Pflegegeld wird alleinige Bundessache

16. März 2011, 09:29

685 Millionen für Pflege - Bund trägt zwei Drittel - Stabilitätspakt soll Defizit 2012 unter drei Prozent bringen

Wien - Bund und Länder haben sich beim Stabilitätspakt und  beim Pflegefonds geeinigt. Das Ergebnis der nächtlichen Verhandlungen wurde heute beim Treffen der Landesfinanzreferenten mit Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) öffentlich gemacht. Neben der Schaffung des Pflegefonds kommt es zu einer Verwaltungsreform. Die Gesetzgebung und Vollziehungs des Landespflegegeldes soll 2012 an den Bund übertragen werden.

Stabilitätspakts noch nie erfüllt

Der Pflegefonds wird mit knapp 685 Millionen Euro bis 2014 dotiert. Die Kosten dafür werden nach dem Schlüssel des Finanzausgleichs verteilt, der Bund zahlt also zwei Drittel, Länder und Gemeinden (11,7 Prozent) zusammen ein Drittel. Für das Jahr 2011 stehen  zusätzliche 100 Millionen Euro zur Verfügung, im Jahr  2012 gibt 150 Millionen mehr, für 2013 sind es 200 Millionen und 2014 schließlich 235 Millionen Euro. Überraschend ist, dass der Finanzausgleich, mit dem die Steuergelder-Verteilung zwischen den Gebietskörperschaften geregelt wird, um ein Jahr bis Ende 2014 verlängert wird. Die den Ländern und Gemeinden überwiesenen Gelder dürfen ausnahmslos für die Pflege verwendet werden.

Der 2001 erstmals vereinbarte innerösterreichische Stabilitätsbeiträge soll die Einhaltung der auf EU-Ebene vorgegebenen Budgetziele erleichtern. Allerdings haben die Länder die Vorgaben des Stabilitätspakts seit 2001 kein einziges Mal erfüllt, der Bund nur in fünf von neun Jahren.

Konsequenzen für Länder

Die Länder verpflichten sich im Stabilitätspakt zu einem Sparkurs. Konkret sieht der Stabilitätspakt vor, dass die Länder 2011 ein maximales Defizit von 0,75 des BIP aufweisen, 2012 dann von 0,6 Prozent und 2013 und 2014 jeweils von 0,5 Prozent. Die Gemeinden sollen ausgeglichen bilanzieren. Bereits im kommenden Jahr will man so gesamtstaatlich auf ein Defizit von maximal 2,98 Prozent kommen, womit die EU-Vorgaben knapp erfüllt wären. Finanzielle Sanktionen von 15 Prozent der überschrittenen Summe sind allenfalls auch möglich, allerdings nur, wenn ein Schlichtungsgremium mit Vertretung der Länder das absegnet. Neu eingezogen werden für die Gebietskörperschaften Haftungsobergrenzen, die sie freilich nach eigenem Gutdünken beschließen können. "Damit haben wir eine klare Aufgabenteilung zwischen Bund und Ländern für gesunde Staatsfinanzen", sagt Pröll.

Verwaltungsreform bei Pflege kommt

Gleichzeitig mit der Schaffung des Pflegefonds soll es zur Verwaltungsreform beim Pflegegeld kommen. Derzeit ist das Pflegegeldsystem zersplittert: 85 Prozent der Pflegebedürftigen erhalten das Pflegegeld vom Bund, der es über 23 Träger - die jeweilige Pensionsversicherung des Betroffenen - abwickelt. 15 Prozent der Pflegebedürftigen erhalten Landespflegegeld, das sich in den neun Ländern auf 280 Träger aufsplittert.

Bis zum Jänner 2012 soll die Übertragung der Gesetzgebungs- und Vollziehungskompetenz des Landespflegegeldes in den Bund abgeschlossen sein.  Hierbei erfolgt eine Kostenerstattung durch die Länder und Gemeinden in Höhe des Jahresaufwandes 2010 von zirka 361 Millionen Euro. Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer freut sich bei der Pressekonferenz in Linz über einen "Etappensieg".  (red, apa, derStandard.at, 16. März 2011)

Kommentar posten
13 Postings
Ratlos
00
16.3.2011, 18:40
Es zeigt sich wieder einmal das der Bund eine Schuldenmachmaschine im Länderauftrag ist....

I'm hiding from my girlfriend
00
16.3.2011, 18:28

Es gibt in österreich keine 23 pensionsversicherungstrager

http://www.zpa.at
00
16.3.2011, 15:35

- der Stabilitätspakt zwischen Bund und Ländern erinnert aber stark am Maastricht.

Fraho
013
16.3.2011, 13:25
Verwaltungsreform ist überfällig

...und warum dann nicht gleich Nägel mit Köpfen machen?
Wozu braucht Österreich für 8 Mill. EW mitten in der EU mit 500 Mill. ganze 9 Landeskaiser mitsamt dem ganzen Hofstaat?
Niemand kann schlüssig erklären wozu OÖ. andere Gesetze und Verordnungen braucht als z.B. NÖ oder ein anderes BL schon hat!
Schafft die Landeskaiser mitsamt dem Bundesrat ab, denn beides kostet nur Unsummen Steuerzahlergeld ist aber heutzutage völlig für die Katz!

http://www.zpa.at
00
16.3.2011, 15:33

aber welche Partei soll das für Sie erledigen ?

http://www.zpa.at
00
16.3.2011, 15:33

aber welche Partei soll das für Sie erledigen ?

http://www.zpa.at
00
16.3.2011, 15:33

aber welche Partei soll das für Sie erledigen ?

http://www.zpa.at
00
16.3.2011, 15:33

aber welche Partei soll das für Sie erledigen ?

http://www.zpa.at
01
16.3.2011, 12:08

- also: die Länder und Gemeinden bekommen via Finanzausgleich Geld vom Bund und überweisen dann ihren Anteil am Pflegefond zurück an den Bund,

- ein klassisches Beispiel praktizierter Verwaltungsvereinfachung.

naihoit
02
16.3.2011, 12:07
Der Bund zahlt 2/3, die Länder und Gemeinden den Rest.

Und, womit zahlen die Länder das?
Mit dem Geld vom Bund?
Suuuppa g´scheid oder, zeitgemäßer: wos is die Bdl-Leistung?

Roswitha Rührlinger
 
30
16.3.2011, 11:25
Bund könnte..

...den Pflegefond zur Gänze finanzieren, wenn Österreich die Zahlungen in die EU -z.B: EURATOM; oder den EU-Rettungsschirm einstellen würde. Dann hätte man genug erspartes Geld für das Sozial-Budget der Österreicher!! "ÖSTERREICH KEIN REICHES LAND".
Es gibt ein modernes Märchen "ÖSTERREICH IST EIN REICHES LAND" dies entspricht nicht der Realität. Es kann nur mehr bei der MINDERHEIT DER REICHEN gespart werden!!

petrarca
01
16.3.2011, 18:05
Und daher verzichten wir im Gegenzug ...

auf die Agrarförderungen, die Wissenschaftsförderungen und die Gelder aus dem Regionalfonds. Dann führen wir wieder Zölle ein und schauen uns live an, wie viele Unternehmen aus Österreich abwandern und wie unsere Arbeitslosigkeit ansteigt.

Aber im Ernst: Österreich ist ein reiches Land, der Reichtum ist nur sehr ungleichmäßig verteilt. Anhebung der Vermögenssteuer auf US-Niveau brächte schon 3 bis 4 Milliarden pro Jahr! Erinnern Sie sich: 1,7 Mrd für die Hypo-Alpe-Adria, die sehen wir nie wieder. Ebensowenig die 0,7 Mrd für die Volksbanken. Und dafür zahlen wir jetzt mehr! Also Geld ist genug da, die Frage ist nur, wofür wird es verwendet. Dass das Pflegegeld alleinige Bundessache wird, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Die Marslady
00
16.3.2011, 12:59
Stimmt, Österreich WAR einmal ein "Reiches Land"

dass dem leider nicht mehr so ist, haben wir zahlreichen Faktoren in den letzten 15 Jahren zu verdanken.

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