Reportage

Keine Angst vor japanischem Essen

Herrmann Sussitz, 17. März 2011, 16:03
  • Artikelbild
    foto: hermann sussitz

    Ayumi Kondo: "In den österreichischen Medien gibt es mehr Hysterie als in Japan."

Grüner Tee, Reiswein, Shiitake, Reis: Lebensmittel aus Nippon werden streng kontrolliert und oft außerhalb Japans produziert

Die 27 EU-Mitgliedstaaten untersuchen seit Tagen Lebensmittel aus Japan. Italien hat sogar einen Importstopp verhängt. Die japanische Regierung ließ am Donnerstag erstmalig Nahrungsmittel auf Verstrahlung testen. Bei einem Lokalaugenschein in Wiens größtem Japan-Fachgeschäft Nippon-Ya werden so manche Bedenken wieder zerstreut.

***

Die Aufregung bei Ayumi Kondo ist zu spüren. Die Geschäftsführerin des seit 1974 bestehenden Japan-Spezialisten Nippon-Ya war schon im Fernsehen und ist sichtlich bemüht, die Fassung zu bewahren. Sie zeigt sich über die heimische Berichterstattung zu Erdbebenfolgen und Lebensmittel verwundert. "In den österreichischen Medien gibt es mehr Hysterie als in Japan." Es werde viel über die Strahlengefahr geredet, aber wenig über die Opfer an sich.

"Keine vorschnellen Schlüsse ziehen"

Hält sich die Verstrahlung in Grenzen, dann dürften zumindest in Westjapan produzierte Lebensmittel sicher sein. Die havarierten Atommeiler sind rund 600 Kilometer von Kobe, Osaka und Kyoto entfernt. Laut Kondo ist der Großteil der japanischen Nahrungsmittelindustrie dort ansässig, folglich wäre es "wirklich schlecht, vorschnell Schlüsse zu ziehen".

"Sollte es etwas zu beanstanden geben, werden sich die Behörden sowieso melden", so Kondo. Lebensmittel aus Japan werden von Gesundheitsministerium und Zollbehörden derzeit streng kontrolliert. "Darauf können sich die Menschen verlassen", erklärte Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) am Donnerstag nach Beratungen der EU-Umweltminister in Brüssel. Kontrolliert werden unter anderem grüner Tee, Reiswein, Shiitake-Pilze oder Sushi-Reis.

Ob es wirklich zu einer gesundheitsgefährdenden Belastung von Lebensmitteln kommt, hängt von vielen Faktoren ab. Gerät die Lage im AKW Fukushima vollends außer Kontrolle, dann kommt es auf Wind und Wetter an. Schlimmstes Szenario dabei ist eine ins Landesinnere ziehende radioaktive Wolke, die dann ihre kontaminierende Fracht per Regen zu Boden trägt.

Produktion im Ausland

Selbst in diesem Fall muss man aber nicht auf Japan-Kost verzichten. Ein großer Teil davon wird von japanischen Firmen im Ausland produziert. So kommen viele Fischprodukte aus Thailand, Reis aus Italien oder den USA, Sushi-Algen aus China. Diese Waren "nach japanischer Art" finden sich seit geraumer Zeit immer öfter in den Regalen europäischer Japan-Läden.

Und auch wenn es explizit "Made in Japan" sein soll, gibt es Ausweichmöglichkeiten. So werden zahlreiche Produkte erst in Japan verarbeitet, die Grundprodukte kommen aus der ganzen Welt. Die Bohnen für Sojasaucen kämen aus Kanada oder den USA, der Weizen für Cracker und ähnliche Produkte aus Brasilien, erläutert Unternehmerin Kondo.

Der Hauptgrund für diese Auslandsorientierung liegt in den hohen heimischen Produktionskosten und dem stark aufwertenden Yen. Die japanische Währung hat im Vergleich zum Euro in den letzten drei Jahren um knapp 30 Prozent zugelegt. "Durch den teuren Yen haben wir automatisch viel mehr Ausweichprodukte gekauft", erläutert Kondo.

"Der Untergang Japans"

Die 45-jährige Nippon-Ya-Chefin ist derweil in Gedanken viel eher bei den Überlebenden von Erdbeben und Tsunami. "Das Ganze erinnert ein wenig an den Katastrophenfilm "Der Untergang Japans", mit dem meine Generation aufgewachsen ist", so Kondo. Passiv zuschauen will sie nicht, mit einer Spendenbox und einem am 29. März stattfindenden Benefizkonzert des Kammerorchesters Japan will sie das japanische Rote Kreuz unterstützen und den Betroffenen helfen. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 17.3.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 191
1 2 3 4 5
mundll
00
18.3.2011, 20:40
Natürlich wird sofort gehetzt, wollen sich doch schnell viele Andere bereichern!

mundll
00
18.3.2011, 20:36
Ägypten ist ein wunderbares Urlaubsland,

Tunesien detto, usw...... es gibt kein Problem, nur die Geldgier, der Rest ist reiner Kollateralschaden.

mundll
00
18.3.2011, 20:34
Bei uns ist noch genung von Tschernobil verstrahlt, daß wird totgeschwiegen

Bis die japanischen Strahlen uns erreicht haben, sind die Schrottwerke rund um Ö schon längst explodiert.

Walter Bimini
00
20.3.2011, 08:26
so lange brauchen wolken auch wieder nicht um um die erde zu ziehen

miurakaigan
03
18.3.2011, 15:13

Vordergründig mag es so aussehen als würde der Standard mit solchen Artikeln versuchen Angst und Hysterie zu beschwichtigen. Tatsache ist jedoch, dass kein vernünftig denkender Mensch auf die Idee kommen würde, dass bereits (oder auch in Zukunft) strahlenverseuchte Kost aus Japan bei uns am Tisch landen würde. Allein der Titel mit "Keine Angst" schürt ebendiese...

ROTWEISSROT
51
18.3.2011, 12:56
Muß ich Angst vor japanischen Frauen haben ??

Was passiert, wenn ich mit einer "verstrahlten" 1 Stunde lang "kuschle" .

Bin ich dann auch verstrahlt ?

Danke für Antworten

mundll
00
18.3.2011, 20:30
Keine Angst, war in Japan,....

da liefen ältere Männer mit Schildern durch die Gegend,... 1/2 Std. 1,000 Yen, 1 Std. 2,000 Yen, UND ganz unten stand..... Japanese only, .. also keine Angst um dein Glühwürmchen...:-)),

gunsou
00
18.3.2011, 15:24
Keine Sorge

So einen österreichischen Schandfleck wie dich lassen sie gar nicht erst an sich heran.

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
10
18.3.2011, 14:46

verblöden japanische frauen, wenn sie mit rotweißroten do*eln "kuscheln"?

Don Flamenco
33
18.3.2011, 13:17

bleierne kondome verwenden!

Ibsen
00
18.3.2011, 12:41
Jetzt ab ins

Akakiko!

Taji Soron
01
18.3.2011, 14:23

Was im Akakiko als "japanisch" verkauft wird hat ungefähr soviel mit Japan zu tun wie die Pizza aus der Pizzeria ums Eck mit Italien. Nicht einmal der Name ist japanisch, auch wenn er sich irgenwie so anhört...

Ibsen
00
18.3.2011, 15:05
Aber zum Glück

habe ich nicht aufgegessen:-)

Ibsen
00
18.3.2011, 14:29
Auch da

hat er mir also gelogen... :-)))

mika33
24
18.3.2011, 12:08
Lebensmittel aus Japan aus Angstgründen abzulehenen wäre ja auch eine mehr als irrationale Reaktion.

trollvottel
15
18.3.2011, 12:00

In den nächsten Jahren sollte man IMO vor allem keinen Tiefkühlfisch essen. Die Lebensmittelindustrie betrügt ja nahezu immer nach Strich und Faden; ich bin überzeugt davon, dass verseuchte Pazifikfische aus der Gegend vor Japan schon bald als Tiefkühl-Fischstäbchen mit Aufschriften wie "Atlantik Polardorsch" angeboten werden.

Zudem werden Pangasius mit Fischmehl ernährt, und was genau in das "Fischformfleisch" Surimi reinkommt will auch niemand so genau wissen.

miurakaigan
03
18.3.2011, 15:07

Japan exportiert kaum Fisch, stattdessen ist es ein großes Importland. Als aufgrund des unausprechlichen isländischen Vulkans die Importe von norwegischen Lachs wegbrachen, mussten die Japaner auf neuseeländischen ausweichen.

Ich würde mir also an Ihrer Stelle keine allzugroßen Sorgen über japanischen Fisch bei uns machen. Was an Schadstoffen im Fisch ist haben wir schon von der Nordsee drin.

Hendl
00
18.3.2011, 12:16
"Fischformfleisch"

das letzte;

nahrungsmittelindustrie - zu 80% oder mehr schwindel und betrug;

wie doping - ohne reißt du nichts.

Takeru .
 
06
18.3.2011, 11:39
Umgang mit Kritik?

Im Umgang mit Kritik zeigt sich das wahre Gesicht. Anstatt auf das Argument selbst einzugehen, wir die Person angegriffen - klassischer Griff in die unterste Schublade, sehr passend für Leser anderer Kleinformate, aber nicht für dieses Forum.

Frau Kondo meldet vorsichtige Zweifel über die Art der Berichterstattung an. Wer das aktuelle News sieht, weiss auch warum: es geht um maximale Aufmerksamkeit, Auflagemund damit Profit.

Die Situation in Japan ist ernst - nun aber über einer Vertreterin hier den ungustiösen fremdenfeindlichen österreichischen Schmutzkübel auszuleeren, ist unter jeder Würde.

Japan verdient unser Mitleid, unsere Hilfe, unsere Unterstützung - wer das nicht versteht, möge Schweigen um die Opfer nicht zu verhöhnen.

Silvio Lackner
02
18.3.2011, 10:53
Hysterischer Titel

Nearly Perfect
133
18.3.2011, 10:41
So wie Frau Kondo

unsere Kultur nicht begreift und die Reaktionen bei uns als Hysterie tituliert,
genauso begreifen viele hier bei uns die Kultur Japans nicht und bezeichnen die Reaktionen in Japan als ...

gunsou
00
18.3.2011, 19:34
wow, der wird ja immer röter

Lukas Chen
13
18.3.2011, 14:26
Hysterie

Das Wort stammte aus einem Wiener, Sigmund Freud. Es ist unmoeglich, dass erst nur nach einer Woche, bsstrahltes Lebensmittel aus Japan schon in europaeischen Laden erscheinen kann. Tatsaechlich ist es die Hysterie mit den Leuten in Oesterreich.

Nearly Perfect
21
18.3.2011, 14:55
Das ist doch völliger Nonsens.

ob da jetzt was verstrahltes da ist oder nicht.
Fakt ist: JapanerInnen sind "anders", ÖsterreicherInnen sind "anders" u.s.w.
Wenn man "anders" nicht verstehen kann, dann ist dies noch lange kein Grund mit kleinlichen Benennungen/Bezeichnungen (in konkretem Fall Hysterie) um sich zu werfen.
Das ist alles was mein posting zum Ausdruck bringt - nicht mehr aber auch nicht weniger.
Ich vermisse bei betreffender Bemerkung von Frau Kondo den ach so hochgepriesenen Respekt von JapanerInnen - offensichtlich doch nichts Echtes - sondern eine aufgesetzte Maske.

Taji Soron
22
18.3.2011, 15:22
Sie vermissen Respekt?

Wenn hier jemand mit völlig haltlosen Behauptungen herumwirft sind es doch Sie selbst. Frau Kondo ist in Ö aufgewachsen und hat sicher mehr Ahnung von österreischer Kultur als sie zu haben glauben. "Offensichtlich doch nicht Echtes"? - offensichtlich ihr Vorurteil!
Kritik zu üben ist nicht gleichbedeutend mit "die Kultur nicht zu verstehen".
Unterschiede gibt es nicht zwischen Österreicher und Japanern (ich spar mir mal die PC Innen), sondern zwischen Hysterikern und Nicht-Hysterikern. Und wenn die Österreicher aufgrund der tragischen Ereignisse in Japan jetzt alle Geigerzähler aufkaufen und sich Sorgen über verstahlte Lebesmittel aus Japan machen, dann IST das Hysterie. Sage ich mal, als Österreicher...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 191
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.