170 Millionen Jahre alt und makellos schön

Wie ein Ammonit zum zweiten Mal das Licht der Welt erblickte

Wo der Mensch in die Landschaft eingreift, etwa in Form von Baustellen oder Tagebauten, werden oft die unter den Kulturschichten lagernden Gesteine zu Tage gefördert. In diesen Tonen, Schiefern oder Kalken können häufig erdgeschichtliche Zeugnisse entdeckt werden. Es gibt daher weltweit Hobby-Paläontologen, die ihre Freizeit an diesen eher unwirtlichen Orten verbringen. Sie retten dort wenigstens einen kleinen Anteil dessen, was unser Planet im Laufe der Evolution hervorgebracht hat, vor der Verarbeitung zu Zement, Schotter oder Tonziegeln. 

Neben der Erkundung von fundträchtigen Aufschlüssen und der Suche im Gelände stellt die Präparation der Fossilien den Sammler vor eine besondere Herausforderung.

Pneumatisch betriebene Geräte wie Druckluftstichel und Sandstrahler sind mittlerweile nicht mehr nur für Museen und Institute erschwinglich - inzwischen sind sie zum Handwerkszeug vieler Privatsammler geworden und ermöglichen die Freilegung feinster Strukturen in einer Präzision, wie es sich die Altvorderen der Paläontologie kaum hätten träumen lassen.

Die Ansichtssache "Vom Baustellen-Fund zum Vitrinenstück" zeigt den Weg eines etwa 170 Millionen Jahre alten Ammoniten aus der Zeit des Mittleren Jura, den ich auf einer Exkursion in das französische Département Calvados fand. Die südlich der Département-Hauptstadt Caen oberflächennah lagernden Kalksteine sind sehr fossilreich. So wurde in den Jahren 2008-2009 der Bauaushub einer Auto-Waschanlage im Städtchen Évrecy zu einem Anziehungspunkt für Fossilienfreunde aus ganz Europa.

Die Faszination dieser Fundstelle beruhte auf der hervorragenden Erhaltung der Fossilien, die nach der Freilegung beinahe so aussehen wie gerade vom Strand aufgelesene rezente Mollusken. Die Freilegung der Versteinerungen ist jedoch mitunter ein langwieriges Unterfangen, das Geduld und Fingerspitzengefühl erfordert.

Sönke Simonsen, Jahrgang 1987, ist Student an der Universität Bielefeld und Herausgeber des Magazins "Der Steinkern". In der seit 2008 erscheinenden Zeitschrift finden sich unter anderem Berichte über Fundstellen, Präparationstechniken und Sammlerporträts.

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