Die Kriegstreiber haben es diesmal schwerer

13. März 2011, 18:21

Ein noch engeres Netz von Sanktionen gegen Gaddafi und intelligente Hilfen für die Opposition sind wohl die Optionen der Stunde

Als in Libyen Muammar al-Gaddafi begann, die Luftwaffe gegen die Rebellen einzusetzen, plädierte ein Leitartikler der Tageszeitung Die Presse für ein sofortiges militärisches Einschreiten des Westens. Trotz der Konsequenzen des Irakkriegs traten auch andere Schreibtischtäter mit ihrem Totschlagargument auf:Wer Krieg führt, ist stark, wer nach Alternativen sinnt, ein Schwächling.

Am Wochenende verstärkte sich der Ruf nach einer Variante, die etliche Male diskutiert, aber aus einem Grunde immer verworfen wird: Eine Flugverbotszone über Libyen müsste mit der Zerstörung der Flugabwehr Gaddafis beginnen. Darauf hat unter anderen US-Verteidigungsminister Robert Gates aufmerksam gemacht, und letztlich schrecken Nato und EU davor zurück. Das Risiko sei zu groß, denn wer schickt jene Kampfjets, die Gaddafis Raketenbasen bombardieren?

Ebenfalls am Wochenende hat sich die Lage etwas verändert. Die Arabische Liga hat schon oft vom Uno-Sicherheitsrat ein Einschreiten in Konfliktfällen verlangt, meistens aber gegen Israel. Diesmal plädiert sie, gedrängt von den Golfstaaten und vom Generalsekretär der Organisation, dem ägyptischen Präsidentschaftskandidaten Amr Mussa, für die Durchsetzung eines Flugverbot über Libyen.

Das erleichtert die Position des Westens, löst aber nicht die Frage nach der Provenienz jener Flugzeuge, die das Gaddafi-Regime attackieren.

Manchmal forcieren halbe Lösungen die ganze. Darauf hat Nicholas D. Kristof, einer der renommierten Kolumnisten der New York Times, hingewiesen.

Er berichtet von einem Gespräch mit dem ehemaligen US-Luftwaffengeneral McPeak. Der erfahrene Kampfflieger schlägt (in Kenntnis der libyschen Luftwaffe) vor, immer wieder Jets in den Luftraum Gaddafis zu schicken und damit eine Bedrohung zu erzeugen. Das würde den Druck so erhöhen, dass die libyschen Piloten vermehrt desertieren würden.

Wir wissen nicht, wie effizient eine solche Variante wäre. Aber sie unterstützt ein Denken in den amerikanischen Führungskreisen, das sich grundsätzlich von jenem der Ära Bush unterscheidet.

Fareed Zakaria, Chefredakteur von Newsweek und ehemaliger Chef von Foreign Affairs, dem führenden Magazin für internationale Politik, schrieb in seinem jüngsten Leitartikel, er sei "glücklich, dass Präsident Obama alle Optionen studiert" .

Er behandelt auch die Frage, wer bei den libyschen Rebellen das Sagen habe - damit die USA, anders als in Afghanistan nach dem Abzug der Sowjets, nicht die Falschen unterstützen.

Eine Art nordafrikanischer Taliban, meint Zakaria, der seinen Artikel mit dem Satz schließt, man müsse der libyschon Opposition helfen. So oder so. Wie, das sagt er auch nicht. Zu vorsichtig sind die kompetenten Kommentatoren.

Sie haben ja auch zu berücksichtigen, was ein westliches Einschreiten im gesamten arabischen Raum bedeuten würde. Für Ägypten zum Beispiel. Für Palästina. Für das derzeit etwas bessere Image des Westens.

Ein noch engeres Netz von Sanktionen gegen Gaddafi und intelligente Hilfen für die Opposition sind wohl die Optionen der Stunde. (Gerfried Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2011)

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trestigres
 
10
15.3.2011, 12:24
Eine Meinung ist eine Meinung... so weit so gut

Wenn Gerfried Sperl schreibt : "Kriegstreiber haben es schwierig..." so gilt hier die wichtige Einschränkung, dass dies nicht für den Oberst und Revolutionsführer al-Gaddafi gilt. Der hat es nicht schwierig, der droht nicht sondern der führt veritablen Krieg gegen die Opposition. Er darf dies, schliesslich ist Libyen SEIN Land!!! Und was der Herr Redakteur als Option der Stunde bezeichnet, bezeichne ich als Wunschvorstellung aus Fantasien. Geht ein Diktator mit massiver Waffengewalt vor, dann halten ihn keine Sonntagspredigten davor zurück zuerst den Aufstand niederzuklatschen, dann die Oppositionellen Verräter physisch zu eliminieren (zu säubern) und im Anschluss den Sicherheitsapparat so einzustellen, dass Proteste nicht mehr aufkeimen -

morgen war gestern
00
14.3.2011, 17:25

interessante windungen, die von allen seiten hier vollzogen werden.

sagen amerikaner/europäer/wer-auch-immer, dass sie -nicht- eingreifen wollen, werden sie dafür gescholten.

sagen amerikaner/europäer/wer-auch-immer, dass sie eingreifen wollen, werden sie dafür von ein- und denselben personen ebenfalls gescholten.

daraus ergibt sich ein nicht existenter handlungsspielraum, der nur mehr eines zuläßt - nämlich nichts.

und: wer in einem österreichischen forum eine militärintervention fordert, sollte bereit sein, dass auch österreich sich mit bewaffneten einheiten beteiligt. ansonsten wirkt das ganze sehr scheinheilig.

Bürger Europas
00
20.3.2011, 21:06

Das amerikanische Feindbild wird halt gebraucht.

Richtig konsequent treibt es ja die Arabische Liga: Erst fordern sie die Durchsetzung des Flugverbots, und kaum einen Tag, nachdem der Westen damit begonnen hat, stellen sie sich schnell wieder auf die andere Seite und schimpfen auf den bösen Westen.
Wäre ja auch blöde, wenn das Feindbild verloren ginge.

saunaecho
01
14.3.2011, 18:29
Abwarten ist wohl klüger

Wenn die anderen Araberstaaten einen "gerechten" (islamischen Bruder-) Krieg in Lybien wollen, dann können sie ihn ja mit dem Segen der UNO selbst führen. Wenn sie keine Truppen einsetzen wollen, dann muss sich der Westen heraushalten. Wir gehören nicht zur Familie und sind nicht willkommen.
Auch Lybien als Öl-Kolonie zu erobern und zu besetzen funktioniert wie im Irak nicht.

fred bull
00
14.3.2011, 15:48

gerade noch wurden ben ali, mubarak und ghadaffi vom westen als verbündete gesehen (sei es gegen islamismus, mubarak hat es verstanden sich als bollwerk dagegen zu inszenieren, sei es gegen flüchtlinge aus schwarzafrika) und als solche behandelt...bezeichnend, wie israel insbesondere mubarak hinterherweint und versucht, die revolution schlechtzureden (peres ist ja wenigstens so ehrlich und sagt, es gäbe wichtigeres als "demokratiedefizite"), bezeichnend wie atemberaubend schnell sarkozy die seiten gewechselt hat, in allen 3 fällen

Sidlo
00
14.3.2011, 15:10
Der Westen soll also zuschauen wie der Diktator

die schlechtbewaffnete Bürgerbewegung einfach niedermacht. Hier wird offensichtlich das Kind mit dem Bad ausgeschüttet!

Johannes99
00
14.3.2011, 18:37
Nicht der Westen, die Welt

Amerika hat nicht mehr Verpflichtungen für irgendetwas wie die EU oder China. Wer nicht zuschauen darf, ist die UNO, sie ist als einzige legitimiert, Flugverbot ja/nein, bewaffnete Intervention ja/nein zu entscheiden. Und dort muss man Druck machen.

Sidlo
00
15.3.2011, 07:48
Nur, dass halt in der UNO selber zu 90 % Staaten

sitzen, die selber Diktaturen sind. Von denen wird man sicher kein Mandat zur Absetzung eines Diktators bekommen, die fürchten sich schon so enorm vor der Ausbreitung des Freiheits- und Revolutionsvirus. Der Westen sollte die einmalige Chance erkennen und wahrnehmen, die Chance Diktatoren on gros loszuwerden und durch Demokratien zu ersetzen. Aber dazu ist er halt viel zu kleinkrämerisch, da ist ihm eine verlässliche Diktatur schon viel lieber mit der man dann gemeinsam das Volk ausbeuten kann, trotz aller Moralpredigten die er jenen Despoten hält, die ihm weniger genehm sind.

trollvottel
06
14.3.2011, 14:16

Zu behaupten, die USA habe "nach Abzug der Sowjets" in Afghanistan die Falschen unterstützt, ist Geschichtsfälschung!

Die Geheimdienste des Westens - unter der Regie von Reagan, Thatcher, Mitterrand, Kohl - haben die Taliban vorsätzlich und gezielt radikalisiert und die Idee vom Heiligen Krieg dort erst salonfähig gemacht, um das Sowjetimperium zu schwächen. Nach dem Abzug der Russen hat man die Waffenlieferungen eingestellt, aber gegen die Morde der Taliban-Terroristen an prowestlichen Politikern in der gesamten muslimischen Welt nichts unternommen.

commentarii.net
01
14.3.2011, 16:19

11. Jihadi manuals, used by the mujahideen in Afghanistan and elsewhere, were produced in the early 1980s by which country?

-The United States of America. “In the twilight of the Cold War, the United States spent millions of dollars to supply Afghan schoolchildren with textbooks filled with violent images and militant Islamic teachings, part of covert attempts to spur resistance to the Soviet occupation. The primers, which were filled with talk of jihad and featured drawings of guns, bullets, soldiers and mines, have served since then as the Afghan school system’s core curriculum.

http://mondoweiss.net/2011/02/c... -quiz.html

randolf
11
14.3.2011, 12:12
Ja ja

Danke liebe Amerikaner, dass ihr euch das Öl aus dem Irak gesichert habt, und um es zu bekommen habt ihr ein Volk befreit, dass auf diese Art sicher nicht befreit werden wollte, denn jetzt sind sie die Sklaven im eigenen Land... aber was haben wir denn erwartet? Die Amis sind eben gut darin andere Nationen von ihren Existenzgrundlagen zu befreien...

Kontra
21
14.3.2011, 16:06

die Amerikaner haben keine Lizenzen im Irak gewonnen! Das Öl geht hauptsächlich nach China.

morgen war gestern
10
14.3.2011, 17:20

das ist ein sachlich fundiertes argument und deshalb nicht zulässig in einer schwarz-weiss-antiimperialistischen diskussion.

[sarkasmus ende]

subspace99
20
14.3.2011, 11:05

Einmal kann die NATO mal etwas Positives schaffen und natürlich... es geschieht nichts. Das ist schon frustrierend.
Man stelle sich vor, zwei demokratische arabische Staaten, davon eine Regionalmacht wie Ägypten, das könnte den gesamten Arabischen Raum (Wenn ich noch einmal Kulturkreis höre werde ich grantig... lernen Sie Wissenschaftsgeschichte!) für immer verändern und ein wenig Humanismus in dieses ansonsten eher deprimierende 21. Jahrhundert bringen.

tim tim
00
14.3.2011, 17:19
"zwei demokratische arabische Staaten"??

kennen Sie die? Ich kenne nicht mal einen demokratischen arabischen Staat...

emanze c
01
14.3.2011, 14:47

Eine Luftwaffe haben die arabischen Bruderstaaten auch. Warum sollte der Westen sich in die Nesseln setzen? Muslimische Amerikagegner reihen heute die NATO Angriffe gegen Serbien als imperialistischen Angriff vor Afgh und Irak ein (!). Dankbarkeit für den relativ humanitären Einsatz (an den Interessen bzw Kosten/Nutzen gemessen) zur Rettung von Menschenleben einer muslimischen Bevölkerung gibt es null außer im Kosovo selbst.

Warum also sollen westliche Staaten den Karren aus dem Dreck ziehen während arabische Staaten sich wohlweislich raushalten?!

Eingriff zur Unterstützung der revoltierenden Menschen - unbedingt. Aber doch endlich einmal von jenen, die immer wenn es um etwas geht genau nichts tun, von arabische aufgerüsteten Staaten.

mephisto6379
12
14.3.2011, 13:05

...was positives schaffen? egal, was wir, also der westen, dort unten anstellen, greifen wir ein, sind die imperialistischen teufel, greifen wir nicht ein, sind wir die sadistsichen teufel...so what?

subspace99
00
14.3.2011, 14:30

Wir? Dort unten? Wo sind denn die Beispiele für all die altruistischen Interventionen, für die der arme Westen auch noch verteufelt wird?

Ich sage Ihnen was: Sobald das Leben eines Menschen von "dort unten" soviel wert ist wie das eines "hier oben" und sich das im Verhalten "des Westens" auch abzeichnet, dann wird sich dieses Problem schnell geben. Aber jener Westen, der sich um jene "dort unten" etwa soviel schert, wie um Ameisen am Weg zur Arbeit und schon beim nächsten Schritt vergessen hat, was der letzte angerichtet hat, der fragt sich dann voller Selbstmitleid: "Warum hassen sie uns bloß," und versteht nicht, dass der Rest der Welt eigentlich ziemlich nachsichtig ist.

mephisto6379
00
14.3.2011, 15:11

wann hat z.b. österreich im arabischen raum letztmals imperialistisch die interessen des westens vertreten, kinder getötet usw.?

und jetzt sagen sie mir, dass man "dort unten" einen großen unterschied zwischen österreichern und amerikanern machen würd', wenn's hart auf hart kommt...

christoph hofbaur
00
14.3.2011, 17:48

wir sind jetzt eher so wie die schweizer im ww2. die drecksarbeit macht jemand anderer, den profit hort'ma dann schon bei uns..

WFL1
31
14.3.2011, 10:54
Ghadafi-Jr. wird Lugners Stargast beim Opernball 2012 sein

Die bittere Wahrheit ist:
Den lybischen Aufständischen wird kein Mensch helfen:
Die europäischen Gutmenschen nicht, den diese sympathisieren nach wie vor mit dem "Anti-Westler" Gaddafi. (Man erinnere sich nur an die schreckerstarrte Stimme der Moderatorin im Ö1-Morgenjournal, ob den Gaddafi "wirklich abtreten müsse".)
Die Rechten nicht, denn denen ist ein irrer, aber dennoch berechenbarer Massenmörder Gaddafi immer noch lieber als ein Islamistenregime.
Also wird es max. verhaltene Proteste geben, sollte es zu Massenmorden kommen. Auch Hr. Sperl wird bestenfalls einen "betroffenen" Kommentar schreiben, gemäß diesem "der Westen" die Schuld an den Vorkommnissen tragen wird....

Lord Chaos
10
14.3.2011, 10:31

Was in der Diskussion meist übersehen wird: Die einzige Staatengemeinschaft die helfen kann ist der Westen. Sollte sich hier nichts rühren werden sich die Aufständischen anderen zuwenden. Zb Islamisten.

Herzerzog Johann
11
14.3.2011, 13:51

Das tun sie so und so. Aber bequemer ist natürlich, wenn vorher "der Westen" mithilft das alte Regime zu beseitigen. Die neuen Despoten kriechen erst dann aus ihren Löchern, wenn die gröbste Arbeit bereits erledigt ist. Und als praktisches Feindbild ist der Westen ja allemal zu gebrauchen.

Benjamin Dover
43
14.3.2011, 10:00
Die Araber haben sich das selber vermasselt.

Ihr erinnert euch doch noch: vor 8 Jahren sind die Amis und die Briten in ein ölreiches Land einmarschiert, haben dort einen grausamen Diktator beseitigt und versuchen angeblich, dort sowas wie Demokratie aufzubauen. Zum Dank werden sie seitdem aus Hinterhalten beschossen, durch versteckte Bomben verstümmelt und durch Selbstmordattentäter zerfetzt.

Und die arabische Welt jubelt diesem Treiben zu, und unsere Friedensexperten rechnen minutiös vor, wie viele Tote dieser Einsatz die Amis und die Briten jedes Jahr kostet. Dann wollten die Briten Anfang März schon Militärberater nach Libyen bringen, und den Rebellen fiel nichts besseres ein als sie öffentlich vorzuführen und aus dem Land zu werfen ....

Da werden die Amis&Briten aber helfen ...

emanze c
01
14.3.2011, 14:50

Der gravierende Unterschied ist, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht breite Teile der Bevölkerung gegen Saddam gestellt hatten. Eine fremde Macht ist von Anfang an gegen den Willen der irakischen Bevölkerung einmarschiert - Freudenszenen von schiitischen Irakern waren selten und wurden über die Jahre ob des Blutzolls v.a. der Schiiten, ob durch Militärschlage, sunnitische Anschläge oder vereinzelt schiitische Milizen selbst immer rarer.

Hätten sich die Iraker in dem Maße gegen Saddam gestellt wie nun die Libyer gegen Gaddafi hätte die Situation wohl anders ausgehen (so war sie übrigens nach dem 2. Golfkrieg - Hunderttausende erhoben sich, wurden nicht unterstützt von Amerika und daher großteils niedergemetzelt).

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