"Wir sind eindeutig im Bereich Super-Gau"

17. März 2011, 12:06
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Atomenergie-Experte Radko Pavlovec über die möglichen Folgen der atomaren Katastrophe in Japan und die Gefahr für Österreich durch Mochovce

Radko Pavlovec war bis vor kurzem als Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich tätig. Seit einem Zerwürfnis mit der Politik - Pavlovic gibt vor allem der Bundesregierung die Schuld - agiert er bis Ende Juni 2011 nur noch als selbstständiger Berater des Landes. Der Atomenergie-Experte, der vom Grünen Landesrat Rudi Anschober als "hervorragender Experte" mit Zusatz "Einzelkämpfer und wenig Teamspieler" bezeichnet wird, findet im Video-Interview mit Hans Rauscher klare Worte zur Situation in Japan. "Wir sind eindeutig im Bereich Super-Gau", meint Pavlovec. Vor allem die Abklingbecken der Katastrophen-Reaktoren in Fukushima bereiten Pavlovec Sorge. Hier würden bis zu acht Kernladungen an abgebrannten Brennelementen lagern. Sollte es dort zur Schmelze kommen, wäre die Einleitung einer ungestörten nuklearen Kettenreaktion mit unabsehbaren Folgen möglich. Im Extremfall könnte das dazu führen, dass der Nord-Teil Japans für Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar werde.

Der langjährige Kämpfer gegen das AKW Temelin erklärt, warum auch das "Wahnsinnsprojekt" rund um den geplanten Ausbau des Kernkraftwerks im slowakischen Mochovce (rund 160 Kilometer von Wien entfernt) für Österreich gefährlich ist. Vor einem Jahr war Pavlovec zu einer Sitzung über das Containment in Mohovche geladen. Weil ihm hier jedoch von slowakischer Seite ein "Geheimhaltungspapier" zur Unterschrift vorgelegt wurde, verließ er die Besprechung vor dem Beginn. Das Wiener Umweltministerium, dessen Delegation das Papier unterschrieben hatte, habe ihm dazu erklärt, dass eine solche Vorgangsweise üblich und korrekt sei. (rasch, derStandard.at, 17.3.2011)

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