"Eine Attacke gegen alle bosnischen Bürger"

13. März 2011, 19:53

Fall Divjak: Empörung in Sarajevo – Debatte um rechtliche Grundlage für Haftbefehl

"Dieser Haftbefehl ist eine Attacke auf alle bosnischen Bürger, die jahrelang unter der Belagerung gelitten haben. Denn Divjak hat den Leuten damals geholfen, sich hier selbst zu verteidigen. Und nun versucht Serbien, das Verhältnis zwischen Aggressor und Opfer auf den Kopf zu stellen", sagt die 22-jährige Wirtschaftsstudentin Alma M., die gerade in einer Parfümerie im Geschäftsviertel Bascarsija in Sarajevo einkauft. Alma war ein Kleinkind, als ihre Stadt von 1992 bis 1995 von bosnisch-serbischen Truppen eingekesselt war. Sie kann sich aber noch erinnern, wie sie bei Angriffen in den Keller flüchtete.

Der damalige General Jovan Divjak, der vergangene Woche in Wien verhaftet und mittlerweile auf Kaution freigelassen wurde, ist für sie, wie für viele Bürger von Sarajevo, ein Vorbild, weil er im Krieg zur Stadt gehalten hat, obwohl er Serbe ist. Dass Serbien ihm vorwirft, im Jahr 1992 beim Abzug der Jugoslawischen Volksarmee für den Tod von Soldaten mitverantwortlich zu sein, versteht sie nicht. "Es ist doch dokumentiert, dass Divjak damals in der Dobrovoljacka-Straße gerufen hat: ,Schießt nicht!‘", sagt Alma.

Die Vorsitzende des Helsinki-Komitees in Sarajevo, Vera Jovanović, glaubt, dass Belgrad Divjak vor Gericht sehen will, gerade weil er als Serbe im Krieg nicht auf bosnisch-serbischer Seite stand. "Divjak zu verhaften ist zynisch, weil jene, die wirklich Kriegsverbrechen begangen haben, noch immer nicht verhaftet sind", sagt Jovanović, eine Serbin, die ebenfalls im Krieg in Sarajevo war. Kritik übt sie aber auch an der ungenügenden Arbeit der bosnischen Staatsanwaltschaft und des Gerichts, die noch immer nicht den "Fall Dobrovoljacka-Straße" abgeschlossen haben. Der bosnische Staatsanwalt Milorad Barasin hat inzwischen die serbische Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen aufgefordert, das Verfahren und die Beweise im Fall Divjak Sarajevo zu überlassen.

Indes bleiben die rechtlichen Grundlagen für die Verhaftung in Wien weiterhin umstritten. Laut dem Balkan-Institut Ifimes in Ljubljana teilte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble den bosnischen Behörden mit, dass die Verhaftung Divjaks nicht mit seiner Behörde in Verbindung stehe. Das Gericht in Korneuburg beruft sich aber auf einen Interpol-Haftbefehl aus 2008. (Adelheid Wölfl aus Sarajevo/DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 162
1 2 3 4
Old Surehand
103
15.3.2011, 03:56
Bewohner Sarajevos aller drei Ethnien inkl. der SerbInnen sind sich in der Verteidigung Divjaks einig

Und gedenken Divjaks als eindrücklicher Verteidiger Sarajevos & der Einheit Bosniens in seiner Vielfalt. Die Stimme der Belagerten und Opfer scheint wichtiger als diejenige offenbar nach wie vor in den Schützengräben vergangener Kriege und destruktiver Ideologien gefangener und von leidenschaftlicher Unversöhnlichkeit getriebener serbischer Forumszündler. Sie hat mehr Gewicht und die Optik verleiht der Einschätzung der Belagerten - v. a. wenn sich alle vertretenen & betroffenen Ethnien einig sind - schlicht mehr Glaubwürdigkeit, Eindrücklichkeit & Schwere als der unwürdige Revanchismus und diese weinerliche, seltsam späre Entdeckung von Betroffenheit - wo war die Entrüstung anlässlich der langjährigen Strangulierung all' der Sarajevos?

Stani83
00
16.3.2011, 13:51
Zwei ganz einfache Frage:

Geschah in der Dobrovoljacka ein Kriegsverbrechen oder nicht?
Wer hatte zu dem Zeitpunkt den Befehl über die TO vor Ort?

Bitte jetzt nicht mit Belagerung, Snipern, Srebrenica oder sonst was daherkommen. Verbrechen sind nicht durch Verbrechen zu rechtfertigen. Das prädigen doch Sie selbst ständig

NineNine
01
16.3.2011, 19:50
Darf ich?

1. Geschah in der Dobrovoljacka ein Kriegsverbrechen oder nicht? > Ich weiß es nicht. Sie etwa? (Divjak selbst sagt ja) Wissen Sie wie viel Soldaten gestorben sind, wann genau, wie, und welcher Nationalität diese waren? Serb. Regierung hat Infos, bin mir (nicht)sicher sie wird diese Beweise dem Gericht zukommen lassn :-)

2. Wer hatte zu dem Zeitpunkt den Befehl über die TO vor Ort? > Zu diesem Zeitpunkt hat es keinen Oberbefehlshaber gegeben. Da gabs viele einzelne Grüppchen von Leuten, die eigene Vierteln verteidigten. Organisiert war da nichts. Divjak hat erst später das Kommando gehabt.

Wie auch immer, Angriff auf das bosn. Staatspräsidium musste verteidigt werden. Das war der entscheidende Punkt für die Verteidigung des Landes.

at76
10
19.3.2011, 10:24
nein sie dürfen nicht

1. Ja es gab eines
2. Wollen sie jetzt hier erzählen die jna wusste nicht wieviele grundwehrdiener die kaserne verlassen sollten oder wie?
Aber mladic hatte natürlich über jede freischärler sowie paramilitäreinheit die kontrolle ne?
3. War und ist jedem serben ein staatspräsidium das nur von 55% der landesbevölkerung gewählt wurde vollkommen schnurz

JBGrenouille
00
17.4.2011, 09:23
Demokratieverständnis ? Setzen sechs!

zu 2. Über wieviele Soldaten Mladic die Kontrolle hatte oder nicht tut nichts zur Sache. Es gibt Filaufnahmen in denen er seiner Artillerie befiehlt ins Zentrum (Sarajevos) zu zielen dort lebten nicht so viele (!) (aber doch wohl ein paar) Serben. Also nicht nur, dass er befiehlt auf Ziv. zu schiessen, sondern auch eigene Opfer in Kauf nehmend.

zu 3. 55 % ist mehr als 50 % also angenommen. Demokratieverständnis: Note 6. Hoffentlich (für Sie) beobachtet der Verfassungsschutz nicht dieses Forum :-)

NineNine
00
20.3.2011, 13:18
Oh ich darf doch ;)

Wo haben Sie denn diese 55% her? :-D

Old Surehand
01
19.3.2011, 21:58
Aber KLAR ists 'ne Attacke gg. ALLE Bürger Bosniens:

Heldentum ist grenz- und ethnienübergreifend. Für nationalistisch nicht-Kontaminierte strahlt Divjak's ganz persönliche & konsequente Haltung auch in die nach wie vor zappendustere RS. Nicht viele hätten diese Art von Mut aufgebracht (ich wage zu behaupten: kein einziger der zwar wütenden aber eben auch weinerlichen Forumserben), die sich scheinbar unaufhörlich als Hoseschiiserlis präsentieren: strategisch ist diese Haltung übrigens vernichtend, mes amis, völlig autodestruktiv: bitte vergesst nicht, dass ihr auch an euerm Image werkelt ;-)

Stani83
00
17.3.2011, 07:55
Selbst Divjak bestätigt dass in der Dobrovoljacka ein Kriegsverbrechen stattfand, ob Sie dies nun wahr haben wollen oder nicht.

Sogar der Ablauf ist bekannt. Sie brauchen sich nur zu informieren. Bin mir aber sicher dass Sie das bereits getan haben, es aber einfach nicht wahr haben wollen.

2. War Divjak nun der Ranghöchste vor Ort oder nicht?

Welcher Angriff bitte? Wovon reden Sie? Verzweifelte Suche nach Ausreden und Rechtfertigungen? Sie erinnern an die Serben die Srebrenica durch Oric rechtfertigen

NineNine
01
17.3.2011, 22:32
Wenn Sie men obiges Post etwas genauer lesen

dann kommen Sie sehr bald drauf dass ich ja bereits geschrieben habe dass Divjak selber gesagt hat dass es ein Kriegsverbrechen dort gab. Ich bin auch dafür dass derjenige prozessuiert wird der diese Leute umgebracht hat, auch wenn es Soldaten der feindlichen Streitmacht waren, auch wenn es Kriegsgefangene waren, auch falls es Soldaten der ABiH getan hat. Aber ich tue mir trotzdem schwer irgendetwas zu glauben was ausschließlich serbische Boulevardblätter anprangern. Sorry, ich glaube nicht an das Märchen dass sich die ganze Welt gegen Serbien verschworen hat. Wie egsagt, Serbien hat "Beweise" für die Dobrovoljacka, soll auch damit vors Gericht gehn.

Divjak war kein Ranghöchster, es gab zu diesem Zeitpunkt kein organisiertes Heer.

Old Surehand
02
17.3.2011, 20:52
darf i au kurz? Danke.

was ich nicht begreife: offenbar interessiert & beschäftigt Sie die Thematik der Balkankriege. Find ich gut. Wie in jedem anderen Gebiet, kann man einfach so mittun, oder sich vertieft damit auseinandersetzen. Zu letzterem gehört dabn etwas Zeit, Hingabe, Studium, Verarbeitung, auch Reflexion. Mir ist nun schleierhaft, wieso man bicht ein ganz klein wenig mehr Aufwand betreibr, dann aber dafür intellektuell & wissenstechnisch besser gerüstet zur Debatte erscheint (Bsp? Biitescheen: subj. u. obj. Verantwortlichkeit im Kriegsrecht). Dann würdrn auch Ihre zwischen plump & spitzfindig oszillierenden Beiträge entscheidend an Qualität gewinnen, Sie würden an Respekt zulegen und - wichtigst - man könnte gute, substsntielle Diskussionen führen.

Milos Jovanovic
00
16.3.2011, 20:38

Zu 1. : Was tut die Anzahl, der genaue Zeitpunkt oder die Nationalität der Soldaten zur Sache? Es wurde ein verbrecherischer Akt vollzogen, sowie Srebrenica eines war oder die Bombardierung vieler Städte.

Zu 2. : War Divjak zum Zeitpunkt des Verbrechens etwa nicht an der Spitze des Konvois Seite an Seite mit Izetbegovic? Was tut ein ranghoher Armeeangehöriger dort vorne, wenn nicht ER die Befehlsgewalt innehat?

Mfg

NineNine
00
17.3.2011, 23:22
Nein, ich will mich hier

nicht mantraartig wiederholen.

Milos Jovanovic
20
18.3.2011, 12:58

Das ist auch gut so, denn dadurch werden Ihre Aussagen auch nicht "richtiger".

Mfg

Toni Mayr
02
15.3.2011, 11:59

Was hat das eine mit den anderen zu tun? Entscheidet heute schon die öffentliche Meinung über Schuld und Unschuld von mutmasslichen Verbrechern?
Es gibt auch wunderbare gute Menschen, die einmal im Leben etwas falsches getan haben.
Einfach das Gericht entscheiden lassen! Im Strafrecht sollte Politik und öffentliche Meinung nichts verloren haben. Das gefährdet nämlich den Rechtsstaat. Und ohne einen solchen schauts düster aus, wie uns auch unter anderem Jugoslawien gelehrt hat.
Es ist schon merkwürdig, wenn ganze Völker aufschreien um einen "Helden" zu beschützen. Helden haben auch kein Recht zum Falschparken und müssen die Strafzetteln bezahlen. Alles andere hat mir europäischen Werten nichts zu tun!

Old Surehand
12
15.3.2011, 12:57
Kein Widerspruch

trotzdem scheine ich bei weitem nicht der Einzige zu sein, dem diese Betroffenheit gekünstelt daherkommt und den Eindruck erweckt, hier gehe es nicht um die histirische Wahrheitsfindung, sondern um revanchistische Auf- und Gegenrechnung.

Wer aber wirklich wirklich ernsthaft der Überzeugung sein kann, dass Verurteilungen für Kriegsverbrecher auch nur im entferntesten auf ethnische Zugehörigkeit abstellen könnten, dem ist schlicht nicht helfend beizukommen. Soviel muss man sich dann wirklich ganz alleine erarbeiten.

kroate061
22
15.3.2011, 00:46
Divljak soll gerufen haben: ,Schießt nicht!‘", sagt Alma.

der kerl muß leise gerufen haben sonst hätte man ihn doch hören müßen? meinen die boschnjaken wirklich das die ganze welt an dem tag vor den bildschirmen tomaten auf beiden augen hatten?

sunny ...
00
7.12.2011, 09:16
Nein, aber Sie!!!!

Ist doch klar und deutlich zu sehen und zu hören das er das gerufen hat

JBGrenouille
00
17.4.2011, 09:30
Schauens da mal die ORF

Dokumentation Bruderkampf - Kampf um Titos Erbe (können Sie unter Google/Videos finden) an. Da hören Sie laut und deutlich dass Divjak schreit man solle das Feuer einstellen und sogar fragen muss wer da schiesse, weil er davon nichts weiss.

Ozrenac
11
15.3.2011, 08:54
schießt nicht! Erst wenn Alija aus dem Weg ist.

Zwei, drei Monate später wurde auf die selbe art das Massaker an abziehenden Yu soldaten in Tuzla begangen.

wompata
01
15.3.2011, 17:40
Danke für dieses wunderbare Beispiel serbischer Geschichtsverfälschung

In Tuzla haben die serbischen/"jugoslawischen" Streitkräfte versprochen, friedlich abzuziehen. Natürlich haben sie gelogen wie gedruckt und wollten bei ihrem "Abzug" in die Innenstadt abbiegen statt nach Osten, wo sie hingehören. Die örtlichen Polizeikräfte haben dem serbischen Versprechen gottseidank nicht geglaubt und haben vorsorglich eine Barrrikade errichtet, damit niemand von seinem rechten Weg abkommt. Und dort, an diesem Punkt, ist es dann zu einem Feuergefecht gekommen, und die Truppen wurden aus der Stadt verjagt. Hier von einem Massaker zu sprechen, zeigt sehr schön, wie serbische Geschichte geschrieben wird. Nicht auszudenken, die Serben hätten an diesem frühen Punkt des Krieges die Kontrolle über Tuzla bekommen. So mussten sie

Stani83
00
16.3.2011, 13:54
Was? Man begibt sich also wissentlich selber in den Tod?

Sie meinen man hätte es gerade in Tuzla wo man sich in einer strategisch höchst schlechten Situation befand (offene Straße, hoche Gebäude rund herum, keine Deckung) gemacht? Selbstmord also?
Wohl der gleiche Selbstmord wie in der Dobrovoljacka?

wompata
02
15.3.2011, 17:52

...sich darauf beschränken, ihre Granaten feig von den Hügeln aus auf die Bevölkerung zu schießen. Good hunting!

NineNine
00
22.3.2011, 22:44
Ja aber auch nur weil sie Moslems aus der Stadt

provoziert haben... können ja nichts dafür...

Sindjelic
21
14.3.2011, 22:23
Wenn die Alma gewußt hätte...

welche Diskussionen sie im fernen Österreich auslöst..und das aus der Parfümerie ihres Vertrauens..hoffentlich hat sie sich auch ein nettes Duftwässerchen gekauft und nicht nur mit der Wölfl rumgeschnackt, die attackierte und betroffene Alma...

Old Surehand
11
15.3.2011, 22:04
Erlaube Strunz noch einmal, der Präzision willen:

die Diskussion hat keineswegs die gute Jungfrau Alma ausgelöst - sondern die revanchistischen & schlicht dummen Revisionsversuche der serbischen Kommentatoren. Diese Uneinsichtigkeit & Verblendung ist schon allerhand, man würde sagen "einmslig", wenn da nicht die Massenmanipulation & -indoktrination der Nazis nicht schon Mahnmal genug wäre

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 162
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.