Epics neuester Kugelhagel sorgt für Alarmrufe - Der WebStandard ließ sich das nicht entgehen
Jede Generation und jedes Medium haben ihre Aufreger. Wo Menschen ihrem Geist und ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, kommt es unweigerlich zur Konfrontation mit Tabus. Bei Videospielen sorgte über ein Jahrzehnt das Shooter-Gespann "Doom" und "Wolfenstein" für Aufregung, dann folgte "Counter-Strike" und schon bald sollten Hersteller mit Werken wie "Grand Theft Auto", "Manhunt" oder "Call of Duty" Gefallen an der gezielten, fließbandweisen Provokation finden.
Der von Bildern der Gewalt und Pornos online, gedruckt oder im TV übersättigte Konsument fragt sich einstweilen, durch welche Perversion seine abgestumpften Sehnerven überhaupt noch gereizt werden können. Da schreit plötzlich wie gerufen der ultrakonservative Nachrichtensender Fox News, er habe frischen Augenessig gefunden. Die Rede ist von Epics "Bulletstorm", das Fox nach "Worst Video Game in the World".
Abschlachten als Sport
Nun, Schöpfer People Can Fly macht es den US-Alarmschreihälsen auch besonders leicht. Unter dem Motto "Kill with Skill" lädt die futuristische Abhandlung über zwei hintergangene und auf einem menschenfeindlichen Planeten gestrandete Weltraumpiraten zur Jagd auf Mutanten und Monster aller Größen ein. Als Grayson Hunt kämpft man an der Seite eines eingeschnappten Cyborg-Kollegen im
26. Jahrhundert auf Stygia, um hinter einer Flut von seelenlosen Launen der Natur den eigentlichen Übeltäter (einen menschlichen General) zur Strecke zu bringen, nachdem man unwissend für Auftragsmorde an Zivilisten missbraucht wurde. Nach geschätzten 200 "Motherfuckers", "Dicks" und "Shits" der Einleitung ist klar, dass man am "Arsch" der Galaxy gelandet ist.
Glücklicherweise ist die Entwicklung der Waffensysteme im Gegensatz zur geistigen Reifung der humanoiden Spezies über die Jahrhunderte enorm vorangeschritten, weshalb man den blutlechszenden Horden nicht wehrlos gegenübersteht.
Sinnieren im Bad der Eingeweide
Mit einem Greifarm und diversen Schusswaffen bestückt werden die Gegner zum Spielball für Hinrichtungsartisten. Per Tastendruck zieht man einen chancenlosen Widerling an sich heran, um ihm dann das Gehirn herauszupusten oder per Fußtritt in eine Hochspannungsleitung oder einen Kakteenstachel zu schmettern. Nachdem ein haarsträubend gerechtfertigtes Bewertungssystem Tötungen nach Brutalität belohnt, lässt man sich wie ein Killerwal mit einem Robbenbaby am besten recht viel Zeit damit. Um selbst kleinste Details nicht verpassen zu müssen, lösen Greifarm und Kick den Zeitlupenmodus aus. Wer immer schon einmal das ballistische Verhalten von Gliedmaßen und Gedärmen studieren wollte, hat hier jedenfalls den richtigen Lehrgang gefunden.
Sattelfest
Nach weiteren eintausend Flüchen und erheiternden Einzeilern wie "Make like a Kaiser and roll" (passend zur Blutgrätsche) stellt sich natürlich die Frage, ob das Spielkonzept von "Bulletstorm" auf Dauer bestehen kann. Abgesehen davon, dass alles etwas abartiger präsentiert wird, als man es von anderen "Erwachsenenspielen" kennt, handelt es sich um einen grundsoliden Egoshooter. Die technische Umsetzung und das Gameplay brillieren wie man es von einem Titel aus dem Hause Epic erwarten würde und die Geschichte ist ebenso durchschnittlich wie bei 99 Prozent der Konkurrenzwerke. Es wirkt fast, als fahre man Autodrom mit Spikes an den Stoßstangen: Das Gefühl ist vertraut, es macht für einige Zeit Spaß, nur die Auswirkungen sind etwas heftiger als sonst.
"Kontroverser" als vielleicht die gut gemeinte Zusatzportion Ketchup ist das Ausbleiben eines echten Mehrspielermodus. Lediglich die Option, kooperativ zur Tat zu schreiten, besteht.
Fazit
Hätte Fox die Pointe nicht herausposaunt, wäre Bulletstorm vermutlich ebenso schnell wieder in der Masse an jährlich erscheinenden Egoshootern untergegangen, wie ein abgetrennter, bleigefüllter Kopf im Blutschlamm. Ob es "schlimmer" ist, während dem Abschlachten über Peniswitze zu lachen, als etwa Gott zu spielen oder virtuelle Haustiere zu hänseln? Für dieses Urteil braucht es wohl auch beim US-Sender eher ein Psychologiestudium, als einen Publizistikabschluss. Klar ist jedenfalls: Wer es etwas abartiger mag und im realen Leben dennoch keine Kleinkinder verspeisen will, findet im Kugelhagel überraschend verkraftbare Unterhaltung. Könnte sein, dass dies an der im Gehirn und nicht im Sprechorgan verankerten Unterscheidungskraft zwischen Realität und Fiktion liegt. Nur so eine Vermutung. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 13.3.2011)
es war schnell, unrealistisch bunt und hat einfach nur Laune gemacht.
Hat mich Stundenlang gefesselt, das tolle an dem Spiel war auch dases extrem übertrieben dargestellt wurde wesshalb ein Ernst nehmen eigentlich außer Frage steht.
extrem brutal und macht spaß...
aber nur wenn es die österreich uncut version ist...
von den machern von gears of war....
es war unterhaltsam...
über sinn von ego-shootern kann man streiten...
hauptsache es macht spaß...
die protagonisten sind fast allesamt unsympathisch...
wer solche spiele wirklich ernst nimmt hat ein größeres problem...
dafür ist es einfach zu übertrieben...
Nimmt man das Gros der deutschsprachigen Videospiel-Medien (gedruckt oder online) her, scheint es unmöglich, dass man über Videospiele in einem anständigen, erwachsenen Stil schreiben kann. Umso dankbarer bin ich dann über solche Artikel!
nein. ist ein "next gen" spiel. das heißt die grafikengine ist zu gut fürdie wii. auf er wii gibt es aber ein vergleichbares spiel.das heißt glaub ich mad world
wenn ichs unrealistisch & bunt will, spiel ich lieber Bioshock 1 + 2 um mir die Zeit bis zu Infinite zu vertreiben - die Serie hat nämlich einen unbezahlbaren Vorteil: eine Story
was sagen die republikaner eigentlich zu spielen die mit amerikapatriotismus spielen, sind sie da auch dagegen?
homefront erscheint ja morgen und da verteidigt man heldenmutig die us of a gegen die bösen koreaner.
als die beiden "Hauptdarsteller" in einem Aufzug nach oben fahren und der eine zum andere meint, er würde ihm "Kuscheln für echte Heterokerle" anbieten.
Wahrscheinlich hat die Vorstellung kuschelnder Soldaten FOX nicht gefallen.
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