Protest gegen die Regierung - Ex-Präsident Ter-Petrosjan: "Die Machthaber rauben unser Land aus"
Eriwan - Mehr als 12.000 Oppositionsanhänger haben in
Armenien gegen die Regierung demonstriert und Neuwahlen gefordert.
Die Demonstranten zogen nach einer Kundgebung in der Hauptstadt
Eriwan am Donnerstag auf einen zentralen Platz, der im Frühjahr 2008
Schauplatz von Massenprotesten gegen die umstrittene Wahl von
Präsident Sersch Sarkissjan war. Wie Reporter berichteten, besetzten
sie den Platz. Die Polizei zog sich zurück.
Die Opposition hoffte, mit den Protesten dem Beispiel der
arabischen Länder folgen zu können. "Wenn die Ägypter sich von ihrem
Tyrannen befreien können, dann können wird das auch", sagte der
Demonstrant Chatschatur Sogomonjan. Die Regierungspartei von
Präsident Sarkissjan erklärte hingegen, sie beuge sich keinen
Ultimaten.
Bereits Anfang des Monats hatten sich in Eriwan mehr als 10.000
Anhänger der Opposition versammelt, um vorgezogene Neuwahlen zu
fordern und der Opfer der blutigen Unruhen vor drei Jahren zu
gedenken. Damals waren bei gewaltsamen Protesten gegen die
umstrittene Wahl von Sarkissjan acht Demonstranten und zwei
Polizisten getötet worden.
"Lage hoffnungslos"
Die Lage in der Ex-Sowjetrepublik sei explosiv und hoffnungslos,
hat der frühere Präsident Lewon Ter-Petrosjan am Donnerstag in der
Hauptstadt Eriwan im Zuge der Proteste betont. "Die Machthaber rauben
unser Land aus - und bringen die Wirtschaft nicht voran", sagte er.
Die Opposition sprach von 20.000 Teilnehmern an der Kundgebung im
Zentrum von Eriwan, die Polizei dagegen von etwa der Hälfte.
Viele Armenier stören sich an der von Oligarchen geprägten
Wirtschaft und den Verstößen gegen die Versammlungsfreiheit und
andere Grundrechte. Auch Präsident Sersch Sarkissjan räumte im
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa im vorigen Sommer
demokratische Defizite ein, mahnte aber zugleich Geduld an. (APA)