Kopf des Tages

Akihito Tsuyu No Mija, Kaiser von Japan

16. März 2011, 19:39

Der himmlische Herrscher fühlt mit seinem Volk

Als  Akihito Tsuyu No Mija 1990 zum japanischen Kaiser ausgerufen wurde, gab er für seine Regentschaft das Motto "Heisei" - Streben nach Frieden - aus. Nun ist der 125. Tenno mit der seit Jahrzehnten bedrohlichsten Situation für sein Land konfrontiert.

Die öffentlichen Auftritte des Tenno sind extrem rar, umso überraschender war am Mittwoch das Erscheinen des 77-jährigen, schwerkranken Kaisers vor den Medien, um sein Beileid für die Familien der Bebenopfer und Sorge wegen der AKW-Katastrophe auszudrücken.

Der Kaiser, dessen Amt rein zeremoniell ist, gilt als Symbolfigur der Einheit der Nation. Als Oberhaupt von 100 Millionen Shintoisten übt er zudem großen moralischen Einfluss aus.

Im Vergleich zu seinen Vorgängern gilt Akihito fast schon als volksnah: Er bereiste alle 47 Provinzen des Landes und brach auch vorsichtig mit Traditionen und Privilegien: Er liebt Klassik und Jazz und spielte, solange es die Gesundheit zuließ, Tennis. Und sein Chauffeur muss bei Rot anhalten.

Bescheiden

Bescheidenheit ist für den Tenno eine Zier: So wird berichtet, er besitze nur wenige, zum Teil schon sehr alte Anzüge und Krawatten. Auch sein Wohnhaus, ein Neubau auf dem Palastgelände, ist schlicht. Noch mehr Volksnähe wird dem Tenno nicht gestattet, dafür sorgt das erzkonservative Haushofamt.

1959 heiratete der Kronprinz - studierter Volksökonom und Politologe - die bürgerliche Shoda, Absolventin einer katholischen Universität. Mit ihr, seitdem Kaiserin Michiko, hat er neben Kronprinz Naruhito einen weiteren Sohn und eine Tochter, die wegen der Hochzeit mit einem Bürgerlichen offiziell aus der kaiserlichen Familie ausschied.

Akihito ist der erste Regent der ältesten Erbmonarchie der Welt, der sein Amt nicht mehr als gottähnlicher Herrscher antrat. Der "Göttlichkeit" entsagte sein Vater Hirohito 1946 in seiner "Menschlichkeitserklärung".

Zwar ist traditionell die große Mehrheit der Japaner für den Erhalt der Monarchie, doch vor allem in der jungen Generation herrschte zumindest bisher eher Gleichgültigkeit gegenüber dem antiquiert wirkenden Kaiserhaus.

Dies könnte sich nun ändern: Auch ein Volk, das mit Stoizismus und absoluter Selbstdisziplin in Verbindung gebracht wird, braucht Orientierung - gerade in Zeiten, in denen niemand zu wissen scheint, was zu tun ist. Und ausgerechnet die Traditionsfigur des Tenno wird den Japanern erklären müssen, dass die Welt seit dem 11. März eine neue ist. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD Printausgabe, 17.3.2011)

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Heinz Anderle
 
54
17.3.2011, 19:42
Republik Japan, Vereinigte britische Republiken

... England, Nordirland, Wales und Schottland, Republik Dänemark, Republik Schweden, Bundesrepublik Belgien, Republik der Vereinigten Niederlande, Republik Norwegen, Föderale Republik Spanien...

Es gibt viel zu tun. Packen wir's an!

Dr. Heinz Anderle, jakobinischer Freigeist

KTHXBYE
20
19.3.2011, 17:29

Wer solche aufgeblasenen Jakobiner am Hals hat, braucht sowieso keinen Adel mehr.

kerberoß
12
18.3.2011, 12:50

Zur Erinnerung, der Dr. kommt vom Partizip von docere 3, doctus/a/um was soviel wie gelehrt bedeutet. Weiters: Frei ist immer öfter gleichbedeutend mit leer. Nur damit es klar ist und kein Mißbrauch stattfindet. Genauso eigenartig erscheint der Zusammenhang zwischen subjektivem Gefallen des Dr.s und dem Typ des Staatsoberhauptes. Gegenthesen: Sarkozy, Bush*, Medwedew, um nur einige Nonmonarchen an der Spitze eines Staates zu nennen. Was an denen besser als an der Queen ist, muss mir der Dr. erst einmal erklären.

Nevim
00
25.3.2011, 19:06

Zumindest wie Bush (jr) und Medwedew ins Amt gekommen sind, entspricht aber auch nicht wirklich meiner Vorstellung von Demokratie.

Heinz Anderle
 
31
19.3.2011, 05:47
Drei Pferdeköpfe auf einmal?

Oder doch nur Ochsen?

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

ardilla
04
17.3.2011, 09:27

Der Titel heißt Tsugu no Miya und nicht Tsuyu no Mija.

Julius Pokorny
00
18.3.2011, 12:34
Vollkommen richtig

Tsugu no Miya heißt's richtig. Tsuyu dagegen bezeichnet 1) die alljährliche Regenzeit und 2) eine kalte Nudelsauce. Außerdem trägt er den Titel nicht mehr, seit er Kaiser und nicht mehr Kronprinz ist.

f 3
12
17.3.2011, 12:01

die verwechslung von y und g hat ja schon tradition. das hat schon der linne nicht geschaft - weswegen wir jetzt auch unseren ginkgo haben ... :-)

Queen of Sheba
 
20
17.3.2011, 01:29
Auf der Ebene des Tenno sind nur der Römische Kaiser, der Chinesische Kaiser, der Schah von Persien, der Zar aller Reussen, der Neguse Negest von Äthiopien und noch ganz wenige.

gou gai
00
18.3.2011, 19:52

und die Königin von Sheba? ;-)

duke box
10
17.3.2011, 15:43

und otto habsburg.

Queen of Sheba
 
01
17.3.2011, 16:15
Otto VON Habsburg - deutscher Staatsbürger.

David Seppi
 
01
18.3.2011, 19:41

Auch — Otto Habsburg-Lothringen ist aber u.a. auch Österreicher.

Ndugu
00
17.3.2011, 13:24
Die hier aufgezählten gibt's aber alle nicht mehr.

Mycroft Holmes
01
17.3.2011, 13:08
und ich

Dirty Sanchez
 
15
17.3.2011, 08:31
Nicht ganz richtig.

Der Tenno steht in seinem Selbstverständnis als direkter Nachkomme der Sonnengöttin eher auf einer Ebene mit dem Pharao.

Queen of Sheba
 
00
17.3.2011, 16:14
Den ägyptischen Pharao habe ich tatsächlich vergessen.

peter schmidt
 
12
17.3.2011, 11:46
manchmal wäre es schon gut einfach mal kurz zu googlen

„Jene Bande, die mich und mein Volk umschließen, beruhen nicht auf der falschen Vorstellung, dass der Tenno göttlich sei.“

so sagte es hirohito. selbstverständnis also nicht göttlicher natur.

peter schmidt
 
01
17.3.2011, 15:49
Ich glaube wir haben ein Thema gefunden von dem Sie noch weniger verstehen als von Frauen.

Dirty Sanchez
 
02
17.3.2011, 16:22
sagt peter schmidt zu peter schmidt.

;-)

peter schmidt
 
01
17.3.2011, 17:33
na da habe ich mich verpostet

womit wir auch mal ein thema gefunden haben von dem Sie mehr verstehen als ich.

Dirty Sanchez
 
11
17.3.2011, 12:05
Der Satz war Bestandteil der Kapitulation.

Diese "Menschlichkeitserklärung" haben die Amis von Hirohito gefordert.
Googeln hilft auch hier.

www.stattnetz.de
90
17.3.2011, 08:57
Da wundert es nicht...

... daß ein Volk, welches davon überzeugt ist, daß der Tenno von der Sonnengöttin abstammt, auch der Meinung ist, es sei komplett o.k. AKWs im Erdbebengebiet zu bauen.
Die Menschheit ist schon recht lustig.
Andere glauben, daß sie dem Vebot Schwangerschaft zu verhüten nachkommen müssen, weil sie sonst in aller Ewigkeit im Feuer brennen werden... Diese Gruppe glaubt auch mehrheitlich daß AKWs eine total spaßige und harmlose Sache sind....

Gerhard Ingolf
21
17.3.2011, 18:21

Es ist umgekehrt! Die von Ihnen definierte Gruppe glaubt, dass AKWs ein Werk des Teufels sind (so wie es früher viele vom "Dampfross" gedacht haben).

sozusagen
12
17.3.2011, 14:28

Geht scho, eine Nähe zu Al-Qaida oder Tante Fanny könnten's noch postulieren!

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