Kläger verweisen auf den ähnlich gelagerten Fall des Tuskegee-Experiments
Washington - Wegen Menschenversuchen durch ein US-Medizinerteam in den 1940er Jahren haben sieben Bürger Guatemalas die US-Regierung auf Schadenersatz verklagt. Mindestens 700 Menschen in Guatemala seien zu Forschungszwecken mit Geschlechtskrankheiten infiziert worden, heißt es in der Sammelklage gegen das US-Gesundheitsministerium, in welche die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch in Washington Einblick hatte. US-Präsident Barack Obama hatte sich im vergangenen Jahr offiziell bei Guatemala für die Menschenversuche entschuldigt und später Untersuchungen der Experimente angeordnet.
In den Jahren 1946 bis 1948 hatte ein US-Arzt zusammen mit seinen Mitarbeitern in Guatemala hunderte Menschen mit Gonorrhoe oder Syphilis infiziert, um herauszufinden, ob diese Krankheiten mit dem damals noch neuen Wirkstoff Penicillin behandelt werden könnten. Zunächst infizierten sie Prostituierte, dann ermunterten sie die Frauen zu ungeschütztem Sex mit Soldaten oder Gefängnisinsassen. Weil sich nur wenige Männer ansteckten, infizierten die Ärzte Soldaten, Gefängnisinsassen sowie psychisch Kranke schließlich direkt mit den Krankheitserregern.
In ihrer Sammelklage verweisen die guatemaltekischen Kläger darauf, dass das Experiment mit Unterstützung von US-Behörden stattfand. Die Klageschrift bezieht sich auch auf das sogenannte Tuskegee-Experiment, in dem hunderte afroamerikanische Männer im Süden der USA zwischen 1932 und 1972 wegen ihrer Syphilis-Erkrankung beobachtet, bewusst aber nicht behandelt wurden. In diesem Fall hatte die Regierung Entschädigungen gezahlt. (APA/red)