Möglicher Störfall in der Nähe

Jodtabletten schlucken und Ruhe bewahren

12. März 2011, 22:31
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    foto: reuters/yomiuri

    Eine Menschengruppe marschiert zum Evakuierungszentrum in der Stadt Natori in der Präfektur Miyagi. Die Provinz im Nordosten Japans wurde am schlimmsten von dem Beben getroffen.

Ostwind, Regen und eine Explosion in Mochovce - das ist der Albtraum der Katastrophenschützer in Österreich. Obwohl eine ernsthafte nukleare Bedrohung als unwahrscheinlich gilt, haben die Behörden genaue Pläne.

Durch den Unfall in Japan ist Österreich nicht in Gefahr, das Schreckenszenario sieht anders aus: Samstagnachmittag, 300.000 Menschen vergnügen sich beim Donauinselfest. Es ist schwül, starker Westwind treibt Regenwolken über die Stadt - und dann explodiert etwa Mochovce. In diesem Fall wäre es höchste Zeit für den Katastrophenschutz.

Vier bis sechs Stunden dauert es mindestens, bis eine radio- aktive Wolke Österreich erreichen kann. Spätestens an der Grenze wird sie von einer der 336 Messstationen des Strahlenwarn- systems registriert. Im Einsatz- und Krisenkoordinationszentrum (EKC) im Innenministerium läutet der Alarm.

Hier sitzen rund um die Uhr Beamte, die im Ernstfall den Katastrophenschutz koordinieren. Bei einem Atomunfall leiten sie die Daten an das Lebensministerium weiter, Experten berechnen, wann es zu welcher Strahlenbelastung kommen kann. Wenige Minuten später informieren sie das EKC, dieses die Katastrophendienste der einzelnen Länder - per Mail. Sollte das Internet versagen, steht eine eigene Telefonleitung bereit.

Fenster schließen und abdichten

Evakuierungspläne gibt es nicht - weil es bei einer Stadt wie Wien kaum möglich ist und weil Österreich nicht in der Kerngefahrenzone von 20 bis 30 Kilometern im Umkreis eines Atomkraftwerks liegt. Über Radio und Fernsehen werden die Menschen aufgefordert, ruhig zu bleiben und ihre Häuser nicht zu verlassen, in sehr ernsten Fällen heulen die Sirenen. Ruhe zu bewahren ist das Wichtigste: Fenster schließen und abdichten, sofort Klimaanlagen abschalten.

Bunker gibt es keine, dort wäre es schwerer, Menschen mit Informationen und Essen zu versorgen, außerdem wäre der Weg dorthin mitunter gefährlich. In Wien sind viele Hauswände dick genug.

Die Schulen werden angewiesen, Kindern Jodtabletten auszugeben. In Apotheken, Spitälern oder bei Betriebsärzten lagern mehr als fünf Millionen Packerln mit je zehn Tabletten, dezentral über ganz Österreich verteilt - ein großer Vorteil gegenüber Systemen in anderen Ländern. 400.000 Packungen behält das Innenministerium als Reserve.

Wer Jodtabletten isst, muss trotzdem im Haus bleiben - sie schützen nicht vor radioaktiver Strahlung, sondern verhindern nur, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse einlagert.

Wien: Grundwasser statt Hochquellwasser

Derweil machen sich die 120 Strahlenspürtrupps der Polizei auf den Weg in jene Regionen, die betroffen sein könnten, um dort die Strahlenwerte zu messen. Auch das Trinkwasser wird regelmäßig überprüft. Wird eine Belastung festgestellt, kann Wien beispielsweise von Hochquellwasser auf Grundwasser wechseln.

Wer Kühe hat, muss sie von der Weide holen, damit sie kein verseuchtes Futter fressen. An der Grenze werden Lieferungen aus den betroffenen Regionen abgefangen. Lebensmittellager gibt es keine - weil im Notfall immer aus anderen Gegenden etwa frische Milch gebracht werden kann.

Fängt es an zu regnen, freuen sich die Wiener, und die Oberösterreicher zittern: Mit dem Wasser kommt der radioaktive Staub auf den Boden - in der Stadt rinnt er in die Kanäle, am Land in den Boden. Sobald die radioaktive Wolke abgezogen ist, wird Entwarnung gegeben. Jetzt beginnt das große Messen: Können wir die Milch noch trinken? Muss die gesamte Getreideernte vernichtet werden? Passiert ist das bisher noch nicht. (red, DER STANDARD, 13.3.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 82
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Micha Do
 
00
14.3.2011, 16:52
"Unwahrscheinlich" ja ... soweit die Theorie

oder eigentlich ist es eine Hypothese

Nicht unmöglich und mittelfristig eher wahrscheinlich triffts eher

Wennso Weitergeht...
00
13.3.2011, 15:04
Stimme für "Katastrophenschützer"

für Wort des Jahres!

Feles
00
13.3.2011, 19:06
Vor solchen Katastrophen könnten wir selbst schützen

durch einen entsprechenden energie- und ressourcenschonenden Lebensstil und aktives und hartnäckiges Einfordern von ökologisch-nachhaltiger Politik. Nur leider sind wir halt (fast) alle zu bequem dazu - und belächeln diejenigen, die es doch tun.

Samuel Bellamy
00
13.3.2011, 15:02
Wieso gibt es nur 5 Mio. (+400.000) Packerl Tabletten aber über 8 Mio. Einwohner?

TheMat
00
28.3.2011, 22:56
"weil" die zweite

in jeder packung 10 stück drinnen sind. Ergo 5 Mio Packerl macht 50 Mio Tabletterl + weitere 4 Mio für die Minister :-)

Feles
00
13.3.2011, 19:00
weil

es vernunftbegabte Leute gibt, die sich nicht immer nur auf den Staat verlassen, sondern selbst Jodid-Tabletten in der Hausapotheke einlagern.

raubi
02
13.3.2011, 15:15
Das ist eine Altersfrage

Denn Personen über 40 Jahren bekommen keine Jodidtabletten mehr. Die sind nur für die jüngere Bevölkerung.

Samuel Bellamy
00
13.3.2011, 15:29
Ahhhhh ...

... danke für die Antwort. Ist für Ältere (langsamere Zellteilung?) eine Ablagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse nicht mehr schädlich?

raubi
01
13.3.2011, 15:37
Nutzen-Risikobewertung

Scheinbar ist das Risiko für ein strahlungsbedingtes Schilddrüsenkrebs im Alter wesentlich geringer als eine Schilddrüsenüberfunktion dürch die Jodidtabletten zu bekommen.

Animation
 
00
13.3.2011, 15:23
wer sagt das?

raubi
00
13.3.2011, 15:43
Das Gesundheitsministerium + der Hersteller

raubi
00
13.3.2011, 15:30
Das Gesundheitsministerium + der Hersteller

http://bmg.gv.at/cms/home/... hsinfo.pdf

Hr.Lotus
21
13.3.2011, 14:09
Zu viele Menschen --> Atomenergie

Hr.Lotus
00
13.3.2011, 14:24

Müdigkeit vs Rechtschreibung. Bitte um Verzeihung

slaine mcroth
11
13.3.2011, 14:21
Zu viele Menschen --> blöde Postings

Hr.Lotus
11
13.3.2011, 14:25
Konstruktive Kritik nehme ich gern in Kauf

ihr Posting kommt gänzlich ohne dieser aus.
Bitte um Argumentation. Dankesehr im Vorraus=)

A ndreas Bogeschdorfer
00
13.3.2011, 15:28
Das haben Sie sich aber mit Ihrer plumpen Formel schon selbst zuzuschreiben.

Denn der Beitrag der Atomenergie zur Endenergieversorgung (also jener Energieformen die wir im Alltag einsetzen: Treibstoffe, Brennstoffe, Strom) trägt die Atomkraft lediglich 2% bei. Im Stromsektor selbst sind es ebenfalls lächerliche 14%.

Damit hat es nichts mit Überbevölkerung zu tun, ob Atomenergie genutzt wird oder nicht.

Abgesehen davon ist Überbevölkerung vor allem ein Problem in Ländern wo MANGEL an Energie herrscht. (Das zeigen alle Bevölkerungsstatistiken ganz klar)

Dort wo genug Energie vorhanden ist, bremst sich das Bevölkerungswachstum klar ein.

Energie kann wesentlich effizienter genutzt werden, wenn wir uns vom verschwenderischen System zentralisierter Ressourcennutzung verabschieden.

Hr.Lotus
01
13.3.2011, 14:14

so einfach ist das leider. Im Falle Japans bezweifle ich jedoch die Sinnhaftigkeit von Atomkraftwerken, betrachte man die große Gefahr durch Erdbeben.
Auch generell bin ich gegen Atomkraftwerk, gänzlich vermieden können selbige bei einem stetigen globalen Bevölkerungswachstum wohl nicht werden.
Alternative Energien sind da wohl ein Ausweg, der diesen gefährlichen Energieträger entlasten könnte. Lasst uns hoffen.

Kell-Conerem
00
13.3.2011, 16:09

naja Japan hat keine andere möglichkeit denn deren Stromverbrauch wird zu 50% von den AKWs gedeckt. Das umzustellen wird jahrzehnte dauern.

presumption of innocence
00
13.3.2011, 14:05
Westwind ist auch nicht besser

Deutschland, Frankreich, UK...haben wesentlich mehr Meiler stehen.

Trevor Goodchild
18
13.3.2011, 13:34
Atomenergie ist und bleibt für den Menschen unkontrollierbar, deshalb ist es in höchstem Masze UNVERANTWORTLICH, damit herumzuspielen!!!

Weltweiter Ausstieg aus dieser Technologie, und zwar so schnell wie möglich!!!

Andrian Susu
05
13.3.2011, 13:34
das möchte ich sehen, wie mans in einer abgedichteten wohnung/haus im sommer

bei über 30 grad aushalten soll. da läuft binnen kürzester zeit das wasser von den wänden.

einzige sicherheit, die dreckkraftwerke nicht benötigen und nicht bauen.

die wir-brauchen-das-einfach masche zählt einfach nicht. wir brauchen das weil wir zu faul sind uns dagegen aufzulehnen und die betreiber milliarden daran verdienen

radioactive man
05
13.3.2011, 12:31

Deshalb geh ich nicht aufs Donauinselfest!

selbst-denker
04
13.3.2011, 12:25
das drama beginnt bereits beim uranabbau

denn für etwa 3,5 kg uranerz muss eine tonne strahlendes gestein abgetragen werden. dieses wiederum wird in becken gelagert, die wegen der möglichen kettenreaktion und staubverfrachtung mit wasser gekühlt werden, aber auch das grundwasser verseuchen (black hills, usa) und missgeburten verursacht. bricht dort ein damm, verseucht das ausströmende wasser die umgebung auch oberflächlich. so geschehen in new mexico/usa, als in den 90ern bei den navaho-indianerInnen der rio puerco (zulauf zum little colorado river) verseucht wurde und u.a. die schafe dort erkrankten bzw. starben. seither ist das gebiet restricted area, da gefährlich. solche abraumhalden gibt es überall dort, wo uran abgebaut wird und bereits die bergarbeiter verstrahlt werden ...

A ndreas Bogeschdorfer
01
13.3.2011, 15:36
Ergänzung:

Für ein durchschnitlliches 1000Mw-AKW fallen jährlich 100 000 -
200 000 T flüssiger und fester radioaktiver Müll an.

437 AKW sind derzeit weltweit in Betrieb. Dieser Müll ist (siehe bei Selbst-Denker) nicht nur ein völlig ignoriertes Problem, sondern eben nicht in Fässern gelagert.

Man stelle sich ein Erdbeben wie in Japan in einem Uranabbaugebiet vor.

Aber auch der Kraftwerksmüll ist keine so harmlose Sache wie die Befürworter gern tun. In Finnland wird frühestens in 100 Jahren mit der Versiegelung des Endlagers gerechnet.

Bis dahin: Zwischenlager. Diese sind zahlreich, verbrauchen eine Menge Kühlenergie und sind im Fall eines Bebens wohl auch nicht gerade unproblematisch.

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