bachelorstudium alles über Print, TV und Video, Radio und Audio und vor allem Online- und Multimediajournalismus.
Journalismus 2.0
Als besonderes Schmankerl bietet der Studiengang zusätzlich ein Masters-Studium für "Journalismus und neue Medien" an, auch weil die Medienwelt eine ganz andere ist als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. "Im Prinzip geht es darum, den klassischen Journalismus mit neuen Technologien und Entwicklungen zu verbinden", sagt Institutsleiter Reinhard Christl. Zielgruppe für den Master sind zum einen frischgefangene Uni-Absolventen, die alles studiert haben können, ob Jus, Wirtschaft, Sinologie oder Arabistik. "Das ist in den USA und Großbritannien die übliche Ausbildung für Journalisten. Nach dem Fachstudium wird dann an etwa an der Columbia University in New York, der Northwerstern in Chicago oder der Duke University eine vier-semestrige Postgraduate-Ausbildung absolviert."
Das Master-Studium an der FH Wien ist berufsbegleitend organisiert, neben nationalen Medienprofis (quer durch den Gemüsegarten von ORF, Profil, Der Standard, APA, etc.) stehen den Studenten auch internationale Lektoren zur Seite, die über neue Medientrends unterrichten. 80 Prozent der Vortragenden kommen direkt aus der Praxis. Angesprochen dürfen sich auch aktive Journalisten fühlen, die ihr Kompetenzfeld erweitern wollen. "Wenn jemand Printredakteur ist, dann wird er, wenn er nur Zeitung macht, die nächsten 30 Jahre wahrscheinlich nicht gut überstehen. Bei uns kann er auch Video- und Audiojournalismus lernen und über Entwicklungen im Bereich des digitalen Journalismus, neuer Geschäftsmodelle sowie des entrepreneurial journalism", sagt Christl.
Top-Vortragende zu günstigen Bedingungen
Geformt werden soll der Journalist 2.0, der zukunftsfähig ist für die nächsten 20 Jahre, sich selbst vermarkten kann. Zu diesem Zwecke hat das Institut für Journalismus und Medienmanagement bereits einige spannende Projekte am Laufen, so referiert etwa Bill Mitchell vom renommierten Poynter Institute in Florida über "new media trends". Jeremy Caplan, ein Journalismus-Guru, der vor allem bekannt geworden ist für seine Reportagen im Times Magazine, hält dieselben Vorträge wie an der Columbia University in New York, über "ditigal media" und "social networks". Zu erwähnen ist auch, dass sich die Unkosten für die Weiterbildung in Grenzen halten. Christl: "Das Studium kostet im Prinzip nichts, also nur die 363 Euro. Die Leute verwechseln ja gerne Master, MBA und diverse teure Postgraduate-Geschichten. Der Master of Journalism, so wie es ihn in Krems gibt, kostet 10 bis 15.000 Euro."
Das Aufnahmeverfahren für die FH Wien ist hart, das tägliche journalistische Brot oft härter. Die Faszination junger Leute für die glitzernde Nachrichtenwelt hält aber an, trotz Medienkrise. Gute Jobs gibt es immer noch, sie sind halt rar geworden. Die Erfolgs-Statistiken der FH-Absolventen sind nicht aktuell, grundsätzlich kommen diese aber in österreichischen Qualitätsmedien unter, die jüngeren Jahrgänge tun sich aufgrund der Krise schwerer. "Die ersten beiden Jahrgänge finden sich vor allem in klassischen Medien wie ORF und Print wieder. Die jüngsten Absolventen arbeiten stärker im Onlinebereich aber auch im Bereich der neuen Selbstständigkeit", sagt Christl.
Was ist die Botschaft? Christl: "Es ist keine einfache Jobsituation: Wer es wirklich will, wird sich schon durchsetzen. Wer aber keine besondere Begeisterung für Journalismus hat, soll es lieber bleiben lassen." (vet, derStandard.at, 28.3.2011)