Die Strahlung ist immer und überall

14. März 2011, 17:54

Strahlenwert ist nicht gleich Strahlenwert: Warum eine tausendfach erhöhte Belastung immer noch völlig harmlos sein kann

Wien - Meist sind sie Ladenhüter, am Montag waren sie in Österreich ausverkauft: die Geigerzähler. Ob sie ihren Benutzern viel bringen werden, ist allerdings fraglich: Strahlenwert ist nicht gleich Strahlenwert, und eine tausendfach erhöhte Belastung kann immer noch völlig harmlos sein.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Strahlung zu messen: Entweder man bestimmt die Dosis oder die Aktivität. Bei der Aktivität wird gemessen, wie viele Atome pro Sekunde zerfallen - eines pro Sekunde entspricht einem Becquerel. Im menschlichen Körper etwa zerfallen pro Sekunde 5000 Kalium-40-Atome, er hat also eine Aktivität von fünf Kilo-Becquerel.

Allerdings sagt die Aktivität nichts aus über die Gefahr für die Gesundheit eines Menschen - um diese zu bestimmen, wird die Dosis gemessen. Sie gibt die Menge an Strahlungsenergie an, die der Körper pro Kilogramm Gewebe aufgenommen hat.

Ab Belastung von 250 Milli-Sievert Veränderungen sichtbar

Durch die kosmische Hintergrundstrahlung ist der Mensch etwa 100 Nano-Sievert pro Stunde ausgesetzt, pro Jahr nimmt er in etwa zwei Milli-Sievert auf. Wird aus einem Reaktor radioaktiver Dampf abgelassen wie in dem Kraftwerk in Fukushima, so steigt die Strahlenbelastung kurzfristig auf etwa das Tausendfache des normalen Werts - eine Dosis, der der Mensch immer noch gefahrlos mehrere Stunden ausgesetzt sein kann.

Erst ab einer Belastung von 250 Milli-Sievert sind Veränderungen im menschlichen Blutbild sichtbar, ab einem Sievert setzt der "Strahlenkater" ein, Betroffene müssen sich ständig übergeben. Eine Dosis von sieben Sievert gilt ohne Behandlung als tödlich.

Gemessen werden Strahlen mit zwei Geräten: dem Dosisleistungsmesser und dem Kontaminationsmessgerät, etwa einem Geigerzähler. Ersteres registriert die Gammastrahlung pro Stunde, Letzteres die Impulse pro Minute - aus denen man wiederum die Aktivität errechnen kann.

Auch Granit strahlt

Je weiter ein Mensch von einer Strahlenquelle entfernt ist, desto weniger ist er betroffen. Nicht weil die Intensität abnimmt, sondern weil sich die Strahlung kreisförmig ausbreitet. Der Effekt ist der gleiche wie bei einem Ofen: Je weiter weg man sitzt, desto weniger heiß nimmt man ihn wahr.

Radioaktive Strahlung entsteht ständig und überall: Durch Kohlekraftwerke etwa gelangt wesentlich mehr nach außen als im Normalbetrieb eines Reaktors. Auch Gestein wie Granit strahlt. In Teilen des Waldviertels ist die ständige Belastung daher etwa zehnmal so hoch wie in Wien. (red, DER STANDARD-Printausgabe, 15.3.2011)

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Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Philip Gross
00
17.3.2011, 14:50
Und was ist wen ich das Plutonium einatme oder esse.

Dann strahlt das doch für über 100.000 Jahre, auf mich ein. Werd ich dann auch 100.000 Jahre alt, ich kenn mich nicht aus. Wie soll sich das mit der Pension ausgehen. Ist der Krebs bei den Pensionsanstallten angestellt, damit sie wieder in den Grünen Bereich kommen. Ich werde jetzt Aktien von Japanischen Privatpensionskassen kaufen und meine Aktien von den Japanische Krankenversicherungen verkaufen.

warp.faktor
13
15.3.2011, 17:36
Irgendwie hab ich das Gefühl ...

... hier wird kalmiert.

Dinyar Rabady
03
16.3.2011, 15:39

nein, es wird zum ersten mal nicht aufgebauscht..

footprint
02
15.3.2011, 16:13
Strahlenbelastung...ein Zahlenspiel?

Im Jahr erhalten wir an natürlicher Strahlung ca. 2,4 Milli-Sievert(mSv). Das sind laut Umrechnungs-Konverter <www.unit-converter.org> dann 2.000 Mikro-Sievert oder 0,002 Sievert.

Die laut Kommentar gesundheitsgefährdende Grenze liegt bei 250 MSv oder 0,25 Sievert. Wann dann tatsächlich die Gesundheitsgefährdung beginnt, geht aus dem Artikel nicht so ganz hervor.

Laut Bericht IAEA http://www.iaea.org/newscente... ate01.html wurden in Fukushima zwischen Reaktor 3 und Spitzenwerte von 400 Milli-Sievert oder 0,4 Sievert PRO STUNDE gemessen.

Also weit über das Tausendfache der vom Verfasser als "gefahrlos" bezeichneten Strahlendosis.

Sehe ich das richtig? Und wann beginnt dann die Gesundheitsgefährdung?

STJ911.org
00
15.3.2011, 21:31
"exposed to more than 3 years' worth of naturally occurring radiation within a single hour"

NHK - Japan Broadcasting Corporation

"Tokyo Electric Power Company says radiation levels reached 8,217 microsieverts per hour near the front gate of the Fukushima No.1 nuclear power station." "Anyone in this kind of environment would be exposed to more than 3 years' worth of naturally occurring radiation within a single hour."
http://bit.ly/8217mSvh

HTK
00
15.3.2011, 18:25

Der Artikel ist so schlecht recherchiert, dass es gar nicht wert ist ihn zu kommentieren.

Da werden Einheiten verwechselt, Energie mit Intensität usw.

HTK
00
15.3.2011, 15:32
Lieber Standard

könnts nich jemanden vom Atominstitut da nochmal drüberschauen lassen. Der Artike strotzt nur so von Fehlern und auslassungen:

- kreisförmige Ausbreitung
- Radon und andere nat. Strahlungsquellen
- Strahlung im Flugzeug
- Halbwertszeiten vs. Aktivitäten
- Strahlungsarten
- Leistung vs. Energie
- Aktivität vs. Dosis

usw.

HTK
02
15.3.2011, 15:40

ich seh grad: mein Posting leider auch :-)

ralikka
00
15.3.2011, 15:09
wie funktioniert die Messung?

Also dass ein Geigerzähler allein nicht reicht habe ich jetzt kapiert, aber wie wird denn dann eigentlich gemessen?

Grisu der kleine Drache
11
15.3.2011, 14:06

Hier wird die wohl wichtigste natürliche Strahlenbelastung unterschlagen.

Durch Radon 222 (Zerfallsprodukt von Uran 238) sterben in der EU jährlich geschätzte 10.000 bis 20.000 Menschen an Lungenkrebs.

STJ911.org
10
15.3.2011, 13:45
Halbwahrheiten. "Erst ab einer Belastung von 250 Milli-Sievert sind Veränderungen im menschlichen Blutbild sichtbar, ..."

-
--> JA, ABER bereits darunter (also bis 200 Milli-Sievert) gibt es Spätfolgenrisiken: Krebs, Erbgutveränderungen, Missbildungen. Das wurde offensichtlich im Artikel ausgelassen (scheint aus Wiki kopiert), denn "Diese zählen nicht zur Strahlenkrankheit im eigentlichen Sinne; sie sind stochastische Strahlenschäden".

Strahlenrisiko R = 0,05 pro 1Sv, d.h. "dass bei einer Äquivalentdosis von 1 Sievert, der 100 Menschen ausgesetzt sind, in 5 Fällen mit Strahlungs-induziertem Krebs zu rechnen ist."

@Waldviertel/NÖ: Die 10fache Belastung ist Unsinn. Der höchste Wert des Ö-Frühwarnsystems in NÖ wird in Gmünd mit 125 nSv/h, das liegt nur knapp über dem Ö-Durchschnitt von ca. 100 nSv/h. Wien hat 70-90. Also keinesfalls das 10fache.

:
24
15.3.2011, 13:38

sehr guter artikel. allerdings breitet sich die strahlung natürlich kugelförmig aus und nicht kreisförmig.

josicha
11
15.3.2011, 15:06

Wieso bekommt man dafür rote Stricherln???

josicha
00
15.3.2011, 15:00

Kugelförmig, kreisförmig...
...interessant. Ich stelle mir die Teilchen und Quanten gerade kugelförmig vorwärts walzend vor... *???*

Die einfache Erklärung für das oben beschriebene Phänomen lautet übrigens "Abstandsquadratgesetz".

:
00
15.3.2011, 19:20

was glaubst, wo das quadrat herkommt? von der tatsache, dass die kugeloberfläche mit dem quadrat des abstandes (radius) zunimmt.

josicha
00
15.3.2011, 19:21

Das Posting war ironisch. Aber ohne Ironie-Tags geht hier wohl nix...

:
00
15.3.2011, 20:17

man sollte halt die tiefere bedeutung einer formel verstehen. ich kann übrigens auch jetzt noch keine ironie in ihrem posting erkennen.

Die kritische Stimme
01
15.3.2011, 13:10
Kohlekraftwerk...

Ja, wenn man (junge) Braunkohle nimmt. Es handelt sich dabei nämlich vorwiegend um C14 in Form von Kohlendioxid.

C14 hat ein Halbwertszeit von ca. 14.500 Jahren, lächerlich gegen Cäsium, Uran und Plutonium.

Wenn wir den CO2-Ausstoß bekämpfen, geht auch das Problem Braunkohlekraftwerk zurück. Umso schlimmer pkto. Radioaktivität, wenn man versucht, das mit Atomkraft zu kompensieren.

Außerdem: Was ist im Falle eines Unfalls? In Harrisburg ist die Kinder-Krebsrate noch immer 10 Mal so hoch wie vor dem Unfall. Obwohl doch angeblich gar nichts passiert sein soll...

Grisu der kleine Drache
23
15.3.2011, 13:55

Wenn du schon angebliche Fakten aufzählst, sollten die auch halbwegs den Tatsachen entsprechen:

Braunkohle enthält kein C14, dazu ist sie zu alt. Die Radioaktivität von Kohlekraftwerken entstammt Thorium und Uran, die sich in Kohle so wie in vielen anderen Mineralien in mehr oder weniger großer Konzentration finden. Kohleasche wurde schon zur Gewinnung von Uran verwendet.

C14 hat eine HWZ von 5730 Jahren, nicht 14.500. Cs137: 30; U238: 4.500.000.000, Pu239: 24.000

Die Kinderkrebsrate in Harrisburg ist nicht erhöht, ich bin sicher, dass keine einzige seriöse Quelle deine Behauptung stützt.

footprint
00
15.3.2011, 16:32
man muss nur googlen...

bitte schön:

http://www.bfs.de/de/kernte... z_2008.pdf

oder

http://www.bfs.de/de/kernte... inderkrebs

betrifft deutsche AKW an 16 deutschen Standorten.

Immerhin schon aus März 2008.

Konsequenz: keine

Pingu
17
15.3.2011, 12:35
Ergänzung zum Artikel (da es für mich nicht klar heraus kam):

Die Energiedosis (also wie viel Energie von 1kg Masse aufgenommen wurde) wird in Gray angegeben.
In Sievert wird die Äquivalentdosis angegeben. Hierbei wird eingerechnet, dass verschiedene Strahlungsarten (bei derselben Energie) eine unterschiedliche Schädlichkeit für den Organismus aufweisen - deshalb ist diese Angabe natürlich auch die relevante für Menschen.

Ansonsten noch:
"Nicht weil die Intensität abnimmt, sondern weil sich die Strahlung kreisförmig ausbreitet."

Also wenn sich etwas (übrigens) kugelförmig ausbreitet, dann nimmt meines Erachtens nach immer die Intensität ab.

Chilli1971
01
15.3.2011, 12:30
Tödliche Dosis

Gerade lese ich im Artikel ""Die Menschen sind nicht zum Tode verurteilt": eine Verstrahlung ab 7 SV ist nicht mehr behandelbar. In diesem Artikel ("Die Strahlung ist immer und überall" steht 7Sv ist ohne Behandlung tötlich.
Das ist doch wohl ein kleiner Unterschied, es sei denn es gibt gar keine effektive Behandlung, dann wäre völlig gleich ob mit Behandlung oder ohne...

PatriotInnen sind IdiotInnen
00
15.3.2011, 16:45

Wiki schreibt unter dem Punkt "6-10Sv - Akute Strahlenkrankheit":

"Die Überlebenschance hängt von der medizinischen Intensivversorgung ab. Das Knochenmark ist nahezu oder vollständig zerstört, und eine Knochenmarktransplantation ist erforderlich. Das Magen- und Darmgewebe ist schwer geschädigt. Die Anfangssymptome treten innerhalb von 15–30 Minuten auf und dauern bis zu zwei Tagen an. Danach setzt eine 5- bis 10-tägige Erholungsphase ein, die als Walking-Ghost-Phase bezeichnet wird. Die Endphase endet mit dem Eintritt des Todes durch Infektionen und innere Blutungen. Falls eine Genesung eintritt, dauert sie mehrere Jahre, wobei diese wahrscheinlich nie vollständig erfolgen wird."

Ich würd also sagen 7Sv heisst: du bist so gut wie tot.

STJ911.org
01
15.3.2011, 13:52
Sterberate mit/ohne medizinische Behandlung:

1-2Sv: ohne 0-5% / mit 0-5%
2-6Sv: ohne 5-100% / mit 5-50%
6-8Sv: ohne 95-100% / mit 50-100%
ab8Sv: ohne 100% / mit 100%

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