Euro-Rettungsschirm erhöht Schulden

Günther Oswald, 13. März 2011, 17:52

Mit der Aufstockung des Euro-Rettungsfonds haftet Österreich zusätzlich mit 13 Milliarden Euro

Mit der Aufstockung des Euro-Rettungsfonds haftet Österreich zusätzlich mit 13 Milliarden Euro. Anders als bisher gedacht erhöhen die Hilfsmaßnahmen für Irland und etwaige weitere Krisenländer aber die heimische Staatsschuld.

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Wien/Brüssel - Fast wäre die Nachricht im Schatten der japanischen Erdbebenkatastrophe und der Libyen-Krise untergegangen: Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone haben sich in der Nacht auf Samstag auf eine kräftige Aufstockung des Euro-Rettungsschirms (EFSF) geeinigt. Aus finanztechnischen Gründen standen bisher statt der gewünschten 440 Milliarden Euro nur rund 250 Mrd. zur Verfügung. Nun wird der Betrag tatsächlich auf 440 Mrd. aufgestockt.

Für Österreich bedeutet das zusätzliche Haftungen von rund 13 Milliarden Euro, wie Kanzler Werner Faymann bekanntgab. Ein neuerlicher Parlamentsbeschluss ist nötig. Bisher wurden zwölf Milliarden an Haftungen zugesagt, maximal 15 dürften ohne Gesetzesänderung vergeben werden.

Was bisher untergegangen ist: Der Rettungsfonds ist sehr wohl ein Problem für das österreichische Budget. Ursprünglich ging man ja davon aus, dass die Haftungen nicht defizitrelevant sind, solange sie nicht schlagend werden.

Schuldenquote steigt

Das EU-Statistikamt Eurostat hat aber im Februar entschieden, dass gewährte Hilfen sehr wohl die Staatsschuld jener Länder erhöhen, die dafür gradestehen. Die Euroländer haften nach einem bestimmten Schlüssel für den Rettungsfonds - Österreich für 2,86 Prozent. Irland wurden für die nächsten Jahre insgesamt 85 Mrd. an Hilfen zugesagt. Bis März werden 11,7 Mrd. überwiesen, bis Ende 2012 sollen es rund 27 Mrd. sein.

Österreichs Gesamtschuldenquote erhöht sich dadurch pro Jahr um rund 0,25 Prozent, erfuhr der STANDARD. Zur Orientierung: Bei der letzten Schätzung ging man im Finanzministerium für 2011 von einer Verschuldensquote von 71,3 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Sollten noch weitere Länder, etwa Portugal oder Spanien, Geld benötigen, würde sich der Anteil natürlich entsprechend erhöhen.

Bei der jährlichen Defizitquote (heuer werden minus 3,2 Prozent angepeilt) müssen die Eurohilfen allerdings nicht berücksichtigt werden. Sie werden damit ähnlich wie ausgegliederte Bereiche behandelt.

Ein weiteres Budgetproblem kommt auf Österreich ab 2013 zu. Dann soll nämlich der Dauerrettungsschirm (ESM) in Kraft treten. Geplant ist ein Volumen von 500 Mrd. Euro. Allerdings: Für diesen werden die einzelnen Staaten nicht nur mit Haftungen gradestehen, es fließt tatsächlich Geld. Wie groß der Kapitalpolster sein wird, steht noch nicht im Detail fest. Diskutiert wird eine Größenordnung von 80 bis 100 Mrd. Euro.

Neuer Schlüssel gesucht

Gefeilscht wird auch noch, nach welchem Schlüssel die Staaten Geld zuschießen. Bisher hat man sich an der Beteiligung an der Europäischen Zentralbank orientiert. Für Österreich hieße das die erwähnten 2,86 Prozent. Bei 100 Milliarden wären das also 2,86 Milliarden Euro, die Österreich 2013 besteuern müsste. Dieser Posten würde ebenfalls die Staatsverschuldung erhöhen. Zur Orientierung: Das ist in etwa jene Größenordnung, die die rot-schwarze Regierung heuer einsparen will.

Dem Vernehmen nach gibt es aber auch einige Länder, die einen neuen Verteilungsschlüssel aushandeln wollen. Die Details sollen in den kommenden zwei Wochen die Finanzminister aushandeln. Ein endgültiger Beschluss soll beim EU-Gipfel am 24. und 25. März fallen. (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 222
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presumption of innocence
01
14.3.2011, 20:19
Also ich hafte für die Kredite meines Neffen, der mit Geld nicht umgehen konnte

ich aber schon. Wenn der nun Pleite geht und die Schulden nicht bezahlen kann, bin ich auch im Konkurs.

Bravo EU für den Gesamtbankrott aller Staaten auf Kosten einiger Unmündiger.

churchy_vienna
05
14.3.2011, 14:12
Wer startet die Facebook-Revolution?

... und gründet die Gruppen "Raus aus dem Euro-Rettungsschirm" oder "Wutbürger"?

Sire de Vienne
00
11.5.2011, 00:58
facebookler sind damit beschäftigt, ihren Status zu melden...

.... ob sie ma Klo sitzen oder nicht....
... wann sie auf Urlaub gehen, damit sich die Einbrecher leicher bedienen können....

Was wollen sie von diesen Leuten?!?

Cafe Corretto
05
14.3.2011, 14:12
13 Mrd und die Medien berichten so gut wie nix.

FAZ, ORF, Spiegel und Süddeutsche haben zumindest nix über diesen Rettungsschirm auf der ersten Seite. Schließlich ist ja Japan viel wichtiger als die läppische 13 Mrd. Das ist absichtlich und ein Vorenthalt an systemrelevanten Informationen.

Sollte die österr. Regierung dem zustimmen, dann wäre es Zeit für Streiks und Demos.

presumption of innocence
00
14.3.2011, 20:15

ich komme auf 162.500 €, aber da kann auch ein Kommafehler drin sein.

joesixpack
04
14.3.2011, 13:11

für wieviel jeder einzelne österreichische Steuerzahler bei diesen "Rettungsaktionen" haftet und wieviel ihn/sie das konkret kostet: Haftungsgarantien gibt's doch wohl nicht umsonst ("Hilfen sehr wohl die Staatsschuld jener Länder erhöhen, die dafür gradestehen"...)

Ferner: Wieviele Generationen werden damit "vorausbelastet"?

Wir wollen immerhin gerne wissen, wieviel "Entwicklungshilfe" wir nach Griechenland oder Irland abführen dürfen!

joesixpack
00
14.3.2011, 13:23
Vielleicht kann jemand mal ausrechnen,

[...]

der schalldämpfer
02
14.3.2011, 12:18
Finanztransaktionssteuer!!! Jetzt!!!

Wann, wenn nicht jetzt! Endlich!!! Und ned seiern über unglaubliche 0,15%, sondern einträgliche 1,5%.

Ich darf auch erst mit (versteuertem Geld bezahlte) Vignette auf die (von meinen Eltern und mir bereits bezahlte) Autobahn…

joesixpack
02
14.3.2011, 13:27
Bankensteuer nach ungarischem Vorbild?

Bilanzsumme der Banken mit 0,45 Prozent besteuern: das würde schon ein bissel was einbringen, vor allem bei gewissen "systemerhaltenden" Banken, die gerne mit Kapitalbeteiligungen von Diktatoren arbeiten und auch sonst bei der Auswahl ihrer finanzkräftigen Klientel nicht zimperlich sind...

cannery row
04
14.3.2011, 13:00
aber bitte..

die eu wird doch nicht ihren eigenen sinn und zweck infrage stellen. oder glauben sie, dass da einige mit vor eifer roten köpfen um einen tisch gesessen sind und gesagt haben: "so, und jetzt schauen wir mal, was wir tun können, dass es den leuten besser geht.."
es ist eine brilliante erfindung zur sicheren maximierung der gewinnen einiger, zur einzementierung der kluft zwischen arm und reich.
und wir stehen da und paschen dazu in die hände.

wolfos
05
14.3.2011, 12:04

Überspitzt heisst das dann dass die neu übernommene Haftung von 13 Mrd Euro (8 Millionen EW) bei Uneinbringlichkeit Österreich umgerechnet auf die Einwohner rein finanziell viel schwerer trifft als die geschätzten 180 Mrd Dollar (ca. 130 Mrd Euro, Japan hat 127 Millionen EW) Schaden Japans durch eine Jahrhundertkatastrophe?

fumare humanum est
01
14.3.2011, 13:10

die finanz"industrie" mit ihren "leistungsträgern(ächz)" ist in wahrheit langfristig gesehen eine noch größere katastrophe, folgerichtig ist ja da auch immer von einer drohenden "kernschmelze" des bank(un)wesens die rede, die es mit dem geld von menschen, die überhaupt nichts dafür können, zu verhindern gilt.

so gesehen also durchaus plausibel.

Druan
05
14.3.2011, 11:57
ich kenne niemanden

persönlich, der jemals geglaubt hat,
dass dieser rettungsschirm NICHT die
schulden erhöht!
beängstogend ist jedoch vor allem, dass
dieser schirm eine geplatzte
schuldenblase mit einer noch größeren
schuldenblase ausgleichen soll! was
geschieht, wenn diese platzt? ich
denke, die damen und herten politiker
versuchen wieder mal dir bevölkerung
zu täuschen!

ü-strichal
16
14.3.2011, 11:49

also jetzt wirds dann glaube ich zeit die eu aufzulösen ... bevor schlimmeres passiert
(siehe ägypten, libyen ...)

die obrigen spielen schon zu lange mit dem feuer ...

Norbert Dichand
014
14.3.2011, 11:33
Unter dem Motto "Es sind erst Schulden wenn wir zahlen"...

...hab ich diesen "systemnotwendigen" Schritt ja noch zähneknirschend akzeptiert, aber jetzt reichts.

Im großen wie im kleinen - Länder, Regierungen, Firmen, Banken, ungeregelte Zuwanderung, falsche Umweltpolitik, falsche Steuerpolitik, falsche Sozialpolitik - überall werden Gewinne selbst kassiert aber Verluste sozialisiert.

Es wird Zeit sich aus dem Pool der Netto-Steuerzahler nach unten zu verabschieden und in den Pool der Netto-Geldnehmer einzutreten.

Fredl Wurbala
00
14.3.2011, 14:10
Unter dem Motto "Es sind erst Schulden wenn wir zahlen"...

Das kommt davon, wenn man der schwarzen Propaganda glaubt ;-)

und bezüglich nach unten verabschieden....

Glauben Sie wirklich, dass die Sozialhilfeempfänger die ganze Kohle haben?

Wenn Sie sich wirklich in den Pool der Netto-Geldnehmer möchten, dann müssen Sie eher sehr viel weiter nach oben.

Aber glauben Sie nur weiter daran, dass DIE in der "sozialen Hängematte" ein super leben auf kosten anderer führen.

Die Eliten lachen sich eins, wenn sie sehen, wie leicht doch die Mittelschicht auf diejenigen gehetzt werden kann, die sowieso am Existenzminimum herumgrundeln.

Dann müssen sie wenigstens nicht Rede und Antwort stehen für "Wos wor mei Leistung?"

double standard
016
14.3.2011, 11:12
das geld ist nicht weg es gehört nur jemand anderem

der neuen milliardärsliste ist ja zu entnehmen dass das vermögen dieser leute letztens um 2 billionen dollar angewachsen ist. in etwa der betrag den die regierungen dieser welt aufwendeten um die weltwirtschaft zu retten

Die Marslady
00
14.3.2011, 13:23
Milliardärsliste eine Provokation ohnegleichen....

Ich frage mich jedesmal, welchen Sinn die alljährliche Milliardärsliste haben soll.
Um uns braven "Otto-Normalverbrauchern" vor Augen zu führen, wer nach wie vor im Geld schwimmt und oft nicht mal weiss, wohin damit.
Ja doch klar, in die Steuerparadiese verschieben.

Titeuf
 
112
14.3.2011, 11:04
Freuen tut es mich nicht,

wenn die Staatsschuld steigt, aber die Maßnahme ist trotzdem richtig.
Zusätzlich sollte man imho dringend die Weichen stellen um Euro-Bonds ausgeben zu können. Man kann über den richtigen Zeitpunkt der Einführung geteilter Meinung sein, langfristig sollten wir aber unbedingt den Chinesen die Gelegenheit geben, auch unsere Währung zu stützen - beim Dollar funktioniert das ja klaglos ^^.

Hefeweizerlbier
06
14.3.2011, 12:30
Es ist kein Rettungsschirm

Da wird kein Land gerettet. Das Problem wird nur zeitlich nach hinten verschoben und vergrößert.

presumption of innocence
02
14.3.2011, 20:17
und gesunde Länder mit in den Konkurs gezogen.

Lars Jonka
04
14.3.2011, 10:42
Das gleiche Verbrechen wie Helicopter-Ben und die FED

GELDRUCKEN ist das einzige, was sie können und sie werden es tun, bis der Kollaps das GESAMTE System tötet.
(Marc Faber: http://www.youtube.com/watch?v=l... wVkSZ1ocM)
Diese Verbrecherkaste muß zur Verantwortung gezogen werden für ihren Verfassungsbruch.

nomad13
00
14.3.2011, 21:21

Richtig - und nichts davon ist in der Realwirtschaft gelandet -aber dafür merkt ihr es an den Rohstoffspekulationen und anderen Dingen:-)

Donald Kerabatsos
02
14.3.2011, 11:30
Bitte Sie - sein zeiter Vorname ist "Shalom", also "Frieden".

Der Mann ist also ein Engel des Friedens, wie Goldmans Blankfein das Werk Gottes tut.

lessismore
20
14.3.2011, 11:27

In Wirklichkeit muß man Leute wie Herrn Faber ihre Spielzeuge wegnehmen.

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