Parlamentssanierung

Das Hohe Haus und die Sache mit dem Rolls-Royce

16. März 2011, 19:08

Zur Debatte um die Sanierungskosten fürs Parlament - Von Martin Schrehof

Betrifft: Gastkommentar "Wie viel Erdbebengefährdung ist Parlamentariern zumutbar" von Andreas Lehne, Der Standard, 10. 3. 2011

Die Polemik von Andreas Lehne lässt wesentliche Fakten außer Acht und unterstellt den Projektverantwortlichen einen Hang zu einer realitätsfremden Maximalvariante, gepaart mit Kompromisslosigkeit. Es werde versucht, einen ererbten Rolls-Royce mit allen Komfort- und Sicherheitsmerkmalen eines heutigen Modells auszustatten. Und das verursache exorbitante Kosten. Die Gulden-Euro-Umrechnung samt plakativer Behauptung, die jetzige Sanierung sei "dreimal so teuer" wie der seinerzeitige Bau des Parlamentsgebäudes, ist unbeschwert von jeder Sachkenntnis um die tatsächliche Baupreisentwicklung in den vergangenen 130 Jahren. Auch wird eine faire Identifikation von Management-, Umzugs- und Interimskosten unterlassen.

Frage der Abwägung

Die Fakten: Die notwendige Sanierung macht den Großteil der geschätzten Kosten aus, exakt 259,8 Mio. Euro. Mit weiteren Maßnahmen um 39,7 Mio. Euro könnte die Effizienz des Betriebes gesteigert werden, wobei sich diese Investitionen innerhalb von 10 bis 15 Jahren amortisieren würden. Um beim angezogenen Vergleich zu bleiben: Jeder verantwortungsbewusste Autobesitzer würde sein ererbtes Fahrzeug - egal ob Rolls-Royce oder Golf - bei akzeptablen Mehrkosten mit Sicherheitsgurten, neuen Reifen oder Katalysator nachrüsten, um mit dem Oldtimer dem Kraftfahrgesetz entsprechend am heutigen Straßenverkehr teilnehmen zu können. Alles eine Frage vernünftiger Abwägung.

Die dynamische Gebäudeerhaltung ist keinesfalls ein "konstruierter Sachzwang" für eine mutwillige Überfrachtung des Hauses, wie vom Autor behauptet. Vielmehr handelt es sich dabei um die klare und richtige Zuweisung von Verantwortung für Leib und Leben an den Eigentümer. Dieser ist per Gesetz verpflichtet, das Gebäude laufend am Stand der Technik zu halten. Unterlässt er das, kann er im Schadenfall strafrechtlich bzw. zivilrechtlich belangt werden. Den gesetzlichen Auftrag zur dynamischen Gebäudeerhaltung in Frage zu stellen, ist schlichtweg unseriös. Ebenso der Versuch, das Projekt auf Erdbebensicherheit zu reduzieren. Auch dazu die Fakten:

Wesentliche Baumaßnahmen, die für den Brandschutz (z. B. Deckenverstärkungen) sowie zur Erfüllung der Evakuierungsvorschriften (z. B. Einbau zusätzlicher Fluchttreppen) notwendig sind unterstützen die Anforderungen zur Aufnahme von Horizontalkräften gemäß den Eurocodebestimmungen. Diese sind ebenfalls einzuhalten.

Vor allem der Denkmalschutz ist bei der Sanierung des Parlamentsgebäudes von großer Bedeutung und im Hinblick auf die baulichen und strukturellen Eingriffe selbstverständlich zu berücksichtigen. Unbestritten ist, dass das Parlamentsgebäude zu den Repräsentativbauten an der Wiener Ringstraße zählt, ein architektonisches Juwel von internationalem Rang und auch eine touristische Attraktion ist.

Dieses wertvolle österreichische Kulturgut gilt es zu bewahren und zugleich für eine zeitgemäße Nutzung fit zu machen. Dazu wurde das Gesamtkonzept in intensiver Zusammenarbeit und in vielen Gesprächen mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt.

Dass andere historische Objekte ähnliche Alterssymptome aufweisen, ist richtig, jedoch ein anderes Thema.

Alle Gutachten und Konzepte zum Sanierungsprojekt sind auf der Homepage des Parlaments unschwer einzusehen. Sie belegen, dass die notwendigen Maßnahmen einen sinnvollen Kompromiss aus technischen Notwendigkeiten und Potenzialen des Bestandes darstellen. (Martin Schrehof, DER STANDARD; Printausgabe, 17.3.2011)

MARTIN SCHREHOF, Projektleiter bei der Sanierung des Parlamentsgebäudes.

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 83
    1 2 3
    smartAss
     
    01
    17.3.2011, 21:31
    ob man sich oder der sache selbst als architekt mit solchen wehleidigen kommentaren etwas gutes tut?

    der umfang der umbaumassnahmen über das allernotwendigste hinaus zu bestimmen ist einzig und allein die entscheidung der politk und ist daher auch von politikern in der öffentlichkeit zu rechtfertigen. und natuerlich kann diese entscheidung dann auch (sogar polemisch!) diskutiert, kommentiert und kritisiert werden. sich als architekt hier zum erfüllungsgehilfen der politk zu machen (oder machen zu lassen) ist ganz schlechter stil und man kommt leicht in den verdacht, in eigener sache zu argumentieren.

    Peter aus Wien
    01
    17.3.2011, 18:52

    "..wobei sich diese Investitionen innerhalb von 10 bis 15 Jahren amortisieren würden.."
    Das ist doch wohl der blanke Hohn. Ist der Herr NLP - frisiert?
    Das klingt so schmissig und flockig.

    Wer bitte soll glauben, dass eine Steigerung der "Effizienz des Betriebes" demjenigen, der das alles bezahlen soll (den Steuerzahlern) jemals wirklich in Form von Einsparungen zugute kommen soll.

    Diese neoklassizistische Bruchbude kann doch eh überhaupt nix, an der ist nichts innovatives, nichts erhaltenswertes.

    Wegreißen!

    smartAss
     
    02
    17.3.2011, 21:41

    hier ist eher gemeint, dass zusätzliche büroräumlichkeiten geschaffen werden können, die man dann nicht mehr extern anmieten muss (=ersparnis). normale buerobauten rechnen sich nach ca. dieser zeitspanne. dass das hier bei den durch den denkmalgschützten bestand stark erhöhten kosten ebenfalls in solcher zeit funktioniert ist aber stark zu bezweifeln.

    Foo Reed
    12
    17.3.2011, 18:16

    einstürzen lassen, asphaltieren, Parkhaus bauen.

    Dr. Berger
    22
    17.3.2011, 15:11
    Einen neuerrichteten Zweckbau statt

    eines generalsanierten Prachtbaues für unsere verwöhnte Politikerkaste?
    Das kann man diesen Leuten doch nicht zumuten - das Beste sollte da grad noch gut genug sein...

    Wir leisten uns doch auch Europas höchstbezahlte Minister: http://www.ots.at/presseaus... -verdiener

    Da soll es auf ein paar hundert Mille auf oder ab nicht ankommen. ^^

    Danke liebe Selbstbediener, greift nur tüchtig zu,
    Euer Steuerzahler

    Loui
    11
    17.3.2011, 14:58

    Der Herr Schrehof
    Jetzt hat er ein Prestige-Projekt und eine tolle Bezahlung und kommt dann mit einem Autovergleich daher.

    auch das noch so best gerüstete Auto fährt gefährlich, wenn ein komischer Typ drinnen sitzt.
    ------------

    ich bin außerdem sicher, das der Herr Schrehof von einer technisierung eines Gebäudes so viel Ahnung hat wie von einem Dampfdruckkessel

    onlooker
    01
    17.3.2011, 16:00
    können sie mit ihrer baumschulausbildung damit überhaupt mitreden?

    gottseidank kennen sie sich auch bei einem dampdruckkessel aus, aber unser parlament ist ein architektonisches schmuckstückerl, dessen historischen wert sie sicher nicht verstehen können,

    Loui
    00
    17.3.2011, 18:02

    ich glaub ihnen kein Wort.

    (Sie können gerne meinen Siegelring küssen)

    onlooker
    00
    17.3.2011, 19:21
    ich nehme einmal an, mit ihrer einfältigen meinung,

    das sie wissen beim glauben am höchsten ist, und zu ihrem siegelring, von wo wollen sie einen siegelring herhaben?
    und eine richtiger inhaber eines solchen ringes küsst diesen ring selbst, aber wieder, von wo sollen sie das wissen, und der autor wird sich mit einem dampfkessel auskennen, zumindest was das prinzip betrifft, schämen sie sich nicht ihr siebenzwetschkenwissen hier dem forum zur kenntnis bringen?

    fds r
    22
    17.3.2011, 17:52
    Juwel

    Das Parlamentsgebäude ist ein vollkommen lächerlicher Nachbau eines griechischen Tempels. Also künstlerisch wertlos. Disneyland sozusagen.

    onlooker
    01
    17.3.2011, 19:57
    sie haben recht es handelt sich nur um eine disney nachbildung,

    nur wurde dort die neuere geschichte österreichs vollzogen, wir brauchen doch keine vergangenheit, reissen wir doch alles nieder, was bedeutet denn schon eine vergangenheit, das resultat wird dahingehend sein, dass wir dann viele neurologen für leute die von der natur so benachteiligt sind wie sie,
    am besten wir bauen den ring um, und lassen alle raser herumflitzen, wissen ist nicht mehr notwendig, nur das heute zählt, nur nicht nachdenken warum dinge passiert sind und wie man dies besser machen könnte, alles dinge die wir in der billigen welt nicht mehr brauchen, je weniger wissen desto besser,wir brauche auch keine wertesysteme, alles wird so billig, nix is fix, lebens nur weiter in ihrer scheiwelt

    Bernhard Lassy2
     
    00
    17.3.2011, 16:25
    na genau deswegen wäre es wichtig

    eine Reihe von Nationalräten von diesem ehrwürdigen Gebäude fern zu halten, die sind so und so eine Schande.

    Vorbestrafte, rechtsradikale, Volksverhetzer etc. eine schöne Sammlung die sicher dem Gebäude Rechnung tragen.

    onlooker
    00
    17.3.2011, 19:23
    dann würde ich ihnen vorschlagen, petitionen einzubringen,

    damit diese fallotten aus dem haus geschmissen werden, diese gesindel hat doch dort überhaupt nichts verloren

    Bernhard Lassy2
     
    11
    17.3.2011, 14:48
    Na ganz so einfach ist es vielleicht doch nicht Herr Schrehof!

    Dr. Lederbauer, der ehemalige Rechnungshofprüfer, hat in einer Diskussion die interessante Frage aufgeworfen, ob es denn nicht vernünftiger wäre, einen guten funktionalen Neubau zu schaffen, der den modernen Anforderungen besser entgegenkommt als ein sanierter Prachtbau.

    Für das Parlament finden sich sicher genügend Nachnutzungsmöglichkeiten, die der Würde des Hauses keinen Abbruch tun würden.

    Ich denke ebenfalls, dass ein gut konzeptionierter Neubau wesentlich günstiger und effektiver wäre.

    FatFaceRicky
    00
    17.3.2011, 16:11

    Und wo wollen Sie den Neubau hinstellen?

    M.E. vedient das Parlament einen Bauplatz an prominenter Stelle in der Inneren Stadt bzw. am Ring - und da gibt es schlicht und einfach nichts. Man müsste erst einen Bauplatz schaffen, wahrscheinlich geht das nur aus Kosten eines anderen historischen Gebäudes.

    Auf der grünen Wiese wäre ineffizient. Bundeskanzleramt und Ministerien sind jetzt alle in Spuck-Weite des Parlaments, die meisten sogar einfach zu Fuss erreichbar. So wie es sein soll.

    Bernhard Lassy2
     
    00
    17.3.2011, 16:23
    Die Nähe der Ministerien ist auch nur eine halbe Wahrheit

    Wer kommt schon aus dem Finanzministerium zu Fuss zum. Parlament

    Bernhard Lassy2
     
    10
    17.3.2011, 16:21
    wer sagt, dass die Parlamentarier am Ring sein müssen

    Die Uno-City ist auch prominent und verkehrsmäßig sicher vernünftiger angeschlossen als es mit dem Parlament jetzt möglich ist.

    Das alte Parlament kann man sicher mit kulturtellen Veranstaltungen wesentlich besser nutzen, als es mit Zahntechnikern und Vorbestraften zu verschandeln.

    onlooker
    01
    17.3.2011, 16:10
    muss ein ehemaliger rechnungshofprüfer auch die

    schöheit dieses gebäudes und ihre geschichtsträchtigkeit verstehen? schuster bleib bei deinem leisten,
    sie wollen diese harmonische ringbild zerstören? wien hat jahrzehnte gebraucht um sich von den kriegsschäden zu erholen, und jetzt kommen die ganzen dampfplauderer und wollen hier ihre gscheitheit zum besten geben, wo waren sie im jahre 1945? als die stadt darniederlag, mit allergrössten mühen wurden die alten gebäude inklusive unserem steffl aufgebaut, die leute würden sie heute noch steinigen, falls sie suggerieren wollen den steffl zu ersetzen, die leute kommen nach wien weil sie unsere historischen gebäude sehen wollen,
    wien ist ein schmuckkasterl und soll es auch bleiben, and to hell with the nay sayers

    smartAss
     
    01
    17.3.2011, 21:45
    ... wo waren sie denn 1945, als die stadt darniederlag?

    Bernhard Lassy2
     
    00
    17.3.2011, 16:18
    bitte Sinnerfassend lesen

    es sagt niemand, dass das der Neubau an Stelle des Parlaments steht.

    Klar muss das alte Gebäude erhalten bleiben, nur als modernes Parlament ist es halt nicht mehr gut geeignet. Es gibt sicher würdige Nutzungsmöglichkeiten kultureller Natur, und so Banausen wie der Strache etc. verschandeln dieses ehrwürdige Gebäude so und so.

    ignazius rummsfeld
    00
    17.3.2011, 14:35
    " mit weiteren Maßnahmen um 39,7 Mio. Euro könnte die Effizienz des Betriebes gesteigert werden,"

    Unseres Parlaments??
    Wie kommen Sie darauf?

    weissseher
    00
    17.3.2011, 12:44
    bedeutung

    die bedeutung des parlaments schrumpft seit 1995 mit jedem tag, zum üblichen hauptgeschäft, dem vollzug von EU regelungen, genügt ein büro.
    was den nationalen rest betrifft, reden die immer das gleiche, damit niemand merkt dass sie eigentlich nix mehr zum reden haben (ein paar themen ohne lösungsorientierung immer und immer wieder durchkauen). und da will man upgraden??

    epitaf
    15
    17.3.2011, 12:24
    Ich versteh (die meisten von) euch nicht!

    Da jammern immer alle, dass die Demokratie in diesem Lande niemandem was wert ist und nichts gilt. Und dann geht es um die Erhaltung DES Symbols der Demokratie in Österreich und es kommen Kommentare von wegen Zirkuszelt und 1.000 Einfamilienhäusern (in Worten: Einfamilienhäusern!). Um dieses Gebäude zu erkämpfen, haben frühere Generationen geblutet... Aber schon klar: Alle, die sonst immer so aufrecht für die Demokratie sind, wollen jetzt wieder eine "Bretterbude" am Ring. Nur, dass sie diese dann halt nicht wie in den 1860ern verächtlich Schmerlingtheater, sondern Prammertheater nennen werden... ich versteh euch nicht!

    Katze Konstantine
    00
    17.3.2011, 14:40
    Sie sprechen mir

    aus der Seele. In anderen Ländern sterben Menschen für die Demokratie, bei uns wird sie verächtlich gemacht.

    Mick 22
    00
    17.3.2011, 20:36
    Hier geht es um was anderes

    Wenn mir jemand schlüssig erklärt, dass der Preis gerechtfertigt ist, dann bich ich der erste, der die Sanierung befürwortet.

    Nur: es ist weder abwegig, Lobbyismus anzunehmen noch Preisabsprachen der Baufirmen. Hat es alles schon gegeben, inkl. gerichtlicher Verurteilungen.

    Und genau darum geht es: ich möchte sichergestellt wissen, daß (a) die Sanierung in diesem Umfang notwendig ist und (b) der kalkulierte Preis marktwirtschaftlich zustandegekommen ist.

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 83
    1 2 3

    Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.