Das politische Österreich als "Land der Diebe"

14. März 2011, 16:52

Journalist deckt in seinem Buch Missstände in Politik, Justiz und Wirtschaft auf

Wien - Um die politische Ethik in Österreich steht es schlecht: Zu diesem Ergebnis kommt der Journalist der Wochenzeitung News, Kurt Kuch, in seinem neuen Buch.

Unter dem Titel Land der Diebe arbeitet Kuch zahlreiche Verdachtsfälle von Korruption auf und berichtet über neue Hinweise auf unsaubere Methoden in der Politik. Dieser und der Justiz stellt der Journalist dann auch ein vernichtendes Zeugnis aus. Die "Fälle exzessiver individueller Gier" seien in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen, Skandale würden immer "häufiger, hochrangiger und dreister". Tatsächlich verliert Österreich Jahr für Jahr an Plätzen im internationalen Korruptionsranking - 2010 pendelte sich die Republik an 15. Stelle ein.

In seinem Buch dokumentiert Kuch jene Entwicklungen des politischen Systems in Österreich, die Fälle der Verjährung, der Korruption und der Wirtschaftskriminalität möglich machen, begünstigen und fördern.

So berichtet Kuch über einige bisher unveröffentlichte Fälle "von politisch bedingter Wirtschaftskriminalität, welche die neue Dreistigkeit des wechselseitigen Gebens und Nehmens zwischen Politik und Wirtschaft dokumentieren". Wie etwa:

  • Parteienfinanzierung Datensätze von der Kopie einer Festplatte der Kärntner Freiheitlichen würden den Verdacht nahelegen, dass sich dort ein "spezielles System der Parteienfinanzierung etabliert" habe. So soll die im Eigentum der Kärntner Freiheitlichen befindliche Werbeagentur "connect" für "nicht näher definierte" Beratungen u. a. Geld von Firmen und einem Anwalt bekommen haben. Diese Datensätze stehen für Kuch auch in Verbindung zur notverstaatlichten Hypo Alpe Adria.
  • Verjährung In der Hypo-Affäre ortet der Journalist außerdem einen Justizskandal um eine Verjährung. In der Causa rund um die Swap-Verluste der Hypo soll die Justiz Verfahren so lange verschleppt haben, bis eine Verjährung eingetreten sei und die Verantwortlichen somit nicht zur Rechenschaft gezogen wurden.
  • Halbwahrheiten Dem Justizministerium hält Kurt Kuch vor, die Antikorruptions-Gruppe des Europarats (Greco) angelogen zu haben. Greco wird aus dem Zusammenschluss von 48 Staaten gebildet, mit der Aufgabe der Bekämpfung von Korruption. Die Organisation hatte Österreich 2007 24 Empfehlungen im Sinne der Korruptionsbekämpfung vorgelegt. 2009 bezog das Justizministerium Stellung und behauptete, die österreichischen Rechnungshöfe hätten eine Anzeigepflicht im Fall eines Verdachtes einer strafbaren Handlung. Genau das sei aber aufgrund einer Mitteilung des Ministeriums selbst nicht der Fall, sagte Kuch.

Außerdem prangerte er die nicht vorhandene Rücktrittskultur unter Österreichs Politikern an: Diese treten nicht einmal zurück, wenn sie gerichtlich verurteilt sind, kritisiert Kuch. (nik, DER STANDARD-Printausgabe, 15.3.2011)

 

Info

Kurt Kuch: "Land der Diebe". € 22,90, Ecowin 2011, Salzburg

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 81
1 2 3
Heute Nachgefragt
00
30.3.2011, 12:12

Österreich ist ein Sauhaufen - pfui Teufel. Und schon lange nicht mehr das Tor zum Balkan - sondern mitten drinnen.

Pierre d´Aubusson
00
19.3.2011, 18:05
Verjährung, Korruption und Wirtschaftskriminalität

Ich finds scheinheilig, wenn das Standrad den Verlust der politischen Ethik per Buchvorstellung beklagt und gleichzeitig seit dem Zeitpunkt, da der dritte Nationalratspräsident eine Anfrage an die Justizministerin mitunterzeichnete, über diesen herzieht, um von der Anfrage abzulenken.
Worum es in der Anfrage ging?
Nur um Verjährung, Korruption und Wirtschaftskriminalität, also eh nix.

Die Anfrage ist noch immer nicht vollständig beantwortet, die Verjährungsfrist läuft und das Standrad ists zufrieden.

Um alle Vorurtheile meiner Person und gegen meine Person zu rechtfertigen: http://www.fpoe-ooe.at/service/p... 194a6c2775

pauline
41
15.3.2011, 18:04

Herrn Kuch und sein Buch kenne ich nicht und finde für mich auch keinen Anlass, das zu ändern.
Da er „News“-Redakteur ist, wird er sich gemäß Blattlinie wahrscheinlich als Aufdecker von Skandalen gerieren. Das ist mir sehr unsympathisch.
Jeder, der innenpolitisch halbwegs interessiert Zeitungen liest, weiß das eh. Bei denen, die das nicht tun, wird das Buch wieder zu - im besten Fall - fruchtlosen Stammtischdiskussionen führen.
Leider hab ich auch keine Idee, wie man der Hohen Politik wieder Moral und Ethik nahebringen könnte, aber dieses in Eitelkeit und ohne Lösungsansatz präsentierte „Bitte, ich weiß was“ nervt mich mittlerweile schon auch.

Braveheart77
00
17.3.2011, 12:28

ungsfreiheit freigesprochen. Das kann einfach nicht sein.

Braveheart77
00
17.3.2011, 12:25

Es gibt eine Idee, die wirklich greifen wird:

Bei den Alliierten anzeigen und umfangreiche, nachhaltige Hilfe zur Etablierung eines "sauberen" Österreichs (nach Schweizer Vorbild, unter Zugrundelegung des II. Kontrollabkommens von 1946 bis 1955) mit direkter Demokratie und absolut Null Korruption.

Die Würfel sind gefallen, bald wird es soweit sein und Österreich wird von einem politischen Tsunami heimgesucht.

Die Nazis (wie sie nicht nur hier angesprochen werden) sitzen in Wahrheit nicht nur in der FPÖ, sondern ganz intensiv in der ÖVP, die mehrheitlich den Polizeiapparat und die FIRMENEIGENE Justiz besetzt.
BEWEIS: Hr. Adamovich (ÖVP) wurde aufgrund seines Sagers "Natascha sei es im Keller besser ergangen als zuhause" wegen Mein

Laird of Glenmore
01
16.3.2011, 12:37
Zum Beispiel könnte man Unternehmensspenden

an Parteien wie in Frankreich verbieten und jene von Privatpersonen auf max. 1500 EUR beschränken. Wenn das sanktioniert wird und die Parteien ihr Einkommen transparent offen legen müssen, wäre schon viel getan.

A Voice
02
16.3.2011, 09:24
Jein

andererseits ist aufdecken und aufzeigen die einzige Konsequenz die noch als halbwegs negativ wahrgenommen wird.Es fehlt komplett das Unrechtsbewusstsein. zB. die Geschichte mit dem Behindertenausweis. Klar, da entstand kein großer Schaden, aber die Geisteshaltung dahinter ist erschreckend für jemanden, der Verantwortung für die Gemeinschaft tragen soll.

pauline
01
16.3.2011, 10:40

Ja, da kann ich nur seufzend zustimmen.

01052004
01
15.3.2011, 17:43
ja, hallo

wozu wird mann denn heutzutage noch politiker???

doch nur um "was zu verändern", "neues gestalten", "verbesserungen schaffen": für sich und seine freunderl und familienmitglieder...

auf neudeutsch gesagt: legal einsackeln, was geht...

(und dieses vorgehen ist nicht auf bestimmte parteifarben begrenzt)

blöd sind wir, wenn wir als wähler das zulassen...

Jukka
01
15.3.2011, 17:11

na das ist halt österreich
ein land das von korrupten und waschlappen regiert wird
und #vorsicht# es sind leider einige davon nicht ganz oben... die warten noch auf ihre chance aufzusteigen... und mit denen haben wir kleinen dann zu tun

Christine-Michèle
06
15.3.2011, 16:08
Langsam muss der Adler auch im österreichischen Wappen

gegen einen Hahn ersetzt werden.
Es ist das einzige Tier, das noch fröhlich kräht, obwohl es mit den Beinen im Mist steht. (C'est le seule animal qui chante avec les pieds dans la merde!)

xxx...yyy...
10
15.3.2011, 14:58
tja, so kriegt man selbst als news-journalist

von dem sonst so kritischen postervölkchen des standard.at, das üblicherweise "news" etwa gleich positiv einschätzt wie die polizei und die katholische kirche, einen schulterklopfer.

Und sie bewegt sich doch
 
12
15.3.2011, 13:54
1.035 Euro pro Familie pro Monat | 259 Euro pro Bewohner pro Monat

Der “volkswirtschaftliche” Schaden nur durch Bestechung betrug in Österreich im letzten Jahr (2010) 26 Milliarden Euro. Am 01.01.2010 waren 8.375.290 Bewohner in Österreicher gemeldet. 3.104 Euro betrug der Schaden pro Einwohner im Jahr 2010 oder 259 Euro pro Monat. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern erlitten einen Verlust von 1.035 Euro pro Monat.
In der zuständigen Korruptionsstaatsanwaltschaft (KStA) sind insgesamt sieben (sic!) Leute beschäftigt! Das heißt ein “Beschäftigter” hat 3.714 Millionen Euro zu bearbeiten.

http://goo.gl/NWa4B

http://www.statistik.at/web_de/pr... sse/045362

xxx...yyy...
11
16.3.2011, 11:00
Der “volkswirtschaftliche” Schaden nur durch Bestechung betrug in Österreich im letzten Jahr (2010) 26 Milliarden Euro

sagt wer?

Und sie bewegt sich doch
 
00
17.3.2011, 19:53
DDr. Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität, Linz

Johannes Kepler Universität, 4040 Linz, Österreich
o.Univ.-Prof., Dipl.-Vw., Mag., Dr.rer.soc., Dr.h.c.mult. Friedrich Georg Schneider
http://goo.gl/0Y4UJ

DerStandard.at “26 Milliarden Schaden durch Bestechung” am 28. Mai 2010
http://goo.gl/go2qJ

Herr Professor Schneider veröffentlicht eine derart große Anzahl von Studien sodass deren Redlichkeit von mir bezweifelt wird. Auffallend ist das seine Studien sehr häufig von politischen Lobbyisten verwendet werden um die Wähler aufzuwiegeln. In diesem Fall die beabsichtigte Verwischung von Korruption und Schattenwirtschaft (Pfusch).

http://goo.gl/XHWD2

Die genannten 26 Milliarden Euro - kann mE getrost als unterste Marke gesehen werden.

Roman Haas
 
02
15.3.2011, 17:01
Danke....

... für ungewohnte und (formal!) angenehme Sachlichkeit.
Leider heutzutage geistiges Auslaufmodell.

Unangenehme Frage: Konsequenz der Zivilgesellschaft (gibt´s die noch oder nur mehr eine Summe konsumorientierter Einzelkämpfer die sich nur zum eigenen Vorteil "vernetzen"?)?

Sarah L.
 
00
15.3.2011, 12:02
tja, die neoliberale wende hat vieles leichter gemacht.

über "marktbeziehungen" lassen sich halt korruption und abzocke leichter organisieren, als über den verzopften postenschacher der altvorderen.

black jack
00
15.3.2011, 16:36

Neo-liberale Wende ?!

Seit 1945 haben sich die Parteien - besser gesagt die für diese handelnden Personen - immer mehr einer mafiösen Verhaberung hingegeben. Und zwar quer durch ALLE Parteien.

skip it
00
15.3.2011, 14:24
die "neoliberlae wende" ist lediglich die bequemste ausrede...

...fuer die untaetigkeit der justiz und anderer behoerden.

Sarah L.
 
00
15.3.2011, 15:22
"bequemste ausrede..."

mag auch sein, - aber zeigen sie mir ein amterl, das es möglich macht, für 6 abgelieferte seiten ein transaktionsvolumen von 6 mio euro locker zu machen. "wos wor mei leistung" lässt sich halt am besten über externe beziehungen regeln.

der schalldämpfer
02
15.3.2011, 11:59
Tja, wir haben die Regierung, die wir verdienen.

Andernfalls müßten sich schon lange Widerstand regen. Aber niemalsnicht in Lemmingland Ösistan…

black jack
00
15.3.2011, 16:40

Den Widerstand wollen leider komplett unfähige Personen organisieren, wo sich eingesessene Politker - also Pareifuzzis (somit "Nerds" wie sie im Buche stehen) - leicht tun, diese als verquere Spinner abzutun ...

Auch ein Grund warum "grün" nicht vom Fleck kommt.

santa fe
 
03
15.3.2011, 11:46

das sind alles alles nur kleine fische im vergleich zu den führenden kräften der internationalen finanzindustrie, die den planeten zerstört und damit die physische und psychische gesundheit der menschheit.

durch massenarbeitslosigkeit paranoid geworden, denkt kaum jemand mehr an widerstand.

empört euch:

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN,

national, international, global,

finanziert durch eine entsprechend angehobene und zweckgebundene finanztransaktionssteuer, die hauptsächlich die superreichen belastet, und auch das nicht wirklich, denn sie profitieren auch von der stabilisierung der kaufkraft.

aber die angst vor mehr persönlicher emanzipation der menschen mobilisiert den hass der verhetzten auf die befürworter des BGE.

Plabutsch
04
15.3.2011, 10:29
In der Causa rund um die Swap-Verluste der Hypo soll die Justiz Verfahren so lange verschleppt haben, bis eine Verjährung eingetreten sei ...

Oha, das ist mir neu.

In Niederösterreich ist möglicherweise auch gerade wieder ein wichtiger Schritt in Richtung Verjährung gesetzt worden : die Causa wurde einem neuen Staatsanwalt übertragen (der sich natürlich erst einmal einarbeiten muss). Der seinerzeitige Auftrag (vor ca. 1 Jahr) an die Ermittlungsbehörden, die Ermittlungen einzustellen, ist auch noch in guter Erinnerung. (Damals hatten die Ermittlungsbehörden begonnen, die seltsame Irlandkonstruktion "Augusta" oder so ähnlich zu untersuchen, wenn ich mich richtig erinnere.)

büro-krater
00
15.3.2011, 10:02

und die werden trotzdem wiedergewählt

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 81
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.