Grüner Tee, Reiswein, Shiitake, Reis: Lebensmittel aus Nippon werden streng kontrolliert und oft außerhalb Japans produziert
Die 27 EU-Mitgliedstaaten untersuchen seit Tagen Lebensmittel aus Japan. Italien hat sogar einen Importstopp verhängt. Die japanische Regierung ließ am Donnerstag erstmalig Nahrungsmittel auf Verstrahlung testen. Bei einem Lokalaugenschein in Wiens größtem Japan-Fachgeschäft Nippon-Ya werden so manche Bedenken wieder zerstreut.
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Die Aufregung bei Ayumi Kondo ist zu spüren. Die Geschäftsführerin des seit 1974 bestehenden Japan-Spezialisten Nippon-Ya war schon im Fernsehen und ist sichtlich bemüht, die Fassung zu bewahren. Sie zeigt sich über die heimische Berichterstattung zu Erdbebenfolgen und Lebensmittel verwundert. "In den österreichischen Medien gibt es mehr Hysterie als in Japan." Es werde viel über die Strahlengefahr geredet, aber wenig über die Opfer an sich.
"Keine vorschnellen Schlüsse ziehen"
Hält sich die Verstrahlung in Grenzen, dann dürften zumindest in Westjapan produzierte Lebensmittel sicher sein. Die havarierten Atommeiler sind rund 600 Kilometer von Kobe, Osaka und Kyoto entfernt. Laut Kondo ist der Großteil der japanischen Nahrungsmittelindustrie dort ansässig, folglich wäre es "wirklich schlecht, vorschnell Schlüsse zu ziehen".
"Sollte es etwas zu beanstanden geben, werden sich die Behörden sowieso melden", so Kondo. Lebensmittel aus Japan werden von Gesundheitsministerium und Zollbehörden derzeit streng kontrolliert. "Darauf können sich die Menschen verlassen", erklärte Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) am Donnerstag nach Beratungen der EU-Umweltminister in Brüssel. Kontrolliert werden unter anderem grüner Tee, Reiswein, Shiitake-Pilze oder Sushi-Reis.
Ob es wirklich zu einer gesundheitsgefährdenden Belastung von Lebensmitteln kommt, hängt von vielen Faktoren ab. Gerät die Lage im AKW Fukushima vollends außer Kontrolle, dann kommt es auf Wind und Wetter an. Schlimmstes Szenario dabei ist eine ins Landesinnere ziehende radioaktive Wolke, die dann ihre kontaminierende Fracht per Regen zu Boden trägt.
Produktion im Ausland
Selbst in diesem Fall muss man aber nicht auf Japan-Kost verzichten. Ein großer Teil davon wird von japanischen Firmen im Ausland produziert. So kommen viele Fischprodukte aus Thailand, Reis aus Italien oder den USA, Sushi-Algen aus China. Diese Waren "nach japanischer Art" finden sich seit geraumer Zeit immer öfter in den Regalen europäischer Japan-Läden.
Und auch wenn es explizit "Made in Japan" sein soll, gibt es Ausweichmöglichkeiten. So werden zahlreiche Produkte erst in Japan verarbeitet, die Grundprodukte kommen aus der ganzen Welt. Die Bohnen für Sojasaucen kämen aus Kanada oder den USA, der Weizen für Cracker und ähnliche Produkte aus Brasilien, erläutert Unternehmerin Kondo.
Der Hauptgrund für diese Auslandsorientierung liegt in den hohen heimischen Produktionskosten und dem stark aufwertenden Yen. Die japanische Währung hat im Vergleich zum Euro in den letzten drei Jahren um knapp 30 Prozent zugelegt. "Durch den teuren Yen haben wir automatisch viel mehr Ausweichprodukte gekauft", erläutert Kondo.
"Der Untergang Japans"
Die 45-jährige Nippon-Ya-Chefin ist derweil in Gedanken viel eher bei den Überlebenden von Erdbeben und Tsunami. "Das Ganze erinnert ein wenig an den Katastrophenfilm "Der Untergang Japans", mit dem meine Generation aufgewachsen ist", so Kondo. Passiv zuschauen will sie nicht, mit einer Spendenbox und einem am 29. März stattfindenden Benefizkonzert des Kammerorchesters Japan will sie das japanische Rote Kreuz unterstützen und den Betroffenen helfen. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 17.3.2011)