Nach dem Zerschlagen eines internationalen Kindesmissbrauchsnetzwerks gibt es auch in Österreich 14 Verdächtige - die nicht ausgeforscht werden dürfen
Im Rahmen einer großangelegten Polizeiaktion gegen ein Kindesmissbrauchsnetzwerk wurden 184 Verdächtige festgenommen, 670 Täter identifiziert und 230 Opfer (hauptsächlich Buben) vor weiteren Übergriffen und Vergewaltigungen gerettet. Unter den mutmaßlichen Tätern sind auch Österreicher, doch wegen einer Gesetzeslücke muss kein einziger von ihnen vor Gericht.
Europol hat das österreichische Bundeskriminalamt zwar mit den E-Mail-Adressen der mutmaßlichen Täter versorgt, sie dürfen jedoch nicht ausgeforscht werden. Denn Kindesmissbrauch und das Ansehen von Kinderpornographie ist in Österreich zwar strafbar, nicht aber das Unterhalten über pädophile Vorlieben und Sexualpraktiken. Die 14 Österreicher hätten sich laut orf.at im Internet-Forum "boylover" über ihre sexuellen Vorlieben für Buben ausgebreitet. "Wer diese 14 Pädophilen sind, wissen wir nicht. Wir haben keinen Auftrag zur
Ausforschung bekommen", sagt Harald Gremel,
Leiter der Kinderporno-Meldestelle.
Gremel sagte weiter zu orf.at: "Wenn im Text bereits erkennbar ist, oder wenn er sagt, er möchte ein
Kind missbrauchen, oder er hat bereits eines missbraucht, dann hat man
natürlich eine Handhabe." Auch Hinweise, dass Forum-Mitgliedern kinderpornographisches Material ausgetauscht
haben, würde die Grundlage für Hausdurchsuchungen bieten. Doch auch einen
solchen Hinweis gab es nicht. (jus, derStandard.at, 17. März 2011)