Pflegefonds

Bund-Länder-Deal: Tausche Pflege gegen Sparkurs

16. März 2011, 18:46

Der Pflegegeldfonds ist mit 685 Millionen Euro bis 2014 dotiert, der Bund zahlt zwei Drittel, Länder und Gemeinden eines - Die Pflegegeld-Kompetenzen wandern zum Bund

Wien - Die Engpässe bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen und der Stabilitätspakt hängen in der Sache nur lose zusammen: Es fehlt in beiden Fällen Geld. Und bei beiden Themen haben sich Länder und Bund am Mittwoch geeinigt.

Der Pflegefonds wird mit knapp 685 Millionen Euro bis 2014 dotiert. Die Kosten dafür werden nach dem Schlüssel des Finanzausgleichs verteilt: Der Bund zahlt also zwei Drittel, Länder und Gemeinden (11,7 Prozent) zahlen zusammen ein Drittel. Für das Jahr 2011 stehen zusätzliche 100 Millionen Euro zur Verfügung, im Jahr 2012 gibt es 150 Millionen mehr, für 2013 sind es 200 Millionen und 2014 schließlich 235 Millionen Euro. Gleichzeitig haben sich Länder und Bund auf den Stabilitätspakt und damit auf einen strikten Sparkurs geeinigt. Dieser soll es Österreich schon 2012 ermöglichen, wieder unter der von der EU vorgegebenen Defizitgrenze von drei Prozent des BIPs zu bleiben. Den Gemeinden wurde vorgegeben, ausgeglichen zu bilanzieren - dass das gelingt, wird allerdings bezweifelt: "Städte und Gemeinden werden es trotz sehr sparsamer Haushaltsführung wohl kaum schaffen, durch Erleichterungen bei der Pflege alle gesamtstaatlichen strukturellen Mängel auszugleichen, die zu der schwierigen Finanzsituation geführt haben", fürchtet Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes.

Strukturreform eingemahnt

Weninger mahnt weitere und wirklich tiefgreifende Strukturreformen ein. Der für die kleineren Gemeinden zuständige Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhamer wäre dagegen schon froh, wenn den Kommunen nicht stets neue, kostenintensive Aufgaben auferlegt würden.

Im Gegenzug zu der Budget-Verpflichtung schießt der Bund den anderen Gebietskörperschaften bei der Pflege zu. Allerdings bestreitet Finanzminister Josef Pröll (ÖVP), dass es sich da um ein Gegengeschäft handle: "Wir haben zwei wichtige Themen untereinander gelöst", sagte er zum Standard: "Die Zahl der über 70-Jährigen wird sich in den nächsten 30 Jahren auf über 1,3 Millionen verdoppeln. Es ist wichtig, Sicherheit zu geben, aber gleichzeitig gesunde Staatsfinanzen zu garantieren." Wer gegen den Stabilitätspakt verstößt, dem droht künftig ein öffentlicher Rüffel durch den Rechnungshof. Dieser soll von Amts wegen eingreifen, wenn ein Land seine Vorgaben nicht einhält, und kann auch allenfalls "blaue Briefe" verschicken.

Finanzielle Sanktionen von 15 Prozent der überschrittenen Summe sind zwar möglich, aber nur, wenn ein Schlichtungsgremium mit Vertretung der Länder das absegnet. Gleichzeitig mit der Schaffung des Pflegefonds soll es zur Verwaltungsreform beim Pflegegeld kommen: Die Gesetzgebung und Vollziehung des Landespflegegeldes wird ab 2012 Bundessache sein. "Das ist ein Signal der Verwaltungsvereinfachung: Derzeit zahlen 280 Stellen Pflegegeld aus. Das bündeln wir auf eine einzige", betonte Vizekanzler Pröll.

Trotz der vereinbarten Verlängerung des Finanzausgleichs hält Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) an dem in Aussicht genommenen Zeitplan für die von ihm geplante Spitalsreform fest. (Saskia Jungnikl, Conrad Seidl, DER STANDARD; Printausgabe, 17.3.2011)

Kommentar posten
11 Postings
Fraho
01
17.3.2011, 05:57
"Das ist ein Signal der Verwaltungsvereinfachung:"

Nur unsere Politiker betreiben weiterhin Narreteien!
Der Bund bezahlt 2/3 der Kosten und die Länder/Gemeinden das restliche 1/3 die wiederum vom Bund über den Finanzausgleich kommen.
Warum macht man da nicht Nägel mit Köpfen und schafft die Länderbeteiligung gleich ab? Doch wieder nur um mehr Bürokratie und eine Berechtigung der Landeskaiser mitsamt dem Hofstaat zu haben, die sonst völlig überflüssig wären.
Wann endlich kapiert man, dass wir inmitten der EU mit 500 Mill.EW keine 9 Landesgesetzgebungen für 8 Mill. EW brauchen.

tortoise
01
20.3.2011, 05:29
... die Länderebene...

... muss weg! Sofort! Kostet viel Geld und ist einfach nur die private Spielwiese von überdotierten, verschwenderischen und sachunkundigen Regional"politikern", deren Bezüge jedweder vernünftiger Kosten-Nutzen widersprechen!

noexist
 
02
17.3.2011, 07:07

Da brauchts einfach ein Volksbegehren!
Vielleicht gelingt es uns sowas auf die Beine zu stellen.

Ich glaube an der politischen Zergliederung unseres Landes haben sowieso nur die unmittelbaren Günstlinge Interesse; das sind natürlich auch nicht wenige.

Adolf Ogi
61
16.3.2011, 23:23
Pflege

bei der Pflege wird ordentlich viel Geld verpulvert. Es kann einfach nicht jeder Bedürftige drei Angestellte für eine 24-Stunden-Pflege haben. Ab einem gewissen Punkt muss man auch einsehen, dass es in einem Heim vielleicht besser wäre (und für die Volkswirtschaft um einiges günstiger).

noexist
 
00
17.3.2011, 06:15

Die ambulante Pflege ist wesentlich billiger, als die stationäre Pflege und eigentlich eine win-win-Situation für die betreute Person und die Gesellschaft!

think think
06
17.3.2011, 05:05
Herr Ogi

Habe sie schon hilflose,pflegebeduerftige Menschen betreut????
Meine Frau und ich betreuen meine Mutter seit 6 Jahren rund um die Uhr sie ist Bewegungsunfaehig..
Wir haben seit Jahren keinen gemeinsamen Urlaub verbracht-unmoeglich!
Meine Mutter war 2 Monate im Altenheim ...NIE MEHR WIEDER !!!!!
Die HeimhelferInnen sind an der Grenze der Belastbarkeit es wird beim Personal gesparrt wo es nur geht!!!
Soviel zur Betreuung im Heim!!

Ich wuensche ihnen ,sollten sie einmal Pflege beduerfen,genuegend Menschen die nicht so wie sie denken!!

PS warum fragen sie nicht wieso soviel Geld in Bankensanierung und unserer Verwaltung verpulvert wierd !!!

Exbeamter
00
17.3.2011, 09:18
Genau, das kann ich nur unterschreiben

xxal
 
20
16.3.2011, 21:39

armselig

flux.
00
16.3.2011, 21:10
somit

ist mit der verl. des finanzausgleichs auch gleich jegliche schul-, spitals- ... gesundheitsreform blockiert.

bravo, övp - habts die roten wieder einmal über den tisch gezogen, ohne dass sie es gemerkt ham!

FromTheWise
00
16.3.2011, 20:19
Oberflächliche Lösung!

Die Einigung zwischen Bund und Länger kennt mehrere Gewinner und noch mehr Verlierer: nämlich die Steuerzahler, die dieses kranke System auf Ewigkeit bezahlen dürfen. Warum fragt man sich nicht, weshalb es soviele Pflegefälle bei uns gibt und wir im Vgl. zu Italien soviele zu pflegende PensionistInnen haben? Die Politik muss gegensteuern, wir müssen vitaler werden und uns besser ernähren! Dann bräuchten wir keine Pflegedabatte führen. Warum besteuert die Politik McDonalds & Co nicht stärker? Warum gibt es für schlechtes Essen einen verminderten USt-Satz von 10 %? Gesunde Menschen leben zwar länger, blechen dafür aber auch genügend.

Francesca
00
17.3.2011, 10:07
Und was gesundes und was schlechtes Essen ist,

entscheiden natürlich Sie! (Abgesehen davon halt ich von MacD auch nicht viel)

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