Beitrag zur Destabilisierung

Der bahrainisch-saudische Schuss könnte leicht nach hinten losgehen

Das Königshaus in Bahrain und die Regierung in Riad wollten wohl gleich zwei Fliegen auf einen Schlag erwischen: Indem saudi-arabische Soldaten auf der Insel einmarschieren, wird die Oppositionsbewegung, die auf ein Ende der Herrschaft der sunnitischen Minderheit in Bahrain hinauslief, abgestellt, gleichzeitig wird der Iran als Unruhestifter am Persischen Golf in die Schranken verwiesen. Ein Beitrag zur Stabilisierung, aus ihrer Sicht.

Der bahrainisch-saudische Schuss könnte jedoch leicht nach hinten losgehen. Die Schiiten in Saudi-Arabien verlieren jede Hoffnung auf Emanzipation ohne Rebellion - und Riad, das am Samstag noch in der Arabischen Liga eine Flugverbotszone über Libyen abgenickt hat, könnte bald mit einem vollen Aufstand konfrontiert sein, und zwar in jenem Teil des Landes, in dem die Ölvorkommen liegen. Der Iran könnte auf die konfrontative saudische Politik eingehen, und die Schiiten in Bahrain und Saudi-Arabien könnten mangels Alternativen Hilfsangebote Teherans aufgreifen. 

Und die Amerikaner mittendrin, denen doch die Demokratie in der arabischen Welt am Herzen liegt: so sehr, dass sie aus Protest das Hauptquartier ihrer fünften Flotte aus Bahrain wegverlegen würden? Eher nicht, denn eine Schwächung der US-Präsenz in der Region steht gerade bevor: Mitte des Jahres sollen die US-Truppen aus dem Irak abziehen. Auch dort spalten die Ereignisse in Bahrain die Bevölkerung und tragen zur Destabilisierung bei.  (Gudrun Harrer DER STANDARD, Printausgabe, 16.3.2011)

 

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