Pfeifen im Ohr

Neuartige Musiktherapie hilft bei Tinnitus

14. März 2011, 12:22

Musik der Patienten wird individuell angepasst - Nach einem Jahr vermindert sich die Tinnitus-Lautstärke um ein Viertel

Münster - Rund jeder zehnte Österreicher ist zumindest zeitweise von Tinnitus betroffen, 200.000 Menschen leiden chronisch darunter. Das Pfeifen, Brummen oder Rauschen im Ohr beeinträchtigt die Lebensqualität mitunter erheblich. Mit einer neuartigen Musiktherapie lernt das Gehirn, die störenden Geräusche auszublenden, berichten Wissenschafter auf der 55. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) von 16. bis zum 19. März in Münster.

Phantomklang

Hirnforscher der Universität Münster vergleichen einen Tinnitus mit dem Phantomschmerz, den Menschen nach dem Verlust einer Gliedmaße empfinden. Die Geräusche entstehen, weil infolge von Hörstörungen bestimmte Tonfrequenzen "amputiert" sind. "Auf dem subjektiven Empfindungsniveau nimmt der Tinnituspatient einen 'Phantomklang' wahr. Auf dem neurophysiologischen Niveau unterliegt dieser Phantomwahrnehmung ein zentraler, hauptsächlich kortikaler Reorganisationsprozess", erklärt Christo Pantev, Direktor des Instituts für Biomagnetismus und Biosignalanalyse der Universität Münster. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass der Verlust der sogenannten lateralen Inhibition hierbei eine Rolle spielt. Es handelt sich dabei um ein Schaltprinzip im Gehirn, bei dem aktivierte Nervenzellen benachbarte Nervenzellen hemmen. "Ist dieser Prozess gestört, kommt es zur Überaktivität benachbarter Hirnregionen. Bei Hörstörungen wird dies dann als Tinnitus wahrgenommen", so Pantev im Vorfeld der DGKN-Jahrestagung.

Mit einer neuartigen Musiktherapie versuchen die Forscher, die fehlgeschalteten Nervenzellen gezielt zu beruhigen. Zunächst wählt jeder Patient aus seiner Musiksammlung 10 bis 20 CDs mit seiner Lieblingsmusik aus. "Am Computer passen wir die Musik dann individuell an: Wir filtern genau die Frequenz aus der Musik heraus, die der jeweiligen Tinnitus-Frequenz des Patienten entspricht", erklärt Pantev. Der auf diese Weise bearbeiteten Musik, die sich unverändert anhört, lauschten die Teilnehmer einer Studie jeden Tag für ein bis zwei Stunden. Zudem bildeten die Wissenschaftler zwei Kontrollgruppen. In der ersten hörten die Patienten Musik, bei der eine zufällig ausgewählte Frequenz unterdrückt wurde. Bei den Patienten der zweiten Kontrollgruppe wurde die Musik gar nicht bearbeitet.

Verminderung der Tinnitus-Lautstärke

Nach zwölf Monaten hatte sich die Tinnitus-Lautstärke bei den Patienten, die die um ihre Tinnitus-Frequenz bereinigte Musik hörten, im Durchschnitt um 25 Prozent vermindert. Die Ohrgeräusche wurden als weniger lästig eingestuft. Zudem schränkten sie die Lebensqualität in geringerem Maße ein. Mit der Magnetoenzephalographie, einer Form der Bildgebung, konnte Pantev darüber hinaus die Auswirkungen der Therapie auf die Hirnaktivität überprüfen: "Das Ergebnis stimmte mit der Wahrnehmung der Patienten überein: Die Hirnreaktion auf Töne mit der Tinnitus-Frequenz fiel nun schwächer aus", erklärt der Experte. Bei den beiden Kontrollgruppen zeigten sich keine Veränderungen.

Die Studie aus Münster ist in der Fachwelt auf große Resonanz gestoßen. „Wenn andere Zentren unsere Ergebnisse bestätigen, könnte diese spezielle Musiktherapie schon bald zu einer Standardbehandlung werden", hofft Pantev, der diesen Ansatz mit seinen Kollegen auf der 55. Jahrestagung der DGKN in Münster diskutieren wird. Das Thema ist zudem ein Schwerpunkt der Kongress-Pressekonferenz am 16. März 2011. (red)

Kommentar posten
17 Postings
thomas frohsinn
00
17.3.2011, 11:32
but we´re never ever gonna survive unless....

so, bin selbst wieder mal richtig akut seit 3 monaten betroffen und mittlerweile wegen depression sogar in psychologischer behandlung...wollte euch betroffene nur bitten was auszuprobieren...is zwar keine dauerlösung aber hift im moment, und ich hätte gern gewusst ob jemand ne idee hat warum das "wirkt":
also, schnappt euch 2 gläser und drückt sie gegen eure ohren, also jeweils ein glas pro ohr, mit offener seite ohr umschlingen,gegen kopf drücken, nicht zu fest. bei mir verschwinden da die die stressigen frequenzen, anders als wenn ich mir das ohr zuhalte(mit der hand)...mich bringt das zu dem schluss dass frequenzen im raum sind die durch event geschädigte u. dadurch übersensibilisierte hörnerven als tinnitus vom interpretiert werden, mfg

Hans Waldkind
00
15.3.2011, 11:28

hmm, das hat man mit der tomatis methode doch schon längst herausgefunden??

presonic
00
15.3.2011, 12:45

die ist genauso mühsam, zeitaufwändig und teuer.

es geht sehr viel billiger und zuverlässiger.

Campagnolo
00
15.3.2011, 11:05

und wieso fragt man nicht, wozu die natur tinitus eingerichtet hat? vielleicht zum rebooten des systems oder um kaputte nervenverbindungen wieder herzustellen?

aber der mensch muss ja gleich dagegen ankämpfen mit seiner "wunderbaren" technik.

Amoxicillin
00
15.3.2011, 11:18

Nicht alles was der Körper macht hat einen Sinn...

Mal daran gedacht, dass es eine psychische Belastung für die Patienten mit Tinnitus ist? Schmerzen haben ja auch einen Sinn - um uns auf Probleme aufmerksam zu machen - aber deswegen nehmen Sie jetzt nicht keine Schmerzmittel, oder?

Campagnolo
00
15.3.2011, 14:25

tinnitus ist symptom, nicht ursache psychischer leiden - auf das naheliegende kommen sie halt nicht drauf, die herren doktoren, die sich anmaßen, gscheider als die natur zu sein.

presonic
00
16.3.2011, 18:24

tinnitus kann auch ein symptom körperlicher leiden sein - ganz ohne psyche.

presonic
14
14.3.2011, 16:31
immer wieder diese "wahnsinns"-neumeldungen!?

tinnitus ist heilbar!
ich vermute schön langsam, die "moderne" forschung sucht nicht nach heilung, sondern nur nach therapie.

Erika Rothen
10
14.3.2011, 18:51
"tinnitus ist heilbar!"

Quelle? Heilbar - WIE?

Erleuchten Sie uns doch bitte!

presonic
02
15.3.2011, 12:43

mein tinnitus ist vollständig verschwunden durch:
3 behandlungen beim osteopathen
begleitend 10 x akupunktur (gibts in wien auf krankenschein)

ich hab diese "therapie" schon vielen leuten weiterempfohlen und bisher nur positives feedback erhalten - sprich: die betroffenen haben das selbe erlebt wie ich.

Und jedem seine eigene Busspur
00
15.3.2011, 15:35
Bitte um den NAmen des Osteopathen in Wien?

presonic
00
16.3.2011, 10:13

http://www.wso.at/index.php... hen-finden

hier kannst du deine postleitzahl eingeben. die wiener schule für osteopathie hat einen sehr guten ruf.

Freudenhausverstand
00
15.3.2011, 13:37

Das ist sehr interessant. Darf ich Sie fragen, was der Osteopath da genau macht? Ich meine, es muss ja die Ursache gefunden werden ...

Ich habe mich mit meinem Tinnitus mehr oder weniger abgefunden. Er stört mich nur manchmal, beim Einschlafen, oder wenn ich nachts munter werde, ansonsten "akzeptiere" ich ihn einfach.

Trotzdem, wenn das so einfach ist, wie Sie beschreiben, würde ich das natürlich angehen.

presonic
00
16.3.2011, 10:18

ich bin selbst kein spezialist auf dem gebiet, aber auf dieser seite findest du viele infos zum thema und auch, wo du qualifizierte osteopathen findest.

ich kann nur von mir als patient sagen, dass keine behandlung der anderen glich. ich gehe seit damals regelmäßig einmal im jahr zum osteopathen und lass mich wieder "gradrichten". der osteopath hat immer was gefunden, das nicht ganz passte. (ich hatte z.b. leichte schmerzen in der hüfte, die man aber mit der zeit ignoriert und sogar oft vergisst, bzw. die einem nur beim sport bei bestimmten bewegungen auffallen. als sie weg waren fühlte ich mich herrlich leicht und unbeschwert. sie kamen auch nicht wieder.)

Freudenhausverstand
00
16.3.2011, 11:34

Alles klar! VIELEN DANK!!!

presonic
00
16.3.2011, 18:23

gern geschehen!

Lukas Chen
11
14.3.2011, 14:52
Tinnitus kann durch Musik geholfen werden

Besonders die klassische Musik, das hat mir schon vielmal probiert, als ich jedesmal den Phantomklang hoerte.

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