Afrikanerin musste 18 Stunden pro Tag und nahezu ohne Bezahlung in Haushalt arbeiten
In Großbritannien ist erstmals ein Gerichtsurteil wegen "moderner Sklaverei" gefallen. Eine 68-jährige ehemalige Krankenhausdirektorin wurde am Mittwoch von einem Gericht in London zu einer Entschädigungszahlung von umgerechnet 25.000 Pfund (28.750 Euro) verurteilt, weil sie in ihrem Privathaushalt eine Afrikanerin 18 Stunden am Tag und nahezu ohne Bezahlung für sich arbeiten ließ.
Dass er der Angeklagten eine Gefängnisstrafe ersparte, begründete Richter Geoffrey Rivlin mit ihrem schlechten Gesundheitszustand. Das Gericht verurteilte die Frau auch wegen Menschenschmuggels. Sie hatte ein Krankenhaus in Tansania geleitet und die dort arbeitende Afrikanerin nach Großbritannien mitgenommen.
"Gefühllos und habgierig"
"Sie hätten sich locker eine anständige Bezahlung leisten können", sagte der Richter an die 68-Jährige gerichtet. "Aber Sie entschieden sich, nichts zu geben." Er nannte das Verhalten der Frau gegenüber ihrer Hausangestellten "gefühllos und habgierig". Die heute 49-jährige Afrikanerin hatte zunächst einen Hungerlohn von zehn Pfund pro Woche erhalten, nach einem Jahr aber gar nichts mehr. Sie durfte das Haus nicht verlassen und bekam lediglich Brot zu essen. Die ehemalige Hausangestellte sagte, sie sei "wie eine Sklavin" behandelt worden. Sie habe anfangs die Hoffnung auf ein Gehalt und ein besseres Leben gehabt. (APA)