Das Vincent in Wien-Leopoldstadt macht wieder einmal mit einem mutigen Koch von sich reden
Frank Gruber hat in seinem ebenso betulich wie komfortabel möblierten Restaurant schon mehreren experimentierfreudigen Köchen eine Bühne geboten - allein dafür gebührt ihm in einer von kulinarischer Reaktion gezeichneten Stadt wie Wien eine Auszeichnung. Derzeit steht mit dem 31-jährigen Peter Zinter ein deklarierter "Junger Wilder" am Herd. Zinter bemüht sich redlich, eine Ahnung von dem auf die Teller zu bringen, was derzeit international in der feinen Küche für Richtungen angedacht werden.
Er hat ein rein vegetarisches Menü im Programm, spielt aber auch mit dem Chemiebaukasten. Ein bissl "nose to tail eating" (eine wahrhaft grandios gewürzte Entenblunze etwa) darf ebenso wenig fehlen wie alte Gemüsesorten oder exotische Zutaten wie Bison.
Noch kein eigener Stil
Ein eigener Stil ist bei dieser Fülle disparater Einflüsse noch nicht zu erkennen, einiges gelingt durchaus beeindruckend, bei anderen Kreationen will Zinter wahrscheinlich mehr, als seine Mannschaft angesichts der guten Auslastung schaffen kann.
Die Blunze mit Gansleberschnee und Essigbirne ist jedenfalls ein Highlight, auch der Winterkabeljau hätte wächsern-zartblättriger nicht sein können. Variation von Erbse und Roter Rübe geht hingegen spektakulär daneben: Erbsen und Püree von unattraktiver, mehliger Konsistenz, die kümmeligen Rüben agressiv essigsauer - einzig die Tortellini sind auf der Höhe des selbst gestellten Anspruchs. Verspielt sind auch die Desserts - hier beweist Patissière Karin Edinger (eine Petz-Schülerin) aber echte Klasse. Besonders gut: eine luftleichte Nougatschnitte mit fantastischem Maracuja-Sorbet. (Severin Corti/Der Standard/rondo/18/03/2011)
Vincent
Große Pfarrg. 7
1020 Wien
Tel.: 01/214 15 16
Mo-Sa 18-23 Uhr
VS EURO 8-19, HS EURO 21-32, Menü 5 Gänge EURO 58, 7 Gänge EURO 75, 4 Gänge vegetarisch EURO 44
Fotos: Gerhard Wasserbauer