"Zickenkrieg" in der EU-Delegation der ÖVP

17. März 2011, 17:49

Othmar Karas schwärzt Ernst Strasser an - dieser rechtfertigt sich mit einer Geheimdienst-Posse

Brüssel/Wien - In Wien sprechen die Parteifreunde von einem "peinlichen Zickenkrieg". Othmar Karas, EU-Abgeordneter der ÖVP, wirft Ernst Strasser, EU-Delegationsleiter der ÖVP, vor, dieser habe ihn "gelegt". Strasser hatte eingeräumt, einen angeblich von Lobbyisten verfassten Gesetzesentwurf an Karas weitergeleitet zu haben, obwohl er gewusst habe, dass dieser gefälscht sei. "Wenn alles so stimmt wie von Strasser behauptet, dann hat er mich wissentlich gelegt. Ich verlange eine Entschuldigung", sagte Karas den Salzburger Nachrichten.

ÖVP-Chef Josef Pröll und Klubchef Karlheinz Kopf fordern Aufklärung. Beide haben "ernste Gespräche" sowohl mit Karas als auch mit Strasser geführt. Ein Rücktritt von Strasser, wie das SPÖ, Grüne und BZÖ fordern, wird auch in der ÖVP nicht mehr ausgeschlossen. Tendenziell scheint die Parteispitze in Wien derzeit Karas eher zu glauben als Strasser.

Strasser verwahrte sich im Gespräch mit dem Standard am Donnerstag gegen Korruptionsvorwürfe und die Anschuldigung, er habe seinen Abgeordnetenkollegen Karas in die ganze Sache hineinziehen wollen.

Der ÖVP-Delegationsleiter war offensichtlich britischen Enthüllungsjournalisten auf den Leim gegangen. Sie hatten sich als Lobbyisten ausgegeben und ihm 100.000 Euro sowie weitere Geschäftsbeziehungen angeboten, wenn er sich für einen Gesetzesantrag zum Anlegerschutz verwende. Strasser leitete den Antrag an die in der Delegation für diesen Themenbereich zuständigen Abgeordneten Karas und Hella Ranner weiter, ohne sie über seinen Verdacht in Kenntnis zu setzen.

"Ich bin sehr dafür, dass die Korruptionsstaatsanwaltschaft das überprüft" , sagt Strasser. "Ich habe alle Regeln eingehalten." Er habe auch Beweise dafür, dass er seit Monaten versucht habe, ein Komplott aufzudecken: dass nämlich hinter den vorgeblichen Lobbyisten (die sich schließlich als Journalisten entpuppten) möglicherweise ein Geheimdienst stehe, der hinter ihm her sei. "Es gibt mehrere Personen, Österreicher, die Bescheid wussten." Diese würden "auch als Zeugen aussagen".

Auf die Frage, wie er überhaupt auf die Idee gekommen sei, von Geheimdiensten kontaktiert zu werden, antwortete Strasser: "Ich dachte mir, dass das in Zusammenhang steht mit meinem Engagement für den Datenschutz, mit den Fluggastdaten, und ich wäre nicht auf die Idee gekommen ohne meine Erfahrungen im Innenministerium." Als Ausschussmitglied war der EU-Abgeordnete unter anderem mit dem Swift-Abkommen mit den USA befasst.

Strasser schildert den Ablauf der ganzen Geschichte so: Etwa Mitte vergangenen Jahres habe sich eine Lobbyagentur gemeldet und von seinem Büro einen Termin bekommen. Beim ersten Gespräch habe eine Dame erklärt, sie würde gerne Informationen liefern und Kontakt halten. "Ich habe ihr gesagt, wie die Arbeit mit den Ausschüssen im Parlament grundsätzlich funktioniert" , so Strasser. Eine Recherche habe anschließend ergeben, dass es diese Firma gar nicht gebe.

Als sich diese Leute wieder gemeldet und zum Vorhalt einer Scheinfirma erklärten, dass sie "sehr diskret" arbeiteten, habe er sich mit Vertrauten beraten. Man sei zum Schluss gekommen, dass "da irgendein Geheimdienst dahinterstecken könnte" . Daraufhin habe er, Strasser, begonnen, Details und Fakten zu sammeln mit dem Ziel, die Sache aufzuklären: "Mein Ziel war, herauszufinden, wer die sind und was die wollen. Ich hätte sie am Ende auch enttarnt." Auch die Weiterleitung eines Anliegens der Lobbyisten an seinen Kollegen Otmar Karas hätte nur einer "sachlichen Prüfung" dienen sollen.

In der Redaktion der Sunday Times, deren Journalisten sich gegenüber Strasser als Lobbyisten ausgaben, gab man unter Verweis auf einen Bericht, der demnächst erscheinen solle, keine Stellungnahme zu der Darstellung ab.

Strasser zeigt Verständnis für die Kritik von Karas, der sich von ihm getäuscht sieht: "Ich verstehe die Fragen, gerade weil ich einmal Innenminister war", sagt er und betont neuerlich: "Ich habe mit Karas über die Sache nie geredet, übrigens auch mit Hella Ranner nicht." Das sei "absichtlich" so gewesen: "Wenn man weiß, wie Geheimdienste arbeiten, wird das verständlich." Hätte er die Vorgänge bekannt gemacht, "wären die sofort weg gewesen", rechtfertigt sich Strasser. (tom, völ, DER STANDARD; Printausgabe, 18.3.2011)

Kommentar posten
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Klaus Woltron
01
20.3.2011, 07:53
Sunday Times, heute

quote: "Ernst Strasser, a former interior minister in Austria, told the reporters, “I’m a lobbyist”, and boasted about serving at least five commercial clients who each paid him €100,000 a year.

He claimed he had given the reporters’ amendment to two key people on the committee reviewing the legislation. After discussions with his colleagues, Strasser reported back that a compromise had been reached to the benefit of the reporters’ fictional client. Strasser told neither of his colleagues that he was working for a paying client.

He was expecting to be paid his first €25,000 quarterly fee for the work at the beginning of March. He said he would not disclose the financial interest to parliament because the money was to be channelled throu

der tueftler
03
18.3.2011, 14:57
waterloo war ein l-sch dagegen

für pröll ist das eine extreme blamage! nur auf seinen druck wurde strasser überhaupt nominiert und an die spitze der liste gesetzt. nur auf seine anweisung wurde der wählerwille (strasser als delegationsleiter trotz direktmandat von karas) übergangen.

wenn je einer für die personalauswahl veranwortlich war, dann der parteiobmann in diesem fall selbst. es mag schon sein, dass strasser irgendwie versorgt werden musste, aber ganz österreich wusste, welche risken mit ihm bestehen, nur offenbar pröll wusste das nicht.

er ist irreparabel beschädigt.

walter helfmann
00
20.3.2011, 11:31
nein, seppi p. hat den ernstl nicht ausgesucht.

nösistans erwin onkel hat das veranlasst.

der vizekanzler war wieder einmal nur der nützliche i.

lisi meier
03
18.3.2011, 14:44
der ganz normale sexismus

von ÖVP-ressortierenden "parteifreunden" und apportierenden journalisten , RTL-pief-chinesisch ("zicke") eingefärbt, ist schlag-zeilen- und weiterbildend zugleich.

einen politischen streit unter männern so zu qualifizieren, dass frauenschimpfnamen zur charakterisierung herhalten müssen, läßt frau ahnen, was die schwarzen brüder von frauen tatsächlich halten.

Torontonians
02
18.3.2011, 14:18

Der Untergang begann mit dem Kabinett Schüssel 1

El Latigo reitet wieder
04
18.3.2011, 14:00
Kriegen den Hals einfach nicht voll

Mit einem Rücktritt ist es hier nicht abgetan.

mfgmfg
05
18.3.2011, 13:40
Zickenkrieg ist wohl die falsche Überschrift

sie beschuldigt indirekt Karas einer gleichwertigen Handlung. Es geht aber nicht um Karas, sondern um Strasser .

Kärntna
08
18.3.2011, 13:28

"Es gibt mehrere Personen, Österreicher, die Bescheid wussten." Diese würden "auch als Zeugen aussagen".

z. B. Kulterer, KHG, Mensdorff, Meinl, ...

Wolfgang Pimminger
 
010
18.3.2011, 13:14
"Wenn man weiß, wie Geheimdienste arbeiten..."

Nu kloar! Strasser erkennt einen Geheimagenten doch nicht mal, wenn der sich mit den bekannten Worten "Mein Name ist Bond, James Bond" vorstellt.

Aber für die Nachfolge eines gewissen Barons, der vorzugsweise auf einer Kanonenkugel reitet, hat er durchaus Talent.

witherabbitt
 
03
18.3.2011, 13:13

Die einzige Zicke, die hier auszumachen ist, ist Strasser, der wie ein ertapptes Trutscherl lügt, daß sich die Balken biegen.

liberte
02
18.3.2011, 12:55
das ist doch keine Posse ....

Hr. Strasser erfindet dunkle Verschwörungen , um sein Verhalten rechtzufertigen . Der Anschein lässt auf Korruption und arglistig manipulatives Agieren schliessen .
Alles spielt sich im anscheinend nichtbeweiskräftigen Bereich ab - als Jurist weiss Hr. Strasser , wie man sich verhält , um späteren Rechtsfällen vorzubeugen . Hier arbeitet ein in Österreich ausgebildeter Jurist in der EU für Österreich - Gratulation an die ÖVP !

Raf Weisheit-Löffelfresser
08
18.3.2011, 12:52
Von Inspektor Strasser

kann sich selbst der Schrammel aus Kottan noch was abschauen! ;-)

TT1
01
19.3.2011, 15:42
Richtig :-) "Strasser ermittelt"

Heutige Folge: "der schmierige Ernst"

ausAustralien
02
18.3.2011, 12:51
Verhaltensweise widerspricht der Geschäftsordnung.

Die EU Bürokraten die auch beim Wechsel der Kommissare in ihren Funktionen seit Jahrzehnten verbleiben lachen sich (*wissentlich wortwörtlich*) über uns und die Deutschen u.a. über die Personen- Gruppen Inselpolitik der Einsprachigkeit im privaten Kreis krumm.

Was hier *Beide* abgewickelt haben entspricht genaugenommen nicht der Geschäftsordnung und ist aus meiner Sicht daher gegenstandslos. Karas auf Grund seiner langjährigen Tätigkeit in der EU hätte doch wissen müssen dass das Ding so nicht laufen kann und nicht den Gesetzlichkeiten entspricht.

Ich denke beide wollten sich von Hass erfüllt mit dieser Vorgansweise den Gegenüber vom Hals schaffen. Es ist daher keine amikale Lösung mehr möglich.

Alexander Magg
 
07
18.3.2011, 12:51
Strasser: 00 ohne "7"

Angeblich ärgert sich der Kapeller schon, dass er für sein Behinderten-Parkplatz-Problem keine Geheimdienstgeschichte aufgetischt hat. Die scheint ja von den ÖVP-Granden akzeptiert zu werden ...

der tueftler
01
18.3.2011, 14:01
kapeller hatte keine unterstützung

das war sein ganzes problem. das kann daran liegen, dass er sich lauter feinde gemacht hat oder auch daran, dass er nicht genug "gschichten" kennt, die "andre leute stören". ganz offensichtlich war die partei froh, in los zu werden. die sache war unsympathisch, aber nicht wirklich arg. jedenfalls sind für mich die zahlreichen verurteilten straftäter im parlament ärger.

Knusper- Niki
05
18.3.2011, 12:34

würd gern wissen wo der strasser seinen doktor gekauft hat..

mfgmfg
01
18.3.2011, 13:38
wer hindert wen daran

sie durch einen Plagiatsfinder laufen zu lassen?

der tueftler
01
18.3.2011, 12:27
nachhilfe in korrektem vorgehen für sie hr. strasser

nachdem ihnen jemand ein gesetzesanliegen vorgetragen hat (komisch, kann eigentlich jeder zu ihnen kommen?), hätten sie sofort die zuständigen behörden informieren müssen. das ist einmal die für solche fälle zuständige parlamentsinterne stelle (möglicherweise ist das OLAF), dann die polizei bzw. staatsanwaltschaft. bestechung ist überall strafbar! außerdem hätten sie ihre kollegen warnen müssen, damit die bescheid wissen, was da auf sie zukommen könnte. die polizei hätte zu entscheiden gehabt, ob sie zum schein auf den vorschlag eingehen sollen.

sie haben nichts davon getan! ihre behauptung, sie hätten sich als one-man-geheimdienst betätigt, ist ebenso unglaubwürdig wie lächerlich. ihre vorgangsweise war bedenklich und unkollegial!

skip it
00
18.3.2011, 12:27
foromat, die 2.: wenn das wirklich unter "LobbyGate"...

...laufen wird, wird's fesch.

bin g'spannt, ob der strasser die ST verklagt.

Reiner D
03
18.3.2011, 12:22
"Zickenkrieg" & Geheimdienst

Die Wortwahl passt doch nicht ganz, oder?

Wenn Othmar Karas von Ernst Strasser in der Form bedrängt worden ist, dann kann man wohl kaum von "Anschwärzen" sprechen,wenn Karas das öffentlich macht. Das ist ungefähr so,als würde sich ein korumpierter Beamter darüber beschweren,dass er bei der Staatsanwaltschaft gemeldet wird. Unglaublich!

Aus meiner Sicht wird hier versucht, Othmar Karas "ans Bein zu pinkeln".

Der Geheimdienst und die Erfahrungen des Ernst Strasser im Innenministerium, sind eigentlich nur zum Lachen. Ulkig, witzig, zum Schießen, wenn es nicht so ernst wäre.

Das die "Sunday Times" nichts sagt, deutet für mich auf die Brisanz des Vorganges hin. Volle Deckung würde ich Ernst Strasser empfehlen.

der tueftler
011
18.3.2011, 12:19
das dümmste ist...

...die überschrift des artikels!
karas hat mit der sache absolut gar nichts zu tun, weder im positiven noch im negativen sinn. strasser hat das anliegen an ihn weiter geleitet, das ist der punkt. unbestritten ist, dass unbekannte leute einen gesetzesvorschlag an strasser heran getragen haben und ihm bei positiver erledigung geld versprochen haben.
strasser hat diesen vorschlag weiter geleitet und so schritte zu eben dieser gewünschten erledigung eingeleitet. karas kannte die leute nicht und auch nicht die versprochenen bestechungsgelder. er hat den vorschlag nicht bearbeitet bzw. eingebracht. aber selbst wenn er das getan hätte, wäre es weder positiv noch negativ zu beurteilen, höchstens fachlich. strasser hat ...

ausAustralien
70
18.3.2011, 12:19
Hier gehts um wichtige Dinge für Österreicher.

Man sollte nicht vergessen, jeder Mensch hat eine andere Art mit gewissen Dingen des Lebens umzugehen. Strasser wie auch Karas. Meines Erachten ist es eine interne Angelegenheit und sollte deshalb von beiden Kontrahenten selbst gelöst werden , wie es auch in den besten Firmen vorkommt.

Natürlich bei einer derartigen Wichtigkeit durfte sich das Team der Korruptionsbehörde in Gang setzen und international Brüssel und London? tätig werden.

Die österreichischen Skandale über die ungemein lebenswichtigen Dinge des österreichischen Lebens wie Bettlerverbot, Frauenquote im Aufsichtsrat, Behindertenparkplatz, EU Auseinandersetzung usw. rollen mit einer außerordentlichen Wichtigkeit nur so dahin.

skip it
01
18.3.2011, 12:24
abgeordnetenbestechung is ka lercherlschas...

...oder sehen sie das anders?

wart mr doch den bericht in der ST ab.

skip it
00
18.3.2011, 12:15
"LobbyGate" ist auch net schlecht...

...
http://www.powerbase.info/index.php... te_Scandal

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