Vermeers "Malkunst"

Neue Argumente im Fall Czernin

17. März 2011, 17:58
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    foto: khm

    Wird zurückgefordert: Vermeers "Malkunst".

Der Rückgabebeirat entscheidet am Freitag über Vermeers "Malkunst"

Wien - Es geht um das sicherlich wertvollste Gemälde des Kunsthistorischen Museums: Am Freitag  will der Kunstrückgabebeirat unter dem Vorsitz von Clemens Jabloner eine Entscheidung über Die Malkunst von Jan Vermeer fällen. Triftige Gründe sprechen dafür, dass Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) empfohlen wird, das Bild nicht zu restituieren.

Ende August 2009 forderten die Erben nach Jaromir Czernin, darunter dessen Tochter Sophie, das Bild über den Anwalt Andreas Theiss zurück. Aber auch Helga Conrad, die Stieftochter von Jaromir Czernin, reklamiert das Bild für sich, wie der Standard am 11. September 2010 exklusiv berichtete. Ihr Anwalt ist Randol E. Schoenberg, der für Maria Altmann die Restitution der Goldenen Adele und weiterer Werke von Gustav Klimt aus dem ehemaligen Besitz von Ferdinand Bloch-Bauer erstritt.

Sophie Czernin legte einen Befund des Provenienzforschers Michael Wladika und ein Rechtsgutachten von Meinhard Lukas vor; und Helga Conrad sammelte äußerst viel Material, das von Schoenberg zu einer Analyse zusammengefasst wurde. Die Argumentation der beiden Rückstellungswerberinnen ist ähnlich: Der Tatbestand der Entziehung nach dem Nichtigkeitsgesetz sei erfüllt, die nicht erfolgte Rückgabe nach dem Zweiten Weltkrieg stelle eine extreme Ungerechtigkeit dar. Daher seien die Voraussetzungen für eine Restitution nach dem Kunstgüterrückgabegesetz aus 1998 erfüllt.

Ende 1940 verkaufte Jaromir Czernin Die Malkunst um 1,65 Millionen Reichsmark an Adolf Hitler. Der Kaufpreis sei nicht angemessen gewesen, er fühlte sich, wie der Graf nach dem Krieg zu Protokoll gab, zu diesem Schritt gezwungen. Schließlich war er in zweiter Ehe mit Alix May, nach den Nürnberger Rassengesetzen eine "Vierteljüdin", verheiratet. Und diese sei verfolgt worden.

Als Beweis hierfür legen die Rückstellungswerberinnen unter anderem eine NS-Anordnung aus dem Herbst 1940 vor, nach der Alix May "als Jude und staatsfeindlich zu führen" und ihr, "wenn noch nicht geschehen, der Pass abzunehmen" sei. Den Vermeer zu verkaufen: "Das war der Preis, um zu überleben", sagte Anwalt Theiss 2009 im Gespräch dem Standard.

Interessant ist, dass Jaromir Czernin seine zweite Frau erst am 7. April 1938, also nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich, heiratete. Schoenberg bezeichnet ihn daher als "tapfer". Allerdings war Alix May vom Grafen, dessen Vita, wie Rechtsgutachter Lukas euphemistisch schreibt, "keineswegs durch eine ausgeprägte Standhaftigkeit gegenüber dem NS-Regime gekennzeichnet war", hochschwanger. Zu heiraten gebot die Aristo-Etikette.

Die Ehe hielt zudem nicht lang. Nach dem Krieg gab Jaromir Czernin an, dass er sich 1942 habe scheiden lassen, um nicht länger "geschnitten" zu werden. Er wurde aber, was er nicht sagte, zu drei Viertel schuldig geschieden.

Und am 27. November 1944 heiratete er Alix May erneut - im Standesamt von Bad Aussee. Die NS-Behörden hatten keine Einwände gegen eine Eheschließung mit einer "Vierteljüdin". Dieses Faktum wurde von den Rückstellungswerberinnen nicht bekannt gegeben. Auf Nachfrage des Standard hieß es, dass Jaromir Czernin erst nach dem Ende des Weltkriegs erneut geheiratet habe - und so war es dann auch fälschlicherweise im Artikel vom 11. September 2010 zu lesen. 

Das Argument, Jaromir Czernin hätte aufgrund seiner "jüdischen Versippung" verkaufen müssen, ist nicht mehr nachvollziehbar. (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.3.2011)

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23 Postings
aber wirklich
00
man sollte bei den fakten bleiben, die sind vorallem die ausfuhrsperre.

1. das bild wurde nicht enteignet. dass ein zwangsverkauf vorlag, müßte nachgewiesen werden.
2. es wurde um eine, für damalige verhältnisse ansehnliche summe dem besitzer abgekauft. Dieser besitzer hatte ein naheverhältnis zum Nationalsozialismus.
3. das bild konnte auch damals nicht ins ausland gebracht werden, da es ausfuhrgesperrt war.
4. das bild ist bis heute ausfuhrgesperrt. es kann demnach nur in Österreich und nicht ins ausland verkauft werden.
5. aus gleichem grund können auch die erben im fall einer restitution das bild nicht ins ausland bringen.
sinnvolle conclusio: das bild wird in Österreich versteigert, alles was über den seinerzeitigen verkaufswert übersteigt, geht an die beiden erben.

Lord Schaumloeffel
10
18.3.2011, 12:12
hmmm, wenn damals 1,5 mio reichsmark bezahlt wurden...

... wäre es dann nicht ein fairer deal: die erben geben das äquivalent dieser summe an die republik, und die gibt das bild her - damit wäre der status, der vor dem umstrittenen deal bestand, wieder hergestellt, oder?

Freund der Wirtschaft
00
21.3.2011, 00:16
Angemessene Feststellung des Preises

Da stellen wir einmal die durchschnittlichen damals erzielten Preise von Bildern ähnlicher Qualität fest, im zweiten Schritt die durchschnittlichen Preise dieser Bilder heutzutage, das wäre eine gerechte Vorgangsweise. Sollte der damalige Preis z.B. 50 % unter den üblichen Preisen gelegen haben, dann sollen die Ansprucherhebenden nur 50 % des heutigen Preises zahlen. War der Preis damals aber 50 % über den durchschnittlichen Preis, dann werden die das Bild so liebenden Anspruchserheber sicher gerne 50 % über den heute üblichen Preisen zahlen.

aber wirklich
00

der Preis war sicher unter dem handelsüblichen, weil das Bild ausfuhrgesperrt war und bis heute ist.

oblomow II
02
18.3.2011, 09:10
die gier

is a hund

Kontrahent1
00
18.3.2011, 11:38
Man kann es ja einmal versuchen;-)

Isabelle Eberhardt
12
18.3.2011, 06:33
Worum geht es?

Der Punkt ist doch m. E., dass mit einer Übereignung des Bildes an irgendwelche Rechtsnachfolger von Czernin eine Entscheidung eines Gerichts (in diesem Falle: eines Höchstgerichtes) durch eine Ministerweisung aufgehoben würde. Nicht gerade sauber im Sinne der rechtsstaatlichen Demokratie.

Ob der Preis des Bildes hoch oder sehr hoch, ob Czernin Antragswerber für eine NSDAP-Mitgliedschaft oder irgendwie versippt war, scheint doch da eher sekundär.

Thomas Felder1
00
18.3.2011, 16:57

welches gericht?

nufues1
12
17.3.2011, 21:59
Also bitte!

Jetzt wirds seltsam. Er hat 1,5 Mio. Reichsmark erhalten. Das wäre auch nach heutigen Maßstäben ein guter Preis. Ein Schlachtschiff hat gerade mal das 100fache gekostet.

Kontrahent1
00
18.3.2011, 11:40
Zumal der Kunstmarkt

gerade damals nicht so 'überhitzt' war, wie gerade heute durch die zahlreichen Restitutionsverkäufe.

shaki1
00
17.3.2011, 22:35

Seltsamer Vergleich!

The Gentle Art of Making Enemies
00
18.3.2011, 00:36
Kaufkraftvergleich. Seltsam zwar, aber zulässig.

shaki1
00
18.3.2011, 02:03
...nur

wenn ich davon ausgehe, daß damals alle Schlachtschiffe gleichviel gekostet haben.
Na, vielleicht gabs damals noch keine Lobbyisten...

Schöner Nick, übrigens. Tippe auf Sport und Geographieprofessor ;-)

E. Randol Schoenberg
 
30
17.3.2011, 19:57
Last point

Just one more point -- what difference does it make that Jaromir was allowed to remarry Alix-May in 1944? Does that make her somehow not persecuted in 1933 when she was attacked in Der Stürmer, or in 1940 when she was declared "Jude und staatsfeindlich"? What type of person makes such silly arguments?

Read my analysis which includes transcripts of all the relevant documents and you will get a more complete picture.

The real issue in the case is that it is not possible for the Republic to meet its burden to prove that the transaction would have occurred independent of the Nazi takeover. In other words, to defend the purchase of the painting, Austria has to prove (not make believe, but prove with evidence) that Hitler acted in good faith. C

Lila Panther
02
19.3.2011, 17:48
Analysis - in favour of whom?

Commissions have in the past very often decided morally and politically - without really looking into facts, very much to the favour of your clients. This time they cared about facts and they told a very different story from that what you and the otherlawyer try to create to influence public opinion.

oblomow II
05
18.3.2011, 09:18
herr schönberg

... ich glaub das wird nix mit Ihrer fetten prämie

E. Randol Schoenberg
 
10
17.3.2011, 19:50
The facts (cont'd)

[First posting was cut off]

Link to analysis is http://www.bslaw.com/Vermeer/V... alysis.pdf

Trenkler's argument about the marriage to Alix-May is incoherent. On the one hand he guesses that the 1938 marriage was the result of Aristo-Etikette. But then how does he explain the re-marriage in 1944? Obviously the relationship was complicated, but then whose isn't? Trenkler reveals more his own Sozi-Aristo-Envy than anything else. And that has been an underlying problem with this case since the very beginning.

Gyula Schuch2
30
18.3.2011, 01:59
completely agree with you,

Graf Czernin got a "joke" amount for his Vermeer because of his marriage to a "Vierteljuedin". Why or when he actually married and/or re-married Alix May shouldn't be our business, nor of any importance to the decision in regards to returning the painting to the Czernin family. Also, comments on Czernin's "Standhaftigkeit" against the Nazis are just pathetic.

Good luck for tomorrow

E. Randol Schoenberg
 
01
17.3.2011, 19:31
My own summary of the facts

See http://www.laopus.com/2011/03/w... er_16.html

shaki1
00
17.3.2011, 23:58

Meines Wissens nach war Andrew Mellon kein Industrieller sondern Bankier und US Finanzminister.

Zum Rechtsstreit: Was unrechtens erworben wurde, muss zurückgegeben werden.

Thomas Felder1
02
18.3.2011, 17:00

ists aber nicht

E. Randol Schoenberg
 
20
17.3.2011, 19:30
The facts are somewhat more complicated

This article is unfortunately symptomatic of the poor reporting in this case. Anyone interested in learning the facts should read my analysis at http://www.bslaw.com/Vermeer/V... lysis.pdf. For example, Trenkler doesn't mention that Alix-May and her prior husband Roland Faber-Castell had been subject to numerous anti-Semitic attacks, including a vicious article on Alix-May in Der Stürmer. The relevant fact is that Jaromir was married to Alix-May in October 1940 when Hitler purchased the painting, at a time when Alix-May was considered "Jude und staatsfeindlich". Why he married her in 1938, or again in 1944, is simply not relevant. But it is worth pointing out how incoherent Trenkler is when he guesses the first marriage was "Artisto-et

Gyula Schuch2
00
18.3.2011, 02:13
tried to get access to your analysis at

your law firm's web site, but link doesn't work. Would you mind sending me pdf directly to gyula@schuch.at , thank you in advance

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