Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Wien - Debütromane wählen gerne die autobiografische Form, das Genre der "Coming-of-Age" -Geschichte, um von der Kindheit des Autors und den Hindernissen zu erzählen, die es dabei zu überwinden gilt. Genau aus diesem Grund wollte es der US-Romancier Colson Whitehead anders machen - er arbeite eine Zeit lang bei der New Yorker Village Voice und konnte sich beim täglichen Öffnen der Post Überblick über die ewig gleich lautenden, langweiligen Buchtitel verschaffen. Sein Debüt, Die Fahrstuhlinspektorin (1999), war schließlich eine abgründige Detektivgeschichte.
Umso erstaunlicher, dass Whitehead dieses persönliche, introspektive Buch nun mit zehn Jahren Verspätung doch noch geschrieben hat: eine Rückschau auf unbeschwerte Jugendtage in den 1980er-Jahren im Ferienort Sag Harbor auf Long Island. Sag Harbor lautet der Buchtitel auch im amerikanischen Original (auf deutsch schlicht Der letzte Sommer auf Long Island, erschienen im Hanser-Verlag) - ein Verweis darauf, dass damit bestimmte Assoziationen des Müßiggangs verbunden sind. In das einstmalige Fischerdorf mit seinem berühmten Pier fährt man heute, um einen sommerlichen Ausflug zu machen.
Der Ort war aber auch einer der ersten, in dem sich schon in den 1920er-Jahren eine afroamerikanische Feriensiedlung zu bilden begann. Wer es im nahen New York zu etwas gebracht und einen bürgerlichen Beruf erlernt hatte, den sonst nur Angehörige der weißen Mehrheit ausübten, der wollte auch sein eigenes Wochenend- oder Sommerhaus. Whitehead macht keinen Hehl daraus, dass es sich hier um eine privilegierte Schicht gehandelt hat, die in seiner Generation allerdings bereits zu ihrem Selbstverständnis gefunden hat. Gewisse Irritationen bleiben dennoch: Nicht umsonst erinnert er an die Cosby-Show und das merkwürdige Gefühl, der Familie dieser besonders von Weißen gern gesehenen Sitcom so sehr zu entsprechen.
Kein Gang aus dem Ghetto
Das Besondere an Der Letzte Sommer auf Long Island ist jedoch auch diese Normalität. Sie zeigt sich im salopp-gewitzten Gestus eines Ich-Erzählers, der anders als in wichtigen autobiografischen Texten von Afroamerikanern eben keinen Gang aus dem Ghetto mehr antreten muss. Benji ist im Gegenteil ein Teenager wie viele andere - zurückhaltend, nerdig um seine Welt kreisend und die eigene Identität ständig neu erprobend. Mit seinem Zwillingsbruder Reggie hat er das Haus in Sag Harbor unter der Woche für sich allein. Nicht viel geschieht im dramatischen Sinn des Wortes: Whitehead beschreibt ein zielloses Cruisen und Posen, in dem sich eine jugendliche Suche, eine Unbestimmtheit ausdrückt.
Genau darin aber liegt die Freiheit einer Generation, die um Privilegien weniger kämpfen muss. Zwischen schlecht bezahlten Sommerjobs und Exkursionen mit Freunden - an Mädchen herrscht ein oft beklagter Mangel - entwirft Whitehead die Auseinandersetzung mit einem neuen schwarzen Selbstbild. Bürgerlichkeit ist zwar ein wenig peinlich, die Alternativen "militant" oder "Straße" gelten aber auch als überwunden. Härte war gestern: "... man konnte sich den Widerspruch zu eigen machen und sagen, was du paradox nennst, heißt bei mir ich. Jedenfalls theoretisch."
Whiteheads Buch hat insofern auch etwas Exemplarisches: Es macht die kulturellen Überlagerungen eines postrassischen Amerikas, das mit Obama am vorläufigen Höhepunkt angelangt ist, an einer Lebenswirklichkeit anschaulich. Die kulturellen Fronten verlaufen selbstverständlich durch den Alltag. Debattiert wird darüber, an welcher Stelle ein "verdammt" einem Satz Glaubwürdigkeit verleiht, warum sich Bauhaus eben doch mit Afrika Bambaataa verträgt oder warum Kopftätscheln am Afro, noch dazu von Weißen, gar nicht geht. Kurzum, es handelt sich um ein Buch der entscheidenden Details. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 15. März 2011)
"Ständig schaut man. Weil man das Gefühl hat, die Donau so im Griff zu haben, aber natürlich hat man nichts im Griff." Ein literarischer Bericht zur Hochwasserkatastrophe des Frühsommers 2013
Nora Gomringer und Olga Martynova treffen sich in Innsbruck zu einer poetischen Doppelkonferenz
Ich frage mich, wie die Leute das aushalten, die Musik den ganzen Tag. Ich meine damit die Beschallung, die permanente Beschallung, und speziell meine ich den Techno-Dreck
Mit 25.000 Euro dotierte Essay-Auszeichnung wird im September vergeben - Neben Mitgutsch sind Kurt Bayertz, Vittorio Hösle und Odo Marquard nominiert
Alles, was von Bedeutung ist, muss Widerstand hervorrufen: Über den Buchmarkt und das Schreiben
Warnte in seiner Dankesrede vor dem Zerfall Europas
In den 80ern eroberten Autorinnen das männerbesetzte Krimigenre. Krimiforscherin Brigitte Frizzoni über das Phänomen Frauenkrimi
Der Schweizer Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler über das Groteske, den Humor und das Geschichtenerfinden
Aus Plänen und Träumen gerissen: Christoph W. Bauer vermittelt Lebensbilder von Menschen, die 1938 fliehen mussten
In ihrem Romanerstling beweist Teresa Präauer eine Vorliebe für alles, was fliegt. Ein Gespräch über Ironie, Zeichnen und die Bodenhaftung
Der Brite wurde mit satirischen Serie über den Anti-Helden Henry Wilt berühmt
Sibylle Lewitscharoff will den Verlag verlassen, wenn sich im Verlagsstreit Minderheitsgesellschafter Barlach durchsetzt
Autor Thomas Baum hat eine Geschichte zum Thema Mehrsprachigkeit geschrieben - Vermittelt wird sie mit Speak-Datings
Autor nach Vortrag mit Fatwa belegt
Angeschrieben wird hier nicht! Alain Mabanckous kongolesische Bar als groteskes Welttheater
Lexikonsparte ist für Medienriesen nicht rentabel
Neu übersetzt und endlich in den gebührenden Rang erhoben: Michail Bulgakows "Das hündische Herz"
59-Jähriger starb an Krebs - Sein letztes Buch, das noch in diesem Monat erscheinen soll, befasst sich mit seiner Krankheit
Der amerikanische Autor und Irakkrieg-Veteran Kevin Powers legt mit "Die Sonne war der ganze Himmel" einen bildstarken Antikriegsroman vor
Der durch zahlreiche Romane auch international bekannte Schriftsteller starb am Samstag 83-jährig in Tel Aviv
Viele Jahre nach Primo Levi, Jean Améry und Jorge Semprún fügt Otto Dov Kulka der Literatur über die Nazilager neue Aspekte hinzu
Mit 12.000 Euro dotierter Preis wird im Zweijahrestakt vergeben
Zwangsjackenschön: Clemens Berger erzählt in seinem neuen Roman von entsorgten Zahnbürsten und sich verschleißenden Leidenschaften
Lesereihe im Museumsquartier startet am 11. Juli mit Robert Schindel
"Ginster": Ein Antikriegsroman des Feuilletonisten und Kulturphilosophen Siegfried Kracauer in einer Neuauflage
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.